Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   geborc - gebrëchafticheit    


geborc stMN. das borgen (des Gläubigers) ûf jmdn. ‘Herleihen an jmdn.’, hier ‘(mit der) Hoffnung auf Wiedervergeltung’ hab ouch der andrin besorc, / want ûf dich [Gott] was ir geborc NvJer 25131

MWB 2 169,8; Bearbeiter: Plate

geborngot stM. ‘geborener Gott’ werde sun, als ich sun bin, geborngot Eckh 5: 46,7

MWB 2 169,13; Bearbeiter: Plate

gebornheit stF. ‘das Geborensein’ der vater ist würkende und der sun ist lîdende; und daz ist von der eigenschaft der gebornheit Eckh 2:279,1; daz ich bin nâch gebornheit, daz sol sterben und ze nihte werden ebd. 2:503,4; den segen Esau, / dar zu di irste gebornheit [Erstgeburt] Brun 3218

MWB 2 169,15; Bearbeiter: Plate

gebornwërden stN. ‘das Geboren-, Gezeugt-Werden’ des vaters sprechen ist sîn gebern [ generare ] , des sunes hœren ist sîn geborn werden [ generari ] Eckh 2:53,5; daz gebern der güete und geborn-werden in dem guoten ist al ein wesen, ein leben ebd. 5: 9,14

MWB 2 169,21; Bearbeiter: Plate

geborstet Adj. ‘borstig’ sint geborstet alsam diu swîn StrKarl 9530

MWB 2 169,27; Bearbeiter: Plate

gebot stN. 1 zu bieten : ‘Gabe, Angebot, Gebot’
1.1 allg.
1.2 im Spiel: ‘der Wurf oder Zug, den der Gegner überbieten muss’
1.2.1 eigentl.
1.2.2 übertr. auf die Aktionen im ritterlichen Kampf
2 zu gebieten
2.1 ‘Auftrag, Befehl’
2.1.1 allg.
2.1.2 rechtl. besonders
2.1.2.1 ‘Ladung (vor das Gericht)’ (vgl. → gebieten unter 5.1 )
2.1.2.2 ‘Aufgebot’
2.1.2.3 ‘(gerichtl. ) Mahnung, Leistungsaufforderung’
2.1.2.4 ‘(bei Verstoß gegen ein Gebot angedrohte) Geldstrafe’
2.1.2.5 ‘(gebotene) Pfändung, Beschlagnahme’
2.1.2.6 ‘(gebotene) Forderung (Abgabe, Dienst o.ä.) irgendeiner Art’
2.1.3 als Gebietende erscheinen leit, minne, tugent, zuht usw., meist umschreibend
2.2 ‘Vorschrift, Satzung, Gesetz’
2.3 ‘Verfügungs-, Herrschafts-, Befehlsgewalt’
2.3.1 allg.
2.3.2 rechtl.
2.3.3 Wendung got tuot sîn gebot mit jmdm. = got gebietet über jmdn. ‘beruft jmdn. aus dem Leben ab’ (vgl. → gebieten 2 )
2.4 ‘(von Gott gegebene) Ordnung, Einrichtung der Welt’
   1 zu bieten: ‘Gabe, Angebot, Gebot’    1.1 allg.: vrowe, daz vergelt iu got. / daz ist ein sæliclich gebot [Erbieten] / iuwer werden süeze RvEGer 3098; swer ouch ûf ein pfant bietet daz ûf dem markte gêt, und im daz umbe daz selbe gebot belîbet, und er die pfennige niht gît umbe daz selbe pfant, der ist umb ein frävel komen StRMeran 420    1.2 im Spiel: ‘der Wurf oder Zug, den der Gegner überbieten muss’ (Haupt, Anm. zu Er 876. 884 ) oder ‘Einsatz’ (Schönbach, Anm. zu WernhSpr 65,2 )    1.2.1 eigentl.: ich hete ein spil sô guot, daz ich gewinnes mich versach: / ich leite dâ steine und ouch gebot: [...] ich leite ie willeclîche dâ des holzes einen spân WernhSpr 65,2 ("jeder Spieler hat ein Stück Holz zur Hand, aus dem er einen spân schneidet, den er dann als Zeichen für den Einsatz [...] auf den Tisch legt", Anm. z. St.)    1.2.2 übertr. auf die Aktionen im ritterlichen Kampf: dar nâch sô wart daz spil gegeben / mit manegem viurînen slage / von vruo unz hin nâch mittem tage, / daz in der gebote zeran Er 884. – (daz / sîn) ~ legen (vgl. oben WernhSpr ): do leit ouch Erek sin gebot dar under, / daz vil lihte gahens galt wol viere JTit 2189,2; ahy, wie siz da ruͦrten / baidenthalb mit den slegen! / si begunden diu gebot legen, / des maniger vil riwich wart Dietr 9145; Er 876; Georg 1219; Rab 841,3    2 zu gebieten    2.1 ‘Auftrag, Befehl’    2.1.1 allg.: der künec mîn hêrre heizet mich / sîn wort hie sprechen, nu muoz ich / hin ziu leisten sîn gebot Tr 15433; swelchem brvͦder man swêrev vnd vnmuglichev dinch enphilhet, der sol daz gebot mit aller semphte vnt gehorsam enphahen BrMün 68; so sol der bischof [...] si [Gläubiger von Kreuzzugsteilnehmern] twingen mit geistlichem gebote dar zvͦ [Erlass der Schuldzinsen] UrkCorp (WMU) 93,20    2.1.2 rechtl. besonders    2.1.2.1 ‘Ladung (vor das Gericht)’ (vgl. → gebieten unter 5.1): ist ieman [...] dar [ lanttegedinc ] gebotten, div gebot svln stete sin SchwSp 54a; er werde dann vorhin mit billichen geboten berufet an das gericht StRSchlettst 43; vnd der vribote sal eme gebietin drv gebot dri tage nach einandir UrkCorp (WMU) 1161AB,4 u.ö.; versaezz er daz selb gepot auch, so sol der chlager sein chlag behabt haben OberBairLdr 8; virstundi abir he dir giboti dru, so sal he wetti sex phennigi Mühlh 168,30. – ‘(durch Ladung einberufene) Versammlung’ die knehte ouch, die in der [...] weber zuͦnfte sint [...], die ensullent under in kein sunder gebot machen UrkSpeyer 391,31 (a. 1336)    2.1.2.2 ‘Aufgebot’ swer oͮch rehte gînoz ist des antwerkes [...], der sol zallen ernsten ir gebottes vnd ir banîer [Fähnleins] warten UrkCorp (WMU) 80,32    2.1.2.3 ‘(gerichtl. ) Mahnung, Leistungsaufforderung’ wer aber, daz ern versumte zu gebene, biz daz man ime dru gebot getete, so wer er die buͦzze schuldik WeistErf 10 (a. 1289); die also mit dem gebotte inrent den v tagen verschuldet sint StBZürich 56    2.1.2.4 ‘(bei Verstoß gegen ein Gebot angedrohte) Geldstrafe’ was ouch iederman gebotten wird [...] ze buwen oder ze machen, das sol [...] die selbe person [...] tuͦn. teͣt aber ieman des nit, so sol vnser gerichtsschriber [...] vff die selben vngehorsamen person vmb das gebotte clagen vnd das gebott an gnad uon inen ziechen StRBern 1/2:287,19    2.1.2.5 ‘(gebotene) Pfändung, Beschlagnahme’ daz die vurginantin burgar sulen [...] dez offenbarlich vuriegen [...], daz shie kein gibot haben oder sulen duͦn vber der stifte oder vber der phaffen guͦt UrkCorp (WMU) 680,7    2.1.2.6 ‘(gebotene) Forderung (Abgabe, Dienst o.ä.) irgendeiner Art’ her mûz niechein gebot, noch herberge, noch bede, noch dînst, noch chein recht uffez lant sezzen, ez en willekore daz lant SSp(W) 3:91,3; das [...] keyner vnsir ampleut vff das selbe guet keynerley gebot, notbete, stewer [...] setze sollen DRW 3,1264 (WasungenUB.; a. 1348, kopial)    2.1.3 als Gebietende erscheinen leit, minne, tugent, zuht usw., meist umschreibend: daz ich ze vriunde hân erkorn / mîne tôtvîendinne, / dazn ist niht von mînem sinne: / ez hât ir [der personif. gedachten Minne] gebot getân Iw 1657; er was in leides gebote Greg 2607; mir wunscht manic werder man / durch sîner zühte gebot / sæld und heiles umbe got RvEGer 6387; nach siner tugende gebot / sprach er zv gote sin gebet PassI/II 204,81; von des [Gottes] milte gebote ebd. 204,87; hierher?: einer suche gebot / lac ir in deme houbete, / die sie also betoubete / und tet ir inneclichen we PassIII 379,28; rein umschreibend: diu mâze wag im rehte kunst / gên dirre welte und ze gote / nâch des wunsches gebote RvEBarl 1150    2.2 ‘Vorschrift, Satzung, Gesetz’ uns ist ein gebot gegeben / über [bei Strafe des Verlusts von] guot und über leben, / daz sich hie vor wîp noch man / neme deheinen gast an / ûzerhalp dem bürgetor Iw 6143; ir [Eva] erloubet unser hêrre got / obez, bluomen unde gras, / swaz in dem paradîse was, / [...] wan einez daz er ir verbôt [...] : / daz brach si und brach gotes gebot Tr 17945; und zwâre sît daz Engeltrût / hât übergangen mîn gebot, / sô muoz si darben KvWEngelh 3717; wir verbieten ouch [...] swer ditze gebot vͦberget [...] UrkCorp 2345,29. diz sint diu zehen gebot, / diu uns gebôt der wâre got Freid 174,2; nu satzter aber ein gebot PassIII 70,6. 70,15; obgeschriben unser gebote und satzunge StRWerth 10; die gesetzet und och gebot, die wir iuch darûber gesetzet, gebotten und gemachet haben UrkFriedb 117 (a. 1332); unserm gepot und gesetz StRBrünn 376; daz wir [...] den satz vnd daz gebot gesetzit haben UrkWürzb 40,145 (a. 1337); UrkMoselQ 170,12 (a. 1338). swelh kneht niht gedingt ist ain viertail aines iares [...], der ist in der burger gepot [friedensrechtl. Bestimmungen für die Stadtbürger] niht; der muͦz ain [...] unfuͦge als ain gast pezzern NüP 99    2.3 ‘Verfügungs-, Herrschafts-, Befehlsgewalt’    2.3.1 allg.: dô was daz liut einvaltic, / daz twanc er [Jupiter] in sîn gebot; / durch daz wart er genant ein got, / daz er was krefticlîche / kunst und guotes rîche RvEBarl 9953; vrouwe Marîne und grâve Adân [...] der gebot wârn undertân / ouch tûsent rîter unverzaget Wig 10800; got, / in des gewalt vnd des gebot / der himel vnd dvͥ erde stat OsterSpM 7,33; ich sicher [ergebe mich] in iuwer gebot: / wan [...] ich sigelôs bin Iw 7563; dar zuo hânt ir engelkœre drîe, / die mit willen leistent iuwer gebot Walth 79,13. – jmdm. ze gebote stân / ze jmds. gebote stân (häufig, nur mit persönl. Subj.): mit lîbe und mit guote / stüenden sî im ze gebote Iw 5143; der undervoit sal ouch zu der burger gebote sten an allen sachen, an allem geheize, iz si groz oder kleine StRFreiberg 221,29; von den wart her gesundert / ritter sibenzen hundert / unde drizig tusent man, / di im zu gebote musten stan WOsw 30; des was ich herzeclîche vrô / unde stuont ze sînem gebote, / und begunde sterken in an gote. / einvalteclîche tet ich daz RvEBarl 653; daz ir den heiligin touf / intpfât [...] unde zu gebote stât / der rômischen kirchin dort NvJer 3606; swaz lebt daz stêt zunserm gebot, / alsô hât uns geêret got WälGa 8557; her, der vurweser ist dez volches, di czu seinem gepot stent StRBrünn 377    2.3.2 rechtl. : der selbe rihter [der sich der Rechtsverweigerung schuldig gemacht hat] hat dehein gebot fvͥrbaz vber nieman ze gebietenne. niemand ist sins gerihtes schuldig ze svͦchenne SchwSp 84b; min herre [...] habe wol czu gebiten sien hobeluten [...] vnd sien frihen luten, anders en hait he kein geboit in dem gerichte, sunders eine volge, ob he der czu noit bedarf WeistGr 3,339 (a. 1347); man teylet dem stift [...] da gebot [Gerichtsbarkeit] vnd geleite, wasser und weyde ebd. 3,363 (a. 1341)    2.3.3 Wendung got tuot sîn gebot mit jmdm. = got gebietet über jmdn. ‘beruft jmdn. aus dem Leben ab’ (vgl. → gebieten 2): jnde vnse here god sijn gebot mit eme dede, ei [= ê ] er dat voluuͦrde UrkCorp (WMU) 1076,39    2.4 ‘(von Gott gegebene) Ordnung, Einrichtung der Welt’ gotes gebot niht übergât / wan der mensche, den er geschaffen hât; / vische, vogele, würme und tier / hânt ir reht baz danne wir Freid 5,11; [Homosexualität] ist wider sin [Gottes] gebot / vaster denne dehein sunde StrKD 158,450; RvEBarl 9459. – Naturgesetz, natürlicher Trieb: nâch sînem rehte er [Sternenhimmel] umbe gât, / nâch der natûre gebote, / als im geordent ist von gote RvEBarl 9431; [Neigung zum Ehebruch] ist von natûre gebote / beidiu an wîben unde an mannen. / diu natûre sî verbannen, / diu daz reht alsô verkêret / und niwan unreht lêret StrKarl 3772

MWB 2 169,29; Bearbeiter: Plate

gebotbrief stM. ‘Schriftrolle mit den zehn Geboten’ (übers. phylacterium ‘Gebetsriemen’ mit zwei Kapseln zur Aufnahme der Rollen): und alle ire werc wirken si darumme, ûf daz si gesehin werden von den lûten, wan si breiten ire gebotbrîfe und grôzen ire soume EvBeh Mt 23,5

MWB 2 172,9; Bearbeiter: Plate

gebouge Adj. ‘biegsam’ des uolkis herticheit / uil gebouge wart Pilatus 1,379; als dem stale, der [...] uf dem anehowe / wrde gebouge ebd. 1,9

MWB 2 172,15; Bearbeiter: Plate

geböugic Adj. ‘gebogen, biegsam’ gebougec wâren sîne brâ [Wimpern] / und senfter waege hie und dâ WvRh 6234; sîn hende wâren wolgetân / linde und gebougec ebd. 6369. 1421; alsô gebougik worden sîne ûzzeren krefte von dem uberguzze der innewendegen krefte HvFritzlHl 15,14

MWB 2 172,18; Bearbeiter: Plate

geböume stN. ‘Menge, Gesamt von Bäumen, Baumbestand’, vor allem von fruchttragenden Bäumen: lilie unde div rose und div zitlose / wͦhsen da ze goͮme undir dem edelem geboͮme GenM 9,4; vnd súln dem gotzhús, swenne der wingart ze vruht kvnt vnd das geboͤme, den win halben [...] vnd das obs halbs [...] v́f der hofstat entẃrten UrkCorp (WMU) 842,24; daz gebovme daz da truoc / menger hande fruhte Martina 127,110. 112,111; in deme september vor sant Michaheles dage, so alles gebǒme sine fruht git ElsLA 179,11; lûte alsam ein donnerslac / der spaltet daz geböume KvWEngelh 4817. 5439; KvWPart 603; alles edel gestaine, / gebom und allú kruter SHort 201; GTroj 20611

MWB 2 172,24; Bearbeiter: Plate

gebôʒ stN. ‘Schlag, Stoß’ dô sach siu slahen manec gebôz [ : wolkenschôz ] / unde stechen manic sper / ûf den ritter UvZLanz 1484; Georg 1219 (La., verderbt)

MWB 2 172,39; Bearbeiter: Plate

gebœʒe stN. ‘Schlagen, Stoßen’ gen dem gestuͤle unz an den schragen [Umzäunung des Turnierplatzes] / wart ain groz gestoͤsse / mit mangem schilt geboͤze RvEWh 5804

MWB 2 172,43; Bearbeiter: Plate

gebrach stM. ‘Lärm, Geschrei’ des morgins, ê der tag ûfbrach, / dô wart sô luite ir gebrach / und ir trampeln dâvor, / daz iz ûf der burc impor / dî brûdere vornâmen NvJer 20097. 21010

MWB 2 172,47; Bearbeiter: Plate

1gebræche stN. ‘(lauter) Klang (von Stimmen)’?; vgl. → (ge)braht stM. und → bræche stF. – diu rede sô wol gêt ûz dem munde / [...] daz er in manigem gebræche / wol die rede kan gekêren LvRegSyon 2667; do die wort und daz gebreche / irhorte Jonathas Macc 5294; gal, schal und gebræche / machet harte wæche / manig nachtegal SM:Wi 3: 1,8

MWB 2 172,51; Bearbeiter: Plate

2gebræche stN. 1 ‘Münzbild’ , negativ auf dem Stempel, positiv auf der Münze
2 ‘in Stein gemeißelte Inschrift’
   1 ‘Münzbild’, negativ auf dem Stempel, positiv auf der Münze: dc gebrâche an deme phenninge TrudHL 141,20; schouwe, wes daz bilde sî, / daz mit gebræch gemachet sî / mit dem îsen in den rinc Ottok 464. 21478; dirr helbling hat zwai gebraͤch PrGeorg 1,9; alsô wart in ein gebraeche ir münze niht gestempfet Loheng 4877; das ryst man noch der formen eynis pfenningis, dor in slet her eyn gebreche sinis ingesigils MarcoPolo 26,10; PrBerth 264,28; Renner 18662; EvBeh Mt 22,19. – in verschiedener Weise übertragen: die selbe kamere [Gebärmutter] hat inner halb siben jngesigele. die sint ergraben alse ein múnzisen nach des menschen bilde. [...] so daz kint wirt enpfangen, so ist ez siben dage milch, siben tage bluͦt, siben dage wellit ez zesamene, siben dage schopfit ez sich nach dem gebrache Lucid 62,9; daz er mit sime heiligen tode die herlichen munze, da er iuch nach im selben hat geprachet [...] wider niwen wolte von dem alten valske der sunden, daz an iwer sele an scin wurde daz sine gotliche geprache Konr(Sch) 171,22; der helle münzer quetzet / sîn gebrêch, daz ûzen schein / silber und innen was unrein Renner 4081. 18641    2 ‘in Stein gemeißelte Inschrift’ sich, er ist der steyn, den ich gegeben habe vor Jhesu [...] ich wil graben sin gebreche [sculpturam] Cranc Zach 9,3

MWB 2 172,59; Bearbeiter: Plate

gebræhet, gebræchet (?) Part.-Adj.? (zu welchem Verb?) ‘mit Geschwüren bedeckt’ sij was ußsetzig und gebreet [ sursemee ] / und auch da mit gar vermeret Pilgerf 9132

MWB 2 173,23; Bearbeiter: Plate

gebraht stM. 1 ‘Lärm, Geschrei’
2 ‘Pracht, Prunk’ (von verführerischen Trugbildern)
   1 ‘Lärm, Geschrei’ man hôrte dâ allenthalben gebraht unde wuof. / dô verbôt man den kinden den weinenden ruof Kudr 895,1; do horte er michel gebracht / von tuveln PassIII 523,22. – vom Gesang der Nachtigall: manger leie ist ir gebraht, / ie lûter danne lîse Neidh Sl 27:4,4    2 ‘Pracht, Prunk’ (von verführerischen Trugbildern): der tuvel groze maht / mit manigerhande gebraht / an trugnisse gein im tribe Vät 25728; in manigerhande schine / biwilen tac und nacht / machte er [der Teufel] grozen gebracht ebd. 35076

MWB 2 173,27; Bearbeiterin: Herbers

gebræme stN. ‘Verbrämung, Borte’ [den Ungarn] gie umb den kragen, / [...] ein mederîn gebræme [ ~ aus Marderfell] / ûf einem hôhen golliere [Koller, Halsteil an der Rüstung] Ottok 7979

MWB 2 173,38; Bearbeiterin: Herbers

gebranc stN. ‘Ansturm’ (s.a. branc): nie wart so groze schande / under des himels crange [Umkreis] / geliden in geprange / sam Jerusalem hie leit Daniel 6328

MWB 2 173,42; Bearbeiterin: Herbers

gebraste stN. ‘Lärm, Getöse’ sin iamer sin gebraste / sin weinen vnde sin schrien / wart erhoret von Marien PassI/II 72,16; do began von dannen keren / der tuvel mit gebraste MarLegPass 20,239; nu wart ein groz gebraste, / wand daz mer geloufen quam PassIII 665,24; NvJer 19273

MWB 2 173,46; Bearbeiterin: Herbers

gebræte stN. ‘Bratfleisch’ von eime kalbe [...] geslagen daz gebrete an ein ander vnd die swarten vz gekeret BvgSp 96

MWB 2 173,52; Bearbeiterin: Herbers

gebrëch Adj. ‘unzulänglich, untauglich’ nu wil ich ruogen erist / die mine armen fuozze: [...] ze huore waren si gereht, ze chiusce waren si gebrech SüklMill 43,8

MWB 2 173,55; Bearbeiterin: Herbers

gebrëch stN. ‘Krach, Lärm’ ir [ der tivel schar ] grozen schal unde ir gebrech / enchunde gesagen dehæin zunge Serv 3476; zwiu sol sîn pîneclîch gebrech? Neidh WL 27:7,3; Neidh(S) 2,203 c120:7,5; die guote wart unsanfte erwact, / von dem gebreche sêre erschract EbvErf 3544. 3538; Georg 5501; PassI/II 214,80; Ottok 8136

MWB 2 173,59; Bearbeiterin: Herbers

gebrëch, gebrëche stswM. Belege für die Variante gebrëchen sind nicht zu sichern, vgl. aber → gebrëchen stV. unter 2.3. 1 ‘Fehlen, Mangel’ (mit Gen. oder an : von oder an etw./jmdm.)
2 ‘Entbehren, Ermangeln von etw., Armut, Bedürftigkeit, Not’
2.1 bezogen auf Nahrung, Kleidung, Wohnung, Lebensunterhalt allgemein
2.2 unerfülltes Begehren
3 ‘Enthaltsamkeit, Fasten’
4 ‘Schaden, Verlust’
5 ‘physische oder seelische Schwäche, Krankheit’
6 ‘moralische Schwäche; Sünde’
7 ‘Misshelligkeit, (Rechts-)Streit’
   1 ‘Fehlen, Mangel’ (mit Gen. oder an: von oder an etw./jmdm.): eclypsis, als ich spreche, / daz heizet ein gebreche. / wan den planêten daz geschicht, / daz in irs schînes gebricht HvFreibTr 240; der geprech [ dez monen scheingeprech ‘Mondfinsternis’] mag geschehen uber al daz ertreich KvMSph 60,13. – mit Angabe dessen, was fehlt: die naturliche grawe [Grauwerden des Haars] geschit [...] uon deme gebreche der naturlicher werme vnde der vuchte SalArz 27,14; got, der sich nicht verandert, / von gerechtekeit nicht wandert / durch gebrech der mechtekeit Hiob 12827; daz dî schult in den cleinen hûseren iht blîbe ungebûzet von deme gebrechen der prîstere [weil Priester fehlen] StatDtOrd 87,24; von des schultheysin gebrechin [ ‘Abwesenheit’] [Kapitelüberschrift] . nu were abir der schultheyse dar nicht [...] SchöffMagdBresl 2:2,2. – mit Angabe dessen, dem etw. fehlt: ez ensulen ouch alle die brûdere niht wizzen den vollen oder den gebrechen [ inopiam ] des trisores, danne sô ez den meister unde sînen rât gevellich dunket StatDtOrd 98,3. 98,17; sy sullen ouch richten gebrechen [...] an allim deme, das man mit dem scheffil gemessen mag UrkBresl 101 (a. 1324); wir befinden dann sihtigen geprechen an silber oder andern sachen StRRegensb 100. âne ~ umschreibend: volkumenlîche / âne gebrechen rîche Kreuzf 8044; ân allen geprechen in ganzer volkumenkait BdN 67,35    2 ‘Entbehren, Ermangeln von etw., Armut, Bedürftigkeit, Not’    2.1 bezogen auf Nahrung, Kleidung, Wohnung, Lebensunterhalt allgemein: mit willen sie [belagerte Stadt] sich im [Angreifer] irgit / an sturme, sunder strit, / durch gebrechen der spise Vät 11947; har wirt uorlorn uon uir sachin. einez ist der gebreche an der spise SalArz 26,38. 26,42; sich hub zeimal ein hungers not [...] mit gebrechen maniger hant, / als noch ein hungeriar pflit PassIII 12,22; is geschit ouch das [...] di pfert ouch gebrechin han an vutir MarcoPolo 18,6; den andern ir gebreche [Wassermangel] riet, / daz si im klageten als e PassIII 221,80; ir wist daz die heyden [...] niht gutez waßers han. / [...] die fraw [...] in wente iren gebrechen Minneb 1917; Iulianus die list do uant / daz man in hin zvr wuste / versente da er muste / von gebrechen ligen tot PassI/II 359,17; PassIII 36,31. 218,10; den gebrechin, / den [...] dî brûdre [...] lidin manchirhande / an cleidrin, tranke, spîse; / und waz in allir wîse / gehôrte zu der lîbnar, / des wârn sî vorarmit gar NvJer 5698; PassIII 581,84 in ertholern sy wonten [...]. / durch huser gebrech besunder / sy druckten sich dort under Hiob 11307; sîn hûs war rîches râtes vol, / des ich dâheime bin erlân: / [...] / der gebreche müet mich stæte UvEtzWh 2914; hie twanc sie grôz gebreche zuo [zum Leben als Räuber] ebd. 5878    2.2 unerfülltes Begehren: heizzet uch in selber ein rede sagen, / do sin gebrech [Liebesnot] ein teil inne stat Minneb 4635; die wîzgehande Isôt / iren gebrechen und ir nôt / in iren sinnen achte / und allez daz betrachte, / daz ir gên Tristande war HvFreibTr 988    3 ‘Enthaltsamkeit, Fasten’ einen ieglichen tac / er sich zu gebrechen twanc Vät 19333. 20274. 20281    4 ‘Schaden, Verlust’ kunic Gwîden was sîn schade leit / und ouch der gebreche der cristenheit Kreuzf 566; durch gebrechen manigen, den sie [im Kampf] liten ebd. 1555; sag mir, herr, wer die sein / von den du hast den schaden dein / und auch dissen geprechen Seifrit 3688. umb den grozzen geprechen [finanziellen Schaden] den disiu stat bis her gehebt haut StRAugsb 253,9; den gebrechen deu unser purger czu Brunne unczher gehabt haben um daz wen in iemant schuldick ist gewest StRBrünn 381    5 ‘physische oder seelische Schwäche, Krankheit’ si [Heilpflanze] ist ouch gut uor di diezenden oren [...] vnde uor der ougen gebrechen SalArz 100,35; die [...] sich erbarmeten uber den manichvaldigen gebrechen, den die siechen hatten in dem here StatDtOrd 22,16; daz kraut [...] ist guot für der pain siehtum oder für der füez geprechen, der dâ ze latein podagra haizt BdN 415,8; daz man der vogel siechtum erkenne an der flügel geprechen ebd. 164,29; diu zung verleust oft irn ganch und ir sprâch. daz geschiht von dem geprechen der wegenden kraft der sêl ebd. 15,19; hiet der êrst mensch niht gesünt, all menschen wæren ân geprechen [an Leib oder Seele] geporn ebd. 486,28; und ab von der natur gebrech / der boum vellet Hiob 5433    6 ‘moralische Schwäche; Sünde’ die vil vastent und vil wachent und grôziu werk tuont und niht enbezzernt ir gebrechen und ir site [...], die triegent sich selben Eckh 2:139,3; allez, daz verdorret was von sünden und von gebrechen, daz wirt viuhte und grüenende und wahsende von der gnâde ebd. 4:228,52; wi vil man gotlichis lichtis hait, so ist doch deme menschin noit des lichtis der lere zu den tegelichin gebrechin da der mensche invellit Parad 116,27; daz ein mensche lîdet in sîme herzen einen gebrechen, den her nicht weiz ob her tôtlich ist oder tegelich, und wil ir nicht bîchten HvFritzlHl 115,15; want got insinen engeln vant / gebreche und bosheit, als irkant / gentzlich wart an lucifero Hiob 1690. – ‘Verbrechen’ von der pyne der gebrechin [Kapitelüberschrift] MarcoPolo 18,13. – ‘Makel’    7 ‘Misshelligkeit, (Rechts-)Streit’ jst aber, daz einem armem mensche vber dehainen sinen gebrechen gedinges nôt geschiht [wenn für ihn wegen einer Streitsache Appellation notwendig ist] UrkCorp (WMU) 1100A,25

MWB 2 174,1; Bearbeiter: Plate

gebrëchafticheit stF. ‘Mangelhaftigkeit, Schwäche’ dat de sonne altzomalle alyne neit creftich in is van ir seluer, dat etzwat gebrechafticheit is in der sonnen Eckh 1:234,6

MWB 2 175,50; Bearbeiterin: Herbers