1genantlich
Adj.
‘bekannt, geläufig’
da von [durch die Erlösungstat Christi] ist si
[die Stadt Jerusalem] alleine / alder welte
genantlich / und och von reht erkantlich Martina
204,97
MWB 2 451,1; Bearbeiter: Runow
2genantlich
Adv.
→
genendelîche
MWB 2 451,5;
genasche, genesche
stN.
1
‘Naschwerk, Leckerei’
2 übertr. ‘Verführbarkeit, Begierde’
1
‘Naschwerk, Leckerei’
im [dem jungen Mann] liept daz genesch fuͤr
ritterschafft Suchenw
31,185;
esche [Asche; bezogen auf den vergänglichen menschlichen
Leib] , / der würme genesche Martina
118,112
2
übertr. ‘Verführbarkeit, Begierde’
do begunder [der Rabe, den Noah von der Arche
aussendet] umbe wasschen / durh sin selbes genaske
VMos
13,7;
ez verdienet maniger in der jugende mit sînem genesche und sô er zuo der ê
kumt, daz in sîn hûsfrouwe niemer alse wertlichen gehandelt hât, als er gerne sæhe
PrBerth
2:141,2.
2:189,2;
daz sie [die vom Teufel geblendeten
Menschen]
[...] also gebarten / durch
dises vleisches genasch / daz gotes liecht an in irlasch HeslApk
13575;
DvASchr
310,1
MWB 2 451,6; Bearbeiter: Runow
genaset
Part.-Adj.
‘mit einer Nase versehen’
si [Cundrîe] was genaset als ein
hunt Parz
313,21
MWB 2 451,22; Bearbeiter: Runow
genæte
Part. Prät.
→
næjen
MWB 2 451,24;
genatûret
Part.-Adj.
→
natûren
MWB 2 451,25;
genciân
stM.
→
enziân
MWB 2 451,26;
genclich
Adj.
‘vergänglich’
nu dar, ir werlde minner, [...]
schouwet, wie in aller vrist / hin slîchende unde genclîch ist / die werltlîche
minne! HvFreibTr
6850
MWB 2 451,27; Bearbeiter: Runow
geneckezen (?)
swV.
Ansatz unsicher (vgl. Glr.z.St.); wohl Intensivbildung zu necken (vgl.
DWB 7,519).
mit präp. Erg. ûf
‘auf jmdn. schimpfen, jmdn. schmähen’ (?):
ir [Frau Ehre] mochtet node han
geruͦt / do ir sy [eure Schüler] lerdet uwer
letzen [zu lëcze ‘Lektion’] , /
das nommer man genetzen / darf of uwer scolere MinneR481
280
MWB 2 451,31; Bearbeiter: Runow
genedenlich
Adj.
→
genædiclich
MWB 2 451,38;
genegele
stN.
Koll. zu
nagel
.
1
‘Fingernägel’
2
‘Nägel’ , hier ‘Hufnägel’
1
‘Fingernägel’
si bunden im [Jesus] die arme sîn / über sich sô
sêre hin, / daz [...] man daz bluot im spreiten sach / von
sîm genegele hin dan WvRh
9404;
die vinger [...] wis, gedraejet sam
ain zain. / ir [Maria] daz genegel luter schain
SHort
7048
2
‘Nägel’, hier ‘Hufnägel’
die smide in der vogetige sullent ouch den forstern geben sehzehen hubysin und
genegele darzu WeistGr
1,701
(a. 1336)
MWB 2 451,39; Bearbeiter: Runow
geneiclich
Adj.
‘eine Neigung zu etw. habend, anfällig für etw.’, mit präp.
Erg. (s.a.
genîgic
):
der mensche naturlichen hat den frigen willen, gneigliche zuo
guot unde zuo übel ThvASu
342,18;
das der mönsche für das hin niut als geneigklich wirt zuo süntlichen gebresten
als er vor mals ist gewesen PrEngelb
187,200;
Tauler
163,5.
–
und behuͤte sú [die Natur des
Menschen] got nút, wie krang, wie vellig, wie geneiglich dis
[die Befangenheit in Sünde] ist one alles ende
Tauler
322,28
MWB 2 451,48; Bearbeiter: Runow
geneiclîcheit
stF.
‘Neigung, Schwäche’
wie das ist, das wir in dem touffe von der erbschulde geweschen werden, doch
belibet üns das würtzlin der geneiglicheit zuo der schulde PrEngelb
194,29;
wan si [junge Leute] verre nu me
geneiglicheit habent wan man do hatte Tauler
233,2
MWB 2 451,58; Bearbeiter: Runow
geneicsam
Adj.
‘schräg hinübergehend’
vnd ir [der Springer] gankch vnd ir natur ist
[...], das der weizz auf ain swartz veld get vnd wyder
genaigsam ist [
declinat
] auf weis
Schachzb
123,4
MWB 2 452,1; Bearbeiter: Runow
geneigic
Adj.
1
‘zur Seite geneigt’
2
‘wohlgesonnen, nachgiebig’
1
‘zur Seite geneigt’
obstipus: geneigeter [La. genaygiger
]
VocClos
Ob37
2
‘wohlgesonnen, nachgiebig’
do si sin herze geneigich sach Cäc
99;
wann wir die stat Uͤberling so genaigig, so undertenig und ouch so
gestendig an uns [...] funden haben UrkÜberl
28
(a. 1348)
MWB 2 452,5; Bearbeiter: Runow
geneigiclich
Adj.
→
geneiclich
MWB 2 452,11;
geneigunge
stF.
‘Hinwendung, Zuneigung’
aber sant Dyonisius nemet [nennt] ein engelsch minne
geneigung ze gotte RvBib
90,22;
hertzgung ist ein willige geneigung des gemuͤtes zvͦ lustlichen
dingen ebd.
91,24
MWB 2 452,12; Bearbeiter: Runow
geneiʒede
stF.
‘Plage, Trübsal’
si fure chomen mih an dem tage noete, geneizide miner [interl. zu
prevenerunt me in die afflictionis
]
PsWindb
17,19;
zu WhvÖst 3539
→
ganeist
MWB 2 452,17; Bearbeiter: Runow
geneiʒen
swV.
→
neisen
MWB 2 452,21;
genemede
stF.
→
genennede
MWB 2 452,22;
genende
Adj., Adv.
auch genant ( WernhMl
1464, vgl. Anm.z.St.).
1
‘mutig, kühn, tapfer’
2 allg. positive Eigenschaften bezeichnend ‘beherzt, entschlossen,
gut’
1
‘mutig, kühn, tapfer’
vünfhundert ritter [...], / der
ieteslîcher sî ein helt [...], / menlîch und genende
HvFreibTr
1339;
Paris den vigend anne raitt / uff sinem rosse genende
GTroj
18295;
der leu als genende / bezeichent
sin [Christi] urstende HvNstGZ
1775;
manic kuͤnc genender / wirt von iu zesammen braht
WhvÖst
5670;
Rennew
1400.
– subst.:
do erschrack der genende HvNstAp
11768;
mit präp. Erg. gegen:
so wil ich gen im senden den werden uz Frankriche, / gen manheit den
genenden JTit
4685,2;
gen prise der genende ebd.
5004,2
2
allg. positive Eigenschaften bezeichnend ‘beherzt, entschlossen,
gut’
di frouwe selecliche / was mit flize wol gereit / zu milter barmeherzekeit, /
zu gabe wol genende Elis
7905;
mit vil genantem muͦte WernhMl
1464;
zarter maister clar, / genender [Glr.z.St.:
‘genial’] Strazburger, / Goͤtfrid ein
guͦt tihter! WhvÖst
2063;
gewisse rete [...], / dy czu dem
bedachten ende / nutzlich waren unde genende Hiob
4702;
almechtig got genende TvKulm
6258;
GTroj
23062.
– subst.:
selic wirt der genende / von reynnekeit syner hende
Hiob
9193.
– adv.:
daz lartin si genende / und worn dar an behende PfzdHech
206,15;
sam er spreche so genende: / vur den zween kungen dich / nicht envorchte,
stant sicherlich HistAE
3522;
diz glosel alhie uz gat. / alhie volget genende / ein
nachrede dem ende Daniel
8293.
5280.
5865;
sî leitin algemeine ab / ir vrouwelîch gebende / und zugin an genende /
wâpin und menlîchin sin NvJer
7826;
PassIII
330,83;
Elis
8929
MWB 2 452,23; Bearbeiter: Runow
genende
stF. oder N.
‘Kühnheit, Verwegenheit’
sînes [Judas’] vursatzes
genende / kam gar zû eim ende JvFrst
1037
MWB 2 452,55; Bearbeiter: Runow
genende
stN.
→
genennede
MWB 2 452,58;
genendelîche
Adv.
‘bestimmt, entschlossen’
genantlich si [Maria] ze inen
[den Priestern] sprach / si welte niemer kainen man /
denne got allain zeherczen han WernhMl
1364
MWB 2 452,59; Bearbeiter: Runow
genenden
swV.
Prät. genante, Part.Prät. auch assimiliert genennet
(
Suchenw
37,66
).
‘Mut fassen, zur Tat schreiten, zu etw. entschlossen sein’
1 intr. 1.1 mit abh. Satz 1.2 mit Gen. 1.3 mit präp. Erg. ‘zu etw. Mut fassen, etw. wagen; sich einer Sache/
jmdm. (freundlich oder feindlich) zuwenden’
1.3.1
ane 1.3.2
gegen 1.3.3
ûf 1.3.4
zuo 1.4 mit Dat. und präp. Erg., in unklarer Verwendung 1.5 sprichw. ‘wer wagt, kommt davon’ (vgl. TPMA 1,320) 2 tr. 3 refl.
1
intr.:
sol ich genenden oder verzagen, / herre, des gib mir dinen
rat Rennew
11178.
5119;
dô gesach Ênêas, / daz Turnûs gegen ime quam, / sîn ros her mit den sporen
nam, / beide sie genanden, / zesame sie geranden En
12327;
nu genende, / ervar, waz dirre mære sî! Tr
12076;
ich muoz eht dar genenden, / singen von ir manicvalt KLD:Namenlos
a,46,82;
Herb
1013;
hierher oder zu genende Adj. (subst.):
nu büezze, süezze frowe, mîne sende nôt! / genende, wende sêre
mir vil sendem man SM:Ta
1: 4,5.
– mit abh. Inf. (?):
sî nie wolde ginenden / ir trôst irzeigen mir
SM:Had
1: 4,3.
– in Verbindung mit turren:
frowe, getörste ich nû genenden, / sô klegte ich dir mîne
nôt SM:Tr
6: 2,1;
getórste ich genénden, sô wolde ich im [dem
Geliebten] enden sîne klage MF:Hausen
17a:2,5;
SM:Te
9:1,10.
– übertr.:
daz vuwer so genante / unz ez die burc gar an sich nam PassIII
414,63
1.1
mit abh. Satz:
da von sol incheine gnendin daz er spreche daz dicheins
dinch sins si BrEng
33.
43
u.ö.;
dú maget [Maria] och genant, /
[...] / daz si wilunt die gespunst / Jesum in
[den Auftraggeberinnen des Gesponnenen] wider
bringen hiess SHort
2209
1.2
mit Gen.:
das si [die Liebe] wil, das
muͦs sin, und des sich got getrost, des genende ich mich
Mechth
3: 3,15;
mit rechte sî her [
iewelk man
]
geleydes vrî, swâr her sînes gûdes oder lîbes genenden wel SSp
80,8;
ob ichs tar genenden Frl
5:62,5
1.3
mit präp. Erg. ‘zu etw. Mut fassen, etw. wagen; sich einer Sache/
jmdm. (freundlich oder feindlich) zuwenden’
1.3.1
ane:
ich enwil des lazen niht, / ich enwelle dar an
genenden / und mine boten senden Rennew
26547;
si jahen unde funden rat, / daz man dar an genente, / daz man si wider
sente / deme vader heim zu lande Elis
1137;
daz mich ir hôhiu werdekeit / niht an ir vollekomen lîp genenden lât
KLD:RvR
7:2,4;
sunder alle vorchte / genanter an die mannes kraft PassIII
216,43;
Tr
10558;
Vät
6441.
–
ich well gennenden / an den der ünser werdekaitt
/ allain mit ritterschaft in laitt GTroj
18940;
der hôchgeborne junge / begunde an in genenden KvWTroj
4117;
sî genantin an gote / und rittin an dî schar NvJer
8944;
Anno
26,8.
– mit zusätzl. Gen., in unklarer Verwendung (vgl.
Anm.z.St.):
swie Davît sîn vater vor / ouch des bûwes het gedâht, / er wart
aber niht vollebrâht: / got in des selben wante. / sîn gotheit diu
genante / an Salamônen für an in / des bûwes Reinfr
20888
1.3.2
gegen:
daz wir [...] nitt genenden
/ selb gegen kampffenlicher tust [d.i.
tjoste
]
GTroj
17652.
–
der triwe muͦz genenden / mit mir gein
provenzale hin Rennew
20886;
man sach sy also genenden / gegen ain
ander [aufeinander losgehen]
GTroj
17416
1.3.3
ûf:
ûf mînen trôst genende / und tuo als ich dir zeige Flore(S)
3838;
ir edln fuͤrsten offenbar / dem frid seit peygestendig. / die
stet die sullen hengen nach [(den Fürsten)
nachjagen] / auf frid und suen genennet Suchenw
37,66
1.3.4
zuo:
sô wil ich mîne beste man / mit mîme sune senden, / die wol torren
genenden / ze manlîchem dinge En
6182;
zu gode iesa genande / di juncfrouwe und erkande /
[...] daz si ellende were Elis
1163
1.4
mit Dat. und präp. Erg., in unklarer Verwendung:
duplich von dem lande / sin wech im do genande / in eime schiffe daz in
truc / wol mit vugen genuc / in daz lant Iudeam PassI/II
315,33
1.5
sprichw. ‘wer wagt, kommt davon’ (vgl. TPMA 1,320):
swes hertze getar genenden, / vil lihte dem gelinget
Rennew
27310;
‘audaces fortuna iuvat.’ / diz sprichet: ‘der genant,
der genaz, / die wil er unverzaget waz.’ JvKonstanz
1993;
der ie genante der genas Boner
16,28
2
tr.:
daz her [Gott] daz [den
Erlösungsratschluss] ie genante, / so
wol [obwohl] her den tot irkante
[...], / so waz daz ein groze mildekeit / daz her die
bitterkeit ie leit HeslApk
1123.
– mit präp. Erg.:
ich muoz [...] / mîns herzen bete ein wort an sî
genenden, / sît daz die nôt niht wan ir minne kan erwenden KLD:RvR
7:3,8
3
refl.:
dar nâh in curzer stunt / genante sih Alexander / und mit ime
manic ander, / wande si hâten stâten mût. / si schiffeten ubir di eufrateischen flût
SAlex
1683;
do wart ez niet lenger verzogen: / Antenor sich genante, /
daz bilde er hin vz sante Herb
15876
MWB 2 452,63; Bearbeiter: Runow |