gribellure
Subst.
ein kleines Zelt (vgl. Rosenqvist 2,255):
hutten, die dâ heizent gribellure [
parvas
tentas, que vocantur gribellure
]
StatDtOrd
103,20
MWB 2 916,1; Bearbeiterin: Baumgarte
gricke
Subst.
‘Überreste des getrockneten Augensekrets (Augenbutter), Schlafsand’ (s.a. DWB
4,1,6,2 s.v. greck):
der melancolie werbunge [Wirkung]
is da tzu den ougen vnde sint di griken, di man des morgens vindet an den ougen
SalArz
5,27
MWB 2 916,4; Bearbeiterin: Baumgarte
grickic
Adj.
‘voll von Sekret, schleimig’ (von Augen):
sô sint diu ougen rôt unde heiz unde griekech unde gênt die
schüze vaste dar în Barth
145,34
MWB 2 916,10; Bearbeiterin: Baumgarte
griebe
swM.
Reste von ausgelassenen Speckwürfeln, ‘Griebe’
mangen buog [Fleischstücke aus der
Schulter] / gib in, darzuo guote grieben, / des in lieben herbest
muoz SM:Had
20: 3,9;
do sus bereit was die glut / und daz pech darobe sot, / in die grimmige not /
warf man die zwei gelieben / und wolde alsam die grieben / ir leben da versmelzen
Pass III
498,72.
– im Bild für jmdn., der dürr und ausgelaugt ist:
er smilzit als ein griebe Martina
133,70;
ich bin durre worden alse ein grive HvFritzlHl
53,29;
zuͦ eren dime zarten erdorreten libe, der an dem
crútze dorrete alsam eine griebe Seuse
491,20;
MarlbRh
27,29;
Pass I/II (HSW)
7018;
Minneb
2516.
– übers. mlat. cremium:
bein miniv als die grivpen [interl. zu
cremium
] sint erdorret PsM
101,4;
cremium: griebo SummHeinr
2:244,02.2
MWB 2 916,14; Bearbeiterin: Baumgarte
griekech
Adj.
→
grickic
MWB 2 916,31;
grien
stM.,
auch N. ( Seuse )
‘Sand, Kies’ (vgl.
grieʒ
):
mac ich ir bringen von dem se / des grienes, da diu sunne get
/ ze reste, so wil si mich wern Tannh
10,9;
ich weiz wol, wenne mîn ármùot ein ende haben sol: / swenne
[...] der Swarzwalt wirt verbrant / únd daz mer
gevüllet ist mit griene Boppe
4:1,8.
– meist vom sandigen, steinigen Grund bzw. Erdboden:
ûf dem griene er dô gelac, / sam der niht mêr geleben mac KvWPart
9245.
9387;
vil manic brunne lûterlich / qual ûz des herten grienes kise
KvWTroj
6913;
der grien alsam ein lösche [Leder]
rôt / von bluote wart geverwet ebd.
12316
u.ö.;
uf des ertriches grien KvWGS
917.
1008;
Martina
23,79;
WhvÖst
971.
– bildl. für eine große, unüberschaubare Menge:
alse vil [...] als loubes unde grases unde grienes an
dem mer PrNvStr
271,4;
lob [Laub] und graz dez ertrichs und
daz unzallich grien in dem mere Seuse
28,7.
453,5;
PrHess
70,926
MWB 2 916,32; Bearbeiter: Richter
grienen
swV.
von Empfindungen im Herzen (vgl. Beckmann, WhvÖst., S. 74)
‘wüten, rasen’ oder ‘knirschen’ (s.
grînen
oder
grimmen
und
grinnen
stV.):
ir quale vaste hat gegrient / in minem hertzen, daz ez is /
vor zorn herter denne ain kis / umm ir leben uzerkorn WhvÖst
4738;
owe Minne! wie du grienst / manigem in dem hertzen / daz er
des todes smertzen / durch dich ahtet claine! ebd.
8500;
min hertz nah im grienet, / daz ez in mir wallet ebd.
12470.
10380.
16381
MWB 2 916,51; Bearbeiter: Richter
grienic
Adj.
‘sandig’, in der Verbindung
~ mer
‘Wüste, Sandmeer’
Alexander sî [
Gog und Magog
] beslôz /
mit berge und mit mûren grôz / und ouch mit dem grienigen mer / daz âne wazzer
sunder wer / fliuzet stæteclîche Reinfr
19553
MWB 2 916,61; Bearbeiter: Richter
grieʒ
stMN.
auch grez (
Brun
1083
); sw. Nom. Pl. griezen (
JTit
1273,1
).
1
‘Sandkorn, Sand, Kies’ (vgl.
grien
) 1.1 allg. 1.2 vom Grund bzw. Erdboden 1.3
‘Strand, Ufer’
1.4 bildl. für eine große, unüberschaubare Menge (vgl. ‘wie Sand am
Meer’ ) 1.5 bildl. zum Ausdruck von Geringfügigkeit (s.a.
grûʒ
) 2
‘Körnchen’
3 übertr. ‘Samen, Nachkommen’ (vgl. Anm.z.St.)
1
‘Sandkorn, Sand, Kies’ (vgl.
grien
)
1.1
allg.:
der brunn uf dringet sunder mies / us dem velsen dur daz
gries / kúele, stat, raine. / reht als dú berlen clain, / sant
und kis von grunde / us wallent alle stunde SHort
6750;
uf des strandis grieze Daniel
7328;
vf dem gefilde / wart zv tretet daz gras, / daz ein teil
entsprozzen was, / beide sant vnd griez Herb
8765;
welchem der sant [in der libyschen Wüste] kam
in den munt, / des griezes hitze in sô verwunt, / daz er in mit bluote verdöute
UvEtzAlex
9806;
KvFuss
2721;
Renner
2368.
8398;
HvNstAp
6607;
KvWTroj
25221.
–
‘Erdkrumen’
viur, wazzer, luft unde erden griez Frl
5:120G,14.
– übertr.:
undankes grieß / mit erge mies / vertemmet gotes
milde fließ Mügeln
368,13
1.2
vom Grund bzw. Erdboden:
e do was min lob vil tuft [tief] , / nu ist es
worden sihte [seicht] , / und das man kuͥse wol
das gries EckenlE2
144,11;
do zogtens aber furbas / und chamen da ain waser was, / das lautter was
und nicht ze gros / und uber ainen gries flos Seifrit
6618;
Rennew
9712;
in kurzem zil / der griez wart wazzers blôz, / dâ
Eufrates der grôz / was ê gerunnen Ottok
53017;
Set stiez daz ris uf sines [Adams] grabes griez
Frl
2:15,11;
Damen
3,10.
– vom sandigen Boden des Kampfplatzes:
dâ mite stach er den môr / hinderz ors ûfen griez
Parz
41,25.
68,13;
er treip den schaft vurbaz / vnd stach in, daz er
besaz, / e er in liezze / vf deme griezze Herb
6800;
Krone
12178
1.3
‘Strand, Ufer’
[sie warteten] biz daz mer wider kæme / unde der kiel
genæme / den vluz und die vlieze, / wan er lac an dem grieze Tr
13274;
dâ wart sô michel dringen / von den schiffen an daz
griez, / daz dirre den ze tôde stiez / und jener disen valte nider
KvWTroj
25333;
beidenthalp des wazzers staden / der griez gefullet und
geladen / was mit tôten Ottok
17294;
da niden an dem griezz StRMünch
406,20;
VMos
68,14;
Kchr
12046;
UrkCorp (WMU)
2631,6.
– übertr.:
die hochfart segelt stet uf spottes fließe, / sie
gründet hie noch dort mit tugende sprieße. / uf solches leides grieße, / du
wiser man, din schiffen laß Mügeln
211,11.
– in Kudr meist Pl.:
nu was künic Ludewîc und ouch her Hartmuot / mit ir landes volke bî
des meres fluot / beliben durch ir ruowe ûf den wilden griezen Kudr
847,3;
wâ sint iuwer kint, / [...] / daz si iuch
eine lâzent waschen an den griezen? ebd.
1253,3.
424,3
u.ö.
– als Bestandteil von Personennamen:
herre Johannes an dem Grieze UrkCorp (WMU)
528,3.
753,40
1.4
bildl. für eine große, unüberschaubare Menge (vgl. ‘wie Sand am
Meer’):
nû wil ich dînes lîbes sâmen den sternen ebenmâzen / und
deme grîzze den daz mere uber vliezze: / sam michel werde dîn chunne daz von dir
enrinne Gen
944;
din volk wirt sin als der gryis des meris
Cranc
Jes 10,22;
PrSchw
1,113;
RvEBarl
2162;
an die [Marias magetheit
] got selbe
hat geleit / mer sælden unde güete / dann in des meres flüete / si griezes unde
sandes KvWGS
1745;
ein lant haizit Cythia: / der
staine [Smaragde] vindet men da / also vile so der
grieze HimmlJer
215;
daz mê engel sint dan griez oder gras und loubes Eckh
3:457,2;
RvEWchr
7453.
16708;
Wernh
516;
Herb
2245.
– vom Zählen des ~ :
die selbe kuͤnst
[
Arismetica
] hat die wal / daz
sie pfliget aller zal. / sternen und dez meres griz / zelet sie an wider
driz [ohne Verdruss]
HvNstGZ
849;
kanstu die regens tropfen zeln, / so zel ich dir loub, gras und allen
griez Frl
7:41G,6;
Marner
14,175;
Wartb
Fl 23,11;
Teichn
281,6
1.5
bildl. zum Ausdruck von Geringfügigkeit (s.a.
grûʒ
):
so clain wart nie mer griez, / ez wuͤrde Ryales
lait / noch clainr und sin vræude brait WhvÖst
1756;
noch ringer wan ein griez / wigent an ir [der
zange, mit der Gott Himmel und Erde hält] aller
wunder bunt Damen
5,2
2
‘Körnchen’
in swelcheme harne grozer griez lit an dem bodeme. der
bezeichent einen harn stein in den lenden. ist aber der griez wiz. so bezeichent er
einen harn stein in der blater SalArz
115,40.
77,34;
geistlicher mensch, dv maht des griezzes [hier
bildl. für lässliche Sünden] als vil vf daz schef legen, daz ez
alles vol werde, da ez als wol von vnder get als von grozzen
mulstæinen [Todsünden]
PrBerthKl
3,52;
da bi [am Fluss Gediz
(Hermos)] vindet man guldine griese Lucid
32,2;
BdN
485,12;
Seifrit
6236
3
übertr. ‘Samen, Nachkommen’ (vgl. Anm.z.St.):
so du iemer gruene werdes, onde so dien griez iemer kume zu
anderme grieze, onde so din griez iemer kume in den barn Abrahames
PfJud
30
MWB 2 917,1; Bearbeiter: Richter
grieʒelach
stN.
Koll. zu
grieʒ
‘Samenkörner, Krumen’
swenne alle vogel die luͥte schadegont dc si dc korn ezzent unde ander
fruht diu ûf der erde stât, so izzet si [die Taube]
niuwen griezzelach PrSchw
1,32;
so ist diu tûbe der nature, dc si nieman ûf dem velde an sinem korne als ander
vogel kainen schaden tuͦt, wan dc si niuwan griezelach unde ander semelach
[Samenkörner] izzet ebd.
1,33
MWB 2 918,28; Bearbeiter: Richter
grieʒeleht
Adj.
‘körnig’ (vgl.
grûʒelot
):
daz holz [der Esche] hât mêr
rinden oder röck umb sich dann áinen rock, und ist zwischen zwain röcken ain
kriezlohteu materi, diu ist gnuog mürb oder mar, aber si ist gar hert
BdN
324,21
MWB 2 918,36; Bearbeiter: Richter
grieʒelîn
stN.
Dimin. zu
grieʒ
‘Sandkörnchen’
vnde wære daz mugilich, daz ain mensche also lange leben mehti, vnz daz ain
tube dez meris griez uͦz gefuͤrti vnde ie ze tvsint iaren ain griezili
dannen fuͤrti, du iar solti der mensche in arbaitin lebin, dar umbe daz er
got gesæhi undir sinen oͮgen PrGeorg (Sch)
3,23
MWB 2 918,41; Bearbeiter: Richter
grieʒen
V.
‘zerkleinern’
den [Meistern der Künste] gib ich mich hie uff ir
muln, / daz sie mich sullen machen / vil cleine, malen, gerwen unde griessen, / also
daz mins gesanges mel die wisen mogent niessen Ehrenbote (R)
319,10
MWB 2 918,48; Bearbeiter: Richter
grieʒic
Adj.
‘grießig, Körnchen enthaltend’
ist das harn griezich unde daz diu flekelîn
[Stückchen] schînent dâ inne, sô lît der harnstain in
den lanchen Barth
130,10
MWB 2 918,53; Bearbeiter: Richter
grieʒklîe
swF.
‘Kleie, Stückchen von Fruchtschalen’
siliqua: griesklyen oder linsenboͮm vel quarta pars scrupuli
VocClos
Si47
MWB 2 918,57; Bearbeiter: Richter
grieʒschûvel
stswF.
eine Schaufel:
item unum tvngwagen et II mistchorbe et II mistgabel et I griezschaufel
UrbNAlteich
282
MWB 2 918,60; Bearbeiter: Richter
grieʒstange
F.
die Stange, mit welcher der grieʒwart beim Zweikampf die Kämpfer
trennt (hier übertr.):
ir [Marias] griezstange und ir sigeswert Frl
2:19,13.
–
der ~ begërn
‘sich ergeben, um das Ende des Kampfes bitten’ (s.a.
boum
3
,
boumtragære
und
stange
):
und itzunt von urloigis mû / begertin der grîzstangin / Samin und Nattangin, /
Ermin unde Bartin / unde sich bekartin / zu dem geloubin widir NvJer
15075
MWB 2 918,63; Bearbeiter: Richter
grieʒstein
stM.
‘Kieselstein’
ein brunne durch den garten ran / lûter unde reine. / chislinge
[Kiesel] unt griezsteine / lâgen sô vil in der furch
/ daz der brunne dar durch / etwâ mit nœten dranc / unt reht in schellen wîse
chlanc KvFuss
1846;
glarii: griezsteina SummHeinr
2:87,267.
–
‘Sandstein’ (hier als Grenzstein):
griestein UrkOtterb (DM)
195
(a. 1277)
MWB 2 919,8; Bearbeiter: Richter
grieʒsûle
stF.
ein Bauteil in Mühlen (vgl. DWB 4,1,6,284f.):
man teilt ouch, daz man dy griezsûle sol vesticlîchen in smiden mit vestem
ŷsen, di sol niemande ûs nemen, es ensî denne, daz sy ein vlût ader
[l. oder
] ein vrost ûs stôz ader irfûle,
sô sol man ein ander in smiden StRZwick
58
MWB 2 919,16; Bearbeiter: Richter
grieʒwart, -warte
swM.,
auch st. (
Martina
23,67
)
1
‘Aufseher (auf dem Kampfplatz), Kampfrichter’
2 spez. ‘Sekundant’ im Turnier oder beim gerichtlichen Zweikampf,
der mit einer Stange (s.
boum
3
oder (grieʒ-)stange ) die Kämpfenden unter
bestimmten Bedingungen trennen kann (vgl.
boumtragære
)
1
‘Aufseher (auf dem Kampfplatz), Kampfrichter’
div vergiht [die Verkündung von Sieg oder
Niederlage] niht ist geschehin / uon den rehte griezwart / der dar
vbir ist geschart / daz er die warheit kiese / wer da mit reht verliese / alder da
gewinne Martina
23,67;
jô was er [Paris] ein griezwarte /
und ein guot rihter under in [den Freunden, die spielerisch
kämpfen] . / wan swer den sic dô fuorte hin, / dem sazte er ûf sîn
houbet / ein schapel wol geloubet, / dâ mite er in dô krônte KvWTroj
622;
Renner
11374;
Lanc
528,2;
agonitheta vel sequester: griezwarto SummHeinr
1:292,309
2
spez. ‘Sekundant’ im Turnier oder beim gerichtlichen Zweikampf,
der mit einer Stange (s.
boum
3
oder (grieʒ-)stange) die Kämpfenden unter
bestimmten Bedingungen trennen kann (vgl.
boumtragære
):
so muz ir iklicher [der beiden Kämpfer] einen
grizwarten haben, der sinen boum trage StRFreiberg
165,8.
165,19
u.ö.;
do hadde Karlle der riche / gekoren wysseliche / synen greyswarden / den
greuen Richarden Karlmeinet
526,62;
in [den Kämpfenden] was alsô gerûmet
[Platz gemacht] , / daz si dehein griezwarte schiet
StrKarl
10153;
StrDan
5167;
ja mugen wir wol geniezen, / wil daz hêre
magedîn [Maria] / unser griezwarte sîn
Wernh
5780;
Regenb
3,351b
MWB 2 919,22; Bearbeiter: Richter
grieʒwartære
stM.
‘Sekundant’ im Turnier oder beim gerichtlichen Zweikampf, der mit einer
Stange (s.
boum
3
oder (grieʒ-)stange) die Kämpfenden unter
bestimmten Bedingungen trennen kann (vgl.
boumtragære
):
ziuh uz den boum, griezwarter! / den kampf ich nieman scheiden laze
Regenb
3,351b;
sit úser herre Jesu Crist / aber úser
griswarter ist / und mit dez crúces stangen / ús schirmet
SHort
4722;
got, din gries warter ebd.
4788.
4718;
iusticiarius: gries warter VocClos
Iu 40
MWB 2 919,49; Bearbeiter: Richter
grieʒwartel
stM.
‘Aufseher (auf dem Kampfplatz), Kampfrichter’
di chemphen waren wol gar: / uermezenliche chomen si dar /
[...], / di grizwarten [La.
grizwartel
] si manten Rol
8913;
den griezwerteln er [der König] dô gebôt, / daz sie
zuosamen liezen / die kempfer und sie hiezen / strîten unde vehten Wigam (B)
1865.
1816;
agonitheta vel sequester: griezwarto, griezwartile SummHeinr
1:292,309
MWB 2 919,59; Bearbeiter: Richter
grif
stM.
1
‘Zugriff, Greifen, Griff’ (vgl.
grift
1 ) 2 Tastempfindung beim Anfassen 3 Rinderfett der Nierengegend (da der Metzger beim Kauf dort durch Begreifen den richtigen Fettgehalt des Tieres erfühlt [vgl. DWB 4,1,6,290; SchwäbWB 3,833; SchweizId 2,710; BWB (Sch) 1,991; FWB 7,413]) 4
‘Klaue’
5
‘Einflussbereich, Reichweite, Umfang’ (vgl.
begrif
1 und 2 )
1
‘Zugriff, Greifen, Griff’ (vgl.
grift
1):
dô [...] im enbunden wart sîn
[gefesselte] hant, / sînen êrsten grif den tet er
nider / nâch sînem swerte, daz nam er wider Wig
6510;
der grif [der ihn vor dem Sturz
bewahrte] den tot im hat erwert Rennew
36296;
Seuse
258,15;
Parz
1,28;
sîn [des Löwen] êrster grif was
alsô komn, / durch den schilt mit al den klân. / von tiere ist selten ê getân / sîn
grif durch solhe herte ebd.
571,24;
valke, habich, sperwer / wolden ûngern múse jagen. / ir griff und ir
veder slagen / nach der naturen guft [dem Ruf der Natur
entsprechend] / leret si jagen in dem luft / und nicht diu muse
vor dem hole Pass I/II(HSW)
42170
(vgl. 4).
– übertr.:
mich der unden griffe / slugen daher uffez lant Pass III
652,36;
der wint [auf dem Meer] der was mit hertem
gryffe / in wider vnd an si gefaht EvStPaul
3413;
nû sich, wie diu sŷrêne / und ir süezes dônes
grif / ziehe an sich vil manic schif KvWTroj
2669;
der wilden meremeide / mîn frouwe sich gelîchet wol. / ir rede süezekeite
vol / und ir schœner worte grif / hât under mînes herzen schif / gezogen
und gesenket KvWEngelh
2225;
ez wære mir ein groze not, / soͤlt ich ir aller
namen sagen / [...] / ez ist miner kunst ein hoher
grif, / ob ich nenne gar die shif / die die kuͤnge dar brahten
Rennew
12917.
– beim Spielen eines Saiteninstruments:
ie neben zwein ein spilman / vil süeze videlunde gie, /
der deheiner dem andern nie / einen grif übersach Wig
7426.
8480.
–
‘Berührung’
ir [der Löwen] griffe waren linde, / swa sie in
[Jesus als Kind] indert griffen an Pass
I/II (HSW)
4860;
KvFuss
2847;
sprach si: ‘wan dâ [an der Stelle des
Zügels] lac iwer hant, / der grif sol mir sîn unbekant.’
[dort mag die Dame nicht anfassen, um das Pferd zu
halten]
Parz
512,18;
abir wart mir ruren kunt / alda uf dem gevilde / von
eines menschen bilde. / libis craft mir wider wart / nach dem griffe mittervart
/ volleclichen als da vor Daniel
6698.
– übertr. ‘Glücksgriff’
Rennewart ergreif daz shif; / daz was ein sæliclicher
grif Rennew
11992.
23860;
swâ’s [die Augen] ein schœne wîp
ersehent, / sô verst in den sprüngen pfnehent
[keuchend] / unde gedenkest: ‘heyâ, het ich
disen goldes grif!’ / so ist dir lützel kunt, / ob dîn lieber ougen funt /
âne missewende sî Neidh
WL 35:6,5
2
Tastempfindung beim Anfassen:
wâ daz vel [die menschliche
Haut] dik ist, dâ ist ez sleht und ains senften griffs, wâ ez dünn ist
und zesträut auz ainander, dâ ist ez oft gar rauch und hertgriffig
BdN
24,2.
24,5;
Solînus spricht, daz die delphin
[...] gespitzelt zungen haben scharpf und rauch an dem
griff ebd.
235,21.
85,32
3
Rinderfett der Nierengegend (da der Metzger beim Kauf dort durch Begreifen den
richtigen Fettgehalt des Tieres erfühlt [vgl. DWB 4,1,6,290; SchwäbWB 3,833;
SchweizId 2,710; BWB (Sch) 1,991; FWB 7,413]):
ez wellent di zwelf und habent auch gesetzt, daz man dez
schoͤnsten rindreins flaeschs geb 1 lb umb 1 dn, und sol darzuͦ slahen
allez daz, daz zuͦ dem rind gehoͤret, daz sind die nyerstal und die
griff StRMünch
436,19;
waz si ouch schowent, davon sont si nit mere nemen denn die nieren und die
vier griffe [das Fett zu beiden Seiten oben und unten zwischen den
Hinterläufen?]
StRRavensb
170,11
4
‘Klaue’
er [der Drachen] vuorte mit im an
den kampf / beidiu rouch unde tampf / und andere stiure / an slegen unde an viure, /
an zenen unde an griffen: / die wâren gesliffen, / sêre scharpf Tr
9021;
zehant der valk die tuben stiez / daz si gehort noch gesach:
/ hin und her er si do trach / biz si im in die griffe wart WhvÖst
7389.
– phras.: beizen mit dem smalen ~
‘mit einem kleinen Greifvogel auf Jagd gehen’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt,
69b s.v.
1beiʒen
; ); hier übertr. auf die
Auswahl der Krieger für einen Feldzug:
man wolt nicht lokchen sprintzen
[Sperberweibchen] / durch paizzen mit dem smalen
griff: / vil stoltzer helt lokcht man tze schiff! Suchenw
18,139;
in Anspielung darauf auch:
Maria, hab ich iht gesait [...]
so weltliches getihtes / daz suͤnde muͤge raitzen, / dar umm mich
niht erbaitzen / nu la des hellen grien [
hellengrîfen?,
Anm.z.St.] grif! WhvÖst
10477
5
‘Einflussbereich, Reichweite, Umfang’ (vgl.
begrif
1 und 2):
der künic, der si sande, / der [l.
des
] hêrschaft hete wîten grif
KvWTroj
19409;
ir [der Könige] hiez einer
Matusalan, / daz lant was sin zu Krite; / sins gewaltes grif gienc wite
Rennew
18654;
in sînem vanen stuont ein roch [der Turm des
Schachspiels] : / daz bedûte sînen wîten grif, / daz im diu erde
und diu schif / volleclîche gâben rîchen zins. / zwischen Gêôn und Poynzaclîns / diu
lant wâren dem jungen / dienestlîch gar betwungen Wh
382,3;
diu [Stadt] âne
Babylône [mit Ausnahme von Babilon] ie truoc / ame
grif die grœsten wîte Parz
399,19.
–
‘alles was im Umfang inbegriffen ist, Zubehör’ (jüngere Belege DRW 4,1110;
s.a.
begrif
, vgl. WMU 1,157):
vnd han in den selben hof gen friliche, lidecliche vnd ler iemerme ze
niessen vnd ze han mit allem griffe vnd reht, so ich vnd alle mine vordern den
selben hof hen gehept UrkCorp (WMU)
586,20
u.ö.
MWB 2 920,4; Bearbeiterin: Baumgarte
grîfant
stM.
übers. lat. herodius ( ‘Reiher’), der in der Glossa Ordinaria mal
als falco (Komm. zu Lv 11,19), mal als ein Greifvogel, der größer als ein
Adler (Komm. zu Ps 103,18) ist, beschrieben wird (vgl. auch
grîfvalke
):
herodius, das ist ein greyffant, der ist dem hohen cederspawn wol bekant; er
ist der spercken und der vogel ein herre und ein hawbtman PsMb
31(Glossar)
MWB 2 921,42; Bearbeiterin: Baumgarte
grîfe
swstM.
ein sagenhafter, riesiger Greifvogel ‘Greif’ (vgl. Batereau, Tiere, S. 63;
Scheibelreiter, Tiernamen, S. 95f.):
dez goldes mac nieman gewinnen vor den drachen vnde vor den
grifen, die dez goldis huͦtent Lucid
21,5;
BdN
190,17;
Wh
375,29;
die grife dar inne, / di bezeichenent di tivele
HimmlJer
248;
mit zuein grîfen / vuͦr her [Alexander] in
liuften Anno
14,9;
da von het diu juncvrawe wert / disen grifen fuͤr ain
pfært WhvÖst
10888;
vor des grîfen krefte der walt dâ nider brach Kudr
57,1;
SAlex
165;
Rol
7099;
KLD:BvH
9: 3,10;
SM:UvS
28: 2,6;
Wig
5067.
– als Wappentier:
daz vorder teil des grîfen hie / der künec von Gascône truoc
/ ûfme schilt Parz
72,24;
Wh
441,15;
er sluͦg in daz der grife nider / von dem helm sturtzt
WhvÖst
8562
MWB 2 921,50; Bearbeiterin: Baumgarte |