Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   grieʒwartære - grim    


grieʒwartære stM. ‘Sekundant’ im Turnier oder beim gerichtlichen Zweikampf, der mit einer Stange (s. boum 3 oder (grieʒ-)stange) die Kämpfenden unter bestimmten Bedingungen trennen kann (vgl. boumtragære ): ziuh uz den boum, griezwarter! / den kampf ich nieman scheiden laze Regenb 3,351b; sit úser herre Jesu Crist / aber úser griswarter ist / und mit dez crúces stangen / ús schirmet SHort 4722; got, din gries warter ebd. 4788. 4718; iusticiarius: gries warter VocClos Iu 40

MWB 2 919,49; Bearbeiter: Richter

grieʒwartel stM. ‘Aufseher (auf dem Kampfplatz), Kampfrichter’ di chemphen waren wol gar: / uermezenliche chomen si dar / [...], / di grizwarten [La. grizwartel ] si manten Rol 8913; den griezwerteln er [der König] dô gebôt, / daz sie zuosamen liezen / die kempfer und sie hiezen / strîten unde vehten Wigam (B) 1865. 1816; agonitheta vel sequester: griezwarto, griezwartile SummHeinr 1:292,309

MWB 2 919,59; Bearbeiter: Richter

grif stM. 1 ‘Zugriff, Greifen, Griff’ (vgl. grift 1 )
2 Tastempfindung beim Anfassen
3 Rinderfett der Nierengegend (da der Metzger beim Kauf dort durch Begreifen den richtigen Fettgehalt des Tieres erfühlt [vgl. DWB 4,1,6,290; SchwäbWB 3,833; SchweizId 2,710; BWB (Sch) 1,991; FWB 7,413])
4 ‘Klaue’
5 ‘Einflussbereich, Reichweite, Umfang’ (vgl. begrif 1 und 2 )
   1 ‘Zugriff, Greifen, Griff’ (vgl. grift 1): dô [...] im enbunden wart sîn [gefesselte] hant, / sînen êrsten grif den tet er nider / nâch sînem swerte, daz nam er wider Wig 6510; der grif [der ihn vor dem Sturz bewahrte] den tot im hat erwert Rennew 36296; Seuse 258,15; Parz 1,28; sîn [des Löwen] êrster grif was alsô komn, / durch den schilt mit al den klân. / von tiere ist selten ê getân / sîn grif durch solhe herte ebd. 571,24; valke, habich, sperwer / wolden ûngern múse jagen. / ir griff und ir veder slagen / nach der naturen guft [dem Ruf der Natur entsprechend] / leret si jagen in dem luft / und nicht diu muse vor dem hole Pass I/II(HSW) 42170 (vgl. 4). – übertr.: mich der unden griffe / slugen daher uffez lant Pass III 652,36; der wint [auf dem Meer] der was mit hertem gryffe / in wider vnd an si gefaht EvStPaul 3413; nû sich, wie diu sŷrêne / und ir süezes dônes grif / ziehe an sich vil manic schif KvWTroj 2669; der wilden meremeide / mîn frouwe sich gelîchet wol. / ir rede süezekeite vol / und ir schœner worte grif / hât under mînes herzen schif / gezogen und gesenket KvWEngelh 2225; ez wære mir ein groze not, / soͤlt ich ir aller namen sagen / [...] / ez ist miner kunst ein hoher grif, / ob ich nenne gar die shif / die die kuͤnge dar brahten Rennew 12917. – beim Spielen eines Saiteninstruments: ie neben zwein ein spilman / vil süeze videlunde gie, / der deheiner dem andern nie / einen grif übersach Wig 7426. 8480. – ‘Berührung’ ir [der Löwen] griffe waren linde, / swa sie in [Jesus als Kind] indert griffen an Pass I/II (HSW) 4860; KvFuss 2847; sprach si: ‘wan dâ [an der Stelle des Zügels] lac iwer hant, / der grif sol mir sîn unbekant.’ [dort mag die Dame nicht anfassen, um das Pferd zu halten] Parz 512,18; abir wart mir ruren kunt / alda uf dem gevilde / von eines menschen bilde. / libis craft mir wider wart / nach dem griffe mittervart / volleclichen als da vor Daniel 6698. – übertr. ‘Glücksgriff’ Rennewart ergreif daz shif; / daz was ein sæliclicher grif Rennew 11992. 23860; swâ’s [die Augen] ein schœne wîp ersehent, / sô verst in den sprüngen pfnehent [keuchend] / unde gedenkest: ‘heyâ, het ich disen goldes grif!’ / so ist dir lützel kunt, / ob dîn lieber ougen funt / âne missewende sî Neidh WL 35:6,5    2 Tastempfindung beim Anfassen: wâ daz vel [die menschliche Haut] dik ist, dâ ist ez sleht und ains senften griffs, wâ ez dünn ist und zesträut auz ainander, dâ ist ez oft gar rauch und hertgriffig BdN 24,2. 24,5; Solînus spricht, daz die delphin [...] gespitzelt zungen haben scharpf und rauch an dem griff ebd. 235,21. 85,32    3 Rinderfett der Nierengegend (da der Metzger beim Kauf dort durch Begreifen den richtigen Fettgehalt des Tieres erfühlt [vgl. DWB 4,1,6,290; SchwäbWB 3,833; SchweizId 2,710; BWB (Sch) 1,991; FWB 7,413]): ez wellent di zwelf und habent auch gesetzt, daz man dez schoͤnsten rindreins flaeschs geb 1 lb umb 1 dn, und sol darzuͦ slahen allez daz, daz zuͦ dem rind gehoͤret, daz sind die nyerstal und die griff StRMünch 436,19; waz si ouch schowent, davon sont si nit mere nemen denn die nieren und die vier griffe [das Fett zu beiden Seiten oben und unten zwischen den Hinterläufen?] StRRavensb 170,11    4 ‘Klaue’ er [der Drachen] vuorte mit im an den kampf / beidiu rouch unde tampf / und andere stiure / an slegen unde an viure, / an zenen unde an griffen: / die wâren gesliffen, / sêre scharpf Tr 9021; zehant der valk die tuben stiez / daz si gehort noch gesach: / hin und her er si do trach / biz si im in die griffe wart WhvÖst 7389. – phras.: beizen mit dem smalen ~ ‘mit einem kleinen Greifvogel auf Jagd gehen’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 69b s.v. 1beiʒen ; ); hier übertr. auf die Auswahl der Krieger für einen Feldzug: man wolt nicht lokchen sprintzen [Sperberweibchen] / durch paizzen mit dem smalen griff: / vil stoltzer helt lokcht man tze schiff! Suchenw 18,139; in Anspielung darauf auch: Maria, hab ich iht gesait [...] so weltliches getihtes / daz suͤnde muͤge raitzen, / dar umm mich niht erbaitzen / nu la des hellen grien [ hellengrîfen?, Anm.z.St.] grif! WhvÖst 10477    5 ‘Einflussbereich, Reichweite, Umfang’ (vgl. begrif 1 und 2): der künic, der si sande, / der [l. des ] hêrschaft hete wîten grif KvWTroj 19409; ir [der Könige] hiez einer Matusalan, / daz lant was sin zu Krite; / sins gewaltes grif gienc wite Rennew 18654; in sînem vanen stuont ein roch [der Turm des Schachspiels] : / daz bedûte sînen wîten grif, / daz im diu erde und diu schif / volleclîche gâben rîchen zins. / zwischen Gêôn und Poynzaclîns / diu lant wâren dem jungen / dienestlîch gar betwungen Wh 382,3; diu [Stadt] âne Babylône [mit Ausnahme von Babilon] ie truoc / ame grif die grœsten wîte Parz 399,19. – ‘alles was im Umfang inbegriffen ist, Zubehör’ (jüngere Belege DRW 4,1110; s.a. begrif , vgl. WMU 1,157): vnd han in den selben hof gen friliche, lidecliche vnd ler iemerme ze niessen vnd ze han mit allem griffe vnd reht, so ich vnd alle mine vordern den selben hof hen gehept UrkCorp (WMU) 586,20 u.ö.

MWB 2 920,4; Bearbeiterin: Baumgarte

grîfant stM. übers. lat. herodius ( ‘Reiher’), der in der Glossa Ordinaria mal als falco (Komm. zu Lv 11,19), mal als ein Greifvogel, der größer als ein Adler (Komm. zu Ps 103,18) ist, beschrieben wird (vgl. auch grîfvalke ): herodius, das ist ein greyffant, der ist dem hohen cederspawn wol bekant; er ist der spercken und der vogel ein herre und ein hawbtman PsMb 31(Glossar)

MWB 2 921,42; Bearbeiterin: Baumgarte

grîfe swstM. ein sagenhafter, riesiger Greifvogel ‘Greif’ (vgl. Batereau, Tiere, S. 63; Scheibelreiter, Tiernamen, S. 95f.): dez goldes mac nieman gewinnen vor den drachen vnde vor den grifen, die dez goldis huͦtent Lucid 21,5; BdN 190,17; Wh 375,29; die grife dar inne, / di bezeichenent di tivele HimmlJer 248; mit zuein grîfen / vuͦr her [Alexander] in liuften Anno 14,9; da von het diu juncvrawe wert / disen grifen fuͤr ain pfært WhvÖst 10888; vor des grîfen krefte der walt dâ nider brach Kudr 57,1; SAlex 165; Rol 7099; KLD:BvH 9: 3,10; SM:UvS 28: 2,6; Wig 5067. – als Wappentier: daz vorder teil des grîfen hie / der künec von Gascône truoc / ûfme schilt Parz 72,24; Wh 441,15; er sluͦg in daz der grife nider / von dem helm sturtzt WhvÖst 8562

MWB 2 921,50; Bearbeiterin: Baumgarte

grîfelîn stN. Dimin. zu grîfe . ‘Greifenjunges, kleiner Greif’ in ir [der Greifen] geniste und in ir zuht / steic er ûf daz gebirge hôch. / dâ brach er von in unde zôch / diu wilden cleinen grîfelîn KvWTroj 6153

MWB 2 922,1; Bearbeiterin: Baumgarte

grîfen stV. (Ia) zum Gebrauch in Rechtstexten vgl. auch WMU 1,760. 1 ‘jmdn./etw. (er)greifen, anfassen, berühren’ ; der Übergang zu 2 ist fließend
1.1 mit Akk.
1.2 mit präp. Obj. (mit an , în , nâch , zuo ; vereinzelt ûf , umbe , under ) oder Pron.-Adv.
1.3 mit Richtungsadv. oder anderen Richtungsangaben
2 ‘(forschend) tasten, (er-, be-)fühlen’
3 ‘sich jmdm./etw. zuwenden’ ; der Übergang zu 4 ist fließend
3.1 mit Akk.
3.2 mit Richtungsadv. (hier im vorausweisenden auktorialen Kommentar)
3.3 mit präp. Obj. (mit an , zuo ; vereinzelt in , nâch ; wider 3.3.1 ) oder Pron.-Adv.
3.3.1 mit wider
4 ‘etw. beginnen’
   1 ‘jmdn./etw. (er)greifen, anfassen, berühren’; der Übergang zu 2 ist fließend    1.1 mit Akk.: sâ bî dem worte gegreif er [Abraham] in [Isaak] vile harte. / [...] / ûf den altâre er in warf Gen 930; dô greif er einen stecken KvWHvK 144; da greiff er syns meysters pfert und reyt heinwert Lanc 40,18; KvWTurn 825; er greif in bî dem barte lanc KvWHvK 264; Roth 2173; Lanc 478,10; wen der engel ist ungriflich, / der mensche tut wol grifen sich [läßt sich anfassen] , / und sint doch beide gliche / mechtic in gotes riche HeslApk 22618. – ‘jmdn. gefangen nehmen’ [sie zogen dorthin] da sy den greven wisten, / den sy wainden [l. wanden ] gryffen myt listen HagenChr 4555. – ‘ein Saiteninstrument spielen’ der sluͦc die drumen, dirre peif, / der ander suͤze wise greif Elis 172; PrHess 4,355    1.2 mit präp. Obj. (mit an, în, nâch, zuo; vereinzelt ûf, umbe, under) oder Pron.-Adv.: die herren griffen an die swert Herb 4983; frou Cunnewâre de Lâlant / greif an die gîserten hant Parz 218,14. ich sach / in ir swert zwên dorper grîffen junge SM:Had 15: 1,2; diu maget in ir teschen greif UvZLanz 6050. si griffen nach den swerten Rol 4717; dô greif nâch einem gürtel diu hêrlîche meit NibB 636,2. dô griffen si zô den swerten SAlex 1732; vil dicker greif zem gabilôt Parz 153,18. – erweitert um einen Dat.d.P.: [Gott] greif im [Adam] an sinen lip / unde hiez im werden ein wip / uzzir einem sinem rippe VRechte 383; swenn er im [dem Pferd] ûf den rücke / durch versuochen vaste greif, / sô seig ez nider KvWSchwanr 993; er greif ir undern mantel dar: / ich wæne, er ruort irz hüffelîn Parz 407,2. 154,24; UvZLanz 3387. – auch mit dem Finger, dem Fuß ~ : vater Abraham, erbarm dich uͤber mich und sent Lazarum zuͦ mir, daz er mit sinem vinger in ein wazzer greif und mir mein zunge erchuͤl PrOberalt 117,26; sîn [Parzivals] fuoz dernâch nie gegreif, / er spranc drûf [auf sein Pferd] âne stegreif Parz 215,21. – bildl.: ouch grîfet sîn [des Geistlichen] gewîhtiu hant / an daz hœheste pfant / daz ie für schult gesetzet wart Parz 502,17; alrerst wirt offenlich bekant / swer hie heizer ist gewesen [in der Minne zu Gott entbrannt] , / wan er mac luterlicher lesen / unde tiefer grifen an den grunt, / daz im got billich machet kunt Vät 15305. – phras.: jmdm. in die hant ~ ‘jmdm. in die Hand versichern’ vnd hat dar vmb mein bruder der Marquard meinem herren dem apt in sein hant gegrifen UrkCorp (WMU) 2194,27. 923,15. – jmdm. næher ~ als einem anderen: die all mitsamtt vns auf dem guet gewesen sind vnd iz peschaut vnd pesehen habent, haben wiͤr den arm læuten nechner gegriffen denn den erbern vorgenanten herren vnd haben peschaiden den arm læuten, von dem guet [...] alle jar ze dienen vierczich mecczzen charnes [l. kornes ] UrkStVeit 62 (a. 1345). um den hals ~ ‘jmdn. umarmen’ (mit Akk. oder Dat.d.P.): da greiff yn Hestor mit beiden synen armen umb synen hals und hieß yn wilkuͦm syn Lanc 436,4. 89,3. 130,35    1.3 mit Richtungsadv. oder anderen Richtungsangaben: do er dez schuzzes [der ihn getroffen hatte] war [l. wart ] gewar, / do greif er mit der hant dar: / den phil er vz zvchte Herb 7090; Tr 15880; mit der hant sô greif er nider, / den helm den nam er aber wider ebd. 7031. 16057; er greif dâ sîn harnasch lac Parz 733,21; – mit Richtungsadv. und präp. Erg.: dô greif si hin z’ir sîten NibB 677,1; nider greif er ûf daz gras Wig 5850    2 ‘(forschend) tasten, (er-, be-)fühlen’ wie scharpfe sinne der mensche hat, er kan unsinnelicher dingen nit begriffen denne mit dem geloͮben und greiffit als ein blinde in der vinsternisse Mechth 6: 31,8; swer birget sô diu ougen sîn, / daz er sich von im [dem Licht der Sonne] kêret / [...], / der muoz grîfende gân RvEBarl 5419; dô greif ich [Thomas] , dâ im [Christus] mit dem sper / diu sîte was durchstochen, / mit nageln durchbrochen / hende und füeze KvHeimHinv 1112; PrOberalt 89,33; Seuse 468,16. – im Rahmen med. Untersuchungen: swenne si [ di geswer ] oben an sin, so grifit man eine geswulst uffe der leber SalArz 54,57 u.ö.; wen de arczede wel gryfen den pulz OvBaierl 55,4 u.ö.; owê, owê, frouwe Minne, / mir ist wê. / nû grîf her wie sêre ich brinne KLD:UvL 7: 4,3; Eracl 3208; ReinFu K,2018. – beim Kauf von Schlachtvieh die Qualität/  den Fettgehalt erfühlen; hier als Part.-Adj., das eine gute Qualität ausdrückt (vgl. grif 3): pulpa: wolgriffendes fleisch VocOpt 1.224. – auf der Jagd (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 70a): wie dicke ich ûf die herte / greif mit mîner hande, / wie ez [das Wild] die erden berte / und wie siu sich von sîner schal entrande Hadam 77,2. 66,2. – subst.: sensibilis haist di kraft, da die sel mit erchent mitsambt dem leib, was die aussern sinn begreiffent, als sehen, hoͤren, kosten, smekchen vnd mit anruͤrung, das greiffen haist, vnd auch die jnner erkantnüsse derselben sach KvMSel 506    3 ‘sich jmdm./etw. zuwenden’; der Übergang zu 4 ist fließend    3.1 mit Akk.: [die ältere Schwester] kam ze hove vor ir sô vruo / daz ir mîn her Gâwein wart. / diu junger greif die nâchvart [wandte sich dem Hinterreisen zu, kam hinterher; falls phras. zu 1: hatte das Nachsehen (?)] Iw 5670    3.2 mit Richtungsadv. (hier im vorausweisenden auktorialen Kommentar): mich dunkchet czeit und gut / das ich furbas greiffen sulle; / ich sol richten mein mule, / ein ander untugent umb treiben HvBurg 277    3.3 mit präp. Obj. (mit an, zuo; vereinzelt in, nâch; wider 3.3.1) oder Pron.-Adv.: daz er ze diner antwerte / mit gevaztem swerte / greif an sine were Rol 2139; er [Gott] worhte in uzzir nihte, / [...] / do greif er an die ubirmuot, / daz was ze niht guot VRechte 203; Tr 15020; do Antonius vernumen / hete ein sulch mere, / swie er alte were / an dem libe und cranc, / doch greif er vroliche an den ganc [brach er auf] / durch vrumen suchen disen man Vät 1910. da graif er do von [nachdem er die Schriftgelehrten übertrumpft hatte] erst in d%>i bvͦch vnde in die heilige schrift Konr 2 W1,101; nu grîfit in iwer herze unde sehit, ob ir got minnit Spec 74,12. sîns herzen gir nâch prîse greif Parz 15,25. zv strite sie griffen Herb 9548; nvͦ sult ir widir grifen / zvͦ uwirme schepfere TrSilv 430; swen die rîfen / twungen und darzuo der snê, / der sol nû ze fröiden grîfen, / sît man siht den klê SM:KvL 10: 2,3; Parz 488,23; si suln ouch schaden erzeigen nuo. / dâ greif mit sîner stangen zuo / mit grôzen slegen Rennewart Wh 398,4. – in wieder aufgreifenden auktorialen Kommentaren: nû lâze wir die rede hie / und grîfen wider an die / dâ wir si liezen ê KvHeimHinv 1010; die rede lassint! griffen zuͦ / der rehten aventure hie RvEWh 2332; UvZLanz 4609; Wh 7,13; Tr 3752. 7231; Wig 8095; Herb 16916; Tauler 189,10. – phras.: ze (der) ê ~ ‘heiraten’ die kur [Wahl] an zweine er [der Vater] mir do bot: / eintweder lesterlichen tot / oder grifen zu der e Vät 15989; den ensol man deheinen vormunt geben âne die ze ê gegrifen habent SpdtL 139,1; StRAugsb 6,11    3.3.1 mit wider: daz der sun ie wider dem vater gegraif [sich gegen den Vater wandte] , / daz was gaistlîchen hêrren lait Kchr 16936    4 ‘etw. beginnen’ zwei geruowetiu râvît / diu lîhe ich dir an dîne var / und einen ritter der dich dar / zuo dem kampfe bringet alsô fruo, / ê man grîfe dar zuo UvZLanz 5108; wan er greif in ein ander leben; / ein niuwe leben wart ime gegeben: / er verwandelte dâ mite / al sîne sinne und sîne site / und wart mitalle ein ander man Tr 937

MWB 2 922,6; Bearbeiterin: Baumgarte

grîfengevidere stN. unklar, ob Syntagma oder Gen.-Kompositum. ‘Federn oder Fittiche von Greifen’ dô hiez si im bereiten einen kiel [Schiff] wunnesam / mit guotem grifengevidere, der was wol getan WolfdB 348,4 (vgl. WolfdB (K) 350,4; WolfdD (H) 569,4 )

MWB 2 924,30; Bearbeiterin: Baumgarte

grîfenklâ stF. unklar, ob Syntagma oder Gen.-Kompositum. ‘Greifenklaue’ [das Gold] ab einem velse zarten / grîfen klâ, diez dâ bewarten Parz 71,20; ich sach den unsuessen / an henden und an fuessen / haben starcke greyffen cla. / als di porsten sind sein pra. / teuvelisch ist sein gestalt HvNstAp 4471; die erste [Hand der Habgier (personif.)] , die gewappent ist, / griffen clae sij genant ist, / raub, der sich edel machet / und sprichet in sinen sachen / er muße sine weyde suͤchen / und nemen wo er is findet, aen ruͤchen, / es sij yme alles wiltfang Pilgerf 9509. 9135; Rennew 30863

MWB 2 924,36; Bearbeiterin: Baumgarte

griffel stM. Schreibwerkzeug zum Ritzen in Wachstafeln ‘Griffel’ ain tevelein, / da schreybt man mit dem griffel ein HvNstAp 16652; ir tavelen sie nam / und einen griffel von golde, / dar an si scrîben wolde En 10619; Renner 17392; scharpf als ein grifel Seuse 43,6; – übers. lat. graffium, pugillaris, stilus vgl. VocClos Gr12. Pu24. St51. daz ander [zweite] teil hie ende hât: / mîn griffel an daz dritte gât WälGa 2528. – missbraucht als Waffe: er wolte hân erstochen sich; / wan diu künigîn den stich / underfuor daz er niht vollekam, / und im den griffel genam Flore (S) 2394; als die kinder diz ersan / ir leit si an im [dem hl. Felix, der als Lehrer sehr hart zu seinen Schülern gewesen war] rachen, / wand si in in stachen / mit griffeln also lange, / unz er von dem getwange / under ir handen tot gelac Pass III 97,24; ReinFu K,2152; Seuse 16,9; WolfdD 2193,1

MWB 2 924,49; Bearbeiterin: Baumgarte

griffelære stM. Bed. unklar; möglich wäre in der Reihe der sonst genannten Schimpfwörter eine Bez. für jmdn., der stichelt, ‘Sticheler, Störenfried’ (anders Lexer: jmd., der tief eingreift, die Wahrheit aufdeckt): sag ich in hofelicher mêre, / sô bin ich ein sloterêre [Plappermaul, Schwätzer] ; / swîge ich mit zühten âne gevêre, / sô bin ich ein glîchsenêre [Heuchler] ; / spriche ich die wârheit nâch der swêre, / sô bin ich ein striffelêre [La. griffelere ] Renner 16178

MWB 2 925,3; Bearbeiterin: Baumgarte

griffelîn, griffelî stN. auch grüffelîn. Dimin. zu griffel : schœniu griffelîn von golde Flore (S) 829; dô nâmen sie ir grifellî, / beidiu er unde sî, / und gap er ir daz sîne; / ‘nû nement ouch daz mîne’ / sprach diu vil getriuwe ebd. 1321; dô zôch sî ûz ir griffelîn / ûz ir griffelfuoter. [...] sî wolte sich erstechen ebd. 1244; nâch dem grüffelîne muose ich senden Neidh WL 9:4,7

MWB 2 925,13; Bearbeiterin: Baumgarte

griffelvuoter stN. ‘Futteral für Griffel’ dô zôch sî ûz ir griffelîn / ûz ir griffelfuoter Flore (S) 1245

MWB 2 925,21; Bearbeiterin: Baumgarte

griffic Adj. gripfic

MWB 2 925,23;

grîfhaft Adj. ‘berührbar, anfassbar’ der teuffel ist nicht greiffhaft / und hat doch von got dw chraft / daz er nympt den leib an sich / als ein vogel und ein vich, / daz man waͤnt er sey ein tyr / oder ein mensch Teichn 336,83

MWB 2 925,24; Bearbeiterin: Baumgarte

grîfic Adj. 1 ‘(nach etw.) greifend, die Klauen in etw. schlagend,’
2 ‘berührbar, anfassbar’ (vgl. grîfhaft )
   1 ‘(nach etw.) greifend, die Klauen in etw. schlagend,’ wie durchvert die vogel grîfic are [Adler] Kreuzf 7674. – mit Gen.d.S.: daz mich die dörper mînes lônes iht verstiezen. / des ist Uoze grîfic Neidh WL 13:2,9    2 ‘berührbar, anfassbar’ (vgl. grîfhaft ): [das Feuer] vngreiffig / an im selben hat den sig, / daz ez toͤt und macht zuͦ mist / daz greiffig oder sichtig ist Teichn 325,194. 325,241

MWB 2 925,29; Bearbeiterin: Baumgarte

griflich Adj. ‘berührbar, anfassbar’ nu sich, ich bin ein menscheit, / griflich vleisch und bein Vät 34315; wir sullen irsten alle / (daz en ist kein lougen) / vor unses herren ougen / griflich und entsebelich [sinnlich wahrnehmbar] HeslApk 20233. 18110

MWB 2 925,38; Bearbeiterin: Baumgarte

grift stF. Wort der Deutschordenslit. 1 ‘Zugriff, Greifen’ (vgl. grif 1 )
2 übertr. auf das Verständnis der christl. Glaubenswahrheiten oder das Bemühen darum
2.1 verstandesmäßiger oder inspirierter, ungelehrter Zugriff auf das Verstehen oder eine Einsicht (meist des hërzen oder dessen wîsheit )
2.2 das Bemühen um christl.-religiöse Einsicht und Verständnis (mit wërfen oder Bildern/  Verben der Bewegung)
   1 ‘Zugriff, Greifen’ (vgl. grif 1): mit vil semfteclicher grift / gewunnen sie her uz den dorn Vät 27210    2 übertr. auf das Verständnis der christl. Glaubenswahrheiten oder das Bemühen darum    2.1 verstandesmäßiger oder inspirierter, ungelehrter Zugriff auf das Verstehen oder eine Einsicht (meist des hërzen oder dessen wîsheit): di Prûzin nicht irkantin got / noch diwedir sîn gebot; / tum und einveldic was ir sin, / des inmochtin sî nicht in / bevân mit der vornumfte grift [ cum ratione comprehendere non potuerunt ] NvJer 3987; dirre gûten lêre wort / und der noch vil vorgît dî schrift, / nâmen in des herzen grift / der meister und dî brûdre dô ebd. 27134; di wisheit sines herzen sin / was mit meisterlicher grift / wol kumen in di alden schrift, / doch blozlich als die andern. / wi man aber wandern / mit vernumft solde uffen grunt, / daz was im dannoch unkunt, / daran man Cristum solde spurn Pass I/II (HSW) 21351; swie vil er doch enttecte / mit siner scharfen sinne grift / die valscheit an irre schrift, / so wolden si doch blint sin Pass III 435,43; sus samte si in ir gehuge / beide an herze und an schrift, / an vrage manige tiefe grift [Erkenntnis, Einsicht] / und quam in Salomonis lant ebd. 267,88. – mit besonderer Betonung des Zupackens (im Bild der Klaue oder eines Greiforgans, vgl. grif 4): swem diz buͦch wirt gesaget / und gelesen an siner schrift, / der slet ie sines hertzen grift / dar an, als in geleret / diu art, diu an in keret Pass I/II (HSW) 42216; idoch hete er [der blinde Jude] von kindes jugent / - als noch die blinden vil wol mugent - / gelernet uzen di schrift. / sines herzen wise grift / in den grunt so verre brach, / daz er offenlichen sprach, / als di schrift hat gesaget, / Maria were ein kusche maget ebd. 13036    2.2 das Bemühen um christl.-religiöse Einsicht und Verständnis (mit wërfen oder Bildern/  Verben der Bewegung): alle sines herzen grift / warf er an gotes gelouben / und liez an im betouben / allen ungelouben do Pass III 423,78; Pass I/II (HSW) 15940; Vät 24007; den guten sal man schriben / in allen zungen die schrift, / wan ires herzen wise grift / dabi sal der rechten wec / wandern ane sunden vlec Hester 56

MWB 2 925,44; Bearbeiterin: Baumgarte

grifticlich Adj. ‘räuberisch’ (vgl. gripfic 1): dar vmme sint sie vil wol glich / hie deme walfische, sprechen ich, / dvrch ieren grifteclichen nit PrHess 8,459

MWB 2 926,25; Bearbeiterin: Baumgarte

grîfvalke swM. übers. lat. herodius ( → grîfant ): grifalcus haizt ain greiffalk und haizt auch herodius, sam diu glôs sagt über daz puoch Leviticum an der stat, dâ Moyses die unrainen vogel verpeut. der vogel ist der aller edlist under allen vogeln. [...] der vogel ist sô starch und sô grôz, [...], daz er den adlarn væht und im angesigt BdN 185,26; die alsô sprechent die wænent, daz herodius ain gemainer valk haiz, und daz ist niht wâr, als wir hie vor gesagt haben von dem greiffalken ebd. 207,31 u.ö.

MWB 2 926,29; Bearbeiterin: Baumgarte

grîfzan stM. in der Wendung jmdm. einen ~ ougen ‘jmdm. einen Greifzahn zeigen, jmdm. schaden’ ( ‘jmdm. die Zähne zeigen’ ?): ist daz mir niht geswichet / min gewalt noch entwichet / vnd sol ich daz lebin han / ich ovge ir einen grifzan / und tuon si frovden ane Martina 161,46 (vgl. jmdm. einen wolfzan ougen ebd. 215,9 )

MWB 2 926,40; Bearbeiterin: Baumgarte

grille swM. ‘Grille’ (zu lat. gryllus, vgl. DWB 4,1,6,315): cicada: grille Gl 4:213,46 (BStK926); der stolze grille niht anders gert / denne daz er loufe und springe snelle / [...] und lûte grelle Renner 5572 u.ö.; wer kan dirre werlte nâch ir willen / nû wol sprechen, [...], wes / müggen sûsent, schrîent ouch die grillen: / wer kann dirre tumben diet ir muot erwern Marner 6,20

MWB 2 926,47; Bearbeiterin: Baumgarte

grillen V. wie grëllen stV. (Anm.z.St.), hier von Hunden bei der Jagd ‘anschlagen, angriffslustig bellen’ Mâze, Lust, Gird, Willen [alleg. Jagdhunde] / gerehtez jagen machet. / für si ich hôrte grillen [vorne/  voraus hörte ich sie bellen (?)] , / ob si mit mezzen wæren nicht besachet [als ob sie nicht mit Zurückhaltung ausgestattet waren] Hadam 323,3

MWB 2 926,55; Bearbeiterin: Baumgarte

grim Adj., Adv. auch krim. 1 ‘zornig, wütend, kampfeswütig’
2 ‘wild, unbändig, grausam’
2.1 von Personen(gruppen)
2.2 von Tieren
2.3 als Attribut zu ende oder tôt
2.4 grimme geisel ein Folterinstrument
3 ‘schmerzerfüllt, verzweifelt, voll Jammers’
4 adv. auch intensivierend ‘in besonderem Maße, außerordentlich’
   1 ‘zornig, wütend, kampfeswütig’ die helde treip der grimme zorn / zem strîte Wig 10942; dâ wart vil grimme gestriten NibB 1608,4 u.ö.; herre [...], / sint [seid] niht sô grimmes muotes / noch al sô zornic wider mich! KvWSchwanr 1486; dâvon sol ich krimmer / nimmer gegen iu werden gesehen Ottok 6955; der [Christus] was zornig und grimm, ê er mensch würd, wider die hôchvart der engel und wider die ungehôrsam der läut auf erden BdN 161,31; Mechth 3: 21,53; Elmend A 985. – von der Stimme: Polidamas sin zeichen schrei / lute vnd grimme Herb 5248; lûte âne mâze / hôrter [Iwein] eine stimme / clägelich und doch grimme Iw 3830; EnikWchr 19614; Tr 9050; HvNstAp 2979    2 ‘wild, unbändig, grausam’ der sturm was grimme unde hart SAlex 3286; vil sere si in villent [quälen] , si marterent in vil grimme AvaLJ 62,5; ouch sluog im her Liudegast vil manegen grimmen [heftigen] slac NibB 187,1; in die grimmen helle LvRegSyon 1293; Mügeln 36,4    2.1 von Personen(gruppen): dehein man wær sô grimme / des muotes noch des herzen, / hêt er ir jâmers smerzen / und ir grôze klage ersehen, / im wær ze weinen geschehen Wig 7685; also loben wir dih [Christus] geborne / uze der grimmen judescefte Litan 253; Konr 19,62; sin [Cernubiles] lant daz was fraissam, / daz liut daz ist grimme Rol 3767; der kaiser ist also grimme: / erne gefluhet nimer hinne / durh dehainer slachte not. / ia suchet er den tot / unt alle di sine ebd. 8387; Iw 696. goͮte unde ubele sît Adames cîten sint alle tôt [...] unde erstent iedoch alle gemeinlichen, so der grimme [strenge] rihtare an der iungesten urteile zornlichen chumet Spec 128,11; alsus vert der grimme gottes vient vnd aller der cristenheite mit zorne vnd mit grozeme vbermvͦt UrkCorp (WMU) 93,40. – subst.: die vorvluchten und die grimmen, / die diser werlde walden HeslApk 22694; ÄJud 30    2.2 von Tieren: swenne in sin zorn ane quam, / als ein grimmer ber er bram Herb 2990; er [Isidor] spricht auch, daz der veigenpaum sô grôzer kreft sei, pinde man ainen gar wilden grimmen ochsen dar an, er werd zam und sänftig BdN 322,19. 132,4 u.ö.; Mügeln 214,3; Schrätel 234; Wh 317,6. – von Greifvögeln (vgl. krimvogel und gramvogel ): iedoch geschiht daz oft, daz diu üppigen hüendl vliehent auz den getrewen flügeln der muoter alsô verr, daz si die grimmen vogel hin füerent BdN 193,9. 200,15    2.3 als Attribut zu ende oder tôt: im hete der recke Hagene den grimmen ende getân NibB 2064,4; dînes [Christi] grimmen endes KvWLd 1,124; ir mûzit alle den grimmin tôt kiesin PrMd (J) 344,26; wol ahzec sîner degene beliben dâ zestunt / mit dem grimmen tôde NibB 1615,3; der liebe herre sîn / leit des grimmen tôdes pîn KvWHerzm 348; unz an den grimmen tôt BdN 308,1; Wahrh 76; Wig 6965; Mügeln 166,6    2.4 grimme geisel ein Folterinstrument: anguilla: grimme geisel VocOpt 30.024; scorpio: grimme geisel ebd. 30.025; scorpio: grime geischel oder geluppet [giftig] schos oder tarant VocClos Sc 108    3 ‘schmerzerfüllt, verzweifelt, voll Jammers’ diz ist ein grimmiu nôt, / daz alle mîne [Etzels] recken suln vor in [den Burgunden] ligen tôt NibB 2000,3; des grimmen herzeleides phnehen [Schluchzen] KvHeimHinv 187; si wainten uil grimme Rol 5620. 6745; swie sie vor leide wæren grimme LvRegFr 4346; KvWSchwanr 874; KlageB 1481    4 adv. auch intensivierend ‘in besonderem Maße, außerordentlich’ Adam sin wip erchande so noch sit ist in dem lande; / ich mein ez an die minne der man noch phlegit grimme GenM 21,5; den von Tenemarke was vil grimme leit, / ir herre was gevangen NibB 192,1; ouch ist sô grimme stark der wundernküene man ebd. 872,3 u.ö.; wan im [Jesus] so grimme we beschach WernhMl 9361

MWB 2 926,63; Bearbeiter: Richter

grim stM. , grimme stF. selten Pl. ( Gauriel 1894. 1982; Kchr 7090 ). 1 von heftiger Erregung und rohem, ungestümem Verhalten, nicht immer klar zwischen den Bedeutungen zu unterscheiden
1.1 ‘Zorn, Wut, Angriffslust’
1.2 ‘Wildheit, Heftigkeit, Ungestüm’
1.3 ‘Leid, Verzweiflung, Not’
2 ‘Bosheit, Grausamkeit’
   1 von heftiger Erregung und rohem, ungestümem Verhalten, nicht immer klar zwischen den Bedeutungen zu unterscheiden    1.1 ‘Zorn, Wut, Angriffslust’ dô der künic hôrte daz, / er begreif sô grôzen haz, / daz sîn gemüete in zorne bran / und er grisgramen began. / von zorne wart er missevar: / er sach vil zornlîche dar. / mit grimme er zürnende sprach RvEBarl 8423; in grimme wart gewâfent dô der helt guot NibB 2325,2; [des] kampfes grimme / verwandelt ir stimme, / daz sî dâ wâren unerkant Iw 7519; dô Gêrfridolt, dem enen sîn [dem Schwiegervater des Gefallenen] , / wart gesagt, in het gevalt der Antschouvîn, / man iach, daz er vor grimme wol îsen vraeze [zum ‘Eisen fressen’ s. TPMA 2,449] Loheng 5726; Rol 8975. 5713; EnikWchr 24579; StrKD 58,I 113. – ~ ûf/ zuo etw.: er [der fromme Mensch] hat oͮch enkeinen grim, wan alleine uf die súnde und uf gottes smacheit [Entehrung] Mechth 4: 18,63; was hilfet liebin zuͦ gotte und [gleichzeitig] grimmi zuͦ guͦten lúten? ebd. 6: 30,9    1.2 ‘Wildheit, Heftigkeit, Ungestüm’ hie liez er [der Löwe] sîne grimme / und erzeict im [Iwein] sîne minne Iw 3872; si [das Volk des Zernubele ] ezzent diu ros, / si lebent mit grimme. / der tuuil wont dar inne Rol 2691; sô möhte boum unde gras / und swaz ie grüenes bî mir was / dorren von der grimme / mîner [Gregorius’] unreinen stimme Greg 3525; dâ man ê hôrt vogellîn sang: / der klang in tal, in lüften erschal, / süezze stimme – / winters grimme [Härte] / tuot siu swîgen überal SM: WvH 7: 1,8; KLD:Kzl 12: 1,9; ez kumt ein wint, [...] / der sol mit grimme ervarn elliu künicrîche Walth 13,14; RvEBarl 15086. – hierher oder anzusetzen als krim ‘Klammergriff’ zu krimmen stV. (zur Vermischung der Wortstämme s. DWB 5,2307-2310): ez tut mir not / daz ich so in jamer lymme [schreie] , / wann mich hat in starkem grymme / in sinen clowen ein mechtig ar. / der drucket zu so vestlich gar, / daz ich den adem koume / gevahen mag Minneb 5072; sag an: wie ist ez kumen dar / daz dich in sin cloen ein ar / mit grymme hat derwischet? ebd. 5093 (vgl. waz arn ez sy, der mich da grymme, / daz saltu hie verhorn von mir ebd. 5104 ); sine spilende vreude was so starc / daz er mit vreuden uf spranc, / als in diu gotes liebe ouch twanc, / die in hete in ir grimme Vät 3247    1.3 ‘Leid, Verzweiflung, Not’ sus wart ir nôt sô rehte starc / daz si von herzenleide / ir blanken hende beide / mit grimme zuo einander vielt. / daz herze ir in dem lîbe spielt / von sender jâmerunge KvWHerzm 519; die vrouwe [Maxilla] erschrac, dô siez [ihre brennenden Kleider] ersach; / sie rief in grôzem grimme / mit wîssagender stimme: / ‘Jesûs, mîn got und hêrre mîn!’ HvFreibKr 755; diu bitter leides grimme UvZLanz 5261; mit grimme unde mit sere AvaA 2,5; Iw 1324; EnikWchr 282; WhvÖst 19066    2 ‘Bosheit, Grausamkeit’ ich [Susanna] nie der dinge dort / begienc, die sie [die beiden Alten] han geseit / uf mich und uz geleit / boslich in irme grimme Daniel 7697; alsô wurden si [die Römer] innen / des kuniges ubele unt sîner grimme Kchr 7583. 1077

MWB 2 928,12; Bearbeiter: Richter