gelîchgevar
Adj.
‘gleichaussehend, -geartet’;
mit Dat.:
manec storje dort geblüemet reit, / gelîch gevar der heide
Wh
20,9;
sô stêt in dem stalle mîn / den orsn ein ors gelîch gevar, /
diu dâ hœrnt ans grâles schar Parz
474,3;
dem lamme ist gar / gelîch gevar / der megde schar Walth
5,5.
– ohne Dat.:
wærn alliu tier gelîch gevar, / sô vorhte der lewe ir breiten schar
Freid
136,15
MWB 2 342,19; Bearbeiter: Bohnert
gelîchhalp
Adv.
1
‘gleich’ , mit korrelierendem als 2
‘zu gleichen Hälften, zur Hälfte’
1
‘gleich’, mit korrelierendem als:
gotis engel [...] machte den oven
kule / glich halb in sulcher vule / als ein wint der touwen let [Dan
3,50]
Daniel
1452
2
‘zu gleichen Hälften, zur Hälfte’
das wir [...] derselben stat zuͦ Wetflar unser
huͦs zuͦ Wertdorff gliche halbes eygintliche gegeben han
UrkWetzl
1,656
(a. 1349);
also daz di vorgenanten burge und stad [...] unz
[...] gliche halp ane wedirrede und geverde bliben
sullent [...] und Ulriche von Hanauwe daz ander halpdeil
[...] zu lehene UrkHanau
2,518
(a. 1339)
MWB 2 342,27; Bearbeiter: Bohnert
gelîchhëllende
Part.-Adj.
‘übereinstimmend’
ez ist zemerken, ob der glichellender wille der irrender
bescheidenheit [
voluntas concordans rationi
erranti
] böse si ThvASu
156,16.
156,23
MWB 2 342,38; Bearbeiter: Bohnert
gelîchlîcheit
stF.
‘Gleichheit’
daz aber der hymel sinibel sei, dez ist driveltige sach, wizzenleich die sache
der geleichlichait, und di sache der gemachleichait und die sache der
notdurftleichchait [
similitudo, commoditas,
necessitas
]
Sphera
62,17.
62,18
MWB 2 342,42; Bearbeiter: Bohnert
gelîchmëʒʒunge
stF.
‘Gleichmessung’, als Übers. von lat.
commensuratio:
ThvASu
20,21
(s. Anm. z.St.)
MWB 2 342,48; Bearbeiter: Bohnert
gelîchnisgëbende
Part.-Adj.
‘ein Beispiel, Vorbild gebend’
so seit es [das Buch]
[...] mit glichnusgebender wise von mengerley hailigen
werken Seuse
3,8
MWB 2 342,50; Bearbeiter: Bohnert
gelîchnisheit
stF.
in ~
‘in der Art eines Gleichnisses’
das man sy [die
warhait
] dester pas erkenn, / davon ich sprich in
gleichnusshait Teichn
618,27
MWB 2 342,54; Bearbeiter: Bohnert
gelîchnisse
stFN.
1
‘Gleichheit, Ähnlichkeit (mit jmdm./etw.)’
2
‘Vergleich, Vergleichung’
3
‘Bild, Ebenbild’
4
‘Aussehen, Gestalt’
5
‘Vorbild’ , nâch jmds./einer Sache 6
‘bildliche Rede, Gleichnis’
7
‘Heuchelei’
8
‘Übereinkunft, Vereinbarung’ ?
1
‘Gleichheit, Ähnlichkeit (mit jmdm./etw.)’
einunge wil haben glîchnisse. einunge enmac niht gesîn, si enhabe glîchnisse
Eckh
2:338,2;
glîchnisse gibet man dem sune in der gotheit, hitze und minne
dem heiligen geiste ebd.
5: 30,9;
der ritter [...] was Aamanz genant. / da von was er
nit bekant, / wann ime sinen getaufften nam / ein glichnisz gar benam, / die nach
Gawein scheyn: / jne hieszen den andern Gawein, / alle die jne kanten Krone
16521.
– mit Gen.:
daz mer [...] / der werlde
glichnisse treget, / wen sie sich immer weget / und nimmer stille bestet
HeslApk
13355;
des guͦden morteres [Mörtels]
gelichenisse hat die otmuͦdicheit Lilie
46,9;
do Sathanas zuͦ Herode kam, do vant er Lucifers
gelichnisse an dem verboͤseten man: has, homuͦt, gitikeit
Mechth
5: 23,100.
3:15,34;
di sele ist gemachet so man seit / zu glichnis aller
wisheit / und hat an ir daz ist gewisse / ouch aller dinge glichnisse
Brun
7210;
KvMSel
198.199;
HvFritzlHl
200,30.
– übertr.: ‘etw. Gleiches, Ähnliches’
des vinden wir ein glîchnisse in der natûre
Eckh
5: 424,4.
5:425,6
2
‘Vergleich, Vergleichung’
als dechein gelichnvsh des einigen trophen gen dem mer ist
[...]. also ist dehein gelichnvsh des zites vnseres
lebens gen dem tage. den got selbe machet so div werlt zerget PrLeys
4,15.17;
diz gelichnuͦsse hat genuͦmen der ewangelista von dem irdischen
kuͦnige zv dem himelischen kunige PrLpz(L)
46,15;
wir sagen iu etewenne ein glîchnüsse, wie schœne got sî PrBerth
1:389,22;
ein glîchnisse: [...] diu sunne erliuhtet
[...] den luft und durchliuhtet in
[...]. alsô tuot got mit den crêatûren: er wirfet sînen
schîn der genüegede in die crêatûren Eckh
2:294,6;
Tauler
291,2.
–
daz wir got niht envinden, daz ist des schult: wir suochen in mit
gelîchnisse, der doch niht gelîchnisse hât Eckh(Pf)
513,39;
mich wundert, daz die heilig geschrifft so voll ist, vnnd die meyster
sprechent, das man sey nit bedeütten moͤg also bloß, als sy ist, vnnd
sprechent, ob icht grobes darinne sey, das soll man auff thuͦn; aber man
bedarff dar zuͦ gleichnuß [allegorischer
Deutung]
Eckh
2:466,5
3
‘Bild, Ebenbild’
unsir sêle die got ime selbin zaineme chinde unde zainer
gelîchnusse hât geschaffen TrudHL
35,19;
als ouh Saule do geschach, / der [den von den
Toten heraufbeschworenen (I Rg 28,8ff.)] Samuelen niht anders sach
/ wan ein gelichinisse, der munt / im tet die komenden warheit kunt
RvEWchr
25933;
wan daz bilde daz sich da irbildit in deme spigile, inist nicht naturlich, mer
ez ist ockirt ein glichnisse des daz bilde ist Parad
136,28.
69,21;
minne ist daz êrste werc des willen und ein eigentlîch glîchnisse des heiligen
geistes HvFritzlHl
183,3;
Elis
8617.
8627;
DvASchr
371,22;
Vorsmak
1,442
4
‘Aussehen, Gestalt’
diser werlt gelichnvsh ist zergenchlich PrLeys
11,5;
zweier súne si [Rebekka] genas, /
der gelichenússe ungeliche schein RvEWchr
5462;
Spec
118,8;
Cranc
Ez 1,10.
–
in jmds./einer Sache ~ :
der [Hl. Geist]
[...] erschein in einer tuͦben gelichnisse
PrLpz
121,23;
daz die pristere huͦte dis tages von dem altere in brotes
gelichnusse gaben, daz daz si sin [Christi] war
lichnam ebd.
4,23;
er [...] machte ein bilde von horwe in einer
froͮwen gelichnisse VitasPatr
353,29.
350,22;
BdVollk
69,4;
HvFritzlHl
121,8;
Lanc
15,21
5
‘Vorbild’, nâch jmds./einer Sache ~ :
got hat [die Seele] geschaffen
[...] nach sines selbes gelichnisse vnd nach sinem
bilde PrLpz(L)
43,35;
got ist diu êrste sache [...] und er würket elliu
sîniu werc nâch dem gelîchnisse der êrsten sache Eckh(Pf)
528,35.
529,19;
mit Poss.-Pron.:
nah siner [Gottes] gelichenissi, so svllen ellv
vnser werch vollekomen sin Bihteb
15
6
‘bildliche Rede, Gleichnis’
do sait in unser herre ein gelichnuͤzze [
Lc 21,29
]
PrOberalt
11,19;
nu hœrt ein gelîchnüsse, niht vür wâr: / [...] swer
diz bîspel gemerken kan, / der bezzer sich Renner
23711.
20055;
nu nement ein grop gelichnisse weltliche lúte die kein ding
ennement denne noch sinnelicher wisen Tauler
124,14;
PsM
48,5;
PassIII
44,52
7
‘Heuchelei’
dîn êinuáltige skînet in állen dînen uuérchon. uuanta dú
fêichenes [
fictio
] unte
glîhnisses [
simulatio
] nîet ne rûochest
Will
22,5;
âne die minne ensint weder orden oder werch heilich, alleine
sîn dâ gelîchnisse heilicheite StatDtOrd
75,29;
PrBerth
2:672,34;
HlReg
33,2(Hs.)
8
‘Übereinkunft, Vereinbarung’?
also, daz dem, der [auf dem Jahrmarkt] mit dem
andern wirbet vnd chauffet, dev ê, dev trewe, dev gelihnvͦsse werde behalten
UrkCorp (WMU)
2345,13
MWB 2 342,57; Bearbeiter: Bohnert
gelîchnissede
stF.
1
‘Vergleich, Vergleichung’
2
‘Bild, Ebenbild’
3
‘Aussehen, Gestalt’ ; 4
‘Gleichnis’
1
‘Vergleich, Vergleichung’
dis ellend leben zergat alles mit bitterkeit [...]
und ist alles sin wesen nit wan ein bitterkeit des todes in einer gelichnúst gen dem
ewigen leben EngelbTr
68;
gib ain gelichnist von dem vor gesprochen sinne Gnadenl
1,621
2
‘Bild, Ebenbild’
er schuoph uns zi sîneme bilde vnde zi sînir gelîchnuschede
TrudHL
8,13;
daz ich [Gott] in [
den
mentschen
] geschuof nach mir selben, in miner gelichnust
PrWack
52,17.19;
dv́ gottis craft wurket da die gottis gelichniste in der
reinen sele DvAStaff
457;
Gnadenl
1,420.
– von einer Erscheinung, Vision:
da sah er entzwúschent himel und erde sweben ein
glichnúst, als ob es eins menschen glichnús were Seuse
338,20
3
‘Aussehen, Gestalt’;
in jmds. ~ :
do kam der túfel in ainer vrowen glichnust und wolt in versuͦchen
PrGeorg
279,13.
– mit Vergleichssatz:
Jêsus, der von iu ist genomen / ze himel, der wil aber komen / in der
gelîchnust, als ir in / hant gesehen scheiden hin / ûf in daz himelrîche
WvRh
13010
4
‘Gleichnis’
parabola: glichnust EvAlem
57(Mc 5,13);
dc unser herre sinen iungern ze ainen zîten sait ain gelichenuͥste
PrSchw
2,39;
als gaͮb [...] in vnser her an
gelichnuͥst PrSchw(Sch)
382a,22
MWB 2 344,20; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsame
stF.
1
‘Ebenbild’
2
in jmds.
‘in jmds. Rolle, jmds. Standpunkt einnehmend’
3
‘Gleichnis’
1
‘Ebenbild’
so wir irkennen, wie si [die creature
]
gottes gelichsami ist [...], so muͦzen wir got lobon
PrGeorg(Sch)
24,22.
24,13
2
in jmds. ~
‘in jmds. Rolle, jmds. Standpunkt einnehmend’
dv heiligv scrift [...] spricht in
der glichsami die da vmb got nôt lidint [
dicit ex persona
sufferentium
] : wir werden irtoͥt alle tage vmb dich [
Ps 43,22
]
BrEng
7
3
‘Gleichnis’
also gent ouch die maistir aine glichesami, alse sie wol mugin: da ain brunne
in ainem velse entsprunge, der enmac sich niht enthaltin, er inswaime alv́bir. also
swaimit ouch únsir herre alúbir die sele PrGeorg(Sch)
16,239
MWB 2 344,45; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsamen
swV.
‘jmdn. mit jmdm. (Dat.) vergleichen’
der disu min wort hoͥrt vnde sv tvͦt, den
glichsamon [
similabo
] ich eime wisen man der
da het gezimbirt vffin den stein [
Mt 7,24
]
BrEng
Prolog
MWB 2 344,58; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsât
stF.
‘Heuchelei, Verstellung’
daz diu gotis burch ieht irslichen werde mit der glîchsâte.
daz sulin diu wachenden ougen bewarn TrudHL
115,1;
der [
tugende
] aller
anegenge ist gedult in allen dingen. daz ander ist gehôrsame mit guͦter
einmuͦte [...]. daz dritte daz ist diemuͦt
âne gelîchsâte ebd.
60,2.
94,32.
– personif.:
dâ uehtent die âchuste mit den tugenden.
[...] dâ uihtet in [den
Menschen] diu glîhsât, daz siu uerwerthe die durnahten wârhait
TrudHL
114,8
MWB 2 344,63; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsenære
stM.
1
‘Heuchler’
2
‘Schmeichler’
1
‘Heuchler’
glichsner das sint alle die die eins redent vnt ein anders tuont PrWack
56,475(App.);
under die wâren gotes boten / sint trugenâre komen
[...]. / in der toufe hêre / sint gelîhsnâre
Kchr
3452;
dô leiten si den man / ir kutten eine an, / als er irs orden
bruoder wære. / hin slichen die glîhsenære Ottok
41044;
ein kündiger glîchsenær Helbl
5,42;
AvaLJ
54,6.
145,2;
VMos
29,29.
39,9;
PrOberalt
129,38;
ReinFu
K,2252;
RvZw
141,6;
HvBurg
3276;
BdN
170,32
u.ö.
– oft Übers. von lat. hypocrita:
dat einre hande luden sint, die heizent ypocrite, dat ist gelichsemere
Lilie
8,4;
waz vorsûchit ir mich, ir glîsnêre? EvBeh
Mt 22,18
u.ö.;
PsM
Per 2,14;
SchlierbAT (LS)
1,88;
Hiob
6374;
Tauler
186,22
( Mt 6,2)
– für lat. pharisaeus:
in der czit gyngen czu Jhesu meistere unde glissenere
EvBerl
22,17.
4,10;
Symon der glîhsenære Ottok
57570;
der glissenere / secte [
haeresis
pharisaeorum
]
HistAE
5465;
PrSchw
1,84
( Lc 18,10)
PrGeorg
22,33;
Teichn
300,124
u.ö.
2
‘Schmeichler’
parasitaster, adulator: glichsenere Gl
4:217,6;
SummHeinr
2:174,394;
man siht die glîchsenaͤre / den gewaltigen komen ze maͤre, / die
valsch sind unde lügelich, / und wellent dâmit lieben sich / und von den gewaltigen
lob empfân Ammenh
16379
MWB 2 345,9; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsenærin
stF.
‘Heuchlerin’
glîchsener unde glîchsenerin, dich bekennet der almehtige got vil wol, in
swelher glîchsenheit dû dich erzeigest PrBerth
1:62,4
MWB 2 345,35; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsenen
swV.
1 intr. ‘heucheln’ , subst. Inf. 2 tr. ‘erheucheln, vorgeben’
1
intr. ‘heucheln’, subst. Inf.:
so streipht man denn andren liuten ir guot ab mit gilen und mit glichsnen und
mit mengerhant listen PrEngelb
205,146;
sanctus Paulus [...] nennet die
houptsünde sus: [...], / gelîchesen,
zouber [La. glihsenen, zavberen
] , trügeheit
RvEBarl
4035
2
tr. ‘erheucheln, vorgeben’
si gelîchsente grôz ungehabe / [...]
gelîch einem wîbe, / diu ze solhen nœten gât [d.h. gebären
wird]
Tr
1920
MWB 2 345,39; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsenerîe
stF.
nur glis(s)-, vgl. aber fnhd. gleichsnerei neben
gleisnerei (FWB 6,2352f.).
‘Heuchelei’
alsô schînet ouch ir [
Pharîsei
]
wêrlîchen den lûten von bûzin gerecht, abir von binnen sît ir vol glîsenerîe und
ungerechtikeit EvBeh
Mt 23,28;
hoffart, scharffekeit, vppige ere, ruͤmonge, vngehorsamkeit,
widerstellonge, versteynonge, glissenerie vnd klapperie Pilgerf
Bildbeischrift vor 7339. vor 7990.
8035.
Bildunterschr. nach 9107
MWB 2 345,48; Bearbeiter: Bohnert
Gelîchsenhart
stM.
fiktiver Personenname, ‘Heuchler’
Schindengast und Lügenhart / und sîn bruoder Trügenhart, / Smeichart, Swerolt,
Glîchsenhart, / [...] pflegent des hofes naht und tac
Renner
9073
MWB 2 345,57; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsenheit
stF.
‘Heuchelei, Verstellung’
also schinent ir avch von vzzen den menschen gerehte, aber
inwendik sit ir vol glichsenheit vnd bosheit [
pleni estis hypocrisi
et iniquitate
Mt 23,28
]
EvAug
58,5;
vor kündiclîcher glîhsenheit / sol man sich sêre hüeten RvZw
141,6
u.ö.;
techanîe, bistuom und abbatîe / kan nu erwerben gîtikeit / mit schôn gemâlter
glîchsenheit Renner
806
u.ö.;
er [Gott] tuet dike einez als in einer
geleihsenheit [gleichsam unter dem Vorgeben] als ob er
dich von im werfen und treiben wolle: do ker dich nit an. gelaub mir, ez ist sein
meinung, daz du im dester zertlicher und güetlicher tuest AdelhLangm
93,32;
Spec
120,7;
RvEBarl
8087(La.);
PrBerth
1:61,36ff.;
PrSchw(St)
5,72;
Schachzb
74,28.
83,98.
–
die cristenlichen gelichsenheit [das vorgebliche
Christentum] , / die er [Kaiser Julian der
Apostat] vor des an im truc, / mit aller craft er von im sluc
PassI/II
356,65.
– personif.:
sô füert die fünften schar bereit / Misstriu unde Glîchsenheit, / Unmâze,
Trunkenheit dâ bî Helbl
7,538.
7,569.
7,700;
ketzerîe, rüemen, tratzen, [...], / stolzieren und
bœsiu glîchsenheit, / [...]: / diz ist der hôchferte
ingesinde Renner
294
MWB 2 345,61; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsenisse
stF.
‘Heuchelei, Verstellung’
daz ist wârheit, swenne ich daz offenbâre, daz ich in mînem herzen hân, und
spriche daz [...] sunder glîchsenisse und sunder bedahtheit
Eckh
2:167,1;
er [der ketzer
] gêt durch kein guot her
[in die Kirche] , niur durch gelîchsenüsse
PrBerth
2:50,14
MWB 2 346,21; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsenlich
Adj.
‘heuchlerisch’
hütet ivch von dem schribern [...].
di da frezzent di hüser der witiben. in glichsenlicher valscheit in langem
gepete [
qui devorant domos viduarum simulantes longam
orationem
Lc 20,47
]
EvAug
194,12
MWB 2 346,27; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsenunge
stF.
1
‘Einbildung, bloße Vorstellung’
2
‘Schmeichelei, Streben nach Begünstigung’
1
‘Einbildung, bloße Vorstellung’
[Christus hat die menschliche Natur nicht nur geistig, sondern auch
sinnlich-körperlich angenommen; eine andere Auffassung] enwere
nihtes niht anders denne ein glichsenunge der infleischunge [
fictio
quaedam incarnationis
]
ThvASu
46,1
2
‘Schmeichelei, Streben nach Begünstigung’
adulacio, ambicio: gesilchsnunge [l.
gelichsnunge
]
GlGerm
18,66
MWB 2 346,32; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsetzel, gelîchsetzler
stM.
eine Art Zähne:
daz dreierlai zend sein: [...] der
andernlai zend sint geleichsetzel [
dentes
continui
] , als des menschen, des pferds und des affen zend,
dar umb daz si geleich nâch ainander gezinelt stênt BdN
14,3;
diu tier, die gleichsetzler [
dentes
equales
] habent [...], als diu
rinder ebd.
14,19
MWB 2 346,41; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsîn
stN.
‘das Gleich-, Ähnlichsein’
glîcheit daz enist niht ein. [...] ez
[d.h. das Eine, die Einheit] gibet mir einsîn in der
êwicheit, niht glîchsîn [
unitas dat michi unum esse, non similem
esse, s. Anm. z.St.]
Eckh
1:216,7
MWB 2 346,48; Bearbeiter: Bohnert
gelîchsîtic
Adj.
‘gleichseitig, gleichlange Seiten habend’
der aryel [Opferherd auf dem Altar des
Jerusalemer Tempels] hatte czwelf elin in dy lenge und czwelf elin
in dy breyte. ja was er viereckecht und glichsytig [
quadrangulatum
aequis lateribus
]
Cranc
Ez 43,16
MWB 2 346,53; Bearbeiter: Bohnert
gelîchteilunge
stF.
‘gleichmäßige Verteilung’
[Ritter werden auf zwei Turnierparteien verteilt:] dô wart
gelîchteilunge schîn, / wan si begerten harte / daz ietweder parte / zweitûsent
ritter an sich züge KvWTurn
280
MWB 2 346,59; Bearbeiter: Bohnert |