Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gelîchunge - gelinc    


gelîchunge stF. 1 ‘das Gleichsein oder -werden’ , nicht immer deutlich zu unterscheiden
2 ‘Verhältnismäßigkeit’ , Übers. von lat. proportio
3 ‘Vergleichung’
4 ‘seelisches Abbild eines Dinges’
   1 ‘das Gleichsein oder -werden’, nicht immer deutlich zu unterscheiden: daz si [die Seele] im [Gott] wirt also gelich, / daz deu selbe gelichunge / hier wirt ain ainung MvHeilGr 1403; daz kumet von temperunge / vierleige vuchtenunge. / daz ir glichunge [Ausgleichung] were / hat got [...] geschicket arzedie und rat Secret 1493; die sel ist aller sach ein geleichung KvMSel 195; PrGeorg 143,12; Eckh 5:259,8. ~ des tages unde der naht ‘Tag- und Nachtgleiche’, Übers. von lat. aequinoctium: do seind zwai equinoctia, ‘geleichung des tages und der nacht’ Sphera 71,31.32.35    2 ‘Verhältnismäßigkeit’, Übers. von lat. proportio: aber daz ewig leben ist ein fürtreffendes ende der glichung der menschelichen naturen [ finis excedens proportionem naturae humanae ] ThvASu 196,34; ebd. 278,2 (Pl.)    3 ‘Vergleichung’ wan in der zcênden regulen [der X. Kanontafel] ir îclîches eigene spruche [das Sondergut jedes Evangelisten] alleine sin bescriben, sô mac bî dem kein glîchunge [ comparatio ] sîn daz alleine ist [d.h. es können keine Vergleichs-, Parallelstellen angegeben werden] EvBeh 4    4 ‘seelisches Abbild eines Dinges’ sy [Seele] ist da zü genaturt, das sy enphaͤcht aller sach gleichung in irr verstantnüsse KvMSel 196; der sêl kraft, die dâ haizt fantastica oder imaginaria, daz ist als vil gesprochen sam deu pilderinne, dar umb daz si aller bekantleicher ding pild und geleichung in sich samnet BdN 4,26

MWB 2 347,1; Bearbeiter: Bohnert

gelîchverwic Adj. ‘(gleichfarbig:) gleichmäßig gefärbt, einfarbig’ des paumes zäher ist scheinig und weizlot und ist leiht und gleichvirbich [ gutta [...] aequaliter colorata ] BdN 358,5

MWB 2 347,31; Bearbeiter: Bohnert

gelîchwirdicheit stF. ‘Gleichwürdigkeit’, in verdienunge / daz verdienen der ~ ‘Verdienst, das dem Lohn äquivalent ist’ als Übers. des lat. Terminus der Rechtfertigungslehre meritum condigni (dafür auch gelîche wirdikeit der verdientheit [ ThvASu 340,21]): dar umbe so vellet die zuonemunge der gnaden under die verdienunge der glichwirdikeit ThvASu 342,14. 342,5

MWB 2 347,35; Bearbeiter: Bohnert

gelîchzeichen stN. ‘Beispiel, Gleichnis’ du hast uns gegeben in ein gleichzeichen der welt [ posuisti nos in similitudinem gentibus Ps 43,15 ] PsMb 30(Glossar)

MWB 2 347,43; Bearbeiter: Bohnert

gelide stN. ‘Gliederbau, Körper’ ich enweiz wer ein maget wære, / diu schœnste die ich ie gesach. / [...] ir gelide was hêrlich Flore(S) 3561; das beste guͦt / das sy [Natur] fúrmocht [...], / das tett sy [...] / an ir [Marias] gelide und an ir lip WernhMl 905

MWB 2 347,47; Bearbeiter: Bohnert

gelidemâʒe stF. ‘Beschaffenheit der Glieder, des Körpers, Wuchs’ er was ain vil schoͤn man, / von rechter glidmauß ganntz; / sein lib het niendert kain schrantz FrSchw 2469

MWB 2 347,53; Bearbeiter: Bohnert

gelidemæʒe stN. Pl. auch -er. ‘Gliedmaßen, Glieder’ sente Paulus sprichit: diz houbit und dise gelidimese sint ein lichame Parad 22,1; der [ man ] was lam unde gebrechlich an allen sinen geledemezin Köditz 90,26; daz der mensch gesunt lîp und ganze gledemêzer [erg. habe ] Eckh(S) 21,17

MWB 2 347,57; Bearbeiter: Bohnert

gelider stN. chlider Teichn 322,96. ‘Gesamtheit der Glieder, Gliederbau, Körper’ ein jêric lam, [...] daz sunder meil / wêr [...], / nicht blint nicht krum an dem gelider JvFrst 193; ab im wart rinnen der sweiz / von allem sîme gelider ebd. 3703. 3848. 8019; des valle wir vîrstunt gar dar nider / mit des lîchnams allem gelider [ toto corpore ] , / nâch der lenge gelîche gestrackt / und di bein von uns gerackt [...] / und êren sô daz vrône krûze ebd. 7328. – umschreibend: ûf richte er sich wider / und brûchte sîner knî gelider JvFrst 3428

MWB 2 347,63; Bearbeiter: Bohnert

gelidere stN. Koll. zu lëder. ‘(gewöhnlich aus Leder gefertigter) Überzug des Sattels’ daz dâ [am Sattel] solt sîn daz gelidere, / daz was ein pfeller guoter slaht Flore(S) 2802; das gelider was ein pfeller dicke, / von golde dar uff gestricke TristMönch 389

MWB 2 348,10; Bearbeiter: Bohnert

gelidet Adj. wol gelidet ‘mit guten, starken Gliedern versehen, von kräftigem Körperbau’ Antenor der was harte lanc, / smal vnde doch niht kranc, / wol gelidet, wol gestalt Herb 3223; [Achilles hat] grozze lide feste, / [er ist] vzzer mazze wol gelidet ebd. 2985. 3086; alsam ein löuwe ist er gebrust / und als ein hiune wol gelidet KvWTroj 29563

MWB 2 348,16; Bearbeiter: Bohnert

geliep Adj. 1 ‘(einander) lieb’ ;
2 subst. Pl., ‘Personen, die einander lieben’
2.1 überw. ‘Liebende, Liebespaar’
2.2 anders
   1 ‘(einander) lieb’; präd.: dô wurden vile gelieb die zwêne bruoder, / Esau unde Jacob Gen 1713; GenM 72,19; got sende sî zesamene, die gelieb wellen gerne sîn MF:Kürenb 2:7,4; der kúnec und diu kúnegin [...] / warent gelieb under in zwain RvEWh 14251; wie geliep wir [Rennewart und Alise] ein ander waren Rennew 9213; Komp.: zwei gelieber wurden nie Er 2208. – attr.: die gebruͦder gelieben [Moses und Aaron] / uon dem chunige giengen Exod 1423; der wuocher, den daz ouge bar, / daz was ir zweier lîpnar [...]. / diu geliebe massenîe / diu was ir mangerîe Tr 16821. 12983    2 subst. Pl., ‘Personen, die einander lieben’    2.1 überw. ‘Liebende, Liebespaar’ der gelieben mûzen zwei wesen, / diu sich underminnen En 10222. 11599; seht, dise zwei geliebin / bi ein andir lagin / vil uroudin phlagin Athis D 64; da ergienc ein trûrec scheiden / von den gelieben beiden Parz 333,14; MF:Eist 1:2,3; UvZLanz 1099; Tr 11856. 4272; Elis 1489; SHort 5879; Hiob 9734. in der himmelporten koment zesammene die zwene gelieben, got und die sele Mechth 4: 24,9. 5:13,7    2.2 anders: duͦ sich die gelieben [Genelun und seine Krieger] / uone ein ander geschieden, / der iamer tet in uile we Rol 1728. 3225; daz wart dicke wole schîn, / daz si [Nisus und Euryalus] geliebe wâren En 6545; hine gienc dô Kâedîn / zuo sînen gelieben [Lieben, Verwandten] allen drîn UvTürhTr 118

MWB 2 348,24; Bearbeiter: Bohnert

gelift stN. vielleicht zu bair. gelifter (vgl. DWB 4,1,2,3016 s.v. Gelichter 1 c). ‘Sippschaft, Anhang’ ein [d.h. das göttliche] wort des Luciferis gift / gewaldiglich und sin †gelift / in füres flammen treib Mügeln 344,17

MWB 2 348,53; Bearbeiter: Bohnert

geligere stN. 1 ‘Lager, Schlafstätte, Nachtquartier’
2 ‘Beilager’
3 ‘Heer-, Kriegslager (zum Zweck der Belagerung)’
   1 ‘Lager, Schlafstätte, Nachtquartier’ spreto cubili surgimus: versmahtem geligere ufsten wir PsM H 12,1; ê dich dîn jungistez geligere / begrîff an dem bette Erinn 648; alsus gewan er ein jemerlich geliger Seuse 45,5    2 ‘Beilager’ den [Antichrist] wirt ein wib und ein man / mit unreinem geligere [...] / zu diser werlde bringen HeslApk 18515; swenne der sin uz wandert, / so enzundet sich des herzen ger [...] / zu sundigen geligere ebd. 1929. 10749    3 ‘Heer-, Kriegslager (zum Zweck der Belagerung)’ dâ schuofen ir geligere die von Tenelant Kudr 723,1; dâ er den Ungern schaden mêrte / und si müete mit geliger Ottok 11358; wand er niht enmöhte / geliger haben einen tac / an der stat, dâ er dâ lac ebd. 11168. 48351. 78783. – bildl. von Heuschrecken: dô daz geliger / die haberschrecken rûmten Ottok 96113

MWB 2 348,58; Bearbeiter: Bohnert

geligeric Adj. ‘bettlägerig’ sî [Minne] schuof, daz er [Liebender] ze lest gedêch / geligeric an ein bette nider. [...] für in wurden brâht / erzt die besten, die man vant HvBer 5458; do ich da aber kom vierzehen tag vor ostern, do wart ich geligerik [...], und die selben vierzehen tage lig ich also, daz ich ain wort nit gesprechen mag EbnerMarg 63,20. – subst.: wir, die dúrftingen und geligrigen dez spitals von Berne [...] tuͦn kunt [...] UrkBern 7,304 (a. 1347)

MWB 2 349,11; Bearbeiter: Bohnert

gelihtergit stM. oder stN. schwäb. ‘Familiengut, -besitz an etw. (Gen.)’ (vgl. SchwäbWb 3,292; DWB 2,1,2,3016 s.v. Gelichter 1 b): her Sch. hat derselben vischentzen gelihtergit DRW 4,9 (WürtVjh.; a. 1344); vnd darumbe setzze ich in ze gewern vnd ze burgen zu mir vnd minen erben [...] Withalem von Wal, der der vorgenanten halben hub gelihtergit haut UrkUlrich 2,57 (a. 1326); [Bertolt der Schiltower verkauft seinen Hof,] des fronhoves gelihtergit vnt mit namen: den Broͤiel wider dar in UrkFürstenb 5,318 (a. 1313)

MWB 2 349,21; Bearbeiter: Bohnert

gelihterîde stF. ‘Art, Sippschaft’, übertr.: sie [Sünde] heizet diu stumme sünde. [...] daz dû wænest daz ist ez, unde dannoch mêr alle sîniu glîhtrîde PrBerth 1:93,7

MWB 2 349,32; Bearbeiter: Bohnert

gelimde? stF. Bed. unklar: daz si gegen Troie vüeren / und dô die suone swüeren / in der gelimde valscheit KvWTroj 47793 (Bartsch, Troj. z.St.: "lies gelîmde?"; F. Bech bei Lexer 1,817 s.v. vermutet gelübede)

MWB 2 349,36; Bearbeiter: Bohnert

gelîme Adv. ‘wie angeleimt: fest angedrückt, angeschmiegt an jmdn. (Dat.)’ ir munt und ir wangen / vant si [die Mutter des G.] sô gelîmet [La. si im (ihrem Bruder) so gelime ] ligen / als dâ der tiuvel wil gesigen Greg 373

MWB 2 349,41; Bearbeiter: Bohnert

gelimpf stM. , gelimpfe swM. 1 ‘Benehmen, Verhalten’
2 ‘angemessenes Benehmen, Anstand, Takt’
3 ‘Angemessenheit, angemessener Eindruck’
4 ‘Eignung, Fähigkeit’ , ze etw.
5 ‘Heiterkeit; heiter stimmende Handlung, etw. Erfreuliches’
6 ‘Nachsicht, Erlaubnis’
   1 ‘Benehmen, Verhalten’ si [...] triben mit im iren schimpf. / dâ wider kund er den gelimpf, / der tôren was gemæze HBirne 194; Er 2169 (Konjektur). – meist näher bestimmt; durch ein Adj.: schœn unde guot was sîn gelimpf / und alliu diu gebærde sîn KvWTroj 610; UvZLanz 818; UvTürhTr 3570; MinneR302 184; der [Schächer zur Linken Christi] begundiz vble meine / mit sinem schimfe, / bose was sin glimfe Glaub 1861; daz was unfrouwenlîch gelimpf Parz 392,16; daz was gein friunde ein swach gelimpf ebd. 675,16; daz ich dir [...] wil gehôrsam sîn / mit dienstlîchem gelimphe RvEBarl 709; KvHeimUrst 1379; Vät 20131; PassI/II 65,75; HeidinIII 1040. mit guoter gehabe ich reit / âne des lîbes arbeit: / ich gap im [= dem lîbe ] sô senften gelimph / als ez wære mîn schimph Greg 1611; dô was ez gar ûz dem schimph: / in gap herten gelimph / der sweiz und daz bluot, / daz [...] ûz den wunden ran Ottok 58624. – durch Gen.: das git mir jamers gelimph RvEWh 619; er [Kaiser Decius] hete uz im [hl. Ypolitus] sinen schimpf. / sin honlicher spotes glimpf / begonde in anlachen PassIII 390,42    2 ‘angemessenes Benehmen, Anstand, Takt’ ouch behalt dû dînen glimph, / daz sî in ernest ode schimph HartmKlage 1633; habe aller dinge gelimph RvEWh 3431; dîn gelimpfe / sol sîn gein allen dingen Mai 18,32; min antwurt / hat gein der rede niht gelimpf WhvÖst 5201; sô hât leider mîn schimph / deheiner slahte gelimph HartmKlage 342; Iw 4412. Troyære valt er sunder zal / und âne gelimpfes mâze KvWTroj 12597; zuht, gebærde, mazze, scham / mit gelimpf er truͦg, / er was ze allen fuͦgen kluͦg WhvÖst 14299; daz wir die [ sache ] schiedin nach glimphe [Billigkeit, Rechtmäßigkeit] vnd vuͦge UrkCorp (WMU) 550,23. 245,37; KvWSchwanr 638; Seuse 370,6. – vereinzelt mit unbest. Art.: dô wart im [ künic ] diz mære / gesaget durch einen gelimph, / daz jener sprach durch sînen schimph RvEBarl 11719; und dûht in dô ein gelimpf / allez sîn geverte Flore(S) 7450    3 ‘Angemessenheit, angemessener Eindruck’ [der von seiner Niederlage gegen Erec berichtende Keiîn] gap dem schaden selhen gelimph [wusste ihn so zu beschönigen] / daz man gar vür einen schimph / sîne schande vervie Er 4842; jo dunkte mich niht zimelich [...], / das si hettint soͤlichen schimph / der in manlichen gelimph [einem Mann ziemendes Ansehen, Mannesehre] / brehte niht RvEWh 9862    4 ‘Eignung, Fähigkeit’, ze etw.: an den Bêheim man spurt / vil bezzeren gelimph / ze buhurdiern in schimph / denn zernstlichen strîten Ottok 17917; kunic Ruodolf si enphie / als ein man, der gelimph / hât zernste und ze schimph ebd. 26026; er het ze ritterschefte / [...] liutsæligen gelimph ebd. 16501 u.ö.    5 ‘Heiterkeit; heiter stimmende Handlung, etw. Erfreuliches’ mit den [Frauen] het er solchen schimpf getriben / daz ez in allen gap gelimpf Loheng 1325; dem vil trurigen man / ward gelimpffes vil getan / der vor nie waz geschechen [...] / durch daz daz sy frölich / machtind den geertten kaisser rich GTroj 17930; dô wart aber an gevangen / durch niuwe fröude unde schimpf / manic schœne gelimpf, / den di spilman kunden Flore(S) 7606. – ‘Scherz’, ~ trîben: sich began dar under triben / von worten maniger hande glimpf, / biwilen lachen ouch durch schimpf Vät 4269; wir [...] triben mit in unßn gelimpf ebd. 40644    6 ‘Nachsicht, Erlaubnis’ mit im [seinem Herrn] begieng ez [ ein kleinez hündelîn ] manigen schimpf. / dar zuo gap im guot gelimpf / beide vrouwen unde man Boner 20,12

MWB 2 349,46; Bearbeiter: Bohnert

gelimpfe Adj. ‘passend, angemessen’ di vursten mit den êwarten [...] gevîlen in den willen / wî si [...] di sache [Jesus zu töten] recht anvengten, / daz iz in zîtlich hengte [zu rechter Zeit gelänge] / in gelimpher mâzen JvFrst 725; gewinnent si aber hinnanthin me guͦtes, daz stúre sol geͣn, daz súnt si verrihten, als gelimpfe und fuͦge ist UrkFreiburg 3:195,33 (a. 1312) (oder swM.?)

MWB 2 350,55; Bearbeiter: Bohnert

gelimpfen swV. 1 ‘angemessen sein’
2 ‘etw. (bei jmdm. [Dat.]) angemessen finden, gutheißen; (jmdm.) etw. nachsehen, gestatten’
2.1 mit Akk.d.S.
2.2 mit Gen.d.S.
3 ‘jmdn./etw. mutwillig, achtlos behandeln, verspotten’
4 refl., ‘sich freundlich zeigen, sich angenehm machen’
   1 ‘angemessen sein’ (vgl. ahd. gilimphan stV., AWB 5,1000ff.): swelch kint schimpht, der schimphe alsô / daz man dervon nien werde unvrô. / bœs ernst kumt von bœsem schimphe: / man sol schimphen daz ez glimphe WälGa 662. – subst., ‘Angemessenheit, angemessenes Verhalten’ si sol sprechen, lachen unde schimphen, / alsô daz si sich tiure mit gelimphen RvZw 44,8 der kunic den ernst scheiden / begunde mit schimphen; / des kund im mit gelimphen / der burcgrâf antwurten wol [eine passende Antwort geben] Ottok 13312; WhvÖst 14512    2 ‘etw. (bei jmdm. [Dat.]) angemessen finden, gutheißen; (jmdm.) etw. nachsehen, gestatten’    2.1 mit Akk.d.S.: wan [...] si [ untrúwe ] so manig unselig man / geraten und gelimpfin kan, / davon si leidir tegelich / meret unde breitet sih RvEWchr 27640; die mirren und den wirouch / begonde er [Gott] für daz dimphen / der [als Brandopfer dargebrachten] kelber sit gelimphen KvWGS 1406; getriuwer sun Achille, / kein übel dû gelimpfe! / unhovelicher schimpfe / niht lache, noch ensmiere! KvWTroj 15015. 33882. sin swester och, Marie, / dú wolt im stete gelimphen / sin ritterliches schimphen SHort 6297; doch wizzest, daz min [des Evangelisten Johannes] heilickeit / gein im [Johannes dem Täufer] ist niht gebere. / davon so hast du mangen tak / unrehten krieg gehalten, / dez ich dir niht gelimpfen mak, / du solt sin niht me walten! HeinzelJoh 35,3; StRZürich(B) 61,35; MinneR439 562. – mit daʒ-Satz: dar umbe soltû mir vergeben / daz ich dir niht gelimpfe nû [...], daz dû / vor gotes ougen schuldic stâst KvWSilv 2471; Hätzl 1:23,13. – mit zusätzlicher Präp.-Gruppe: diz begundens ir gelimpfen [zum Guten auszulegen] / ze tugenden und ze höfscheit Tr 15616; subst.: mac ieman widerbringen / ein brechen rehter stæte? [...] / mac ieman kein gelimpfen dar zuo vinden? Hadam 523,5    2.2 mit Gen.d.S.: die dir dines unzúchtigen schimpfes under dine oͮgen [d.h. in deiner Anwesenheit] gelimpfen, die geben dir dar nach in irer bescheidenheit ungelimpf und getruwen dir dest minder Seuse 485,10    3 ‘jmdn./etw. mutwillig, achtlos behandeln, verspotten’ swer der kindre got glymphet / odir en me beschymphet, / verterbet sal der werden Daniel 1607; mit Ersparung des Obj.: darzû [Hostienschändung] sî sprâchin glimpfinde / unde hônlîch schimpfinde NvJer 23550. – subst.: gebunden sie en [Christus] vurten / zu Annam unde rurten / en schentlich mit gelimpfen Daniel 4201    4 refl., ‘sich freundlich zeigen, sich angenehm machen’ ez stôzent künige lant an dich, / die habent sich gen dir gesterket. / hâstû die lêre mîn gemerket, / enprîs dich in (daz ist mîn rât), / daz si sich müezen gelimphen / als ein wolf, der vor dem löwen stât KgTirol 35,6; nu wizzet, daz er [Fahrender] den nuz harte erarnet. / dâ von er sich den liuten muoz gelimpfen Litschauer 1:4,9

MWB 2 350,63; Bearbeiter: Bohnert

gelimpfer stM. ‘jmd., der alles, auch das Schlechte, angemessen findet, leichtfertiger Mensch’ nû ist der glimpfer âne zil, / sô vil die nû die bôsheit / minnent für die rehtekeit KvWTroj 49670; wan in die glimpfer bî / gestânt ir mordes, dâ von si / ze triuwen hânt kein minne ebd. 49679

MWB 2 351,58; Bearbeiter: Bohnert

gelimpfic Adj. 1 von Personen, ‘anmutig, gesittet’
2 von Unbelebtem
2.1 ‘angemessen’
2.2 ‘geeignet, passend für etw. (Gen. des subst. Inf. oder Rel.-Satz)’
   1 von Personen, ‘anmutig, gesittet’ ich wen in sulhen jaren / hab niemant kein junchfrawen / gesehen [...], / der sulch hubscheit wone by / und auch so rechte gelimpfig sy Minneb 4034; gelimpfigers noch gefugers / noch also schons [ wîp ] wart nie gesehen ebd. 1984; Hätzl 1:40,4    2 von Unbelebtem    2.1 ‘angemessen’ daz der vorginante Oswalt vnd sine erben [...] sollent geben [...] zwo herberge imme jare sich [dem Aussteller der Urkunde] selbe dritte, zwene ritende vnd einen loͮfende, ein mal ze gelinphiger zerunge vnd den pherden hoͮwe vnd fuͦter UrkCorp (WMU) 1050,16; der obeman hat oͮch gewalt, obe in ehafte not irret, disen missehel ze scheidenne, nach winahten vf ein gelinphfic zil [zu einem angemessenen Termin] dise schidunge stete ze habende ebd. 206,43; von dem geuͥberten guͦte sulent des vorgenanten spittals meistere [...] den selben bresten ufrihten und erfellen, als suͥ danne dunket gevellig und gelimpfig UrkStraßb 2:283,31 (a. 1315); UrkFreiburg(Sch) 247 (a. 1322); UrkRapp 437,12 (a. 1344)    2.2 ‘geeignet, passend für etw. (Gen. des subst. Inf. oder Rel.-Satz)’ vnd dar vmbe dv̍ gelinpfigu̍ zit gandes ze gotte ist nv̍ RvBib 30,24. 30,17; als das fu̍r niemer hirmt noch ab lat an wu̍rkende, die wil es glinphig materie het [ dum invenit materiam aptam ] , die es brennen mag ebd. 122,16.18

MWB 2 352,1; Bearbeiter: Bohnert

gelimpflich Adj. , gelimpflîche Adv. 1 ‘angemessen, passend’
2 ‘mutwillig, achtlos’ (vgl. gelimpfen 3 )
   1 ‘angemessen, passend’ diese versazzunge vnd dis verkoͮfen sol gegen dem gotshus von Basil [...] in der vuͦge geschehen, alse biderbe lúte achtent, daz es gelimphlich si nach dem dinge, als es har enzwischent mir vnd dem gottishuse alles geuertiget ist UrkCorp (WMU) N154A,5; vnd [ er ] sol ovch die [ vierhvndert marg ] weren mit silbere oder mit eigine oder mit lehenne, also ovch gelinflich vnde zimelich vnd reht ist ebd. 343,22; UrkHohenz 1,127 (a. 1313); MGHConst 6,1:738,9. hie vor dô zierten die man ir lîp / mit zöpfen [...]. / dô wâren die kalwen vil unwert. / durch einen glimpflîchen [zweckmäßigen] nutz / gedâhte man der almutz [Kopfbedeckung der Kanoniker] Bîspel(Pf) 38,21; in eren vnd in tugent glimpffig [schicklich, sittsam] , / hübsch, kurtz weilig vnd schimpffig, / mündlin rott, lieplichen sprach! Hätzl 1:40,4. – Adv.: vnd [ wir ] setzent deme Sengere [...] allez daz guͦt [...] zuͦ pfande vir den selben schaden vnd vir alle die mvͤgesal, gelimpfliche abezutuͦnne, dîe er oder sin nachkvmmen sin gewinnent UrkCorp (WMU) N100,14    2 ‘mutwillig, achtlos’ (vgl. gelimpfen 3): sinen glimplichen spot / [...] hette ein man / vnde sprach also [zu den die Gebeine des hl. Marcus in ihre Stadt überführenden Venedigern] : nu secht dar an, / daz ir icht effet vwer leben / vnde man uch habe aldort gegeben [...] / einen anderen lichamen, / des helfe ist an genaden swach PassI/II 330,83; Vät 41503

MWB 2 352,29; Bearbeiter: Bohnert

gelinc Adj. ‘link, auf der linken Seite befindlich’ sô heizet der almehtige got die rehten ze im kumen und stellet sie zuo der gerehten hant. sô stellet er die übeln zuo der gelinken hant PrBerth 2:211,15; die richter uff die rechten seytten und die burgermaister und rautgeben uff die glinken seytten StRAugsb 269,1; den glinggen arm Hätzl 2:33,86; EvPass 243,17(La.). – subst., ‘die linke Hand’ mit der glinggen ysz, das ist cluͦg Hätzl 2:71,85

MWB 2 352,59; Bearbeiter: Bohnert