garnde, gärnde,
garne
stF.
→
gearnede
MWB 2 105,27;
garnrocke
swM.
‘Garnrocken, Kunkel’
girgillus: garenroche Gl
4:215,18
MWB 2 105,28; Bearbeiter: Bohnert
garnvisch
stM.
‘Fisch, der mit dem Netz gefangen wird’
vnbe die garnvisshe sprechen wir, so der vissher en nuwe garn gemahchet
[...], so sol er niht wan einen vish nemen
UrkCorp
240,38.
240,28
MWB 2 105,30; Bearbeiter: Bohnert
garnvrete
swM.
zu
vreten
.
‘Garnquäler’, Spottname für Weber:
weber: garen frett, / loder: wollen czett
Teichn
600,43
MWB 2 105,34; Bearbeiter: Bohnert
garnwinde
swF.
‘Winde, Haspel, auf die Garn aufgespult wird’
girgillus: gernwind, garnwinde VocOpt
17.028
MWB 2 105,37; Bearbeiter: Bohnert
garnzuger
stM.
‘Garnspinner’
das di garnczuger [...] kein garn vorbas me bindin
sullin mit keinim baste, sundir mit deme selbin garne.
[...] vorkoufte ouch ein garnczuger einim webir garn,
das fuchte were, das sal im an der wage ane vor [=
vâre
] sten bi eime pfunde UrkBresl
104
(a. 1324)
MWB 2 105,40; Bearbeiter: Bohnert
garren
swV.
vgl.
karren
,
kërren
.
von Tierlauten:
er [
wer gerne redet über daz maz
] garret
als ein orehan [Auerhahn] , / der den munt kan offen lan
Jüngl
601;
Mügeln
155,6
(gouch);
die valle sy [Ratte] begraiff
[...]. / sie begund vaste garren Ratte
32
MWB 2 105,46; Bearbeiter: Bohnert
garst
Adj.
‘schlecht, verdorben; ranzig riechend, schmeckend’
einen spongen [Schwamm] bant man an einen schaft, /
da inne was eczech unde gallen, / garzt was iz bitalle WildM
1,350.
– subst.:
nim mandelkern, mache in schoͤne in siedem wazzer vnd
wirf sie in kalt wazzer, loͤse die garsten vz vnd stoz die besten in einem
moͤrser BvgSp
39
MWB 2 105,52; Bearbeiter: Bohnert
garst
stM.
‘ranziger, stinkender Geruch’
nim einen stoc visch, do niht garst insi, tuͦ im die
hut abe BvgSp
20;
etewenne wart ich [Sünder in der Hölle] entzündet /
ouf einem glüegenden harste [Rost] . / darnach chom ich ze
sölhem garste, / daz diu hitze da wider was ein tau Serv
3482
MWB 2 105,59; Bearbeiter: Bohnert
gart
stM.
auch stF. (
PassI/II
12,77;
Neidh(S)
2,158 c76:9,8
); vereinzelt sw. flekt.
JvFrst
4187.
1
‘Stachel, Treibstecken’
1.1 eigentl.; 1.2 bildl. 1.3
wider dem garte spürnen, wider den gart streben u.ä. vom Ochsen und
bildl. i.S.v. ‘aufbegehren, starrköpfig sein’ (TPMA 11,95;
vgl. contra stimulum calcitrare Act 9,5. 26,14) 2
‘Stachel’ des Skorpions 3
‘Gerte, Rute’
1
‘Stachel, Treibstecken’
1.1
eigentl.;
zum Antreiben von Zugtieren, bes. Ochsen:
aculeus. stimulus: gart Gl
4:212,49;
si begunden sæn, dar nâch egen, / ir gart ob starken
ohsen wegen Parz
124,30;
die fürsten hânt der esele art, / si tuont durch niemen âne gart
Freid
73,1;
als ein vihe mit garten / wurd dû [der
das Kreuz tragende Christus] von in gement
Ottok
49886;
Wh
352,9;
Helmbr
818;
Frl
5:27,14.
– als Zeichen der Standeszugehörigkeit des Bauern:
an dem sunnentage sol er ze kirchen gân, / den gart
in der hant tragen Kchr
14806;
aber wil er hofsit / an sich nemen fuͤr den
gart, / so belibt er nit an siner art Teichn
491,25;
Greg
2805.
– anders:
man bedorft nvͥt dez gartes, / der si ze
ritterschefte tribe TürlArabel
F 833
1.2
bildl.:
diu minne manic herze mennet / mit ir vil sharpfen garte
Rennew
28007.
19194;
RuprvWü
56;
in [Paulus] stach doch seines
leibes gart [
stimulus carnis II Cor 12,7]
HvBurg
2736;
der girden gart HeslApk
5941
u.ö.;
jâmer ist ein schärpher gart Parz
90,11;
nu sage, tôt, wâ ist dîn sige? / war ist nu komen dîn gart?
[I Cor 15,55]
LBarl
3361;
HeslApk
18165;
der bittern helle gart Tund
2140.
–
unmâze ist der untugende schar / gart WälGa
9918.
–
Christ bôt sîner rede garten / gegen den gevursten
êwarten JvFrst
4187
1.3
wider dem garte spürnen, wider den gart streben u.ä. vom Ochsen und
bildl. i.S.v. ‘aufbegehren, starrköpfig sein’ (TPMA 11,95;
vgl. contra stimulum calcitrare Act 9,5. 26,14):
der ohse kumberlîche lebt, / dâ er wider dem garte strebt Freid
139,16;
TrudHL
59,14.
–
ein man vil wisliche tuͦt / der gein dem garte
nit spuͤrnet Rennew
18715;
siv wen [= wellen
] steteclichen
streben / wider dem gotlichem garte Martina
262,109;
wizze daz dir ist zu hart / vf zv leckene in den gart PassI/II
181,85;
Wernh
D 1919;
PrStPaul
6,10.19
2
‘Stachel’ des Skorpions:
der lewe fürht den spitzigen gart des schorpen
BdN
143,14
3
‘Gerte, Rute’
er [Joseph] hub uf die rute; / do wisete got der
gute / ein zeichen an der selben gart, / wande si von bladen grune wart
PassI/II
12,77;
so wettet [verbüßt] er des chuniges malter, daz
sint zwene vnd dreizzich [Schläge] mit einem
gruͤnen æicheinen garte der dreier oder zwaier daumellen lanch sei
SpdtL(E)
Ldr 115;
SchwSp
85a
MWB 2 106,1; Bearbeiter: Bohnert
gart
stM.
→
garte
swM.
MWB 2 106,49;
gartacker
stM.
‘Gartenland’
in agro dicto der Gartacher UrkBern
4,300
(a. 1307);
vendiderunt [...] 1<1/2> gartackere apud
Rotenkirchen UrkStraßb
3:383,16
(a. 1330)
u.ö.
MWB 2 106,50; Bearbeiter: Bohnert
gart-, garte-,
gartenbrunne
swM.
‘Gartenquelle’, Übers. von fons hortorum ( Ct
4,15):
du bíst gártbrunno Will
71,1;
garteprunne TrudHL
61,25;
du [Maria] bist der süeze gartenbrunne Philipp
9737
MWB 2 106,54; Bearbeiter: Bohnert
garte
swF.
→
garde
MWB 2 106,58;
garte
swM. , gart
stM.
swM. Nom. Sg.
garten FrlSuppl
8:209,29;
Gen. Sg.
gartens UrkCorp
2151,18.28;
im Pl. vereinzelt umgelautet (
SalArz
19,29;
BdN
53,28
u.ö.; s.a. WMU 1,553).
– stM.
PassIII
415,7;
Mügeln
253,12.
358,17.
‘Garten’
1 im Ggs. zur Wildnis 2 als eingehegtes (umzäuntes, ummauertes) Stück Kulturland 3 als Nutzgarten 4 als Blumen-, Ziergarten 5 auf das Paradies bezogen 6 bildl., überw. mit abh. Gen. 7 phras., jmdm. einen stein in sînen garten werfen
‘Schaden zufügen, Schwierigkeiten bereiten’ (TPMA 11,139; Röhrich 5,1540)
1
im Ggs. zur Wildnis:
dy andirn [Kirschen]
[...] wachsin in den weldin, vnd di boume sint ho vnd
werdin gepfropt in di gartin Pelzb
127,20;
holtz und graz, wo daz auf gat, / daz ist wild an ainer stat.
/ daz man dann ze nutz wil haben, / daz wiͤrt aus der wuest gegraben, / in
einen garten gesetzt durich huͤt Teichn
37,5;
der garte aller wuoste gelach Kchr
6866
2
als eingehegtes (umzäuntes, ummauertes) Stück Kulturland:
sin [Bauer] hove vnd sin garte / was
niht bezevnet ze frvmen ReinFu
K,24.
K,64;
daz die augenprâw sein reht als die zeun umb ainen garten
BdN
10,24;
der gart was hôhe umbemowert PrStPaul
79,21;
TrudHL
56,30;
EnikWchr
18726;
UrkCorp (WMU)
414BA,8
3
als Nutzgarten:
swâ guoter hande wurzen sint / in einem grüenen garten / bekliben Walth
103,14;
swer chraut oder obs auz dem garten stilt
StRMünch
418,21;
sie hete kersboume ein teil / in ir garten gezogen
Eracl
3461;
Neidh
WL 5:2,10.
WL 6:1,9;
SalArz
111,5;
BdN
443,20.
– wohl für Gartenertrag, -ernte:
do chomen hovscrekken dare / si namen in garten unde chorn
VMos
39,7.
– in Verbindung mit best. Verben:
er [Kain] phlanzôte sînen garten
mit mislichen chrûten Gen
585;
ain man [...] zôch im ain guoten
garten [...] : / dar inne zôch er wurze unt crût
Kchr
6856;
arbeitet ein herre einen garten oder einen baumgarten oder
ander guot SSpAug
215,17;
SSp(W)
2:58,3;
der garte, sô her gesêwet und geharket wirt ebd.
2:58,2;
sicut hortus semen suum germinat: als der garte samen sinen chînet
PsM
Per 23,11;
dû muost [...] dînen garten jeten Neidh
SL 16:6,6;
StrKD
68,30;
Eckh
2:255,3;
Tauler
398,18
4
als Blumen-, Ziergarten:
rosen wachsen manchir var, / rot, wiz, bla
[...]. / man zut sie in den garten
Daniel
1967.
7641;
in einen garten ûf ein gras / vuort in der truhsæz bî der
hant; / [...] her Gwîgâlois der küene / kuolte sich und
ruowet dâ Wig
4072;
Tr
18192;
PleierGar
3181;
Ottok
67985
5
auf das Paradies bezogen:
Eden: garde Gl
3:379,54;
‘got hât gepflanzet ain paradýs’, daz spricht ain garte der
wollust [vgl. Gn 2,8
]
PrGeorg
158,12;
got dâ nâch began einen boumgarten phlanzen
[...], den hiez er paradîsum.
[...] / der selbe garto stât ôstene an der werlte orte
Gen
255;
JvFrst
11307
6
bildl., überw. mit abh. Gen.:
so wirt des riches garte / verwustet also sere / daz er
muͦz [...] / ungebuwen ligen Rennew
4100;
in disem garten der heiligen kilchen do stot manig wunneklich
boͮm mit vollen frúchten: das ist manig guͦt demuͤtig mensche
Tauler
188,11;
in lebens garten der tot iat, / da die helde hvrten hin
TürlArabel
*A 47,28;
Frl
2:9,12;
Daniel
6204.
–
tiure welt! [...] / du zarte gotes garte
FvSonnenburg
3,9;
du [Augustinus] were uns in dirre zit / in
gotes garte ein rose PassIII
415,7;
in gotez garten vindet man / chainer lauͤt so vil
gepawen / als chauscher priester und junchvrawen Teichn
218,32.
–
o wip, du fioliner garte Frl
3:8,1;
sit du der hosten wünne ein garte bist ebd.
5:101,1.
14:12,2;
von Hystroyss dü wirtin / was
[...] voller tugend ain blüme;
[...] / gantzer miltte ain gartte / was die schön
und zartte GTroj
7741.
– für Maria, im Anschluss an Ct 4,12 (hortus
conclusus):
Maria, du bis de beslozzen garde, / den godes huͦde
self bewarde MarlbRh
6,1
u.ö.;
MarldM
65;
SM:EvS
1:2,9;
KvHelmsd
4427;
Marien garte wirt nimmer ane woͮcher
Spec
93,21.
– für literar. Werke:
ich muoz ûz ir [früherer Dichter] garten und
[nämlich] ir sprüchen bluomen lesen Marner
14,288
7
phras., jmdm. einen stein in sînen garten werfen
‘Schaden zufügen, Schwierigkeiten bereiten’ (TPMA 11,139; Röhrich
5,1540):
bezzert her mir nicht, ich werfe im einen stein in sinen garten / unde eine
kletten in den bart Meissner
16:6,7
MWB 2 106,59; Bearbeiter: Bohnert
gartebrunne
swM.
→
gartbrunne
MWB 2 108,10;
gartenære
stM.
auch gert-;
sw. flekt.
UrkCorp
1672,45.
‘Gärtner’
er was ein gertener gereht / der dem garten rehte dut. / er
pflantzet manig kruͦdelin guͤt / und sewet vil guͤten samen
HvNstGZ
4112;
als ein gartenære, der einen garten pflanzen sölte und danne die böume
ûzriutete und wölte danne lôn haben Eckh
2:255,3;
si wand das er [Christus]
waͤr / ain armer gartenáre [vgl. Io
20,15
]
SHort
9786;
Kchr
6868;
Albert
1023;
StrKD
68,1
u.ö.;
EnikWchr
A II,744;
Pelzb
123,17.
123,26.
124,16;
Teichn
339,1;
ich bin gewesen wol ein jâr / alhie gartenære [Wächter des
Ziergartens]
[...], / daz nieman des geruohte, / daz er die bluomen
suohte / durch höbescheit noch durch prîs PleierGar
3253.
– in Rechtstexten:
vnd der garte hat sogetan reht, daz nieman dekeinen crutdisch
[Gemüsestand] setzen sol an den market an des
gerteners willen UrkCorp (WMU)
29,16;
das wir [...] irloͮben dien gartnern, dien
obzern vnd dien menkellern [Händlern] ein zvnft ebd.
80,21;
meister Egelolf der garteneren zvnftmeister UrkCorp
1672,45;
UrkFriedb
74
(a. 1306);
UrkSpeyer
297,1
(a. 1327).
– als Bestandteil von Pers.-Namen:
Marquart der Gartnær UrkCorp (WMU)
1209,43
u.ö.
– Gott als Gärtner:
der gartinâre [des verschlossenen Gartens,
Ct 4,12
] daz was der heilige gaist, der dâ
zuͦch in ire [Maria] alle die gruͦne unde
allen den wuͦcher, dâ got mitte gewenet wart TrudHL
57,2;
er [Christus] was sun des alden gerteneres, / der
gebelzet het in sinem garten [Paradies] / den boum, dar
an er selber sit des todes wolde warten [d.h. das Kreuz]
Frl
1:19,2;
der gartener got selber ist, / der peltzet wochen, tag, und vrist; / er gibt
auch leben und genist Suchenw
27,43.10.46.;
HvNstGZ
4126
MWB 2 108,11; Bearbeiter: Bohnert
gartenbrunne
swM.
→
gartbrunne
MWB 2 108,45;
gartenhalp
Adv.
‘auf der Gartenseite’
so sol man vber den kelre gartenhalp nit fv́ror v̂sschiesen denne drie
vuͤsse UrkCorp (WMU)
550,29
MWB 2 108,46; Bearbeiter: Bohnert
gartenhuon
stN.
als Abgabe:
item xxxvi pullos, qui vulgariter vocantur gartenhuͤner
UrkThurgau
3,836
(a. 1293)
MWB 2 108,49; Bearbeiter: Bohnert
gartenhûs
stN.
‘Gartenhaus’
tugurium: gartenhus VocOpt
5.008;
mappale: gartenhus ebd.
5.009;
[Übertragung der Gülte] , die ich hatte uff dem huse
[...], dz do lit [...] eynunt
nebent Ruͦdolfes garten hus, anderunt nebent Cuͦnrates Froheskun huse
UrkBeuggen
29,216
(a. 1314, kopial)
MWB 2 108,52; Bearbeiter: Bohnert
gartenkrësse
F.
→
gartkrësse
MWB 2 108,58;
gartenlêhen
stN.
‘Gartenlehen, verlehnter Garten’
die hovestete, die in den kelnhof hoͤrint ald in den vorsthof, ald
vnsers herrin spizlen ald vnsers herrin gartinlen, die svln von dem gvͦte
enkein stivre gebin UrkCorp (WMU)
33AB,31,30;
item iiii hube excoluntur [...] cum gartenlehen quod
soluebat hactenus vi solidos UrkFreisÖst
3,563
(a. 1296).
3,566
(a. 1296)
MWB 2 108,59; Bearbeiter: Bohnert
gartenlouch
stM.
‘Lauch, der im Garten gepflanzt wird’
nu gedenchen wir wie wol / úns was, do wir dort sazen / in Egipte
[...], / wie kúrbiz, bebin, garten louh, / knoblouh,
zibel, krútir vil / úns irvrischsten [l.
irvrischten
] ellú zil RvEWchr
13343
MWB 2 109,3; Bearbeiter: Bohnert
gartenman
stM.
‘Gärtner’
sie [Maria Magdalena] wande, er
[Jesus] were ein gartenman [
Io 20,15
]
EvStPaul
14532
MWB 2 109,8; Bearbeiter: Bohnert |