g – gâchlîchen gâchmuot – gagen gagen – galander galanderisch – 1galle 2galle – galter galtnüsse – gamerot gamîe – gancheil ganclîche – ganteren ganz – gärmic garn – gartenhuon gartenhûs – 3garwe garwwurz – gastmeisterin gastnusse – gaʒʒenspringer ge- – gebæric gëbærin – gëbendic gebenedîunge – gebietære gebietærin – gebiurischlich gebiurlich – geböume gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten gebrëstelîn – gebrûchic gebrûchlich – gebunt gebunt – geburst geburt – gedâht gedâht – gedense gederbe – gedinge gedinge – gedrange gedrâte – gedünste gedurchtriben – gegate gegatrom – gegenkouf gegenlëder – gegensetzunge gegensidele – gegenwertes gegenwertic – gegihte gegiric – gehaʒʒic gêhe – gehëlfe gehëlfelîche – gehilfe gehilfic – gehœric gehœrlich – gehügenisse gehugesam – geifer geifervrâʒ – geiselrieme geiselruote – geisticlich geistîn – geiʒhorn geiʒhût – gejeitschuoch gejeitvogele – gekünne gël – gelegede gelegelich – gelende 1gelende – gêlîche gelîcheit – gelîchmëʒʒunge gelîchnisgëbende – gelide gelidemâʒe – gêlingen gelîp – gëlm gëlmen – geloup geloup – gëlte gëltel – gelückede gelückederat – gelüstelîn gelustic – gemahel gemahelbettelîn – gemæʒicheit gemæʒiclich – 2gemeine 1gemeinen – gemeinsin gemeinunge – gemerrede gemêrsal – 2gemüete, gemuote gemüetic – gemutzet gemʒe – genâdenschüʒʒel genâdensol – genæmicheit genamʒôn – genemede genende – genëserinne genetzen – genieʒen genieʒlich (?) – genôʒen genôʒgeselle – gensîn gensischen – genuhtlîchen genuhtrîch – genuʒ genuʒt – gephrange gephünde – 1gerat 2gerat – gerëhen gerëht – gereisic gereitære – gerieme geriemen – gerihticlîche gerihtinsigel – geriune 1geriusche – gerouche geröufe – gerte gerte – gerûmiclich gerummel, gerumpel – gêrvalke gerwære – gesaten gesatznissede – gescheftbrief geschefte – geschepfnisse geschepfunge – geschiuwede geschoc – geschrihte geschrîp – gesëhen gesëhenheit – geselliclîcheit geselligen – gesihtic gesihticlich – gesite gesiten – geslihte geslinge – gesnæren gesnarren – gespenstnisse gesper (?) – gespræchelich gespræchetac – gespunst gespür – gestelle gestellet – gestifte gestille – gestrenglîche gestrenze – ge|stunge gestungede – gesuoch gesuochære – geswerme geswërte – gesworn gesworne – getelle getelôs – getougen getougen – getreigeret getrenke – getrüese (?) getrügede – getwædicheit getwædigen – gëtzen getzsal – gevalte gevanclich – gevëderen, gevëdern gevêhe – geverte|lehe gevertinne (?) – gevlester gevlitter – gevrier gevrist – gevülle gevuoc – gewahsenheit gewahst – gewaltroubunge gewaltsame – gewar gewar – gewe gewëbe – gewellen geweltigen – gewërben gewërbic – gewern gewërn – gewiere gewieret – gewinnen gewinnic – gewist gewiste – gewonunge geworden – gewzen (?) gezagel – gezëmelich gezemen – gezît gezîte – gezoc gezogen – gezwîen gezwîge – giefen giege – gifticheit gifticlich – giht gihtboum – gimbîʒen gimme – gippengappen gippentuoch – giric giricheit – gischen gîse – gîtigære gîtige – 1glan 2glan – glas(e)väʒʒelîn glas(e)vënster – gleimel gleimelîn – gleten glêtphenninc – glipfen glise – glocke glockehûs – glôriôs glôriôslich – gluothaven gluothert – goder goedertieren – golf gollen – goltgesmîde goltgesteine – goltreit goltrîch – golttropfe goltvar – gos (?) got – gotesarm gotesbeckære – gotesmordærinne gotesphenninc – gotgeformet gotgelâʒen – gotmeinunge gotmensche – gouch gouch – goukelære goukelbilde – goukelspil goukelsprütze – göumütte, -mutte göu|phâwe – grabe grabe – grâf- graft – gramerʒîe gramerʒîen – gransprunge gransprunge – gras(e)phenninc gras(e)spier – grâvenrëht grâveschaft – grebinc grebnisse – gremiclich grempære – griekech grien – griffel griffelære – grimmetât grimmic – grisegrammen grîseleht – griuslich griuwe – groppe gros – grôʒmüetic grôʒmuoticheit – grüenheit grüenlich – grunderëbe gründic – gruntübele gruntvestære – gruon- gruon- – grütschîn grutte – 1gücken 2gücken – güfticheit güfticlich – gûlen gülle – gumpenîe gunderam – guotdunken guotdunkende – guotswender guottât – gürtelgewant gürtellîn – gymnosophiste
|
gibelwant
stF.
auch gebelwant (vgl.
gëbel
3).
‘(vordere) Hauswand an der Giebelseite, Giebelmauer’
der rise truͦg ein stange - die waz zwelf kloftern lang - / zuͦr
hant vnd zuͦn armen ein schilt, [...] / einer gebel
wende waz er wol gelich WolfdD
1335,3;
von stachel waz sins schiltes rant, / braitt als ain gibel
wand GTroj
5410
MWB 2 776,62; Bearbeiterin: Baumgarte
gibic
Adj.
nur in der Wendung gibic unde gæbic belegt ‘gültig, üblich, im
Umlauf’ (von Münzen; vgl. gæbic,
gæbe
2,
genge
2.2, gengic
1):
der vor gnant Weichart oder sein hausvrow [...]
dienen [als Abgabe leisten] schulln
[...] ze rechtem purchrecht aller iaerichleichen
[...] an sand Jorgen tag drey schilling Wienner mvnz,
di zo den selben taegen gibich vnd gaebich sind UrkHohenf
393
(a. 1338);
UrkCorp (WMU)
N718,11
MWB 2 777,5; Bearbeiterin: Baumgarte
gîbitze
M.
auch giwicz.
wohl den Ruf nachahmende Bez. für die Vogelart ‘Kiebitz’ (vgl. Suolahti,
Vogelnamen, S. 264-67; der Glossierung onocrotalus [s.u.] wird häufig →
hortumel
‘Rohrdommel’, aber auch andere Vogelarten zugewiesen):
onocrotalus: giwicz Gl
3:25,32
(BStK875);
mîn herze gert niht touben, / brâchvogel, gîbitz, stâren, /
[...] / ez wil ouch anders keines vogel vâren; / wan
mit dem reigervalken gên den lüften / wil ez êt immer klimmen / nâch ir, der lob kan
nieman übergüften Hadam
528,2;
er kranch [Kranich] , er storch, er elbiz
[Schwan] , / er eul, er gouch, er gibiz, / er wergel
[Würger] , er grezel
[Leinfink] , er widehopf! / sol ich in zihen bi sinem
schopf? Jüngl
258
MWB 2 777,14; Bearbeiterin: Baumgarte
gickelen, gickeln
swV.
‘kichern, giggeln’ lautmalerische Iterativbildung (vgl. DWB 4,1,4,7316 und
7323 s.v. gicksen; Schmeller stellt das Verb zu gickel
‘inneres Beben, Zucken’, vgl. Schmeller, BWB 1,883f. s.v. gigkeln
und gigkel):
ein touber spottet oft eines stummen, / ein alter tôre eins jungen tummen, /
ein lamer gickelt ûf den krummen Renner
16138
MWB 2 777,29; Bearbeiterin: Baumgarte
gickelvêch
Adj.
‘buntscheckig, bunt durcheinander, kunterbunt’
iuch genüeget niht, daz iu der almehtige got die wal hât verlân an den
kleidern, wellet ir brûn, wellet ir sie rôt, blâ [...]. man
muoz ez iu ze flecken zersnîden, hie daz rôte in daz wîze, dâ daz gelwe in daz
grüene; sô daz gewunden, sô daz gestreichet; sô daz gickelvêch PrBerth
1:396,29;
auf der kykelvehen wyse bei einem chleinen wazzer Mühldorf
K 41;
nu werdent halp edel knehte / von Geppen und von Ruoprehte / geborn, die tuont
vil rehte / nâch gickelvêhem geslehte Renner
1662;
geistlich leben ist niht gar veste, / êlich leben hât fremde geste, / pfaffen
leben ist gickelvêch ebd.
6027;
Neidh
SL 21:7,5.
WL 29:8d,1
MWB 2 777,37; Bearbeiterin: Baumgarte
gickelvêchroc
stM.
unklar, ob Syntagma.
‘buntes Obergewand’ (vgl.
roc
):
polimita: gigilvehroch [La.
gicgelveherroch
] vel multicolor tunica SummHeinr
2,31,14
MWB 2 777,52; Bearbeiterin: Baumgarte
gickengouch
stM.
→
gucgouch
MWB 2 777,56;
giechhalme
swM.
→
jochhalme
MWB 2 777,57;
gief
stM.
md. gîf (
Secret
159;
Hiob
7678
), deshalb Interferenz mit →
gif
stM. möglich (s.u.
Hiob
14998
).
‘Dummkopf, Schwachsinniger, Narr’
sie sprach san: / ‘[...] er [der
Scholar, Liebhaber] hat vür den zantswern / mir geschriben einen
brief.’ / also afte sie den gief [
‘Trottel’, ihren Ehemann]
Frauenlist
558;
ReinFu
K,866;
RvMunre
720;
HBirne
185;
in ungedanken dô entslief / der selbe bôse verstocte gief EbvErf
2600;
HistAE
410;
Vät
2377;
ir gewonheit si des twanc, / daz si so nacket liefen / gelich den tummen
giefen Pass I/II (HSW)
35436;
HvFreibTr
5115;
minen knecht ich zumir ryf / durch helfe, der als eynen
gyf [Bettler ?] / mich versmete und mir nicht gab /
antwurte nach [l. noch
] der helfe
stab [Iob 19,16 und Komm. des N. de Lyra]
Hiob
7678.
– unklar, ob hierher oder zu
gif
i.S.v. ‘Gierschlund’
Cetus der visch / hoffet er sulle verwinden / alle vysche und
verslinden / den er volget; und sy vlyn / und ken des meres stade czyn, / da das
wazzer ist nicht so tyf / das da swimmen muge der gyf Hiob
14998
MWB 2 777,58; Bearbeiterin: Baumgarte
giefen
swN.
Bed. unklar, möglicherweise ‘grobschlächtiges, dummes Betragen’ (zu
gief
) und/ oder das Hervorbringen von Lauten mit offenem
Mund, ‘Schreien, Lärmen’ (zur gemeingerm. Wurzelbed. ‘klaffen, offen
stehen’ vgl. DWB 4,1,4,7343f.):
hie mit si gen im liefen mit hatschen [Äxten] und
mit kuͤlen. / ir guften und ir giefen gap solchen doz, iz mohte drab
ergruͤlen / mangem JTit
2738,2
MWB 2 778,15; Bearbeiterin: Baumgarte
giege
Adj.
‘dumm, töricht’
die giegen beginen [Beginen] /
tuͦt er [der Geiz, die Habgier] och nach den winen
/ stellen und fúrkoffen [im Voraus kaufen zum Zwecke der
Preistreiberei] korn, / dez ir vil menigú wirt verlorn
SHort
4995;
und wohl auch (Konjektur):
ebd.
5045
MWB 2 778,23; Bearbeiterin: Baumgarte
giege
swM.
‘Dummkopf, Trottel’
menschen widerwerteclich / die livte da mitte betriegen / machen siv ze giegen
Martina
92,54
u.ö.;
gewinnet si etswenne muot, / daz si mê müge triegen, / so wænent dan die
giegen / daz in daz niht schade sî Katze
2050;
wol fuogt den affen tôrenspil, / ez gent die narren gerne ir
guot den giegen KLD:Kzl
16: 13,16;
der giege vertort WhvÖst
11620;
Reinfr
354;
SHort
6020
u.ö.;
Neidh (S)
1,456 c189:1,16.
– vereinzelt gërnde giegen
‘Spielleute, Possenreißer’
des man die gernden giegen / gelichet noch den fliegen: / sam
die fliehent die winter zit, / so tunt die spillút den strit
SHort
3177
MWB 2 778,29; Bearbeiterin: Baumgarte
giegel
stM.
‘Dummkopf, Narr’
da von er tor, er giegel, / der siht in dehainen spiegel: /
er waiz niht was im misse zimt WhvÖst
2705
MWB 2 778,42; Bearbeiterin: Baumgarte
giegel (?)
stMN.
Hs. gigel.
Bed. und Ansatz unklar; möglicherweise i.S.v. ‘Unfug, Dummheit’ zu
giege
swM.; oder verwandt mit erst später belegtem
gigeln
‘hüpfen, zappeln, heftig verlangen’ (vgl. DWB 4,1,4,7478) und gugeln,
gügeln (vgl. DWB 4,1,6,1052 ‘um sich schlagen, heftig gebärden’),
also etwa ‘Gerangel, Schlägerei’
mich trieg der wan, / sich hebt noch heut ein gigel
[:spiegel; La. krieg
] / wer
da gewin / der werf sein flust vber einen zawn Neidh (S)
2,220 c124:6,18
MWB 2 778,45; Bearbeiterin: Baumgarte
giegengêre
swM.
→
gugengêre
MWB 2 778,55;
giel
stM.
‘Maul, Rachen, Schlund’
alse der trache dô gelac, / daz er in tôten gesach, / den
giel er im ûf brach, / [...] / ûz dem rachen er im sneit /
der zungen mit dem swerte Tr
9058
u.ö.;
Wig
5033;
HvNstAp
10171;
min gabe si das leben din [Kranich] ,
/ sint du in minem [ des Wolfes] giele bist genesen
Mügeln
67,12;
wie cleine im [dem Schrätel] wâren sîne glider, /
ez was doch starc und greif hin wider / dem müeden bern in den giel Schrätel
239;
StrKD
107,232;
KvWLd
1,150.
– auch als Bestandteil von Personennamen:
Otto der giel UrkCorp (WMU)
2869,36
u.ö.
– übertr.:
–
‘Abgrund’
sich beweget der grunt / [...] / und machet grôze
ündeslege [Wellenschläge]
[...] / und hât [...] vil manegen
vesten kiel / versenket in des meres giel HartmKlage
366;
der vil witen helle giel Martina
159,8.
265,35.
–
‘Gefräßigkeit’
der tuvel siczet / und mit den richen spiczet / in den vinstern sine schohz
[Geschosse] / durch sinen gyl, durch sinen vrohz
[Fraß] / wi er di unschuldegen / ersla TvKulm
4164
MWB 2 778,56; Bearbeiterin: Baumgarte
giemolf
stM.
vgl. auch
gînolf
.
Bed. unklar, wohl zu giemen (vgl. DWB 4,1,4,7347, dort ‘Narr,
Maulaffe’) als jmd., dem der Mund offen steht (vgl. FrlWB, S. 127 und
Anm.z.St.; ähnl. gum, vermutlich zu guome
‘Gaumen’), ‘Dummkopf’
‘Großmaul, Dummschwätzer’
gum, giemolf, narre, tore, geswig der toten kunst! / min munt, min gunst, /
die widersagen dir beide Frl
5:116G,1
MWB 2 779,13; Bearbeiterin: Baumgarte
gienen
swV.
→
ginen
MWB 2 779,21;
gier
stF.
→
gir
MWB 2 779,22;
gieʒâder
swF.
‘Arterie, Schlagader’
die giezâdern her [er] im brach, / daz her tôt viel
an den graben En
4710
MWB 2 779,23; Bearbeiterin: Baumgarte
gieʒe
swM.
1
‘fließendes Wasser, Strömung’ (vgl.
gôʒ
) 2
‘Wasserarm, Bach-, Flusslauf’
1
‘fließendes Wasser, Strömung’ (vgl.
gôʒ
):
sîne boten [hier: Botschaften auf
Holzstücken] er ze handen nam / und leites in die giezen / und lie
si hine vliezen Tr
14617;
an des ersten mandis schin, / was ich bi eime vlieze; / groz
was sin stram von gieze, / Tygris hiez ez Daniel
6580;
do viel er in einen ungehúren giessen des Rines
Seuse
81,7;
Hadam
292,7.
– übertr.:
und was min ermú sel in der tieffen vinstri
verieret, sú was mit dem schmertzen des todes und der helle dick
umgeben, mit den wuͤtenden giessen der ungedankheit jemerlich
besoͮffet Seuse
549,11
2
‘Wasserarm, Bach-, Flusslauf’
I ager mit maten vber den giessen vor den lohen vmbe Sigelin von Heiligenstein
UrkCorp (WMU)
N150,16.
–
‘Sturzbach’
der rehte runs tuot schaden niht, / wan der nimet slehten
strich / sîne rihte vür sich, / sô siht man ie die giezen / schedlîch ûz
vliezen. / die giezen gerne ergiezent, / sô sie mit schaden vliezent
RvEAlex
1453.
1445;
dô Jhêsus diz gesprochin hatte, dô gînc her ûz mit sînen jungern ubir di
gîze [
trans torrentem
]
EvBeh
Io 18,1
MWB 2 779,26; Bearbeiterin: Baumgarte
gieʒen
stV. (IIb)
zur Lautgeschichte vgl. DWB 4,1,4,7394f.
1 intr. ‘fließen, strömen, sich ergießen’
2 tr. 2.1 mit der Substanz, die gegossen wird, im Akk. (Metall gießen als Handwerk s.u.
4 ) ‘etw. (aus-, ein-, ver-)gießen’ (oft mit präp. Angabe des
Ziels [ ane , în , über , under ,
ûf , zuo ] oder des Behältnisses
[ ûz ]) 2.1.1 von Flüssigkeiten 2.1.2 von größeren Mengen sehr kleiner Dinge 2.1.3 von als unbegrenzt und formlos aufgefassten Phänomenen und Vorstellungen 2.1.4 phras. 2.2 mit dem Behältnis/ einer Maßeinheit im Akk. und der Flüssigkeit im part.
Gen. oder präp. Obj. ( von ) 2.3 mit dem Ziel im Akk. ‘etw. (Pflanzen) begießen’
3 refl. ‘sich verströmen, ergießen, hineingießen’
4 geschmolzenes (Edel-)Metall in Formen gießen, gestalten (ggf. mit präp. Angabe des
Materials [ von , ûz ]) 4.1 in unpersönl. Konstr. mit
lâʒen
4.2 tr., mit dem gegossenen Werk im Akk. 4.3 Part.-Adj.
1
intr. ‘fließen, strömen, sich ergießen’
dev fluͦt begunde gizen / dev wazer harte dizen /
nechein perc was so hoh / dev unde dar ubere zôh VMos
12,25;
daz bluot durch liehte ringe vast ûf die erde gôz WolfdA
342,2;
e mitten tage / quamen sie so zv slage, / daz ir blut nider
goz / [...] / als ez ouch ein wazzer were, / daz da runne
vnd fluzze / vnd in daz mer schuzze Herb
7935;
das yne das rot blut dardurch [durch die
Halsberge] qwame gegoßen Lanc
633,29.
– Part. Präs., hier ‘stark strömend, reißend’
swem sein gut von der vraise des giezzenten wazzers wirt entragen
UrkCorp (WMU)
2345,9.
– unpersönl. vom strömenden Regen:
aen underlaß [ohne Unterbrechung (hier der
Erzählung)] alles verdruͤßet, / schon
weder [Wetter] und auch so is gusset. / ein ander
male komment her wieder Pilgerf
4975
2
tr.
2.1
mit der Substanz, die gegossen wird, im Akk. (Metall gießen als Handwerk s.u.
4) ‘etw. (aus-, ein-, ver-)gießen’ (oft mit präp. Angabe des
Ziels [ane, în, über, under,
ûf, zuo] oder des Behältnisses
[ûz]):
2.1.1
von Flüssigkeiten:
ze einem altære er in [den Stein] wihte, /
ole er dar oͮffe goz deiz allenthalben abevloz GenM
54,20;
daz wazzer solt dû nemen, / an die erde giezzen Exod
754;
da von sulle wir gewarnet sin / daz wir den win icht
giezen [vergießen]
HeslApk
5899;
her [die Schlange] lit in
bosem crige / des wartende bi dem stige, / biz her den man geschieze, / sin
eiter [Gift] drin gegieze ebd.
19130;
ez sint prunnen in dem grôzen land Britannia, wenn
man der wazzer geuzt auf ainen stain nâhen dâ pei, sô kümt regen und donr
und ungewiter BdN
484,35.
– mit Ersparung des Akk.:
sone weiz ich wiech ir minne / iemer gewinne, /
wan daz ich zuo dem brunnen var / und gieze dar und aber dar
Iw
7796.
– subst.:
in [Iwein] des dûhte daz
im ze gâch / mit dem giezen wær gewesen Iw
997
2.1.2
von größeren Mengen sehr kleiner Dinge :
swaz ein regen siben tage / tropfen nider
geguͤzze Rennew
21747;
giͤzt diͤ tren MarlbRh
35,6;
durch daz hiez sie [die 7 Zeichen der 7
Donner] got nicht schriben / Johan den vil guten man /
[...] / und die
margariezen [Perlen] / vor die swin nicht
giezen HeslApk
15108;
Tr
4671;
nym eyne schuffil mit glvendir asche, vnd gus di durch
das spvnt Pelzb
141,2
2.1.3
von als unbegrenzt und formlos aufgefassten Phänomenen und
Vorstellungen:
– von sinnlich wahrnehmbaren Phänomenen (z.B.: Helligkeit, Wärme,
anhaltendem Geräusch):
also der heilige geist gegenwerteklichen sinen
wunneclichen glantz und sinen goͤttelichen schin mag
unmittellichen in den grunt giessen Tauler
98,14;
ein viur regenender nebel / ûf die vil armen
sêlen gôz / wallende hitze grôz. / [...] / der
viur giezende schûr / erlie sie selten dirre nôt RvEBarl
12482;
als der rôsen varwe / under wîze liljen güzze, / und daz zesamene
vlüzze, [...] dem gelîchete sich ir lîp
Er
1702;
secht, daz uch icht verdrieze, / ob ich min rede gieze / ein teil
mit der schrift besit Pass I/II (HSW)
40106.
– von Gefühlen:
wand ir schone antlitze / im konde vreude giezen Pass I/II
(HSW)
32741.
– von abstrakten Vorstellungen:
ich klage, das / nature laß / den geist goß in
ein knechtisch faß Mügeln
354,15;
wan si
[Maria]
[...]
geuzt volle genâd in unser sêl BdN
440,3;
wesen, wizzen, minnen und würken giuzet si
[die Güte] alzemâle in den guoten
Eckh
5: 9,10
2.1.4
phras.:
bluot ~
‘(jmds./sein eigenes) Blut vergießen’
din bluͦt is algar vergozzen /
[...] / am krüze is it gar gegozzen
MarlbRh
27,33;
wand ir [der
Kinder] bluͦt durch Jhesum wart gegozzen ebd.
125,7;
ir sult in [Christus] lâzen des
geniezen, / daz er sîn bluot liez durch iuch giezen RvZw
278,11;
sant Stephan und alle die martyrer mit ime, die
ie in cristanem geloͮben ir bluͦt gegossen hant
Mechth
7: 1,22
u.ö.
–
sîn leben ~
‘sein Leben verlieren’ (vgl. auch 3):
got der vil gute / hete im [Jakobus]
ein ander stat [(Mission in) Spanien]
gegeben, / da er sit goz sin leben Pass I/II (HSW)
24414;
hievon begonde er remen [sich zum Ziel
nehmen] , / daz Margareta guzze ir leben
332,33.
–
vruht ~
‘Junge zur Welt bringen’
kanstu [Hiob] wizzen
recht di zal / der monde wan sy [die
Hirschkuh] gyzen sal / ire vrucht, di sy mit we /
guzet und mit grozem scre? Hiob
14412.
14405.
–
gebët ~
(DWB 4,1,4,7404f. verweist auf lat.
preces fundere):
di reinen guzzen ir gebet, / [...] / zu
droste sinre sele Elis
5627.
– verächtlich:
giest ir mir den mayer an die fersen Neidh (S)
1,363 29:6,1
2.2
mit dem Behältnis/ einer Maßeinheit im Akk. und der Flüssigkeit im part.
Gen. oder präp. Obj. (von):
einen halben pecher guthes wines [über die
Rückstände im Seihtuch] gizen SalArz
116,28;
er gôz ir bluotes manegen trahen KvWHvK
590.
320.
– nur mit dem Behälter als Vertreter der Flüssigkeit im Akk.:
daz her sin vaz nicht gieze HeslApk
5894.
– nur mit der Substanz, die gegossen wird, im Gen.:
nim mandelkern vnd stoz die vnd nim die milich vnd
guͤz einer guͦten milich dor zvͦ BvgSp
72.
– mit der Substanz im präp. Obj.; hier übertr. (DWB 4,1,4,7405
verweist auf lat. verba fundere):
daz des mundis lefzen vort / giezen kein dem
hœsten wort / von des herzen uppikeit Daniel
5920
2.3
mit dem Ziel im Akk. ‘etw. (Pflanzen) begießen’
wi man kirsin, pflumen, krychin gizen mac vnd lange haldin
Pelzb
118,33
3
refl. ‘sich verströmen, ergießen, hineingießen’
ein riche vrowe lac / zu Ierusalem unde pflac / siechtumes, der was so groz, /
daz sich vil na ir leben goz / von ir Pass III
276,52
(vgl. 2.1.4);
wan sich daz gotliche licht guzit in di sele, so wirdit di sele mit gode
foreinit alse ein licht mit lichte Parad
78,36
(vgl. 2.1.3);
so brichet man und bloͤsset die bletter abe, daz die
sunne sunder alle mittel múge uf die fruht sich gegiessen
Tauler
33,16
– vom Göttlichen:
vro minne, ir hant manig jar gerungen, e ir habint die
drivaltekeit dar zuͦ betwungen, das sú sich alzemale hat gegossen
in Marien demuͤtigen magetuͦm Mechth
1: 1,6;
nach dir [Christus] ist mir wê unt wirt mir
baz, / sô dû dich in mich giuzest / unt mich in dich besliuzest
MarienklUVr
21
4
geschmolzenes (Edel-)Metall in Formen gießen, gestalten (ggf. mit präp. Angabe des
Materials [von, ûz])
4.1
in unpersönl. Konstr. mit
lâʒen
:
plei læzt sich gar leiht handeln und ziehen und auch
giezen BdN
481,12
u.ö.;
subst.:
Tubalcaim, / [...], / der was
der erste man der vant / smidin unde giezin RvEWchr
531
4.2
tr., mit dem gegossenen Werk im Akk.:
der leidige tifel in daz gerit / daz si guzzen ein kalb
VMos
52,19
u.ö.;
ir soltet billîcher den man / êren baz, des wîsheit / daz
bilde gôz oder sneit RvEBarl
9230;
Tr
18208;
Roth
2025;
HvNstAp
14795.
– übertr.:
ach, got, daz dîn kunst mit flîzze hât gegozzen / nach
wunsch ein schœne bilde SM:KvL
1: 3,1
4.3
Part.-Adj.:
den dunket nâch sîner spehe, / wie er ein michel ros
sehe, / gegozzen ûzer êre [aus Erz]
UvZLanz
8111;
die [jene, die] dise heiden
nennent gote / nâch des tiuvels gebote, / die sint gegozzen unde
gesniten [geschnitzt]
RvEBarl
3863.
8361.
– hierher? (so Glr.z.St.) oder zu 2.3 (vgl. La.):
disem tet diu scham wê / und stuont als er gegozzen
[La. pegozzen
] wære
Ottok
73689
MWB 2 779,48; Bearbeiterin: Baumgarte
gieʒic
Adj.
→
gîtic
MWB 2 782,1;
gieʒmeister
stM.
‘Meister des Metallgießerhandwerks, Gießer’
als Orosius, [...], schreibt von ainem giesmaister
des gesmeides [
gesmîdes; ein Ochse aus Glockenspeise soll
angefertigt werden] , der hies Perillus, ein gueter werichman
Schachzb
33,81.
34,93
MWB 2 782,2; Bearbeiterin: Baumgarte
gieʒopfer
stN.
das Opfern wertvoller Flüssigkeiten:
libaminum: gizoffar Gl
1:373,28
(BStK681)
MWB 2 782,8; Bearbeiterin: Baumgarte |