Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gibelwant - gieʒopfer    


gibelwant stF. auch gebelwant (vgl. gëbel 3). ‘(vordere) Hauswand an der Giebelseite, Giebelmauer’ der rise truͦg ein stange - die waz zwelf kloftern lang - / zuͦr hant vnd zuͦn armen ein schilt, [...] / einer gebel wende waz er wol gelich WolfdD 1335,3; von stachel waz sins schiltes rant, / braitt als ain gibel wand GTroj 5410

MWB 2 776,62; Bearbeiterin: Baumgarte

gibic Adj. nur in der Wendung gibic unde gæbic belegt ‘gültig, üblich, im Umlauf’ (von Münzen; vgl. gæbic, gæbe 2, genge 2.2, gengic 1): der vor gnant Weichart oder sein hausvrow [...] dienen [als Abgabe leisten] schulln [...] ze rechtem purchrecht aller iaerichleichen [...] an sand Jorgen tag drey schilling Wienner mvnz, di zo den selben taegen gibich vnd gaebich sind UrkHohenf 393 (a. 1338); UrkCorp (WMU) N718,11

MWB 2 777,5; Bearbeiterin: Baumgarte

gîbitze M. auch giwicz. wohl den Ruf nachahmende Bez. für die Vogelart ‘Kiebitz’ (vgl. Suolahti, Vogelnamen, S. 264-67; der Glossierung onocrotalus [s.u.] wird häufig → hortumel ‘Rohrdommel’, aber auch andere Vogelarten zugewiesen): onocrotalus: giwicz Gl 3:25,32 (BStK875); mîn herze gert niht touben, / brâchvogel, gîbitz, stâren, / [...] / ez wil ouch anders keines vogel vâren; / wan mit dem reigervalken gên den lüften / wil ez êt immer klimmen / nâch ir, der lob kan nieman übergüften Hadam 528,2; er kranch [Kranich] , er storch, er elbiz [Schwan] , / er eul, er gouch, er gibiz, / er wergel [Würger] , er grezel [Leinfink] , er widehopf! / sol ich in zihen bi sinem schopf? Jüngl 258

MWB 2 777,14; Bearbeiterin: Baumgarte

gickelen, gickeln swV. ‘kichern, giggeln’ lautmalerische Iterativbildung (vgl. DWB 4,1,4,7316 und 7323 s.v. gicksen; Schmeller stellt das Verb zu gickel ‘inneres Beben, Zucken’, vgl. Schmeller, BWB 1,883f. s.v. gigkeln und gigkel): ein touber spottet oft eines stummen, / ein alter tôre eins jungen tummen, / ein lamer gickelt ûf den krummen Renner 16138

MWB 2 777,29; Bearbeiterin: Baumgarte

gickelvêch Adj. ‘buntscheckig, bunt durcheinander, kunterbunt’ iuch genüeget niht, daz iu der almehtige got die wal hât verlân an den kleidern, wellet ir brûn, wellet ir sie rôt, blâ [...]. man muoz ez iu ze flecken zersnîden, hie daz rôte in daz wîze, dâ daz gelwe in daz grüene; sô daz gewunden, sô daz gestreichet; sô daz gickelvêch PrBerth 1:396,29; auf der kykelvehen wyse bei einem chleinen wazzer Mühldorf K 41; nu werdent halp edel knehte / von Geppen und von Ruoprehte / geborn, die tuont vil rehte / nâch gickelvêhem geslehte Renner 1662; geistlich leben ist niht gar veste, / êlich leben hât fremde geste, / pfaffen leben ist gickelvêch ebd. 6027; Neidh SL 21:7,5. WL 29:8d,1

MWB 2 777,37; Bearbeiterin: Baumgarte

gickelvêchroc stM. unklar, ob Syntagma. ‘buntes Obergewand’ (vgl. roc ): polimita: gigilvehroch [La. gicgelveherroch ] vel multicolor tunica SummHeinr 2,31,14

MWB 2 777,52; Bearbeiterin: Baumgarte

gickengouch stM. gucgouch

MWB 2 777,56;

giechhalme swM. jochhalme

MWB 2 777,57;

gief stM. md. gîf ( Secret 159; Hiob 7678 ), deshalb Interferenz mit → gif stM. möglich (s.u. Hiob 14998 ). ‘Dummkopf, Schwachsinniger, Narr’ sie sprach san: / ‘[...] er [der Scholar, Liebhaber] hat vür den zantswern / mir geschriben einen brief.’ / also afte sie den gief [ ‘Trottel’, ihren Ehemann] Frauenlist 558; ReinFu K,866; RvMunre 720; HBirne 185; in ungedanken dô entslief / der selbe bôse verstocte gief EbvErf 2600; HistAE 410; Vät 2377; ir gewonheit si des twanc, / daz si so nacket liefen / gelich den tummen giefen Pass I/II (HSW) 35436; HvFreibTr 5115; minen knecht ich zumir ryf / durch helfe, der als eynen gyf [Bettler ?] / mich versmete und mir nicht gab / antwurte nach [l. noch ] der helfe stab [Iob 19,16 und Komm. des N. de Lyra] Hiob 7678. – unklar, ob hierher oder zu gif i.S.v. ‘Gierschlund’ Cetus der visch / hoffet er sulle verwinden / alle vysche und verslinden / den er volget; und sy vlyn / und ken des meres stade czyn, / da das wazzer ist nicht so tyf / das da swimmen muge der gyf Hiob 14998

MWB 2 777,58; Bearbeiterin: Baumgarte

giefen swN. Bed. unklar, möglicherweise ‘grobschlächtiges, dummes Betragen’ (zu gief ) und/ oder das Hervorbringen von Lauten mit offenem Mund, ‘Schreien, Lärmen’ (zur gemeingerm. Wurzelbed. ‘klaffen, offen stehen’ vgl. DWB 4,1,4,7343f.): hie mit si gen im liefen mit hatschen [Äxten] und mit kuͤlen. / ir guften und ir giefen gap solchen doz, iz mohte drab ergruͤlen / mangem JTit 2738,2

MWB 2 778,15; Bearbeiterin: Baumgarte

giege Adj. ‘dumm, töricht’ die giegen beginen [Beginen] / tuͦt er [der Geiz, die Habgier] och nach den winen / stellen und fúrkoffen [im Voraus kaufen zum Zwecke der Preistreiberei] korn, / dez ir vil menigú wirt verlorn SHort 4995; und wohl auch (Konjektur): ebd. 5045

MWB 2 778,23; Bearbeiterin: Baumgarte

giege swM. ‘Dummkopf, Trottel’ menschen widerwerteclich / die livte da mitte betriegen / machen siv ze giegen Martina 92,54 u.ö.; gewinnet si etswenne muot, / daz si mê müge triegen, / so wænent dan die giegen / daz in daz niht schade sî Katze 2050; wol fuogt den affen tôrenspil, / ez gent die narren gerne ir guot den giegen KLD:Kzl 16: 13,16; der giege vertort WhvÖst 11620; Reinfr 354; SHort 6020 u.ö.; Neidh (S) 1,456 c189:1,16. – vereinzelt gërnde giegen ‘Spielleute, Possenreißer’ des man die gernden giegen / gelichet noch den fliegen: / sam die fliehent die winter zit, / so tunt die spillút den strit SHort 3177

MWB 2 778,29; Bearbeiterin: Baumgarte

giegel stM. ‘Dummkopf, Narr’ da von er tor, er giegel, / der siht in dehainen spiegel: / er waiz niht was im misse zimt WhvÖst 2705

MWB 2 778,42; Bearbeiterin: Baumgarte

giegel (?) stMN. Hs. gigel. Bed. und Ansatz unklar; möglicherweise i.S.v. ‘Unfug, Dummheit’ zu giege swM.; oder verwandt mit erst später belegtem gigeln ‘hüpfen, zappeln, heftig verlangen’ (vgl. DWB 4,1,4,7478) und gugeln, gügeln (vgl. DWB 4,1,6,1052 ‘um sich schlagen, heftig gebärden’), also etwa ‘Gerangel, Schlägerei’ mich trieg der wan, / sich hebt noch heut ein gigel [:spiegel; La. krieg ] / wer da gewin / der werf sein flust vber einen zawn Neidh (S) 2,220 c124:6,18

MWB 2 778,45; Bearbeiterin: Baumgarte

giegengêre swM. gugengêre

MWB 2 778,55;

giel stM. ‘Maul, Rachen, Schlund’ alse der trache dô gelac, / daz er in tôten gesach, / den giel er im ûf brach, / [...] / ûz dem rachen er im sneit / der zungen mit dem swerte Tr 9058 u.ö.; Wig 5033; HvNstAp 10171; min gabe si das leben din [Kranich] , / sint du in minem [ des Wolfes] giele bist genesen Mügeln 67,12; wie cleine im [dem Schrätel] wâren sîne glider, / ez was doch starc und greif hin wider / dem müeden bern in den giel Schrätel 239; StrKD 107,232; KvWLd 1,150. – auch als Bestandteil von Personennamen: Otto der giel UrkCorp (WMU) 2869,36 u.ö. – übertr.: – ‘Abgrund’ sich beweget der grunt / [...] / und machet grôze ündeslege [Wellenschläge] [...] / und hât [...] vil manegen vesten kiel / versenket in des meres giel HartmKlage 366; der vil witen helle giel Martina 159,8. 265,35. – ‘Gefräßigkeit’ der tuvel siczet / und mit den richen spiczet / in den vinstern sine schohz [Geschosse] / durch sinen gyl, durch sinen vrohz [Fraß] / wi er di unschuldegen / ersla TvKulm 4164

MWB 2 778,56; Bearbeiterin: Baumgarte

giemolf stM. vgl. auch gînolf . Bed. unklar, wohl zu giemen (vgl. DWB 4,1,4,7347, dort ‘Narr, Maulaffe’) als jmd., dem der Mund offen steht (vgl. FrlWB, S. 127 und Anm.z.St.; ähnl. gum, vermutlich zu guome ‘Gaumen’), ‘Dummkopf’ ‘Großmaul, Dummschwätzer’ gum, giemolf, narre, tore, geswig der toten kunst! / min munt, min gunst, / die widersagen dir beide Frl 5:116G,1

MWB 2 779,13; Bearbeiterin: Baumgarte

gienen swV. ginen

MWB 2 779,21;

gier stF. gir

MWB 2 779,22;

gieʒâder swF. ‘Arterie, Schlagader’ die giezâdern her [er] im brach, / daz her tôt viel an den graben En 4710

MWB 2 779,23; Bearbeiterin: Baumgarte

gieʒe swM. 1 ‘fließendes Wasser, Strömung’ (vgl. gôʒ )
2 ‘Wasserarm, Bach-, Flusslauf’
   1 ‘fließendes Wasser, Strömung’ (vgl. gôʒ ): sîne boten [hier: Botschaften auf Holzstücken] er ze handen nam / und leites in die giezen / und lie si hine vliezen Tr 14617; an des ersten mandis schin, / was ich bi eime vlieze; / groz was sin stram von gieze, / Tygris hiez ez Daniel 6580; do viel er in einen ungehúren giessen des Rines Seuse 81,7; Hadam 292,7. – übertr.: und was min ermú sel in der tieffen vinstri verieret, sú was mit dem schmertzen des todes und der helle dick umgeben, mit den wuͤtenden giessen der ungedankheit jemerlich besoͮffet Seuse 549,11    2 ‘Wasserarm, Bach-, Flusslauf’ I ager mit maten vber den giessen vor den lohen vmbe Sigelin von Heiligenstein UrkCorp (WMU) N150,16. – ‘Sturzbach’ der rehte runs tuot schaden niht, / wan der nimet slehten strich / sîne rihte vür sich, / sô siht man ie die giezen / schedlîch ûz vliezen. / die giezen gerne ergiezent, / sô sie mit schaden vliezent RvEAlex 1453. 1445; dô Jhêsus diz gesprochin hatte, dô gînc her ûz mit sînen jungern ubir di gîze [ trans torrentem ] EvBeh Io 18,1

MWB 2 779,26; Bearbeiterin: Baumgarte

gieʒen stV. (IIb) zur Lautgeschichte vgl. DWB 4,1,4,7394f. 1 intr. ‘fließen, strömen, sich ergießen’
2 tr.
2.1 mit der Substanz, die gegossen wird, im Akk. (Metall gießen als Handwerk s.u. 4 ) ‘etw. (aus-, ein-, ver-)gießen’ (oft mit präp. Angabe des Ziels [ ane , în , über , under , ûf , zuo ] oder des Behältnisses [ ûz ])
2.1.1 von Flüssigkeiten
2.1.2 von größeren Mengen sehr kleiner Dinge
2.1.3 von als unbegrenzt und formlos aufgefassten Phänomenen und Vorstellungen
2.1.4 phras.
2.2 mit dem Behältnis/  einer Maßeinheit im Akk. und der Flüssigkeit im part. Gen. oder präp. Obj. ( von )
2.3 mit dem Ziel im Akk. ‘etw. (Pflanzen) begießen’
3 refl. ‘sich verströmen, ergießen, hineingießen’
4 geschmolzenes (Edel-)Metall in Formen gießen, gestalten (ggf. mit präp. Angabe des Materials [ von , ûz ])
4.1 in unpersönl. Konstr. mit lâʒen
4.2 tr., mit dem gegossenen Werk im Akk.
4.3 Part.-Adj.
   1 intr. ‘fließen, strömen, sich ergießen’ dev fluͦt begunde gizen / dev wazer harte dizen / nechein perc was so hoh / dev unde dar ubere zôh VMos 12,25; daz bluot durch liehte ringe vast ûf die erde gôz WolfdA 342,2; e mitten tage / quamen sie so zv slage, / daz ir blut nider goz / [...] / als ez ouch ein wazzer were, / daz da runne vnd fluzze / vnd in daz mer schuzze Herb 7935; das yne das rot blut dardurch [durch die Halsberge] qwame gegoßen Lanc 633,29. – Part. Präs., hier ‘stark strömend, reißend’ swem sein gut von der vraise des giezzenten wazzers wirt entragen UrkCorp (WMU) 2345,9. – unpersönl. vom strömenden Regen: aen underlaß [ohne Unterbrechung (hier der Erzählung)] alles verdruͤßet, / schon weder [Wetter] und auch so is gusset. / ein ander male komment her wieder Pilgerf 4975    2 tr.    2.1 mit der Substanz, die gegossen wird, im Akk. (Metall gießen als Handwerk s.u. 4) ‘etw. (aus-, ein-, ver-)gießen’ (oft mit präp. Angabe des Ziels [ane, în, über, under, ûf, zuo] oder des Behältnisses [ûz]):    2.1.1 von Flüssigkeiten: ze einem altære er in [den Stein] wihte, / ole er dar oͮffe goz deiz allenthalben abevloz GenM 54,20; daz wazzer solt dû nemen, / an die erde giezzen Exod 754; da von sulle wir gewarnet sin / daz wir den win icht giezen [vergießen] HeslApk 5899; her [die Schlange] lit in bosem crige / des wartende bi dem stige, / biz her den man geschieze, / sin eiter [Gift] drin gegieze ebd. 19130; ez sint prunnen in dem grôzen land Britannia, wenn man der wazzer geuzt auf ainen stain nâhen dâ pei, sô kümt regen und donr und ungewiter BdN 484,35. – mit Ersparung des Akk.: sone weiz ich wiech ir minne / iemer gewinne, / wan daz ich zuo dem brunnen var / und gieze dar und aber dar Iw 7796. – subst.: in [Iwein] des dûhte daz im ze gâch / mit dem giezen wær gewesen Iw 997    2.1.2 von größeren Mengen sehr kleiner Dinge : swaz ein regen siben tage / tropfen nider geguͤzze Rennew 21747; giͤzt diͤ tren MarlbRh 35,6; durch daz hiez sie [die 7 Zeichen der 7 Donner] got nicht schriben / Johan den vil guten man / [...] / und die margariezen [Perlen] / vor die swin nicht giezen HeslApk 15108; Tr 4671; nym eyne schuffil mit glvendir asche, vnd gus di durch das spvnt Pelzb 141,2    2.1.3 von als unbegrenzt und formlos aufgefassten Phänomenen und Vorstellungen: – von sinnlich wahrnehmbaren Phänomenen (z.B.: Helligkeit, Wärme, anhaltendem Geräusch): also der heilige geist gegenwerteklichen sinen wunneclichen glantz und sinen goͤttelichen schin mag unmittellichen in den grunt giessen Tauler 98,14; ein viur regenender nebel / ûf die vil armen sêlen gôz / wallende hitze grôz. / [...] / der viur giezende schûr / erlie sie selten dirre nôt RvEBarl 12482; als der rôsen varwe / under wîze liljen güzze, / und daz zesamene vlüzze, [...] dem gelîchete sich ir lîp Er 1702; secht, daz uch icht verdrieze, / ob ich min rede gieze / ein teil mit der schrift besit Pass I/II (HSW) 40106. – von Gefühlen: wand ir schone antlitze / im konde vreude giezen Pass I/II (HSW) 32741. – von abstrakten Vorstellungen: ich klage, das / nature laß / den geist goß in ein knechtisch faß Mügeln 354,15; wan si [Maria] [...] geuzt volle genâd in unser sêl BdN 440,3; wesen, wizzen, minnen und würken giuzet si [die Güte] alzemâle in den guoten Eckh 5: 9,10    2.1.4 phras.: bluot ~ ‘(jmds./sein eigenes) Blut vergießen’ din bluͦt is algar vergozzen / [...] / am krüze is it gar gegozzen MarlbRh 27,33; wand ir [der Kinder] bluͦt durch Jhesum wart gegozzen ebd. 125,7; ir sult in [Christus] lâzen des geniezen, / daz er sîn bluot liez durch iuch giezen RvZw 278,11; sant Stephan und alle die martyrer mit ime, die ie in cristanem geloͮben ir bluͦt gegossen hant Mechth 7: 1,22 u.ö. sîn leben ~ ‘sein Leben verlieren’ (vgl. auch 3): got der vil gute / hete im [Jakobus] ein ander stat [(Mission in) Spanien] gegeben, / da er sit goz sin leben Pass I/II (HSW) 24414; hievon begonde er remen [sich zum Ziel nehmen] , / daz Margareta guzze ir leben 332,33. vruht ~ ‘Junge zur Welt bringen’ kanstu [Hiob] wizzen recht di zal / der monde wan sy [die Hirschkuh] gyzen sal / ire vrucht, di sy mit we / guzet und mit grozem scre? Hiob 14412. 14405. gebët ~ (DWB 4,1,4,7404f. verweist auf lat. preces fundere): di reinen guzzen ir gebet, / [...] / zu droste sinre sele Elis 5627. – verächtlich: giest ir mir den mayer an die fersen Neidh (S) 1,363 29:6,1    2.2 mit dem Behältnis/  einer Maßeinheit im Akk. und der Flüssigkeit im part. Gen. oder präp. Obj. (von): einen halben pecher guthes wines [über die Rückstände im Seihtuch] gizen SalArz 116,28; er gôz ir bluotes manegen trahen KvWHvK 590. 320. – nur mit dem Behälter als Vertreter der Flüssigkeit im Akk.: daz her sin vaz nicht gieze HeslApk 5894. – nur mit der Substanz, die gegossen wird, im Gen.: nim mandelkern vnd stoz die vnd nim die milich vnd guͤz einer guͦten milich dor zvͦ BvgSp 72. – mit der Substanz im präp. Obj.; hier übertr. (DWB 4,1,4,7405 verweist auf lat. verba fundere): daz des mundis lefzen vort / giezen kein dem hœsten wort / von des herzen uppikeit Daniel 5920    2.3 mit dem Ziel im Akk. ‘etw. (Pflanzen) begießen’ wi man kirsin, pflumen, krychin gizen mac vnd lange haldin Pelzb 118,33    3 refl. ‘sich verströmen, ergießen, hineingießen’ ein riche vrowe lac / zu Ierusalem unde pflac / siechtumes, der was so groz, / daz sich vil na ir leben goz / von ir Pass III 276,52 (vgl. 2.1.4); wan sich daz gotliche licht guzit in di sele, so wirdit di sele mit gode foreinit alse ein licht mit lichte Parad 78,36 (vgl. 2.1.3); so brichet man und bloͤsset die bletter abe, daz die sunne sunder alle mittel múge uf die fruht sich gegiessen Tauler 33,16 – vom Göttlichen: vro minne, ir hant manig jar gerungen, e ir habint die drivaltekeit dar zuͦ betwungen, das sú sich alzemale hat gegossen in Marien demuͤtigen magetuͦm Mechth 1: 1,6; nach dir [Christus] ist mir wê unt wirt mir baz, / sô dû dich in mich giuzest / unt mich in dich besliuzest MarienklUVr 21    4 geschmolzenes (Edel-)Metall in Formen gießen, gestalten (ggf. mit präp. Angabe des Materials [von, ûz])    4.1 in unpersönl. Konstr. mit lâʒen : plei læzt sich gar leiht handeln und ziehen und auch giezen BdN 481,12 u.ö.; subst.: Tubalcaim, / [...], / der was der erste man der vant / smidin unde giezin RvEWchr 531    4.2 tr., mit dem gegossenen Werk im Akk.: der leidige tifel in daz gerit / daz si guzzen ein kalb VMos 52,19 u.ö.; ir soltet billîcher den man / êren baz, des wîsheit / daz bilde gôz oder sneit RvEBarl 9230; Tr 18208; Roth 2025; HvNstAp 14795. – übertr.: ach, got, daz dîn kunst mit flîzze hât gegozzen / nach wunsch ein schœne bilde SM:KvL 1: 3,1    4.3 Part.-Adj.: den dunket nâch sîner spehe, / wie er ein michel ros sehe, / gegozzen ûzer êre [aus Erz] UvZLanz 8111; die [jene, die] dise heiden nennent gote / nâch des tiuvels gebote, / die sint gegozzen unde gesniten [geschnitzt] RvEBarl 3863. 8361. – hierher? (so Glr.z.St.) oder zu 2.3 (vgl. La.): disem tet diu scham wê / und stuont als er gegozzen [La. pegozzen ] wære Ottok 73689

MWB 2 779,48; Bearbeiterin: Baumgarte

gieʒic Adj. gîtic

MWB 2 782,1;

gieʒmeister stM. ‘Meister des Metallgießerhandwerks, Gießer’ als Orosius, [...], schreibt von ainem giesmaister des gesmeides [ gesmîdes; ein Ochse aus Glockenspeise soll angefertigt werden] , der hies Perillus, ein gueter werichman Schachzb 33,81. 34,93

MWB 2 782,2; Bearbeiterin: Baumgarte

gieʒopfer stN. das Opfern wertvoller Flüssigkeiten: libaminum: gizoffar Gl 1:373,28 (BStK681)

MWB 2 782,8; Bearbeiterin: Baumgarte