glinster
stFN.
vgl.
glanster
stM.
‘Glanz, Strahlen, Leuchten’
[Gott] riefe und riefe mir / und breche entzwei mine
bant. / din luchtunge quam zuhant / und iagete mit ir glinstere / besit min alde
vinstere Pass III
422,97;
hab mit mir vride, wan ich niht wol gesihe, / sus gât mir vor den ougen daz
gelinster Loheng
2176
MWB 2 828,50; Bearbeiter: Helmich
glinsteren, glinstern
swV.
vgl.
glansteren
,
glensteren
.
‘glänzen, strahlen, leuchten’
1 eigentl. 2 übertr.
1
eigentl.:
im [einem Mann] glinsterten die
ougen / als ein lampe die tougen / brinnet in liechtes glesten Daniel
6591;
geber der rechten lere / glinstern sam des himels liecht
ebd.
7305;
swelchez [Gebein] du sies glinstern / als ein
vuwer, daz ist min [des Apostels Bartholomäus]
Pass I/II (HSW)
32608;
Pass III
544,54;
kameren [...] bedakt mit golde unde mit silbir und
gemolt gar schone und geczirt, also das das glynstert kegin der sunnen
MarcoPolo
29,25.
– subst.:
die sunne, die sich vor erbot / mit schonem lichtes glinstern, / die
begonde nu ervinstern Pass III
555,7;
wan si beluchtet schon der tac, / der sterne glinstern
man nicht mac / gesen in ires schines macht Hiob
3138;
ach, lylgen, uwer glinstern / beginnet nu zu vinstern
Daniel
2919.
4334;
Pass I/II (HSW)
9322.
– Part.-Adj.:
di stimme des loufenden rades und des krischenden
pferdis und des ruschenden herwaynis [Kriegswagen] und
des ufsitzenden riteris und des blankenden swertis und des glinsterndes speris
Cranc
Na 3,3;
undir disen gelitten / sint pfaffin ouch enmitten, / dî
eine werde stat dâ hânt / und sullin sîn gemant, / daz sî in des vridis stunt /
glinstirnde sam dî vunkin tûnt NvJer
858
2
übertr.:
alle vrowen ich meine, / elich, witwen, die reine / sint hie
bi des libes craft, / [...], / glinstern an guten werken, /
die cranken wider sterken Daniel
1989;
durch truren min ouge vinstert, / von zorne min herze
glinstert Hiob
6948.
– subst.:
wan diz truren unbequeme / der vernumphte lichtes
glinstern / machet truben und vinstern Hiob
7571
MWB 2 828,57; Bearbeiter: Helmich
glinsterwîʒ
Adj.
‘glänzend weiß’
schone, glanst mugen wol sin / priestre, wand von irme schin
/ sprichet der propheta war / Ezechyel offenbar: / ‘glinstir wiz sint sie vil
me / wan des winteris der sne [...] liechter vil wan ein
saphier / an tugenden, clarheit, zier.’ Daniel
2273
MWB 2 829,26; Bearbeiter: Helmich
glinzen
stV. (IIIa)
‘leuchten, schimmern, glänzen’
ouch was daz weter alsô vîn / und alsô glanz diu sunne, / daz
von ir michel wunne / sich huop ûf der plânîe KvWTroj
1141;
man sach an in den gotes flîz: / [...] / dar under
lechelîchen / glanz ein munt durchliuhtic rôt / al werbende vriundes herzen nôt
UvEtzWh
1669
MWB 2 829,32; Bearbeiter: Helmich
glipfen
swV.
‘ausgleiten’
eya herre, wer sol mir des gehelfen, das ich alle mine wege
also wandele, eb ich glippfe, das ich nit valle? Mechth
6: 38,11
MWB 2 829,39; Bearbeiter: Helmich
glise
Subst.
eine Pflanzenart, ‘Kerbel’ (?), (vgl. Marzell 1,330ff.):
cerofolium: gerwella, glise, fuͥnfblett Gl
3:49,24
(BStK160)
MWB 2 829,43; Bearbeiter: Helmich
glîsenerîe
stF.
→
gelîchsenerîe
MWB 2 829,46;
glisse
stF.
→
2glîʒe
MWB 2 829,47;
glîssenere
stM.
→
gelîchsenære
MWB 2 829,48;
glîssenerîe
stF.
→
gelîchsenerîe
MWB 2 829,49;
glisterîe
stN.
auch kriestiere.
‘Klistier, Einlauf’
als schier der arzet sô gewarp, / daz daz glisteri in in kom,
/ dô was daz leben im benom Ottok
221.
216;
do wart er [
künig Cunrat
] siech. do
gobent im die artzat ein kriestiere daz in generen solte, daz was vermischet mit
vergift und dote in ClosChr
39,32;
clistere: kliestier [La. glistier
]
VocOpt
31.033
MWB 2 829,50; Bearbeiter: Helmich
glit
stM.
auch glît (:strît).
‘das Ausgleiten, Rutschen’ (zu
glîten
stV.):
er warf in nider mit gewalt / von dem bette bî dem hâre, / er pflak sîn
z’wâre / mit ungevuegen glîten, / dô gienk ez an ein strîten RvMunre
617;
von dem glit [interl. zu a lapsu Ps
114,8]
DWB
4,1,5,132
(Peter v. Patschkau; a. 1340).
– übertr. ‘das Abgleiten, der Absturz (moralisch, in Rang und Würde)’
(vgl.
glîten
2):
nach sulcher sunden glitte / kumet der ware kunic
Daniel
8242
MWB 2 829,57; Bearbeiter: Helmich
glîten
stV. (Ia)
‘gleiten, rutschen’
1 allg. 2 übertr. ‘(moralisch, an Rang und Würde) abfallen, abgleiten’
1
allg.:
abheldec [abschüssig] unde glat / was si
[die Brücke] zu beiden siten, / des liez si nider
gliten / in die vlut, swaz uf sie quam Pass III
239,36.
239,62.
393,82;
allis zwîvils âne / sprencte er den rittir an / und stach in sundir wân / in
dem êrstin rîtin, / daz man in sach glîtin / mit valle ûf dî erde NvJer
10410;
BvgSp
25;
Athis
A** 85
2
übertr. ‘(moralisch, an Rang und Würde) abfallen, abgleiten’
der wint der itelkeit in sluc, / daz er hin muste gliten / in die verlust
besiten Pass III
441,87.
– subst. (vgl.
glit
stM.):
gevestet nach dem gliten / wirt wider dine ere
Daniel
3696.
5490;
man slet hie groze gliten / mit den besmen alzu scharf [vgl.
Glr.z.St.]
Pass III
369,96
MWB 2 830,3; Bearbeiter: Helmich
glittehtic
Adj.
übers. afrz. baveux, hier wohl ‘schmierig, schmutzig’
ich bin ein heßlich altwip, glittechtig, / wuste, stynckende
und slymechtig, / me unreyner dann ich duͤrffe sagen Pilgerf
10754
MWB 2 830,18; Bearbeiter: Helmich
glitterisch
Adj.
Bed. unklar, ‘schmierig, schmutzig’ oder ‘heuchelnd, täuschend’? (vgl.
glittehtic
bzw.
glîʒen
2; s.a. FWB 6,2399):
war umb haist du gelaubt des rades / der glytterssen
lugenerynne / muͤssikeit, der klapperynne? Pilgerf
6886
MWB 2 830,22; Bearbeiter: Helmich
1glitze
stF.
vgl. afrz. clice, mnl. clizza.
‘Speer’
geschliffen sind ir [der Bauern] kyppffeleysen
[spottend für bäuerl. Schwert] , / ir glicz erklinget
nach dem tritt / laut bej dem rayen an dem sprunge Neidh (S)
1,71 c117:5,7.
– übertr.:
uf sinem [Leviathans] nacken sterke
lyt; / sin hals, sin kel lang und wit. / ouch get vur sinem antlitze /
armmute [
faciem eius praecedet egestas Iob
41,13] mit siner glitze Hiob
15238;
und du bist ouch jener ein / dem sere queln di sinne / wi er daz gut gewinne,
/ und in des mark ouch slinget / di vorchte, di in twinget, / wi er daz gut besicze
/ vor ungeluckes glicze TvKulm
4224
MWB 2 830,27; Bearbeiter: Helmich
2glitze
stF.
→
glîʒe, glitze
MWB 2 830,40;
3glitze
stF.
‘Glatze’ (vgl.
glaz
stM.):
dô kam diu lêriche gevlogen, [...] / dem andern an
daz houbet: / ê er sîn selbes wart gewar / dô sluoc ouch der geselle dar / ein vil
grôze smitze / dem gesellen ûf die glitze HundesNot
196
MWB 2 830,41; Bearbeiter: Helmich
glitzen
swV.
‘glänzen, strahlen, leuchten’
1 eigentl. 2 übertr.
1
eigentl.:
man sach helme und schilde / glîzen ûf dem gevilde LivlChr
3282.
4752;
das wasser mag man [in der Stadt
Crisa] lassen / durch yegliche strassen. / di wirt dan gelitzent
allain: / wann da leyt edel gestain HvNstAp
11676;
in dem munde hatte er / drierley zene glitzen
Daniel
5747;
WhvÖst
17478;
Reinfr
25240.
– subst.:
so lucht ir munt der wol geziret. / und luchticlichen git
er glitzen / reht sam ein uber heller blitzen Minneb
3411;
der [König] het ein wip, diu kunde wider striten
/ der sunnen liehtes glitzen JTit
5597,4.
– Part.-Adj:
durch daz sol der mensche iemer sîn als ein glitzendiu
sunne vor dem andern Eckh
5: 273,3;
Neidh
WL 27:7b,10
2
übertr.:
ez dorret, swa er sitzet, / swie vil sin guͤte da
glitzet WhvÖst
11628
MWB 2 830,46; Bearbeiter: Helmich
glitzenen
swV.
‘glänzen’
du machst dich anders, wann dich got / noch im selb gepildet hat; / dein
antluͤtz smirst du vruͤ und spat, / dein hiͤrn glitzent, deinem
wang / hot dem salben so durichgang, / daz du geist valscher varbe schein
Suchenw
40,53
MWB 2 830,62; Bearbeiter: Helmich
glitzunge
stF.
‘Glanz, Schimmer’
dâ sie ligent sam vor einer türe unde kaphent hin în unde die kleinen
gnaneiste enpfâhent, unde daz sie reht als durch enge klunsen
[Spalten] die glitzunge sô grôzes liehtes unde schînes
an sehent DvASchr
396,3
MWB 2 831,3; Bearbeiter: Helmich
gliunen (?)
swV.
wohl ‘glühen’ (vgl. auch Anm. z.St.):
derde diruntini diuniti [donnerte] , / dî helli
ingegine gliunte, / dâ dî hêristin in der werilte / suͦhtin sich mit suertin
Anno
27,6
MWB 2 831,9; Bearbeiter: Helmich
glîʒ
Adj.
‘glänzend’
so vind ich ye vil anders da / vil anders gruͤn vnd pla / ist vnd
swartz vnd wisz / vil anders hat sechs varb glisz / vil anders gel vnd rot
MinneR 298
34
MWB 2 831,13; Bearbeiter: Helmich
glîʒ
, gliz
stM.
auch geleiz, glitz; wenn Genus nicht erkennbar, nicht von apokopiertem
glîʒe, glitze stF. zu unterscheiden.
‘Glanz, Schimmer, Leuchten’
scôner den der wîn sint dei ougin sîn. / sîner zande glîz ist
wîzer den diu milich wîz Gen
2770;
ire wengelin geverwet gar / reht als eine wilde rose var / so die uz tuot der
sunnen gliz [
:spitz
]
MinneR 333
27;
die sonne mich durch luchtiren / begunde mit heißem glitze, /
daz ich vor großer hitze / floch uff ein groß gevilde Minneb
7;
und so die sunne uff stichet, / so glichet sie sich irem
geleiz. / ir liechte varb kridenwis ebd.
1945;
der minniclichen mandel / was geworht ze Nâsitz. / sîn schîn
gap solhen glitz, / sô sêr daz golt darûz glaste Ottok
7927;
der spiegel glitz was worden fal Suchenw
3,154;
GTroj
7683;
UvEtzAlex
4386;
Teichn
155,119.
– übertr.:
des saz er [
der jungelinc
] sunder ruomes
gliz [riz:] / hôh ûf der êren sedele Reinfr
864.
–
‘Schein, Anschein’
sit der vil wisen witze / von dem valschin gelitze / der mengen hat erblendit
Martina
47,34
MWB 2 831,17; Bearbeiter: Helmich
glîʒe, glitze
stF.
wenn Genus nicht erkennbar oder Apokope vorliegt, nicht von glîʒ,
gliz stM. zu unterscheiden.
‘Glanz, Schimmer, Leuchten’
so begunde iegliches varwe brehen gelich der liehten sterne glitze JTit
1698,4.
1612,1;
also drat man sicht die glitz, / da wirt rauch und hitz
enphunden Teichn
464,110;
[Gott] gap in [den Israeliten in der
Wüste] ein wolken zehuote / dez tages für die hitze / der svnnen
und ir glitze / daz ez in bære schatten Martina
206,2.
–
iz begunde grûnen, / und di edelen blûmen / in den walt
begunden ûf gân, / dô wâren si vil wol getân: / lieht was ir glîze; / ir rôte unde
ir wîze / vil verre von in schein SAlex
5253;
bî der bluomen glitze / spür ich unstæter wunnen schîn
KvWLd
32,262
MWB 2 831,38; Bearbeiter: Helmich |