glîʒen
stV. (Ia)
1
‘schimmern, leuchten, glänzen’
2
‘täuschend blenden, verblenden’
1
‘schimmern, leuchten, glänzen’
des tages niht erloschen / was diu liehte sunne heiz, / dâ von unmâzen schône
gleiz / ir wünneclich gesmîde KvWPart
14466;
daz würmel [
ain gleim,
Leuchtkäfer] hât die art, daz ez gleizet wenn ez vleugt
BdN
297,24;
HvNstAp
4916;
der edel tugende riche gast / sach verre glizen den glast /
gen im durch das gevilde her, / liehte schilde, glänzú sper
RvEWh
5978;
an einer keten silberîn, / diu lûter unde schône gleiz
KvWSchwanr
251;
enmitten ûz dem schilte sîn / gleiz ein lieht karfunkelstein
KvWTurn
577.
723.
1003;
KvHeimHinv
670;
sie machten dar vf ir dach / von blige, daz manz glizzen sach
/ funfzic mile vf daz mer Herb
1834;
Wig
7278;
eine [eine Farbe des Harns] ist
swartz als ein rabe dem di ueder glizen SalArz
111,23.
115,10.
– von leuchtenden Farben:
mit anderme geziere / schein die baniere,
[...] man sach da gele glizzen, / daz grune vnde
daz blavare Herb
1314;
sîn hâr gleiz als ein spiegelglas. / ân vingerzeigen was
ez gar. / ez was alles snêgevar UvZLanz
1472;
KvWTurn
807.
– Part.-Adj.:
goltschepper ist es [das Tier]
genant, / das ist in latein alsuß: / aureum vellus. / sein wolle ist als
goltvar, / gleyssenden und durchleichtig gar. / es ist als ain lampelein. / so
gar liecht ist sein schein HvNstAp
13318.
– übertr.:
dâ saz frou Scham diu reine fruht / frî vor itewîze, / von
der man seit daz ir genuht / für alle tugende glîze KvWKlage
11,4.
– sprichw. →
golt
2
2
‘täuschend blenden, verblenden’
– hier Part.-Adj.:
und daz sine gerechtekeit, / di Job von im selbe seyt, /
glyzende were unde glantz / und were innerhalb nicht gantz Hiob
11979.
– subst. ‘Scheinheiligkeit’
der vurste lîchtbêre / zu gote vil gewêre / mit andacht âne glîzin / der
maregrêve von Mîzin, / der dâ Heinrîch was genant, / quam gevarn in Prûzinlant
NvJer
4749;
GenM
137,23
MWB 2 831,53; Bearbeiter: Helmich
glizze (?)
stSubst.
Bedeutung unklar (vgl. Anm.z.St.):
der virde stam [des Baums, mit dem die Minne
verglichen wird] der heißet / scharpfes verstentnizze / uff
din [Hs. dine
] gemyntes glizze, / wann ez
tut dich sunder beyden / sines willen e bescheyden / mit einem wort dann sust yemant
/ mit tusent worten tet bekant Minneb
2262
MWB 2 832,27; Bearbeiter: Helmich
globede
stF.
→
gelübede
MWB 2 832,34;
globen
swV.
→
loben
MWB 2 832,35;
glocke, glogge
swF.,
selten stF. ( Jüngl )
‘Glocke’ (zur Signalfunktion des Glockenläutens in kirchlichen
und weltlichen Zusammenhängen vgl. 2HRG 2,403-408; A. Haverkamp: "...an
die große Glocke hängen". Über Öffentlichkeit im Mittelalter. Jb. des Historischen
Kollegs 1995. München 1996, S. 71-112)
1 allg. 2 meton. ‘Glockenschlag, Glockenläuten’
1
allg.:
so man in [den Mönchen] mit der
cloken ain zaichen git SpitEich
15,4;
zv der kirchen lief er vnd nam / die gloksnvr in die hant /
vnd lvte die glokgen, die er vant, / vaste zv stvrme, daz der schal / qvam in daz
dorf vber al ReinFu
K,1572;
ir werdent hôch enpfangen. / ir sît wol wert, daz wir die gloggen gên iu
liuten, / dringen unde schouwen, als ein wunder komen sî Walth
28,14;
ja kan ich im glichen wol / ein bose glocke, die man lange leutet Jüngl
908;
WhvÖst
13863;
Lucid
86,2;
Loheng
5001.
– sprichw. (vgl. differenziert TPMA 5,57-61):
diu glocke muoz den klüpfel hân, / sol si grôzen dôn begân Freid
126,15;
Ottok
66578;
Renner
2103;
swelch glocke niht sleht beidenthalp an, / diu entouc in dirre werlde niht
ebd.
8612
u.ö.
– bildl.:
dez hungers helle gloggen / in sin ore liutent Martina
131,20.
– in Rechtszusammenhängen (vgl. differenziert DRW
4,947ff.):
man sol auch wizzen, daz diu glogge in der burger gewalt sol sin
UrkStVerf
251
(a. 1276);
swem ovch dü stat mit der gloggin ist oder wirt widir teilt
UrkFreiburg (Sch)
106
(a. 1282).
159
(a. 1300);
wer ein wundet, das er mit der gloggen lüten mag DRW
4,948
(Alemannia; a. 1340);
dû glogge dû man da lûtet ze zinse StRFreiburg
673;
UrkRegensb
344
(a. 1331)
2
meton. ‘Glockenschlag, Glockenläuten’
daz nieman nach der glokken an offenez liht uf der strazze sol gen
UrkRegensb
720
(um 1320);
swer auch vor der glocken kauft,
[...] der git zuͦ buͤzze 1 ß
WüP
26,4.
34,2;
dan [im öden Land] brechent ouch die glocken nieman
sînen slâf KLD:Namenlos
h 33,9;
SpitEich
14,10;
StatDtOrd
114,12.
– sprichw.:
die tôren nement der glocken war, die wîsen gânt von selben dar
Freid
81,21
MWB 2 832,36; Bearbeiter: Helmich
glockehûs
stN.
Raum, in dem sich der Glockenstuhl befindet, ‘Glockenstube,
Glockenturm’
campanile: gloghus VocOpt
12.064;
in ain hailig stat er [der Teufel]
mit im [Jesus] kam / und uf dez tempels gloghus
[
pinnaculum templi Mt 4,5]
SHort
4491;
als obe is [das Haus] von hymel dar
were kommen. / kloghuser und hubsche thorne Pilgerf
260;
do man zalt von gotz gebürte 1337 jor, do brante von eime dunreschlage an dem
meiobent daz glockehüs zuͦ dem jungen sant Peter und die glocken darmit
ClosChr
96,17;
ouch spreͣchen wir, daz dieselb chapelle chainen vreythof noch chain
glokhaus haben sol, nur ein chlaines sinegözzel
[Glöckchen]
UrkKlostern
1,302
(a. 1344);
UrkCorp (WMU)
N427,28
MWB 2 833,13; Bearbeiter: Helmich
glockelîn
stN.
Dimin. zu
glocke
.
‘kleine Glocke’
di ture unde glockelîn / di wâren alliz guldîn
SAlex
5441;
an iegelîchem kentenlîn [kleine Kette] / ein zimbel
oder ein glöckelîn. / diu wârn gegozzen blîde / von guldînem gesmîde. / diu klungen
wol von prîse: / mit der aller besten wîse / gâben sî süezen dôn Tund
1900;
ez ist auch [...] verboten daz nieman vnder in niht
kaufen sel kese noch milchschmaltz [...], biz an dem
dinstage so man daz glockelin lvttet zv sant Nycolaus StRRotenb
498;
tintinabulum: glocken klu̇ppfel oder schelle oder kleines
gloͤckelin VocClos
Ti39;
UvZLanz
3905
MWB 2 833,28; Bearbeiter: Helmich
glöckelînbluome
swMF.
→
glockenbluome
MWB 2 833,41;
glockenære
stM.
Kirchdiener, der die Kirchenglocken zu läuten berechtigt ist, ‘Glöckner’
(vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 278):
campanarius: mesener vel glokenner SummHeinr
1:278,103;
ir [der Glocken] swigen wart do hin geleit, / wand
si hin unde her / suchten iren glockener Pass I/II (HSW)
13994;
daz amacht dez glockeners, und dez sweynhyrtens, das sal vorlyhen der foyt mit
dem worte der burger UrkSchlesSt
373
(a. 1270);
UrkBresl
100
(a. 1324)
MWB 2 833,42; Bearbeiter: Helmich
glockenbliuwen
stN.
‘Glockengeläut, Glockenschlagen’
wa fur ist das glokchen pleuͤnn? / davon sol uns
recht vernewn / das man nit me lewt als vor Teichn
651,27
MWB 2 833,52; Bearbeiter: Helmich
glockenbluome, glöckelînbluome
swMF.
eine Blütenpflanze:
ligustra: wiße gloͤcklin bluͦmen [La.
gloggenbluͦmen
] vf den zinen VocClos
Li66
MWB 2 833,56; Bearbeiter: Helmich
glockengieʒære
stM.
‘Glockengießer’ (vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 278):
H. von Pailpruͦnn der glokkengiesser UrkRegensb
743
(ca. 1325-1350).
– als Bestandteil von Personen- oder Hausnamen:
terciam partem in domo anteriori lignea dicta zume clockingizere
UrkHess (B)
2,606
(a. 1301)
MWB 2 833,59; Bearbeiter: Helmich
glockengieʒen
stN.
unklar, ob Syntagma.
‘Glockengießen’
sô schiltet maniger eines andern kunst / der selten guot, êre oder gunst, /
mit sîner künste hât erworben: / [...] / swer einen bickel
giezen kan, / der nimt sich glocken giezens an Renner
13470
MWB 2 834,1; Bearbeiter: Helmich
glockenîe
stF.
‘Glöckneramt, Glockenamt’
in derselben stadt die glockenye den purgern der stadt Molhausen bevelen wir
zu vorliehen UrkPreuss
3,16
(a. 1338)
MWB 2 834,7; Bearbeiter: Helmich
glockenklanc
stM.
1
‘Glockengeläute’
2 das Recht, die Sturmglocke zu läuten
1
‘Glockengeläute’
swâ er in eine stat gie, / man und wîp in enphie / froelîche mit gesange / und
mit glockenklange LvRegFr
2597;
wan sô habt ir rehte zin und kupfer zesamen brâht. hîâ, daz klinget iu wol, ir
tiuvele, daz ist guot glocken klanc! PrBerth
2:149,39
2
das Recht, die Sturmglocke zu läuten:
binnen diesem bezirk und hocheit vorgeschrieben weisen wir schultes und
scheffen sambt [...] unsern junkeren fur einen grundherrn,
hohen herrn, gebott und verbott zu, und alle buszen und brüchten, hochstrafen und
alle gewalt zu, wassergang, klockenklang und alle gefulgnusz der leute
WeistGr
6,560
(14. Jh.?).
2,213
(wohl noch vor 1350)
MWB 2 834,11; Bearbeiter: Helmich
glockenklüpfel
stM.
‘Glockenschwengel, Klöppel’
tintinabulum: glocken klu̇ppfel oder schelle oder kleines
gloͤckelin VocClos
Ti39;
campanile: glocke hus oder glocke klu̇pfel ebd.
Ca136
MWB 2 834,25; Bearbeiter: Helmich
glockenstranc
stM.
an der Glocke befestigtes Seil zum Läuten, ‘Glockenseil’
ein rîcher herre [...] hete manic jâr / mit dêmuot
klôsterzühte gepflogen / und ofte die glockenstrenge gezogen / in gotes dienste
Renner
23850
MWB 2 834,29; Bearbeiter: Helmich
glockesnuor
stF.
an der Glocke befestigtes Seil zum Läuten, ‘Glockenseil’
da er die gloksnure vant, / und begunde liuten zehant / ze
sturm wol mit schalle StrKD
70,37;
zv der kirchen lief er vnd nam / die gloksnvr in die hant /
vnd lvte die glokgen ReinFu
K,1571.
S3,1571
MWB 2 834,34; Bearbeiter: Helmich
glockespîse
stF.
Glockengussmaterial, ‘Glockenspeise’
ein vegfúr [...] sot als ein
fúrig gloggespise und es was oben mit einem vinstern nebel bezogen
Mechth
5: 14,3;
welich einen strik ir an disem stricke habet gesmidet! der ist vester danne
stahel oder glockspîse PrBerth
1:417,19;
man nimt ain glüend eisen oder glokspeis BdN
163,5.
der stain klingelt schôn reht sam diu glokspeis, wenn man
mit ainem eisen dar auf slecht ebd.
440,32;
FünfzZeich
180;
EnikWchr
9849
MWB 2 834,40; Bearbeiter: Helmich
glockespîsîn
Adj.
‘aus Glockengussmaterial (Glockenspeise) gefertigt’
da hiezz der kayser Adrianus machen eynen glokgspeiseinen ochsen. der ynnan
hol waz GestRom
174;
ein ritter [...] auf eynem glokkspeisein rozz ebd.
33;
diu erein oder diu glokspeisein slang half wider die dreirlai
lebendiger slangen BdN
268,11
MWB 2 834,50; Bearbeiter: Helmich
glockichîn
stN.
‘Glöckchen’
wan sente Benedictus di spîse wolde, sô lûte her daz glockichîn, sô brâchte
man ime spîse HvFritzlHl
106,40
MWB 2 834,57; Bearbeiter: Helmich
glogge
swF.
→
glocke
MWB 2 834,60;
glohe
swSubst.
→
gelohe
MWB 2 834,61;
glohzen
swV.
→
lohezen
MWB 2 834,62;
gloie
swF.
→
gleie
MWB 2 834,63; |