grævelîn
stN.
Dimin. zu
grâve
‘kleiner Graf’
mêr danne fünfzec clâriu kint, / die von art gâben liehten
schîn, / herzogen unde grævelîn: / dâ reit ouch etslîch küneges suon
Parz
722,4.
– verächtlich:
waz sol daz grævelîn, / daz nû erwelt hânt die phaffen, /
des rîches frum geschaffen, / an dem man maht noch witze spurte?
Ottok
60082
MWB 2 905,37; Bearbeiterin: Baumgarte
grâvendinc
stN.
hier grefindingt.
‘Gericht des Grafen’
wir [...] leihen [...] von
unserm kuniglichen gewalt den vorgenanten [...] den bann
obir daz burggrafdinc, grefindingt und boteding mit allem herscheften und
gewonheiten, die zu dem bann gehoren MGHConst
8:591,40
(a. 1348)
MWB 2 905,44; Bearbeiterin: Baumgarte
grâvenmeister
stM.
‘oberster, erster aller Grafen’
der Oufensteinær giht, / er welle grâven meister sîn
Ottok
63226
MWB 2 905,50; Bearbeiterin: Baumgarte
grâvenphenninc
stM.
hier wmd. grêven-.
‘eine jährliche Abgabe an den Vogt’
item verkunte sie, dasz ein ieclicher mentsche, die do gesessen sint in dem
egenanten dorf Osthoven, [...], alle jar jerlichen schuldig
sin zu geben dem zitlichen faute [Vogt] ein malter
habern, ein huone und 2 heller, die do heiszent grevenphening, und nit me
WeistGr
5,636
(a. 1338)
MWB 2 905,53; Bearbeiterin: Baumgarte
grâvenrëht
stN.
wmd. auch grêve-.
eine Abgabe:
precarias seu exactiones, que grevenreth vulgariter nuncupantur
UrkDOHess
3:358,19
(a. 1293);
[der Hof des Klosters Schiffenberg zu Milbach ist frei]
ab omni prestatione iuris quod greverecht vulgariter nuncupatur DRW
4,1059
(Landau, Salgut; a. 1293)
MWB 2 905,61; Bearbeiterin: Baumgarte
grâveschaft
stF.
auch grâschaft, schwäb. auch -schatz (vgl. SchwäbWB
3,785).
1 Grafenstand, mit den dazugehörigen Rechten und Pflichten 2
‘Gebiet, über das ein Graf Rechte hat’
1
Grafenstand, mit den dazugehörigen Rechten und Pflichten:
der keiser enmac aver in allen landen niht gesîn und allez
ungerihte niht rihten ze aller zît; dar umbe lîhet er den fürsten grâveschaft, und
den grâven schultheizentuom SpdtL
223,12;
Luppolt der getrue man / der uerdienet hude sine grascaft /
daz du ir ime wole gunnen macht Roth
3554
2
‘Gebiet, über das ein Graf Rechte hat’
nehein lant ist so chleine, man nemuoze in denne teilen. /
marche unde bistuom, grascefte unde herzochtuom / daz teilet man chleine, iz niezent
zwene oder dri vur einen AvaA
2,3;
ein herre von Britanje, / der einer grâfschefte wielt, / mit
lobe sîne stat behielt / und sîner edelkeite reht KvWTurn
591;
die grauffschatz zuͦ ainem lon / die sol dein aigen wesen FrSchw
392.
299;
geschiht ditz in einer grâschaft oder in einer marke, sô
sullen die boten sîn vrîe lantsæzen SpdtL
196,18;
Wig
3671;
Kreuzf
377
MWB 2 906,4; Bearbeiterin: Baumgarte
grâveschaftgerihte
stN.
‘Gericht des Grafen’
judicia sive jurisdictiones ad comecias spectantes, que vulgariter
grafschaftgericht vocantur DRW
4,1065
(Maurer,Fronhöfe; a. 1295)
MWB 2 906,24; Bearbeiterin: Baumgarte
grâveschaftvuoter
stN.
‘Futterabgabe’
de hominibus aduocalibus pro grafschaft fuͦter xii mod. auene
UrbBayS
5,557.
5,554
MWB 2 906,28; Bearbeiterin: Baumgarte
grâveschatz
stF.
→
grâveschaft
MWB 2 906,31;
grævinne, grâvîn
stF.
‘Gräfin’ (vgl. WMU 1,758f.):
ich sî dîn geselle ode dîn man, / [...] / du muost
heizen grævîn, / sô ich grâve bin genant GFrau
2050;
ein rîcher dienstman, / [...], / des guot und des sin
/ füeget im ein grævin Helbl
8,380;
cometissa: grevin VocClos
Co116.
– mit Angabe der Grafschaft ( ~
von) und/ oder des Personennamens:
gutes, das ihme von seinen eltern grafen B. und gräfin E. erblich zugestanden
ist DRW
4,1061
(MCarinth; a. 1230)
u.ö.;
wir, Hedewich dvͥ grevinne, veriehen vnder vnserre svne jnsigel
UrkCorp (WMU)
689,12
u.ö.;
durch vnser vrowen, der grafin von Sigemarin [...]
bete ebd.
1116,43
u.ö.;
de grævîn von Tenabroc Parz
232,25;
zu man kôs in / von Joppen die grâvin / Sibilla
Kreuzf
398
MWB 2 906,32; Bearbeiterin: Baumgarte
grâwe
swM.
→
grâ
Adj.
MWB 2 906,47;
græwe
stF.
‘graue Farbe, Grauheit’
canicies: grewe VocClos
Ca165;
ich sach vor eim lîthûse [Gasthaus] stân / einen
knappen, der het an / [...] einen roc
[...] / ûz einem Pœltingære [Tuch
aus St. Pölten] , / daz was in der græwe blach Helbl
1,315.
– oft bezogen auf das Grau der Haare:
grawe ist zweierhande. ein ist uon natur. di ander ist ân di
natur. die naturliche grawe geschit so der mensche kumit zu rechtem alder.
[...] di grawe di âne natur ist. geschit wenne daz
fleuma vulet in deme magin ader in deme houbite SalArz
27,11
u.ö.;
div zwei [Bart und Haar] het zware / ein grawe
übergangen Krone
6880;
daz leben het er [Willehalm als
Einsiedler] fuͤnf jar. / nu was im bart und har / gewahsen
uz der maze lang / und von der græwe worden blang Rennew
34312
MWB 2 906,48; Bearbeiterin: Baumgarte
grâwen
swV.
auch graen (
Brun
11909
), grauen (
HvHürnh
30,8
), graben (
Teichn
303,13
).
1 vom Haar ‘grau werden, ergrauen’
2 vom herannahenden Tag ‘grauen’
1
vom Haar ‘grau werden, ergrauen’
daz hâr grâwet von der kelten des hirns, wenne diu nâtürleich
hitz sô krank wirt, daz si des hirns kelten nicht mag gesenftigen, ez sei von alter
oder von sorgen oder von unfuor BdN
7,23;
Lucid
64,10;
ir mugt wol grawen, [...] sich mac
wol rimpfen iwer lip StrKD
142,11;
er kunde in êren sîniu jâr / wol grîsen unde grâwen
KvWTroj
39817;
UvLFrd
337,9.
–
‘verblassen’, hier ‘kraftlos werden’ (vgl. FrlWB, S. 133):
woltat der jungen grawet [junge Leute sind nicht mehr auf das
Vollbringen ehrenvoller Taten aus] , / swa sicherheit sich hat
ergeben / der ungeherten schande Frl
7:29,7
2
vom herannahenden Tag ‘grauen’
als man grâwen sach den tac Loheng
1044;
sîne klâwen / durch die wolken sint geslagen, / er stîget ûf
mit grôzer kraft; / ich sich in grâwen / tegelîch, als er wil tagen: / den tac
MF:Wolfr
2: 1,4;
Herb
6657;
variierend:
ein wolken grâwet gên dem tage, / ich sihe in schône ûf
dringen SM:JvW
6: 1,4
MWB 2 907,1; Bearbeiterin: Baumgarte
græwen
swV.
1
‘grau machen’
2
‘blass machen’
1
‘grau machen’
dû [Glücksspiel] græwest sunder alter jugent
RvZw
107,4;
i’n weiz, wie diu nôt zergât, / die ich hân von einem
wîbe: / diu mir an dem herzen lît so nâhen, / daz ir verrez vrömden græwet mich
SM:UvB
2: 2,6;
daz ir lîp gegræwet / möhte sîn von sorgen Reinfr
4328.
11085
2
‘blass machen’
ir ougen brehen gît liehten schîn, / ir mundel und ir wengelîn / græwet unde
erscheinet [zum Sg. im Verb bei Doppelsubjekt vgl.
2
5Mhd. Gr. § S 42]
Virg
972,6
MWB 2 907,23; Bearbeiterin: Baumgarte
grâwërc
stN.
‘grauer Pelz’ (meist als Kleidungsbesatz oder -futter; vgl. DWB
4,1,5,2233):
item nullus mercatorum aduenientium undecunque varium, quod grawerc, et etiam
hoc, quod vulgo zabel [l. zobel
] appellatur
UrkKöln
2,415
(a. 1259)
MWB 2 907,33; Bearbeiterin: Baumgarte
grâwërcliute
stM. (Pl.)
Bearbeiter von grauem Pelz (vgl.
grâwërc
):
item cubicula grawerclude solvunt 11 sol. et 3 den. UrkKöln
3,221
(a. 1285)
MWB 2 907,38; Bearbeiterin: Baumgarte
grâweʒ
subst. Adj.
wohl ‘graues Pelzwerk’ (vgl.
grâwërc
):
soocrîsum: grauuiz quod nec rufum, nec album nec nigrum est Gl
3:664,15
(BStK287)
(lat. Lemma verderbt vgl. Anm.z.St.; AWB 4,404)
MWB 2 907,41; Bearbeiterin: Baumgarte
graʒ
Adj.
‘wütend, aufgebracht’
Esau der wart vil graz. / nu begunde grozen haz / und
umbruͤderlichin nit / tragin von der selbin zit / Esau dem bruͦdir sin
RvEWchr
5896;
al dar begunde gâhen / von dem volke ein menge graz
JvFrst
8977
MWB 2 907,45; Bearbeiterin: Baumgarte
graʒ
stN.
‘frische Sprossen oder junge Triebe von Nadelhölzern (und immergrünen
Pflanzen?)’ (für Futter und Streu):
got gebe daz der [Schnee] schier
zergê. / nu brechen [wir] die wîl îwîn graz. / ich wæn dîn
ors dicke gaz / ze Munsalvæsche baz dan hie Parz
485,13
(vgl. Lit. unter
2îwîn
);
swelich purger chauft [...] von
einem pawmann, der auf dem land sitzzt, chorn, stro, holtz, hae, graz,
[...]
StRMünch
343,19
MWB 2 907,50; Bearbeiterin: Baumgarte
grâʒ
stM.
Vokalquantität bei
FrlSuppl
5:205A2,37
wohl kurz.
‘Zorn, Hass’
dâvon vil gar der alde zorn / vorswundin was, [...],
/ unde [der Herrscher] was ôt wolgemût / intnumen allem
grâze [
:sâze
]
NvJer
21812;
dü zehen gebot, dü werdent las / der kristenheit dur sinen [des
endekrists] gras [
:was,
has
]
FrlSuppl
5:205A2,37;
swer sinen kranz / so birt daz er vor graze [
:maze,
saze
] / sine zungen hat behuot, / der treit in, daz er
im niht wirt ze swære Damen
6,1
MWB 2 907,59; Bearbeiterin: Baumgarte
grâʒen
swV.
auch greʒen.
laut und unruhig oder wild Aufregung, Zorn u.ä. kundtun, ‘wüten, toben’ (oft
subst.):
– von Pferden:
unserem guoten knehte / begund sîn ros
weien [wiehern] , / grâzen unde schreien
UvZLanz
474;
do begunde im [dem Pferd] müede
entwîchen. / ez dreste [schnaubte] und grâzte
Wh
59,17;
Herb
14740;
subst.:
diu selbe maget [...] / der lûten stimme wart gewar,
/ diu von des pherdes munde schal. / und dô in alle ir ôren hal / sîn grâzen und sîn
weien KvWPart
10609.
– von Menschen:
sie mügen selten höne sich mazen, / so sie uz rechtem grunt in herzen grazen
Frl
11:14,7.
13:18,1;
hin geet / sie, graset dick vnd cleit
[
claget
]
Krone
24253
(vgl. Anm.z.St. und Felder, Krone, S. 606).
subst.:
hie mit die krank gemuͦten [auf der Flucht]
sich ze rehter manheit mohten binden. / ir schupfen
[Stoßen] und ir grezen wart ein teil gestillet
JTit
4997,1;
meist i.S.v. feindseligem Verhalten:
schelten, smehis grazin / muoze div maget liden Martina
109,12;
sin zcornin und sin grazin PfzdHech
184,8;
wir lebent fruͤntlich, ich und er / in himel sunder grazzen
HeinzelJoh
61,6;
NvJer
23543;
Georg
1862;
Herb
5427;
dâ [auf dem Schlachtfeld] was manec
sunder grâzen [da war viel außergewöhnliches Wüten (vgl. Heinzle, Wh.,
S. 1064f.)]
Wh
402,17.
– vom Feuer:
die [Heiden] druz [aus den erzenen
feuerspeienden Kriegern] daz fiur so gruͤslichen grazen /
sahen JTit
6212,2
MWB 2 908,5; Bearbeiterin: Baumgarte
grâʒieren
swV.
‘aufgeregt und unruhig schreien/ gebärden’ (vgl. Suolahti 1,101; s.a.
grâʒen
):
bî snellen rossen fliegen / sach man dâ ritterlîchiu bein, /
dô sich begunden underein / die schar mit nîde werren. / grâzieren unde scherren /
diu ros man hôrte lûte KvWTurn
754
MWB 2 908,34; Bearbeiterin: Baumgarte
græʒlich
Adj., Adv.
adv. -lîchen.
‘feindselig, furchterregend, grausam’ (vgl.
graʒ
Adj. und stM.):
dâ beiz er în [der Rüde seinen toten Herrn, einen verräterischen
Anführer] mit grimme / in grêzlîchir stimme / vast allumme
gnarrinde / und doch dî wîle zarrinde / des vleischis von dem lîbe gnûc NvJer
18471;
so koment etliche mit den grúwelichsten worten und
geberden, als si finden, als gresselich und als zornig und bitter umb ein klein ding
Tauler
209,7;
eme yst wers dez auendez vnde dromet gerne von greselychen
dyngen OvBaierl
4,21;
das volk [die Menschenfresser] ist alczu greslich
den vremdin lutin MarcoPolo
52,10;
durch waz sache so ein greslichis
[
crudelis Dn 2,15] orteil von des
kunigis antlicze were uzgegangen Cranc
Dan 2,15.
–
der herre hat zuqueczt [...] di gerte
der herschenden, [...], di undir sich brach di dijt in
grymme und vorvolgete si greslichen [
crudeliter Is
14,6]
Cranc
Jes 14,6;
greslichen wirt er [Gott] brymmen
ebd.
Jer 25,30
MWB 2 908,40; Bearbeiterin: Baumgarte
graʒʒach
stN.
Koll. zu
graʒ
stN. ‘eine Menge Tannen- oder
Kiefernsprossen’ (vgl.
greʒenach
):
bi einer wîle sul wir beide gên / und brechn im
[dem Pferd] grazzach unde varm: / anders fuoters bin
ich arm Parz
458,17
MWB 2 908,60; Bearbeiterin: Baumgarte
grebede|êre (?)
stF.
‘Begräbnisfeier, Leichenbegängnis’
exequie: grebdere VocOpt
12.098
MWB 2 909,1; Bearbeiterin: Baumgarte |