grebel
stM.
zu
graben
stV.
1 übers. lat. paxillus
‘kleiner Pfahl, Pflock’ , sowie erpica und sarculum
‘kleine Hacke, Egge, Jäteisen’ (vgl. weitere Glossenbelege in DWB 4,1,5,1545
s.v. gräbel und 4,1,6,1 s.v. grebel ) 2
‘Totengräber’
1
übers. lat. paxillus
‘kleiner Pfahl, Pflock’, sowie erpica und sarculum
‘kleine Hacke, Egge, Jäteisen’ (vgl. weitere Glossenbelege in DWB 4,1,5,1545
s.v. gräbel und 4,1,6,1 s.v. grebel):
paxillum: rivtel vel grebel Gl
3:649,38
(BStK926);
sô er [der Räuber] rîtet über velt / bî der naht
und in dem nebel, / hert îsen unde grebel, / örter zuo den slozzen / füert der
unverdrozzen / in dem einen ermel wol Helbl
1,184
2
‘Totengräber’
daz ein ieglich grebil ze der abtei [...] den lon sol
nemen greber ze machenne als hie nach geschriben ist StBZürich
10
(a. 1316)
MWB 2 909,3; Bearbeiterin: Baumgarte
grebelîn, grebelî
stN.
Dimin. zu
grabe
‘kleiner Graben’
die richte vf vnz an den grozen birbovn vnd dannan vf vnz an daz ober grebeli
UrkCorp (WMU)
460,14;
sinwel was der kinne sîn, / und ein kleinez gräbelîn
[Grübchen] , / [...], / was
enmitten dar an WvRh
6343
MWB 2 909,15; Bearbeiterin: Baumgarte
grebenlich
Adj.
s.a.
grævelich
MWB 2 909,21;
greber
stM.
→
grabære
MWB 2 909,22;
grebinc
stM.
‘Dachs’
melos / melus quedam bestiola / bestia: dahs [La.
greuinchc, vgl. Bd. 3,63]
SummHeinr
2:369,184
MWB 2 909,23; Bearbeiterin: Baumgarte
grebnisse
stF.
auch grabenusse.
‘Grabstätte’
si ouch walgten und erwegten / einen stein michel grôzen, /
der wart gevûget und gestôzen / gelîche vur des grabes tur / und wol gevezzent ûzen
vur. / in der nâhe daz ergînc, / dâ man di grebnis înbevînc [bedeckte,
einschloss]
JvFrst
11266;
(daz selbe selgret), daz wir so offenlich mit vnsern triwen biͤ vnsern
frivnten vnd bi den lantlauͦten gestetigt haben vnd vervestent dazz
[l. da ze
] Ranshouen ze der grabenvsse
vnsers bruders Chuͤnens UrkCorp (WMU)
2899,33
MWB 2 909,26; Bearbeiterin: Baumgarte
grech
stM.
‘untergeschobenes Kind, Bastard’ (vgl. Bech, Germ. 9 (1864), S.
336):
Eckerich sprach: ‘du vngetruwes wip, / dz der grech schende dinen lyp! /
wy meinestu, dz yer kein man / in mine kemmenaten doͤrste ghen, / he mieste
dar ymme sterben / vnd den dot erwerben?’ KarlElegast
689
MWB 2 909,37; Bearbeiterin: Baumgarte
grechel
stN.
‘untergeschobenes Kind, Bastard’
ouch hete er des vil grôzen ruom, / , / daz er daz göuchel
[La. grechel
] hæte gezogen
SchneekindA
58
MWB 2 909,44; Bearbeiterin: Baumgarte
greck
stM.
→
gricke
MWB 2 909,48;
grêde
stswF.
s.a.
1grât
.
1
‘Stufe’
1.1
‘Podest’ auch ‘stufenartiges Unterlager für Waren’ (vgl. Glr.z.
StrMünch ) 1.2 in weiterem Sinne ‘Schritt, Abschnitt’
1.3 übertr. 2
‘Treppe, Leiter’ (meist nicht sicher von 1 zu unterscheiden)
1
‘Stufe’
die sehs grede, die hin zvͤ dem stvͤle
[Salomos Thron] giengen Konr
18,37;
vnd waren sehs greden die dar vͦf giengen ebd.
18,6;
sus sâzen si dâ bêde / durch ruowe ûf einer grêde
Wig
7243;
darnach do sach ich das sich der himel uff tet ob mir, und das wunneklich gret
von dem himel herab giengent untz an die stat da ich was Stagel
58,18;
auch sol under iedem toͤr ein
kyeser [Prüfer von gängigen Maßen und Münzen] sin, und
ienhalb Meins auch einer, uf den greden zwene, einer an dem eyermarkte,
[...]
WüP
65,3.
23,2
1.1
‘Podest’ auch ‘stufenartiges Unterlager für Waren’ (vgl. Glr.z.
StrMünch ):
der toufnapf was ein rubbîn, / von jaspes ein grêde
sinwel, / dar ûf er stuont Parz
816,21;
swer salz uf dem margte chauffet, der sol ez niht uf den
marcte setzen, er sol ez setzen uf ein grede oder in sein haus
StRMünch
268,21;
swelich gast wein herpringet, den er verchauffen wil hie
ze Muͤnichen, den sol er in chainen keller legen; er mag in aber legen
auf ein gred oder in ain gewelb, biz er in verchauffen mag ebd.
408,28
1.2
in weiterem Sinne ‘Schritt, Abschnitt’
sich [
ecce
] , ich wil
widirkeren lasen den schaten [auf der Sonnenuhr des
Ahas]
[...] zurucke zehen striche widir durch di grete, an
den er sich [bereits vorher schon einmal] gesenket
hat [
decem lineis per gradus quos
descenderat
]
Cranc
Jes 38,8
hierher?: an die alden grede gan i.S.v. ‘einen Schritt (in
der Erzählung) zurück gehen’
hie mvz ich dise rede lan / vnde an die alden grede
gan, / sagen gemach vnde vngemach, / waz Achilles svne geschach
Herb
17803
(vgl.:
hie mvz ich dise rede lan / vnde griffen an die alde ebd.
16915
)
1.3
übertr.:
die lanttherrenn sind ain zu gabe unnd ain merung des
reichs, unnd von in wirt getziert der hof und geordent das reich in ir
graden [
in gradibus, vgl.
grât
] . du wedarfft wol der pesstenn ordnung an ir
gredenn [
in gradibus
] unnd an ir
ordnunge [
in dispositionibus
]
HvHürnh
73,2
2
‘Treppe, Leiter’ (meist nicht sicher von 1 zu
unterscheiden):
der sælige bâbst gienc dô / von oben eine grêden abe / in die gruft zuo dem
grabe LvRegFr
4991
MWB 2 909,49; Bearbeiterin: Baumgarte
grêden
swV.
1
‘Stufen anlegen, mit Stufen versehen’
2
‘degradieren’ (vgl.
engrêden
)
1
‘Stufen anlegen, mit Stufen versehen’
si giengen geinme palas, / dâ hôch hin ûf gegrêdet was
Parz
186,16;
ûf durch den palas einesît / gienc ein gewelbe niht ze wît, /
gegrêdet über den palas hôch ebd.
589,3
2
‘degradieren’ (vgl.
engrêden
):
der sol im sin reht tun: er sol in greden, daz ist er sol im sin phaeflich ere
nemen DRW
4,1080
(Schwsp.(R.); a. 1275/1287)
MWB 2 910,28; Bearbeiterin: Baumgarte
gredmich
Subst.
aus lat. crede michi (vgl. SchweizId 2,705 s.v. Greding
M.).
Brot, das in Klöstern gebacken und als Lohn oder Geschenk Dienstleuten gegeben
wurde (SchweizId ebd.):
350 et 319 maltera tritici in pane qui dicitur gredmich, gredemich
SchweizId
2,705
(Expense frumentarie Monasterii Abbat. Tur.; a. 1328)
u.ö.
MWB 2 910,36; Bearbeiterin: Baumgarte
greffe
Subst.
‘eine Handvoll’ (vgl. Etymol.Wb.d.Ahd. 4,604; s.a.
goufe
):
pugillus: gel, greffe Gl
3:362,62
(BStK726)
MWB 2 910,43; Bearbeiterin: Baumgarte
gregel
stM.
→
greʒel
MWB 2 910,46;
greibe
Adj.
→
greip
MWB 2 910,47;
greifen
swV.
‘tasten, greifen’ (s.a.
grîfen
stV., mit dem es schon im Ahd. Vermischungen gibt,
DWB 4,1,6,14f.):
ze jungeste genante er [fasste er, Marjodoc,
Mut] / und gie vil lîse dar în / und envant dâ lieht noch mânen
schîn; / [...] sus gienger [...]
greifende mit henden / an mûren unde an wenden, / biz er zir beider
[Tristan und Isoldes] bette kam Tr
13591;
den vogel er mit sinne / gegreifte WhvÖst
7237;
wan unz dar so gangen wir als die blinden schlichen, und
greifen umb úns und wissen nit wa ald wie Seuse
387,12;
Fridepreht der junge / greif ir an daz künne: i’n weiz, nâch wiu der
tôre greife Neidh
WL 31:4,8;
BdN
378,10.
– im Bild des Jagdhundes, der das Wild aufspürt:
nu begunde Rennewart / nach der heiden vart / vaste umme
sweifen / und nach ir shaden greifen, / als ein hunt tuͦt nach dem tiere
Rennew
782.
26730.
27562
MWB 2 910,48; Bearbeiterin: Baumgarte
greific
Adj.
→
grîfic
MWB 2 911,1;
greine (?)
stSubst.
‘Schaden, Leid’ (vgl.
greinen
):
ein wazzer chlain / daz da nieman taͤt ein grain, /
swellet [staut] mans ein chlain zeit / und laz dann
rinnen, ez pricht weit / und wiͤrt ein grozzer guͤzz der van
Teichn
123,36;
und chumpt doch an under mach [ohne eine weitere
Zutat] / allew dinch von got allain, / dem guten gewin, dem posen
grain ebd.
42,24.
– hierher i.S.v. ‘Verhängnis’ (?):
do got der herr geschuf die engel reine / clar erscheine
[3.Sg.Prät. mit epithetischem e?] , / daz
ich meine, / daz waz an in wandelz greine [im Anschluss wird vom Fall
Luzifers und seiner Engel berichtet]
PvReichenb
2:3,21
(RSM ^1PeterR/2/1)
MWB 2 911,2; Bearbeiterin: Baumgarte
greinen
swV.
‘jmdn. grînen machen, jmdm. Kummer/ Schaden zufügen’
do sprach der herr zu dem richter: / ‘warumb tustu
nicht ein recht?’ / ‘ez ist ener ein edel chnecht’, / sprach der
richter, ‘der in grainet.’ Teichn
46,11;
wen man da [im Himmel]
gechroͤnet sicht, / der wiͤrt nymmer mer gegrainet ebd.
52,41;
got der sprach: ‘wer phaffen grainet, / der hat mir
mein aug betrubt.’ ebd.
167,68
MWB 2 911,15; Bearbeiterin: Baumgarte
greinigen
swV.
‘jmdn. grînen machen, jmdm. Kummer/ Schaden zufügen’
swâ man witiben unde weisen / greinigt unde pînet, / als hie
ze Gunse schînet, / dâ tuon ich [
ein phaff und ein begeben
man
] wider mîn reht Ottok
31408
MWB 2 911,23; Bearbeiterin: Baumgarte
greip (?)
Adj.
‘herb’ (vgl. DWB 4,1,6,5 s.v. greibe):
Tyrus in [Pilatus] so wol zoch, / daz er dem bruder
[dem leiblichen Sohn des Tyrus, seinem Ziehbruder]
wart ze hoch / an dem vbirmute, / an gift vnde an gute, /
[...]. / iezo hete sih behaft / under in beider sit /
der clebere [klebrige] unde der greibe nit Pilatus
2,194
MWB 2 911,28; Bearbeiterin: Baumgarte
grël
Adj.
‘angriffslustig, grimmig’
ze nötten waren sy [die Krieger]
grell, / iere ross unmassen schnell / ze ernste und ouch ze schimpffe
GTroj
18453;
wer heizt si [die Vorboten des Sterbens] ilen, daz
si loufen also snel? / daz tuot der tot, des muot ist uf mich worden grel
Regenb
3,345b;
dú girheit het iemer einen grellen [laut
fordernden] munt Mechth
4: 4,17.
4: 15,11;
ich mache ir [der kunstlosen Kritiker] itteslîchen
grel [fordere sie heraus] , / daz er mit schanden swîgen
muoz, / der mîne wâre mit sîme valsche koufet Rumelant (R)
7:2,13.
– positiv gewertet:
der win [Reuetränen] ist svͦze vnde also
grel [von starker Wirkung] , / daz er dvrchsvͦzit
godis mvt, / daz er des menschen willen dvt PrHess
27,92
MWB 2 911,35; Bearbeiterin: Baumgarte
grelle
swF.
eine (nicht ritterliche) gegabelte Stichwaffe, ‘Sturmgabel’ (Englisch, Ernst,
S. 29):
got gebe daz ein ruzige grelle / noch durch in werde gestochen, / so wurde ich
an im gerochen Erz III
56,492;
swaz sie ir [der Feinde] bringen mohten nider, / die
wurden dem vurbvuozvolc [den Mannschaften, die das Schlachtfeld
"säubern"] alle ze teile sider, / von den durch sie gestôzen wart
manic grelle Loheng
2876;
sy eylten zu den schiffen, / zu spissen und zu grellen
HvNstAp
3168;
Ottok
96323;
MarcoPolo
34,8;
Secret
2815;
Pass I/II (HSW)
16993.
– in rechtl. Bestimmungen:
alle burger unde kouflute, di zu der stat gehoren,
[...] wo si wanderen in des konigis lande, da mugen si
vuren spitze, swert, grellen, armbrust unde bogen StRFreiberg
233,22;
wer zv sulchen krige [Streit] mit ayner grellen
oder mit ayner glizen oder mit einem sper gegangen oder geloufen chvmt
StRPrag
28
MWB 2 911,50; Bearbeiterin: Baumgarte
grëllecheit
stF.
‘Gereiztheit, Aggressivität’
ich pflige an ir des grimen hochmuͦtes und der
geswinden wisheit und der kreftigen girheit, und ich wise von ir alle barmherzekeit,
und ich heisse zornige grellekeit, die geistliche herzen stoͤret
Mechth
4: 17,30;
allerleige ander untugende di der sêle ungesunt sint, alse grellichkeit des
gemutes und unstêtikeit des willen und zorn ader [l.
oder
] entsetzunge des herzin ader der siten
HvFritzlHl
59,11
MWB 2 912,5; Bearbeiterin: Baumgarte
grëllen
stV. (IIIb)
s.a. grallen V. und grillen V.
einen durchdringenden Ton von sich geben, ‘kreischen, greinen, maunzen’ u.ä.,
auch ‘zirpen’
sît mîn houbet / maniger leie dœne gewan: / sieden, diezen, siusen,
singen, / zwitzern, grellen, snurren, klingen Renner
5;
si [Kaiser und Hirte] werdent beide blôz geborn /
[...] / wenne si sint beide nâch erfrorn / und grellent
als zwô junge katzen ebd.
19101;
der stolze grille niht anders gert / denne daz er loufe und springe snelle /
durch büsche, durch brâmen, und lûte grelle, / und über die liehten heide ebd.
5574;
wol hin, du fuler helle stanc, / du nezzelfluch! des wirt din laster grellen
[sich deutlich bemerkbar machen ( ?)]
Frl
7:32,12
MWB 2 912,15; Bearbeiterin: Baumgarte |