Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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g – gâchlîchen
gâchmuot – gagen
gagen – galander
galanderisch – 1galle
2galle – galter
galtnüsse – gamerot
gamîe – gancheil
ganclîche – ganteren
ganz – gärmic
garn – gartenhuon
gartenhûs – 3garwe
garwwurz – gastmeisterin
gastnusse – gaʒʒenspringer
ge- – gebæric
gëbærin – gëbendic
gebenedîunge – gebietære
gebietærin – gebiurischlich
gebiurlich – geböume
gebôʒ – gebrëst, gebrëste, gebrësten
gebrëstelîn – gebrûchic
gebrûchlich – gebunt
gebunt – geburst
geburt – gedâht
gedâht – gedense
gederbe – gedinge
gedinge – gedrange
gedrâte – gedünste
gedurchtriben – gegate
gegatrom – gegenkouf
gegenlëder – gegensetzunge
gegensidele – gegenwertes
gegenwertic – gegihte
gegiric – gehaʒʒic
gêhe – gehëlfe
gehëlfelîche – gehilfe
gehilfic – gehœric
gehœrlich – gehügenisse
gehugesam – geifer
geifervrâʒ – geiselrieme
geiselruote – geisticlich
geistîn – geiʒhorn
geiʒhût – gejeitschuoch
gejeitvogele – gekünne
gël – gelegede
gelegelich – gelende
1gelende – gêlîche
gelîcheit – gelîchmëʒʒunge
gelîchnisgëbende – gelide
gelidemâʒe – gêlingen
gelîp – gëlm
gëlmen – geloup
geloup – gëlte
gëltel – gelückede
gelückederat – gelüstelîn
gelustic – gemahel
gemahelbettelîn – gemæʒicheit
gemæʒiclich – 2gemeine
1gemeinen – gemeinsin
gemeinunge – gemerrede
gemêrsal – 2gemüete, gemuote
gemüetic – gemutzet
gemʒe – genâdenschüʒʒel
genâdensol – genæmicheit
genamʒôn – genemede
genende – genëserinne
genetzen – genieʒen
genieʒlich (?) – genôʒen
genôʒgeselle – gensîn
gensischen – genuhtlîchen
genuhtrîch – genuʒ
genuʒt – gephrange
gephünde – 1gerat
2gerat – gerëhen
gerëht – gereisic
gereitære – gerieme
geriemen – gerihticlîche
gerihtinsigel – geriune
1geriusche – gerouche
geröufe – gerte
gerte – gerûmiclich
gerummel, gerumpel – gêrvalke
gerwære – gesaten
gesatznissede – gescheftbrief
geschefte – geschepfnisse
geschepfunge – geschiuwede
geschoc – geschrihte
geschrîp – gesëhen
gesëhenheit – geselliclîcheit
geselligen – gesihtic
gesihticlich – gesite
gesiten – geslihte
geslinge – gesnæren
gesnarren – gespenstnisse
gesper (?) – gespræchelich
gespræchetac – gespunst
gespür – gestelle
gestellet – gestifte
gestille – gestrenglîche
gestrenze – ge|stunge
gestungede – gesuoch
gesuochære – geswerme
geswërte – gesworn
gesworne – getelle
getelôs – getougen
getougen – getreigeret
getrenke – getrüese (?)
getrügede – getwædicheit
getwædigen – gëtzen
getzsal – gevalte
gevanclich – gevëderen, gevëdern
gevêhe – geverte|lehe
gevertinne (?) – gevlester
gevlitter – gevrier
gevrist – gevülle
gevuoc – gewahsenheit
gewahst – gewaltroubunge
gewaltsame – gewar
gewar – gewe
gewëbe – gewellen
geweltigen – gewërben
gewërbic – gewern
gewërn – gewiere
gewieret – gewinnen
gewinnic – gewist
gewiste – gewonunge
geworden – gewzen (?)
gezagel – gezëmelich
gezemen – gezît
gezîte – gezoc
gezogen – gezwîen
gezwîge – giefen
giege – gifticheit
gifticlich – giht
gihtboum – gimbîʒen
gimme – gippengappen
gippentuoch – giric
giricheit – gischen
gîse – gîtigære
gîtige – 1glan
2glan – glas(e)väʒʒelîn
glas(e)vënster – gleimel
gleimelîn – gleten
glêtphenninc – glipfen
glise – glocke
glockehûs – glôriôs
glôriôslich – gluothaven
gluothert – goder
goedertieren – golf
gollen – goltgesmîde
goltgesteine – goltreit
goltrîch – golttropfe
goltvar – gos (?)
got – gotesarm
gotesbeckære – gotesmordærinne
gotesphenninc – gotgeformet
gotgelâʒen – gotmeinunge
gotmensche – gouch
gouch – goukelære
goukelbilde – goukelspil
goukelsprütze – göumütte, -mutte
göu|phâwe – grabe
grabe – grâf-
graft – gramerʒîe
gramerʒîen – gransprunge
gransprunge – gras(e)phenninc
gras(e)spier – grâvenrëht
grâveschaft – grebinc
grebnisse – gremiclich
grempære – griekech
grien – griffel
griffelære – grimmetât
grimmic – grisegrammen
grîseleht – griuslich
griuwe – groppe
gros – grôʒmüetic
grôʒmuoticheit – grüenheit
grüenlich – grunderëbe
gründic – gruntübele
gruntvestære – gruon-
gruon- – grütschîn
grutte – 1gücken
2gücken – güfticheit
güfticlich – gûlen
gülle – gumpenîe
gunderam – guotdunken
guotdunkende – guotswender
guottât – gürtelgewant
gürtellîn – gymnosophiste

   gelinc - gëllen    


gelinc stM. , gelinge swM., stFN. ‘das Gelingen, Glück, Erfolg’ daz uͤns der almaehtig got sick und geling geit gen hertzog Fridreich von Oesterreich StRMünch 88,3; minnenclîch gedinge fröit mich mange stunde, / daz mich trœste ein rôter munt [...]. / minnenclîch gelinge, / obe ich daz dâ funde, / sône kunde mir ûf erde niemer werden baz KLD:GvN 4: 4,4. guot, hôch, kranc ~ : der kunic wart sô balt / ûf unguotiu dinc, / daz im guot gelinc / von got solt wesen tiure Ottok 11990; MF:Reinm 48:2,7; KvWEngelh 4684; TvKulm 1; daz ist an fröiden mîn hœhste gelinge KLD:  TSchreiber 1:5,3; nu gihes vür hôch gelinge [halte es für einen großen Glücksfall] Wh 121,28; wie rechte krank daran gewesen ist mîn gelinge SM:Te 6: 1,8. daz in got het gegeben solch gelinge Loheng 6096; Brun 7333. – mit Poss.-Pron.: nû wârens under in beiden / des willen ungescheiden [...] : / ir gelinge was ab mislîch Iw 2579. 1525; allen sinin gelingen / liez er an gotis helfe da RvEWchr 24188; sîn heil unsælde [Subj.] nider zôch / und irte daz gelinge sîn KvWTroj 37059; Mai 133,11; CrescC 182; Neidh(S) 2,219 c124:4,9. sîn ~ sagen/schîn tuon ‘sagen/zeigen, wie es einem gelungen ist, welchen Erfolg man hatte’ ir sache und ir gelinge / ein ander si dâ seiten KvWTroj 29530; KvWEngelh 5060; er tete im sîn gelinge schîn / und al sîn âventiure kunt / mit rede gar biz ûf den grunt KvWTroj 23092. durch/  nâch ~ ‘auf gut Glück’ daz geschach [...] / tzu Muldorf, do man durch geling / fur stet und vest vil dike sŭcht [Angriffe unternahm] Suchenw 14,30; swen si [Pelikane] suochen wolden, / daz si ezzen solden [...], / sô samt sich ein schar / und flugen nâch gelinc / etswâ ûf einen klinc [seichte Stelle im Fluss] Ottok 96194. 81942. ûf (den) ~ ‘zu dem Zweck’, mit abh. Satz: dar nach gedaht er manigen suͦch [Plan] / uf den gelingen / wie daz er mohte bringen / den brief zu sinem lieben WhvÖst 6777; durch di sache quam / gotes sun und an sich nam / di menscheit uf gelinge / daz er [...] / gohorsam dem vater were TvKulm 2275

MWB 2 353,4; Bearbeiter: Bohnert

gelinde Adj. ‘sanft(mütig), schmeichelnd’ blandus: gelinder SummHeinr 2:200,01.21

MWB 2 353,46; Bearbeiter: Bohnert

gelinge swM., stFN. gelinc stM.

MWB 2 353,48;

gelingen stV. unpersönl. mit Dat.d.P. (vereinzelt persönl. konstr., s. unter 4). 1 jmdm. gelinget ‘jmd. hat Erfolg, Glück’
2 mit adv. Best., jmdm. gelinget wol / übele ‘jmd. hat guten / schlechten Erfolg, es ergeht jmdm. gut / schlecht’ u.ä.
3 mit näherer Best. (Gen.d.S., Präp.-Gruppe), in Bezug worauf (wobei, womit) jmd. Erfolg, Glück hat
4 ‘Freude haben, Gefallen finden an (an / in) jmdm./etw.’
5 ‘etw. gefällt jmdm.’
   1 jmdm. gelinget ‘jmd. hat Erfolg, Glück’ nû saz diu burcmûre [...] / vol ritter unde vrouwen / die daz wolden schouwen / wederm dâ gelunge Greg 2115; in dûht, im wær niht gelungen EnikWchr 25450. – subst. Inf., ‘das Gelingen, Erfolg, Glück’ disem liep, jenem lait / was do der [Gegner] gelingen WhvÖst 8829; er wolt durch gelingen [auf gut Glück] / baizzen [mit dem Falken jagen] an des meres stade ebd. 1118; Ottok 1076; SM:Had 48:4,5; Hiob 2345; die doch frô gedingen / hêten uf gût gelingen Kreuzf 1844    2 mit adv. Best., jmdm. gelinget wol / übele ‘jmd. hat guten / schlechten Erfolg, es ergeht jmdm. gut / schlecht’ u.ä.: er [Artus] saget in [Iwein und Gawan] gnâde unde danc, / daz in sô ofte wol gelanc Iw 3076; uns wil schiere wol gelingen [bald wird uns alles nach Wunsch gehen] Walth 51,21; Rol 8896; wie moͤhte úch bas gelingen? Mechth 7: 37,31; Parz 685,28; zwene riche chuͦnige, / den gelanc da uil uͦbele Rol 6335. 7762; daz uch in dem engeslichen gerichte ubel sol gelingen HlReg 70,12; Herb 11894; ein núwis getihte er sang, / wan im so selichlich gelang RvEWchr 20877; sît im sô schône gelanc KvHeimUrst 2112. nu prüevt wie Lucifern gelanc / unt sînen nôtgestallen Parz 463,4; im was komen mære / wie in gelungen wære Iw 3074; NibB 224,1; KvWWelt 3; in ist dicke alsus gelungen Parz 450,8; Tr 409. – vereinzelt mit Dat.d.S.: gelinget mînen dingen wol, / daz wirt im schiere bekant Tr 7452. – mit ( und korrelierendem) Konsekutivsatz: ob dir sô wol gelinge, / daz dich ein slâ dar bringe, / aldâ du Munsalvæsche sihst Parz 442,11; do gelanch im so an siner vart, / daz er maniges mannes esel wart StrKD 70,149; Kudr 372,1; doch gelanc dem keiser Fridrîch, / daz die sînen sicherlîch / den sic an gewunnen EnikWchr 28727    3 mit näherer Best. (Gen.d.S., Präp.-Gruppe), in Bezug worauf (wobei, womit) jmd. Erfolg, Glück hat: im müest des baz gelingen, / swaz er fürbaz het ze schaffen Ottok 9269; des weges gelang im deste baz [er kam umso leichter vorwärts] Boner 77,14. ja gelinget einem ofte an zwein [einer hat doch oft Erfolg gegen zwei] Iw 6619; dem an stæte nie gelank Walth 97,4; im wære wol gelungen [er habe Glück gehabt] an sînem lieben kinde Kudr 182,3; jâ gedâhten si in beide, daz in möhte noch an ir gelingen [dass sie noch ihren Zweck bei ihr erreichen könnten] ebd. 1045,4; MF:Mor 16:1,3; SM:HvS 4:5,8. den vünf vanen wol gelanc / gein mangem kumber der si twanc Wh 433,19. swaz er [...] getuot, / dâ muoz im an gelingen / ze allen sînen dingen Volmar 979; got der lat sin [Riese] niht genesen, / daz ist min gedinge, / daz mir zu im gelinge Rennew 35292. 36472    4 ‘Freude haben, Gefallen finden an (an / in) jmdm./etw.’ delectabuntur in multitudine pacis: in gelinget in dem michelem fride PsM 36,11. – persönl.: delectare in domino: gelinge an dem herren PsM 36,4    5 ‘etw. gefällt jmdm.’ er bot in golt daz rote [...]. / div miete began in gelingen Wernh D 1510

MWB 2 353,49; Bearbeiter: Bohnert

gêlingen Adv. gæhelingen

MWB 2 354,47;

gelîp Adj. ‘mit einem lîp versehen, beschaffen’ ir [Frauen] sît alle alsô gelîp, / alsô gartet unde gemuot: / iuch dunket ie daz arge guot Tr 9868

MWB 2 354,48; Bearbeiter: Bohnert

gelisem stN. vgl. lismen swV. (vgl. Rosenfeld, lesa und lese S. 130). ‘Unterredung, Beratung’, jmd. hât (ein) ~ , mit folgendem indir. Fragesatz: besunder het er ain gelisem / mit ieglichem kuͤnge hoch / wie si den kuͤng von Marroch / mit strite do entworhten WhvÖst 7868; die kuͤnge grozz gelisem / under ain ander heten / waz todes si tæten / Wildhelme von Österrich ebd. 10786

MWB 2 354,51; Bearbeiter: Bohnert

gelit stN. auch gelide; Pl. auch gelide und gelider. 1 eigentl., ‘Körperglied, -teil’ (vereinzelt ‘Gelenk’
1.1 allg.
1.2 bestimmte Glieder
1.3 umschreibend
2 bildl. und übertr.
2.1 auf das Zugehörigkeitsverhältnis von Leib und Gliedern bezogen, überw. für Personen
2.1.1 die Gläubigen als Glieder des Leibs Christi, der Christenheit
2.1.2 die Verdammten als Glieder des Teufels
2.1.3 ‘Anhänger(in) eines Glaubens’
2.1.4 ‘Angehöriger, Mitglied eines Ordens’
2.1.5 für die Schachfiguren außer König und Königin (= den houbeten )
2.1.6 als Teil eines Ganzen
2.2 auf Mehrgliedrigkeit, eine Folge von Gliedern bezogen
2.3 mit unklarem Bezug;
3 ‘Knoten des Pflanzenstängels’
4 ‘Türflügel’
5 wohl ‘Glied (eines Kettchens)’
   1 eigentl., ‘Körperglied, -teil’ (vereinzelt ‘Gelenk’ artus: glider PsM H 110,2; SummHeinr 2:178,01.30, vgl. 3)    1.1 allg.: er [Gott] gischuf an uns du gilit alli / ein andir dininti SuTheol 197; augen, nas, hent, fuͤzze und elliu unseriu glid PrOberalt 27,1. 151,28; er was [...] / an geliden und an geliune / gewahsen alse ein hiune Tr 4035; di irscraken also sere daz si ein gelit nicht regen mochten HlReg 45,6; im tâten gar wê sîne gelide HvFreibTr 5235; EbvErf 2642; iz czymt baz daz eynes dyner gelede vorterbe, denne alle dyn licham gesenket wurde in dy helle [ Mt 5,30 ] EvBerl 107,20; Barth 140,14; UrkCorp (WMU) 475B,8; StRBrünn 345; Volmar 554; Daniel 6683. 6866. ein stvcke reben [Rebland, Weingarten] [...] wart gekoifet [...] vme xii phvnt, die wir mit vnsirn geliden [mit eigener Hände Arbeit] gedienit hetten UrkCorp (WMU) 3575,24    1.2 bestimmte Glieder: ich gæbe ê [...] / ein mîn lit [La. gelit ] von mîner hant, / ê ieman wære bekant, / daz ich hie bî iu wære Tr 14743; kegin eyme gelede breyt des lengistin vingirs Pelzb 121,1; Cranc Dan 5,5. waz dutet dit, / daz got heiset der ougen gelit [die Augenlider] / mit ougsalben bestrichen? HeslApk 7076 (vgl. collyrio inunge oculos tuos Apc 3,18; oder zu 1.3?). wan er [in der Hölle] mer gewitzet [gepeinigt] waz an der zungen dann an andern sinen gelidern PrOberalt 118,37; die zvnge ist ein glit / die maniger sunden vbertrit / an den luten menget [vermehrt] PassI/II 116,82. wen der man sin manlich gelit / besneit HeslApk 12472; [ein Sud] benimpt hitz oder prunst [...], und allermaist wenn man diu schämigen gelider dâ mit handelt BdN 312,13. – für innere Organe: werin ellú minú gelider daz edelste gelid, daz an mir ist, daz ist daz herz, daz wolt ich lazen durwunden und toͤten Seuse 210,1; die schüllent muskât kewen, daz diu gaistleichen gelider gesterkt werden, daz herz und diu leber und andreu gelider BdN 372,11. 339,15. 393,12    1.3 umschreibend: siner zungen gelit / berihtet jenes und ouch dit Vät 12319; siner ougen gelit / sint groz PassI/II(HSW) 31774; siner liebe gebot / lac ir ie vollen nahen / und kondez wol gevahen / mit ires herzen gelide PassIII 618,55; Vät 15951. 19539. – formelhaft: mit des toufes gelit / was si [Katechumenin] dennoch unbewart PassIII 117,6; Elyphas [...] / nu habe Job gestrafet vil / durch syner sunden gelyder Hiob 9099; durch daz gelyt / diner claren gerechtekeit ebd. 3552    2 bildl. und übertr.    2.1 auf das Zugehörigkeitsverhältnis von Leib und Gliedern bezogen, überw. für Personen    2.1.1 die Gläubigen als Glieder des Leibs Christi, der Christenheit: daz er nicht wil sin ein gelit an dem lichamen da Got selbe houbet ane ist HlReg 78,7; SuTheol 246; Tauler 81,6; wir sin alle der cristenhait gelide PrGeorg(Sch) 19,287. 15,277; DvAPatern 197. – die Gläubigen als Glieder Christi: merket daz unser trechten / ist houbet der gerechten / unde sie wider sine gelit HeslApk 1971. 3299. 16881; do erschein im [Papst Gregor I.] Cristus / und sprach wider in alsus: / Gregori, du pfligest bevriden / mich dicke an minen geliden PassIII 202,86; ellú dú menschen, dú sinú gelider sint Seuse 339,7; Stagel 72,35. – die Gläubigen als zueinander gehörende Glieder ( Rm 12,5): swel mentsche der cristinhait gelit ist, dem tuͦt we und wol, daz ouch sin ebinmentschin we tuͦt, der sin gelit ist uon der cristenhait PrGeorg(Sch) 15,277; swaz minem bruͦder alde miner swestir wirret, daz sol och mir werren, sit si min gelid ist vnde ich ir gelid bin ebd. 19,288    2.1.2 die Verdammten als Glieder des Teufels: alle vorlorne sint gelit / des tuveles HeslApk 10784; slafestu, tyranne, / dins vatter Sathans ain gelid? SHort 10521; PassI/II 377,25    2.1.3 ‘Anhänger(in) eines Glaubens’ ich han vernumen daz Judit, / rechtes gelouben ein gelit, / sich zierte [...], / uf daz sie mochte wol behagen / dem herren Holoferni Vät 36360    2.1.4 ‘Angehöriger, Mitglied eines Ordens’ dirre heilige ritterliche orden des spitâles sente Marîen von dem thûschen hûse [...] ist gezîret mit manigeme êrsamen gelide StatDtOrd 25,29 u.ö.; bruder Helwic von Goltbach, der ouch ein gelit ist des selben ordens UrkCorp (WMU) 1508,10; NvJer 830. 853    2.1.5 für die Schachfiguren außer König und Königin (= den houbeten): ir habt der houbet vert [Gangarten] vernomen; / nu bin ich [in meiner Darlegung] an diu glider komen HvBer 10201    2.1.6 als Teil eines Ganzen: uß den teilen [ partes orationis ] wird gesmit / der rede lib und ir gelit MügelnKranz 178    2.2 auf Mehrgliedrigkeit, eine Folge von Gliedern bezogen: darnach so ist Judith / das buch, der bibel ouch ein gelit Mügeln 83,2    2.3 mit unklarem Bezug; ‘Ort, Stelle’ des cirkels trit / nindert quam an daz gelit, / da die sunne blint stat / unde eclipsim begat PassIII 544,42; an des jares umme trit / ist der stunden [La. stunde ] gelit / gevallen nu uf disen ort, / daz man der propheten wort / vernuwet und ir wisheit PassI/II(HSW) 2034. – ‘Reihe’ (wie späteres milit. ins Glied treten)? nu was er [Johannes der Evangelist] also veste an gote, / daz er nindert einen trit / uz des gelouben gelit / besit weich durch vorchte PassI/II(HSW) 26590; der da vrolichen trit / in des gelouben gelit / nam und ouch bestunt dar an ebd. 35418; [Paulus ergänzt seine bisherige Lehre:] so wil ich nu dar zu sagen / werlich ane hindertrit / an miner lere gelit, / daz [...] du [Maria] sist ane zwivel kumen / in daz himelriche ebd. 11820    3 ‘Knoten des Pflanzenstängels’ manchirleyge ist der boume pfroppunge, doch is gewonlich, das man das rys snyt von syme stamme benedin deme knoufe odir dem gelede Pelzb 120,17. 19-21    4 ‘Türflügel’ [der Weinkeller soll haben] von czwen gelidin eyn gatir Pelzb 138,31    5 wohl ‘Glied (eines Kettchens)’ di [ suckenîe ] was von golde gar durch slagen. / mit giliden was dar auf getragen / manig kostlicher stain HvNstAp 18372 (vgl. Anm. z.St.)

MWB 2 354,59; Bearbeiter: Bohnert

gelit stMN. geliz

MWB 2 356,51;

gelîte stNF. galîte swF.

MWB 2 356,52;

gelitenhaben stN. lîden stV.

MWB 2 356,53;

gelitkrachen stN. ‘Gliederkrachen’, in einer Aufzählung von Klagegebärden: jamers wüeff vnd brustslege [...], / hertzen bresten, liden [La. glid ] chrachen Krone 11539

MWB 2 356,54; Bearbeiter: Bohnert

gelitschert Part.-Adj. litscherten

MWB 2 356,58;

gelitschrôt stM. ‘Verletzung der Glieder, Verstümmelung’ swer aver dem andern einen winger abslecht, oder also verwundet, daz er gepresten der glider leidet, daz da glidschrot haizzt UrkBabenb 2:289,17 (a. 1244)

MWB 2 356,59; Bearbeiter: Bohnert

geliuhte stN. 1 ‘Leuchten, Licht, Glanz’
2 ‘Beleuchtung’
3 ‘kirchliches Licht, Kerzenstiftung’
4 ‘Augenlicht’
   1 ‘Leuchten, Licht, Glanz’ din hoer gotlicher rat / geworcht vnde vnderworcht [geschieden] wol hat / daz vinstere von geluchte PassI/II 1,30. 21,49. 29,22 u.ö.; das geliucht der sterne das si gebent uf das ertriche PrWack 68,346.348; der tuvel irschein / als ein liehter engel rein. / vil liehte sine geluchte bran Vät 22729. 40063; vil edele gesteine / liez er stecken aldar in, / die alsam sternen solden sin / und mit geluchte brunnen PassIII 280,9; Kröllwitz 2001. – vom Umlauf der Gestirne: des geluckes [l. geluchtes ] vmmetrit / an sternen manen sunnen / wie die iren louf kunnen / in ir cirkels krumme PassI/II 1,48; im Pl. von den Gestirnen selbst: schowe [...] daz wunder [...]: / sunne, mand und sterne [...], / wie die geluchte [Lichter] ummegan / und nimmer stille gestan PassIII 670,75    2 ‘Beleuchtung’ als ymant sluge, stoisse, ader vngebarte in finstern steden, dar die luchte [Lichter] oder daz fyr vzgedain weren gewest, der sal gelden die busse vierueltig, vnd daz sal man halden vff alle die jhene, die daz geluchte vnd daz fyr vzgedain han WeistGr 1,542    3 ‘kirchliches Licht, Kerzenstiftung’ daz he ader sin erbin [...] sullent gebin [...] i. punt oleiis an daz geluchte UrkHess(B) 1,316 (a. 1306); rente ind gulde anderhalffs puntz ways, de de heiren jayrlichs [...] schuldich waren zu geven [...] in die kirche zu Luppe zu dem geluygte UrkGerKöln 389 (a. 1349); zuͦ eyme ewigen geluchte UrkFrankf 2,67 (a. 1317); UrkSiegen 126 (a. 1335); UrkDOHess 2:500,34 (a. 1341)    4 ‘Augenlicht’ sin gelûhte wart im wider EbvErf 3003

MWB 2 357,1; Bearbeiter: Bohnert

geliumet Adj. = geliumundet, ‘in gutem Ruf stehend’ (vgl. ungeliumet): waz daz puoch nicht enhat oder zwen artickel mit ainander chriegen, darumb sol der richter fünf gesworen und geleumter man an der schrannen dargeben StRMünch(A) 160. – ‘berühmt’ das hübsch spil hat funden ain maister, der hies Xerses, in Chaldea. der was ein so wol gelewnter [Konjektur, s. Anm. z.St.] maister, das sich der maister in Chriechen vil nach im nannten Schachzb 26,51

MWB 2 357,33; Bearbeiter: Bohnert

geliune stN. Koll. zu lûne. ‘Beschaffenheit, Gliederbau’ Nestor quam do zv geriten, / groz alsam ein hune, / mit starcem gelune Herb 1382; er [Rual] was [...] / an geliden und an geliune / gewahsen alse ein hiune Tr 4035; den [Trojanern] wuohs vil manic scharte / an lîbe und an geliune KvWTroj 33757

MWB 2 357,43; Bearbeiter: Bohnert

geliute, gelût stN. ‘Schall, Klang’; der menschl. Stimme: ich erhorde daz sueze gelut [: krut ] / von den [singenden] megden JvBrabant 2:2,3. – von Musikinstrumenten: do luitin simo [dem abgot zu Ehren] zisamini / mid trumbin joch mid cymbilin [...]. / mid so gitanimo giluti / so bigingin si sini ziti ÄJud 31; Lanc 273,26. – bes. ‘das Läuten der Glocken, Glockengeläut’ in der Kriechen lant [...] / ân geliut gênt si ze kirchen gar, / wan si der glocken niht enhant EnikWchr 27576; sî santen nâch den pfaffen, / sî hiezen sâ schaffen / umbe geliute und umb sîn [des Tnugdalus] grap Tund 267; vnd (ich) shaffe [...] dem mesnaͤr vīer phennīḡ, daz er min iarzit mit gelevtte begê UrkCorp (WMU) 653,35. 2419,9; Köditz 12,14. do inphienc man die herren / mit michelen eren, [...] / mit grozeme gelute, / heilictum unde cruce GrRud B 27; den herren man da erte / mit geliute unt mit gesange Serv 933; Kchr 12602; RvEGer 668

MWB 2 357,50; Bearbeiter: Bohnert

geliz stMN. auch unverschoben gelit. – zu liz. ‘Verlangen, Begehren’ daz sie [Prediger] [...] den herten naturen / mit herten worten sturen / an menslichen gelitzen HeslApk 8199; got [...] kunde den unturen / tuveln wol gesturen / unde al ir gelit gestillen ebd. 2705

MWB 2 358,5; Bearbeiter: Bohnert

gelle swF. ahd. gi-ella zu ella swF. (AWB 3,266). ‘Rivalin, Nebenbuhlerin’ der selbe man Elchana / zwei wip im ze wibe nam [...]. / die gellin hatin undir in / vil ofte krieclichen nit RvEWchr 21770 (I Rg 1,1-6); swie sie [Lea und Rachel, Gen 30 ] geswester waren, so bitterten sie doch als die gellen gein einander PrBerth(K) 111; bœser schimph macht undr gesellen / grœzern nît dan under gellen WälGa 670; GenM 38,31; RvZw 47,7. ein gelle ir gellen nîden muoz RvZw 47,1.2; sîner swester gellen, / die hiez er füern von dan Ottok 74486; derselbe man ein ander wip beschlief vnd dovon begunde er sine husfrowe sere fürsmôhen. [...] do gedahte sü, wie sü sich an irer gellen reche PrEls 70,208. 30A,240; ReinFu K,58. – Wortspiel mit 1galle: sô sint aber noch wirsere, die mugen baz gellen haizzen denne chebese, want si tragent die pitteren gallen wider gaistlich leben TrudHL 98,26

MWB 2 358,11; Bearbeiter: Bohnert

gelle swM. ahd. gi-ello zu ello swM. (AWB 3,269f.). 1 ‘Rivale’ , im ritterlichen Kampf
2 ‘Liebhaber’
   1 ‘Rivale’, im ritterlichen Kampf: ein sper nam er sâ in die hant. / dô ich in sô bereiten vant, [...] / dô freut ich mich ze gesellen [Hs. gellen ] sîn; / dô bant ich ûf den helm mîn UvLFrd 455,7    2 ‘Liebhaber’ in dem hag und in dem moß / ist Serpanta di hose [l. muore : huore ] / und Idrogant ir gelle [zwei Ungeheuer] HvNstAp 8916

MWB 2 358,29; Bearbeiter: Bohnert

gelleht Adj. ‘mit 2gallen, Beulen bedeckt’ wor daz eyme pherde der rucke serik ist adir czubrochyn adir gellit Albrant 3,55; der esel sprach: [...] / ich han grozze secke getragen, / slege han ich vil derliden; / ich bin ouch gellecht geriten [habe vom Reiten oder Säcketragen 2gallen bekommen] KgvOdenw 10,76. – auch vom Menschen: blawe mal sich uf cloben / uber al an siner [des gegeißelten Christus] hut. / gellecht was der engle trut / wurden ane missetat Daniel 4236

MWB 2 358,37; Bearbeiter: Bohnert

1gellen swV. 1 ‘vergällen, bitter wie Galle machen’
1.1 eigentl., mit Akk.d.S.
1.2 übertr. ‘jmdn./etw. verbittern, widerwärtig machen, verekeln’
2 ‘einen Fisch entgällen: von der Galle befreien, ausnehmen’
   1 ‘vergällen, bitter wie Galle machen’ (Ggs. honegen Tr ; SHort ; Suchenw )    1.1 eigentl., mit Akk.d.S.: mîn süeze ist nû gegellet [Hs. gegallet ] / und mîn vröude genideret Mai 75,24. – mit erspartem Obj., Oxymoron: daz honegende gellet, / daz süezende siuret Tr 11884. – Part.-Adj.: ir [der trunkenheit ] bach gegellet [gallenbitteres] wasser treit MügelnKranz 1692    1.2 übertr. ‘jmdn./etw. verbittern, widerwärtig machen, verekeln’ gehonihte hertzen gellet / [derjenige,] zuͦ dem sich zorn gesellet SHort 313; in dem himel ist ez so guͤt / daz chain neyd nieman do gellet Teichn 11,105. – mit erspartem Obj.: maniger stellt nach grozzem gŭt / in geitichait mit valschem mŭt [...], / er smaichet unde trenget, / er hoͤniget unde gellet Suchenw 21,109. – Part.-Adj.: wir bûwen die minne [das Feld der Liebe, vgl. bûwen 5.2 ] / mit gegelletem [galligem, bitterem] sinne Tr 12238    2 ‘einen Fisch entgällen: von der Galle befreien, ausnehmen’ nû bâten si in [den Fisch] dâ / den wirt selben gellen [La. engellen, s. ZfdA 5 (1845), S. 63 zu V. 3119] . / do begunde er in zevellen [zerlegen] Greg 3291

MWB 2 358,47; Bearbeiter: Bohnert

2gellen swV. Kausativum zu gëllen. ‘zum Schallen bringen’ di grôzen sumber [Pauke] er vernam / gellen [mit ihrem Widerhall erfüllen] berc unde tal EnikWchr 17423

MWB 2 359,6; Bearbeiter: Bohnert

gëllen stV. (IIIb) vereinzelt gillen [: willen ] Minneb 632. 1 von Tieren, Fabelwesen, Menschen, ‘die Stimme laut ertönen lassen’
1.1 ‘(meist vor Wut, Schmerz, Hunger) schreien, brüllen’
1.2 ‘(vor Freude) laut bellen’
2 von Unbelebtem
2.1 ‘einen lauten Ton von sich geben, laut tönen, schallen’
2.2 von den Ohren, ‘dröhnen’
2.3 von einem hohlen Felsen, ‘mit Echo wiederhallen’ , Part. Präs.
   1 von Tieren, Fabelwesen, Menschen, ‘die Stimme laut ertönen lassen’    1.1 ‘(meist vor Wut, Schmerz, Hunger) schreien, brüllen’ die nateren und die slangen [...] bliesen unde gullen, / freislîche si bullen En 3251; er stach den lewen, daz er gal Pyramus 271; si [der wazzerman und seine waltgesellen ] gvllen vnd rieffen, / daz der walt allr nach hal, / wan dirre iamerlich gal, / der den arm het verlorn Krone 9282. 9517; Wig 7025; Seifrit 5489; ir negesten armen, / den sie [die Geizigen] sen hungers swellen [verschmachten] / und so jamerlichen gellen HeslApk 5864; do geriet es [Säugling] uil erbermekliche gellen ElsLA 434,15; SHort 2962; Tauler 225,32. des fürsten sele nu da gal, / der so niulich ist verschæiden Serv 1966. – mit präp. Erg.: sie [La. die jungen Drachen] gullen nâch der spîse WolfdD(J) 8:107,1. – subst.: dar abe wirt ein gellen [Jauchzen] / uz menschen munde gehort, / gesanc, minnecliche wort Daniel 2024    1.2 ‘(vor Freude) laut bellen’ Fuͤrst sin edel bracke gal / vor vræuden WhvÖst 5680    2 von Unbelebtem    2.1 ‘einen lauten Ton von sich geben, laut tönen, schallen’ sie horten irschellen / busunen, pfifen gellen Daniel 1202. – von dem Ton, Schall selbst: des volc was [...] âne menneschlîch stimme erkorn: / der dôn von ir munde / gal sam die leithunde / oder als ein kelber muoter lüet Wh 35,16; der donr ist mangerlai, wann oft gillt er sam der ainem ain plâtern voller luftes auf dem haupt zerslüeg BdN 92,31. ez gillet jmdm. durch diu ôren: sie sageten antwurt von dem künige Rolfen, / daz ez die besten über al / hôrten, den ez allen durch ir ôren gal, / wie gar getriuwelîch er wolt sîn geholfen / dem rîch und dem keiser Loheng 3965    2.2 von den Ohren, ‘dröhnen’ beginnent diu ôren gellen, nemugestû dem menschen anders niht gehelfen, sô muost dû [...] Barth 146,27; wer iz horet, deme werden syn oren gellen Cranc Jer 19,3    2.3 von einem hohlen Felsen, ‘mit Echo wiederhallen’, Part. Präs.: ein turn von nâtûre [aus gewachsenem Fels bestehend] [...], / innen hol und ûzen hart / als ein gellendiu fluo [Fels(wand)] UvZLanz 7127; der gellende vels der sich von der gerten slege uf tet [...] daz sich ain gellender stain von ainer gerten slege uf tuon solte [vgl. Nm 20,9 ] Konr(Sch) 195,26

MWB 2 359,10; Bearbeiter: Bohnert