abe rechenen, abe rechen
swV.
1
‘etw. in Abzug bringen’
2
‘eine abschließende Rechnung aufstellen’
1
‘etw. in Abzug bringen’
biz daz wir [...] in die sechsthalb tusent pfunt Haller [zum Einlösen des Pfandes] geben [...], den nuͤtz [Nießbrauch] niht abe zu rechenne noch abe zu schlahenne MGHConst
5:377,41
(Urk. a. 1317);
jn sol oͮch der nútz da enzwissen an dem hoͮbtguͦte nit abegan noh abe girehent werden UrkCorp
2980,18;
StRGotha
201
2
‘eine abschließende Rechnung aufstellen’
swenne deu uͤrten [Zeche] wirt abegerechent NüP
112
MWB 1 49,51; Bearbeiter: Tao
abe|rede
stF.
‘Ausrede’
adelarn und lühse sint worden blint, / swenne kluogiu wîp ân werwort sint. / noch sneller kumt in irn gedanc / ein aberede denne einem hasen ein wanc Renner
12248;
[...] einen man, / der nieman sînes guotes gan / und aberede vinden kan, / mit den er bete schiebe hin dan ebd.
20159
MWB 1 49,61; Bearbeiter: Tao
abe reden
swV.
1
‘absprechen’
2 refl. ‘sich herausreden’
1
‘absprechen’
ichn mac dem tranke nicht sîn art / abe gereden HvFreibTr
261
2
refl. ‘sich herausreden’
also reden sew sich ab Teichn
131,42
MWB 1 50,4; Bearbeiter: Tao
abe reiten
swV.
‘etw. in Abzug bringen’
jch vergih auch daz ich driv ros [...] schol vuͤr vier pfvnt Regenspurgær pfenning abraiten UrkCorp
3555,18.
–
‘eine Schlussrechnung aufstellen’
wann er mit im raitet ab Teichn
308,5.
520,52
MWB 1 50,8; Bearbeiter: Tao
aberëlle, aberëll
swstM.
auch abrelle, abrüll(e),
april(le) (
HvNstGZ
328;
JvFrst
173 ),
eppurlis.
–
‘April’
in dem aberellen / sô die bluomen springen MF:Veld
14:1,1;
do der winter ende nam / und der aberelle kam RvEWh
10484;
an dem erstin dage des eppurlis UrkCorp
882,34;
an dem achtoden tage abrellen ebd.
2678,35;
Zozima, meinen leichnam begrab, und in dem abrüll gehugd mein hab [...]! Märt
5414;
sô die liute vrô / sint von der lieben sumerzît / und diu heide grüene lît, / ze ûz gândem aberellen UvZLanz
8787.
– in Vergleichen:
do er si sich sam abrellen sach trúeplichen stellen SHort
2669;
sie ist ain als unstette dyern als das wetter inn dem aperell Teichn
705,15;
alse abrillen weter vert ir wille, daz nie windes prût als swinde enwart, / under wîlen süeze in senfter stille, / schiere wider an ir irrevart KLD:UvL
22: 5,1.
– als nicht assimiliertes Fremdwort:
do nante Romulus den anderen manden aprilem. den namen gab er im von dem worte aperire. wan in der zit so tuont sich uf dez ertriches unde der boume pori MNat
15,35;
in dem mônât adar, daz ist aprilis der næhst vor dem maien BdN
187,3
MWB 1 50,13; Bearbeiter: Tao
aberen
swV.
→ avern
MWB 1 50,36;
abe|rennec
Adj.
→ abe|rinnec
MWB 1 50,37;
abe|rêr
stN.
‘Speiseabfall’
sin edele spise er mir entwant: / der azz ich furbaz nymmer mer, / ez were dann daz ein aberer / ich yendert funde mir zu lap, / so er den vogeln zu eßen gap Minneb
5240
MWB 1 50,38; Bearbeiter: Tao
abergeloube
stSubst.
‘falscher Glaube, Aberglaube’
uon dîner hailgescouwunge [Glosse in der Hs. A: abergloube
] deweder des fiursehennes oder des hantsehennes TrudHL
95,13;
herre, man sol dich suͦchen mit emziger erbeit [...] verwerfende abergloͮb natu̍rlicher vernu̍nft RvBib
111,1
MWB 1 50,42; Bearbeiter: Tao
aberhâke
swM.
‘Widerhaken’, bildl.:
zebrochenem dere sunten auerhacken [
confracto peccati aculeo
]
PsWindb
31,Oratio;
sîne triuwe habent aberhâken als ein gêr [er ist arglistig]
Neidh
WL 32:7,4 ;
daz si der Franzoise maht / in den aberhâken heten brâht [in eine Falle gelockt hatten]
Ottok
64615
MWB 1 50,48; Bearbeiter: Tao
abe rîben
stV.
‘etw. durch Reiben entfernen’
daz daz vaz icht cebrochin werde, so er den rost icht ce vil abe ribe wil BrHoh
64;
mitt irem fehen mantel / sie im den sweiß abe reip SalMor
482,3.
– bildl.:
guter will dw suͤnt ab reibet Teichn
389,115;
daz er [Gott] dw guten [...] / mit den poͤsen macht hail / und reibt in ab der sunden mail / mit der ungerechten neit ebd.
462,98.
–
‘etw. durch Reiben reinigen’, bildl.:
‘die minne [ ‘Liebesgabe’, iron.] sult ir von uns habe. / getruckent si, so ribets abe’ Reiher
402
MWB 1 50,54; Bearbeiter: Tao
abe rihten
swV.
1 tr. 1.1 mit Akk.d.P. 1.1.1
‘jmdn. (von etw.) abbringen, zur Umkehr bewegen’
1.1.2
‘jmdn. geldlich entschädigen, bezahlen; jmdn. erbrechtlich abfinden’
1.1.3
‘jmdn. zufriedenstellen, befriedigen’
1.1.4
‘in die erforderliche Richtung lenken’ , vom Jagdhund 1.2 mit Akk.d.S. 1.2.1
‘etw. erledigen’
1.2.2
‘(Geld) entrichten, bezahlen; (jmdm.) einen Schaden ersetzen, wiedergutmachen’
1.2.3
‘etw. rechtsgültig beilegen, durch Übereinkunft regeln’
1.2.4
‘etw. abstellen, beseitigen, verhindern’
2 intr. 2.1 mit Präp.-Obj.: ‘Recht sprechen über etw.’
2.2 absol.: ‘eine Richtung nehmen’ , vom Jagdhund
1
tr.
1.1
mit Akk.d.P.
1.1.1
‘jmdn. (von etw.) abbringen, zur Umkehr bewegen’
er rihte si ir irretuomes abe / und wîste si an der sælden spor KvHeimHinv
812;
sun, [...] / lâ dich noch rihten abe [von einem Vorhaben]
Helmbr
440;
daz wellent si wenden / und den fürsten rihten ab Helbl
15,369;
wer ein todleich suͤnt trait / und laet sich nieman richten ab / und treit den willen in sein grab, / er wolt enn [= einen
] getoͤt han, / der ist auch da mit vertan Teichn
300,19
1.1.2
‘jmdn. geldlich entschädigen, bezahlen; jmdn. erbrechtlich abfinden’
silber ze enphahenne von vnserm herren, dem kunige, aigen ze koͮffenne vnde da uon die lute ab ze rihtenne UrkCorp (WMU)
N736,12;
daz uns di burgere [...] haben abegerichtit dez [uns zustehenden] geldes UrkMühlh
416
(a. 1334);
in der selbin tage zil / rihte wisliche abe / sinú kint mit sinir habe / der gotis irwelte bi der zit, / das si belibin ane strit / und ane krieg swenner von in / geschiede RvEWchr
5310
1.1.3
‘jmdn. zufriedenstellen, befriedigen’
und vrag in heinliche, / ob er deheinen gebresten habe. / des riht in guͦtlichen abe Dietr
5099
1.1.4
‘in die erforderliche Richtung lenken’, vom Jagdhund:
die jungen [Hunde] underspicket / mit alten, ob ez [das Wild] schalclîch fliehen kunde, / di jungen [Akk.] solten rihten ab die alten Hadam
20,5
1.2
mit Akk.d.S.
1.2.1
‘etw. erledigen’
bischolf Ladizlâ der riht ab, / swaz er ze Rôm ze schaffen het Ottok
8725
1.2.2
‘(Geld) entrichten, bezahlen; (jmdm.) einen Schaden ersetzen, wiedergutmachen’
vntz er daz gelte abgerihtet UrkCorp (WMU)
2383,30.
2857,14.
–
swenne aber der schade wirt abgerihtet UrkCorp (WMU)
844,10;
daz ich dem goteshûs ab geriht / mit dienste al die sache, / diu dem goteshûs zungemache / von mîner sûmung ist geschehen Ottok
8497
1.2.3
‘etw. rechtsgültig beilegen, durch Übereinkunft regeln’
biz der criͤk oder du ansprache wirt abgerihtet UrkCorp (WMU)
2198,38;
daz in der frist ein herre den anderen [...] mit dem reht niht ansprechen [...] sol, si wellen dann mit gemeinem willen etwaz mit ein ander abrihten ebd.
1475,41
1.2.4
‘etw. abstellen, beseitigen, verhindern’
zem dritten mâl was billich daz / Christes lîchnam Judas / enphînge den er im gab / dar um, daz dâ mit ab / Jesus richt den vurzuc [Entschuldigungsrede] / den Judas lîchte in sulcher tuc / haben mocht zû werwort JvFrst
2237
2
intr.
2.1
mit Präp.-Obj.: ‘Recht sprechen über etw.’
wir wellen auch, daz die nidern vitztvͤm [...] ab rihten vmb raub vnd vmb prant UrkCorp (WMU)
1411,30
2.2
absol.: ‘eine Richtung nehmen’, vom Jagdhund:
dô ich nu hôrte ab rihten / Stæten und ab dreschen Hadam
118,1.
166,3.
337,1.
341,2
MWB 1 51,1; Bearbeiter: Tao
abe|rinnec,
aberennec,
aberünnec
Adj.
‘flüchtig’
wirt aber her [Viehhüter] abrinnic, und werden des mannes pherde [...] bestêtigit in der hanthaften tât SSp(W)
2:40,4;
vnd wirt he abrennech, daz he nicht gestet, so sal man in denne voreschen, alse recht is UrkCorp (WMU)
2265,15;
wer aberunnig worde, der en sal keyne borgerschaff me haben mit den borgern noch nummerme gewinnen StRHeiligenst
43;
ein abrinnec [entlaufener] munch er hiez Pass III
228,3
MWB 1 51,55; Bearbeiter: Tao
abe rinnen
stV.
‘herab rinnen, hinunter laufen’
biz ime der sweiz abe ran Ägidius
295;
sines abgerunnen bluͦtes Seuse
319,1;
mit dem bache, der fúr iru guͦt abe rinnet UrkCorp (WMU)
3267,39
–
‘fortrinnen, seinen Ursprung nehmen’, von Flüssen:
uon den brunnen, die dare springent, vier ahe innen abe runnent VMos
6,3
MWB 1 52,1; Bearbeiter: Tao
abe|rîsel
stM.
‘das Herabfallen’
durch daz im vreud erblichen was von hoher selden aberisel JTit
4915,2
MWB 1 52,8; Bearbeiter: Tao
abe rîsen
stV.
‘abfallen’
daz ez [das alte Kleid] uns selbe [vom Leibe] rîset abe RvEBarl
6391;
sô der linden ir gewant / valwet unde rîset abe KvWLd
5,11;
ich bin [...] als ein abgerisnú bluͦst in dem meien Seuse
281,11.
–
‘überlaufen (über den Gefäßrand)’, im Bild der Freigebigkeit:
dem fullet man den metzen wol / [...] / und houfet in im also sere, / daz allenthalben riset dar abe [La. daz ez allenthalben riset abe
]
StrKD
115,11.
115,111;
dâ ist grôz der metz, / den lât alsô ab rîsen, / daz man iuch müg geprîsen Helbl
6,25;
ein wâge, dar ûf rôtez golt / gewegen, daz iz ab rîset ebd.
7,345.
–
‘verloren gehen’
[...] wellen wir / mit gelîchem teile dir / teilen alle des küniges habe, / daz dir dar an niht rîset abe KvWTroj
46090
MWB 1 52,11; Bearbeiter: Tao
abe rîten
stV.
1
‘fort-, wegreiten’
2
‘etw. durch Reiten verschleißen, (ein Tier) zuschanden reiten’
1
‘fort-, wegreiten’
gegen der abentstunde / daz volc sich abe begunde / riten vnd machen Herb
2540;
den herren hiez aberîten er Kreuzf
2281
u.ö.
– subst.:
Kreuzf
6862.
5100.
5940;
Elis
4434
2
‘etw. durch Reiten verschleißen, (ein Tier) zuschanden reiten’
dâ wart von guoten helden vil kleider ab geriten NibB
602,1;
der getriwe und der gewær / manic pfært aberait, / [...] / biz er uf daz mer kan WhvÖst
18745
MWB 1 52,26; Bearbeiter: Tao
abe riuten
swV.
‘durch Rodung beseitigen’
abe roͮtet er die dorn, / er sæt aller hande chorn GenM
23,11.
23,13;
Priamus [...] hiz abe ruten / mos vnd gestruche, / busche vnd vngebruche Herb
1760;
den alter er da nider sties, / das loch [Hain] er abe riuten hies RvEWchr
18317
MWB 1 52,35; Bearbeiter: Tao
abe|rîʒære
stM.
‘Räuber, Betrüger’ (zu abe rîʒen 2):
pei dem tier verstên ich die geitigen amtläut, rihter, scherigen und ander abreizer, die nümmer vol werdent BdN
232,17;
er hiezz ein abreisser paz / dann ein richter Teichn
137,27
MWB 1 52,41; Bearbeiter: Tao
abe rîʒen
stV.
1
‘jmdm. etw. los-, herabreißen’
2
‘jmdm. etw. entreißen, rauben’
1
‘jmdm. etw. los-, herabreißen’
der kunic hiez [...], / sumelîchen di hût ab rîzen Kchr
6393;
daz si im abe rizzen / vleisch unde hute unz uffez bein Pass III
260,52.
164,92;
Hiob
4932;
der hitze frast / [...] im [Ikarus] die flügel abereiß Mügeln
237,8;
vntz er [Hund] die kleit im abe gereiz PassI/II
175,81;
der hoeste prister reyz ym abe dy cleidir syn EvBerl
57,18;
Pass III
66,19.
– Part.-Adj.:
di stat der abgerissin ryndin Pelzb
121,5
2
‘jmdm. etw. entreißen, rauben’
ist awer, daz der mauter icht abreist oder czert den iuden [bei Überführung einer Leiche] , so schol man uber in richten sam uber ein rauber um reraub StRBrünn
369;
wer [...] einem gast ab reizt / mer denn einem kunden man, / daz ist [...] falsch und sundhaft Teichn
545,56.
541,144;
ach der vaig hunt, waz hât er uns armen sælichait ab gerizzen! BdN
234,28.
– subst.:
Teichn
177,19
MWB 1 52,46; Bearbeiter: Tao
aber|list
stMF.
‘verfehlte Klugheit’
man sait waz grozer aber list / in der welt nu richsent sy MinneR 53
8.
–
‘Weisheit, Klugheit’ (wie list, nicht pejorativ):
[
45,84ff.:] der [Schlange] het fivnf wisheit vz irlesin / daz guotiv werc betiutit. / daz erste [...]; / so ist div ander kvndekeit [...]; / dez slangen drittiv witze [...]; / dez slangen fivnfter abirlist Martina
46,105
MWB 1 53,1; Bearbeiter: Tao
æbern
swV.
‘frei werden von Schnee und Eis, sichtbar werden’
sag dein taugen nieman gar! / ez aebert fuͤrher [ = hervür
] uͤber jar. / wann swaz man piͤrgt in sne, in eis, / daz ist recht zu gleicher weis Teichn
81,8;
waz ein mensch dem andern sait / [...] in taugenhait, / daz aebert oft und dikch her fuͤr / als daz velt aus der gefruer ebd.
81,13.
– Vgl. âber Adj. und æber stN.
MWB 1 53,9; Bearbeiter: Tao
abe rouben
swV.
‘jmdm. etw. rauben’
jene behelt sîn gût, daz ime verstolen ─ oder abgeroubet ─ was SSp(W)
2:36,4.
2:60,1.
3:5,3;
daz pfert wart mir abegeroubet uf der vrien straze mit anderme mime gute oder wart mir verstoln StRFreiberg
89,3.
133,36.
137,25;
weitere Belege s. WMU 1,26
– übertr.:
gotes liebe in also traf, / daz er lib unde leben / in den tot e wolde geben, / e er im den gelouben / wolde lazen aberouben Pass III
549,56
MWB 1 53,17; Bearbeiter: Tao
abersâ
Adv.
‘sogleich nochmals, sofort wieder’
vnd swenn daz selb zil vͦz get, so sol er si [Burg] abersa ze zilen besetzen UrkCorp
174,25;
weitere Belege s. WMU 1,26.
–
‘wieder, wiederum’
vnd do chomen si abersa [La. anderweid
] zv Ierusalem EvAug
106,23;
[
31,15ff.:
] daz riche der himel ist glich dem verborgen schatz in dem acker [...] abersa ist daz riche der himel glich dem menschen eim chavfmanne [...] abersa ist daz riche der himel glich einre raüsen [...]
ebd.
31,18.
95,11.
101,16
u.ö.
MWB 1 53,26; Bearbeiter: Tao
aber|schâch
Subst.
Ruf beim Schachbieten: ‘abermals Schach, doppeltes Schach’
HvFreibTr
4159
(La.).
4160
(La.);
s. a. → abe|schâch
MWB 1 53,37; Bearbeiter: Tao |