Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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a – abebrëchære, âbrëchære
abe brëchen, âbrechen – abe drumen
abe|ein – abe ertwingen
abe ervëhten – abegezogen
abegezogenheit – abe houwen
abehouwunge – abelæge
abe lantscheiden – abe lœsen
abelœsunge – âbentganc
âbenthan – âbentsunnenschîn
âbenttanz – aber|æhter
abe rechenen, abe rechen – aber|schâch
abe rücken – abe schieʒen
abeschiht – abeslac
abe slahen – abe stîgen
abestôn – abetragære
abe tragen – abe vâhen
abeval – abe wahsen
abe wæjen – abe weschen
abeweschunge – abe ziehen
abeziehunge – âbrëchære
âbrëchen – achter-, ahter-
achwent – ackervruht
ackerwërc – adellich, adellîche(n)
adelmuoter – âderslahen
âderstôʒ – affensmalz
affenspil – afterbier
afterblunder – aftermuoder
aftermûre – afterwort
afterzal – agleister
agleistervar – ahselrote
ahselspange – ahtehalp, ahtodehalp
ahten – âhui
ahzec – alamande
alanc – alde
aldê – algorismus
alheit – allergotesheiligentac
allerhalbe – allersamen, allersam, allersamet
allersêlentac – allwent
Alman, Almân – alp
alpha – al|tagelich
altære, altâre, alter – alters|eine
alterstat – altmæʒec
altmüede – alwaltecheit
alwaltende – ambahtære
ambahte – âmehte
âmehtec – ametiste
âmezûber – amt
âmügel – anderheit
anderleie – andorn
andouge – ane bereiten
ane bërn – anebot
ane botwarn – ane draben
ane dræhen – ane errâten
ane ersëhen – anegedenken
anegedenklich – anegeslaht
anegeslöufe – anegrîfunge
ane grînen – aneheftec
ane heften – aneinander
ane jagen – ane komen
ane koufen – aneleitrëht
aneleitunge – 2ane merken
anemerkunge – ane phîfen
ane phlanzen – anerüeftec
ane rüeren – aneschouwede
aneschouwelich – anesidel, anesedel
ane sîfern – ane sniudeln
ane snöuwen – ane springen
anespruch – ane strîten
ane stroufen – ane trëten
ane trîben – anevëhtigunge
anevëhtlich – anevluʒ
ane vordern – ane weigen
aneweigunge – anewîsunge
ane wonen – angelisch
      ane wonen swV.
      ane wûchzen swV.
      ane wüefen swV.
      ane wurken swV.
      anewurkunge stF.
      anezal stFM.
      ane zannen, ane zennen swV.
      ane zeigen swV.
      ane zeln swV.
      ane zëmen stV.
      ane ziehen stV.
      ane zocken swV.
      ane zücken swV.
      anezügec Adj.
      anezündære stM.
      ane zünden swV.
      anezündunge stF.
      anezuohangen stN.
      ane zwieren swV.
      ange Adv.
      ange stSubst.
      ange swM.
      angel Adv.
      angel stM.
      angelisch Adj.
angeln – angestnôt
angestsam – ankesmër
anlamin – antlæʒec
antlâʒen – antsmër
anttac – antwîch
antwürkæreknëht – apfelrîs
apfelrôt – ar
âr – arc|haft
arche – ardell
ardîse(n) – armbendec
armbouc – armiure
armlëder – arnebote
arnen – art
art – arzâtîen, arzedîen
arzâtîn – âsblâsende
ascalamus – â|schildes
aschlouch – aspentier
aspindê, aspindei – astronomierre
astronomus – atrament
atte, ette – avelen
âventiurære – â|witzec
â|witzen – âʒ|zît

   ane wonen - angelisch    


ane wonen swV. ‘seinen Wohnsitz haben’ nur übertr.: ik [Paulus] wil mit there warheit varen, [...] / ik bin van ther warheit cumen ik wil ouch thar anewunen MfrkReimb 384. – mit Dat.d.P.: ‘bei jmdm. sein, jmdn. begleiten’ ein sender tôt, der wont mir an, / sît ich der lieben hulde embir SM:HvF 3: 1,3; mir wont rîcheit und adel an KvWTroj 21194

MWB 1 309,42; Bearbeiter: Schnell

ane wûchzen swV. ‘jmdm. zurufen’ (mit Akk.d.P.): [will sie] mich lieplich an wuchtzen, / [...] erhore ich dann ir liplich ‘juch’, / [...] ich lob sie Minneb 1666

MWB 1 309,50; Bearbeiter: Schnell

ane wüefen swV. ‘jmdn. anschreien’ der herruofer [...] würde hin wider angewüefet Loheng 4056

MWB 1 309,54; Bearbeiter: Schnell

ane wurken swV. subst. Part. Präs. ‘Anfechtung, Versuchung’ zuͦ den [Gott und seinen Gaben] du niemer kummen kundest denne mit lidende und an wurkende ussewendig von dem viende Tauler 308,29

MWB 1 309,56; Bearbeiter: Schnell

anewurkunge stF. ‘Anweisung, Anleitung’ das er [der Mensch] einem ieklichen volge und tuͦ usser der anwisunge [La. anwúrkunge ] des heiligen geistes Tauler 178,31

MWB 1 309,61; Bearbeiter: Schnell

anezal stFM. ‘Anteil, Verhältnis’ partem [...] secundum estimacionem, que marczal vel anzcal dicitur, contingentem UrkWetzl 1,247 (a. 1302); daz wir vnser bruͤder vnd erben an der losung die zwai tail geben, vnd daz bistum daz drittail, wan wir auch ze baider seitt die selben guͦt also haben und niezzen suͤllen nach der anzal als vorgeschriben stet UrkWürzb 40,437 (a. 1342); ist der erben vil, so sol ein iegleich gelten sein anzal [La. tail ] nach dem alz er ein nimt RechtssA K29,20; RechtssB V28,131

MWB 1 310,1; Bearbeiterin: Baumgarte

ane zannen, ane zennen swV. ‘jmdn. anschreien, anheulen, anknurren’ myn antlitze habe ich nicht gewant von den, dy mich anzanten [increpantibus] und uf mich spegen Cranc Jes 50,6; und di tûvele quâmen zu ime und zanneten in ane alse di hunde und alse di wolfe HvFritzlHl 95,13; Part. Präs.: [deinen] anzennenden vienden Seuse 252,7

MWB 1 310,12; Bearbeiterin: Baumgarte

ane zeigen swV. ‘etw. (auf)zeigen, auf etw. hinweisen’ alle gotis lêrâre [...] zaigetin mir an den engin stîch dâ man sich ubeltâten schamin muͦz TrudHL 39,7; do der gotes toͮfære [Johannes] / [...] zæigete an den heilant, / den uns got vater sante Wernh D 2803

MWB 1 310,19; Bearbeiterin: Baumgarte

ane zeln swV. Part. Prät. ‘jmdm. zugezählt, zugehörig’ sin wiez unzellichez har, / [...] / daz sint sine erwelten / unde sin angezelten, / die durch irre meistere gebot / und durch den ewigen Got / iren liben lazen wesen we HeslApk 2002

MWB 1 310,25; Bearbeiterin: Baumgarte

ane zëmen stV. ‘jmdm. angemessen sein, geziemen’ – mit Dat.d.P.: wol einem meister das anzem, / das im das buch nu were kunt Mügeln 89,3 u.ö.; Brun 2086; TvKulm 2635. 5318; dez morgens fruͤ er zu myr kam / mit grus als ez im wol an zam Minneb 496; wie zimt der edelen herschaft an, daz sie untugent zinset? Frl 5:68,12. 5:49,8. – mit Ersparung des Obj.: swer übel zuo leit und guot ab nimt / den mêren, der tuot daz übel an zimt Renner 18360

MWB 1 310,30; Bearbeiterin: Baumgarte

ane ziehen stV. mit Akk.d.S. (mit Akk.d.P. → ane geziehen [und s.u. 2.2, 4.2]). 1 mit Akk.d.S. ‘etw. (Kleidung, Rüstung u.ä.) anziehen, sich mit etw. bekleiden’
2 mit Akk.d.S. ( 2.2 auch d.P.) und Refl.-Pron. ‘etw. zu Unrecht, fälschlicherweise an sich ziehen’
2.1 ‘sich etw. erwerben’ , enthält immer eine Einschränkung
2.2 ‘etw.(jmdn.) widerrechtlich beanspruchen’
2.3 etw. von sich behaupten, obwohl es nicht stimmt, ‘vortäuschen’ , auch ‘sich anmaßen’ (s.a. ane zocken und ane zücken )
3 mit Akk.d.S., Refl.-Pron. und präp. Bestimmung mit ze , ‘etw. als etw. auf sich beziehen, betrachten’ (nur Ottok )
4 in fester Bedeutungsbeziehung zu bestimmten Objekten
4.1 mit Akk.d.S.
4.1.1 Pfeil: zum Spannen eines Bogens den Pfeil anziehen
4.1.2 Glocke: durch Anziehen des Seiles zu läuten beginnen
4.2 Dienstherr (mit Akk.d.P. und Rel.-Pron.), in Rechtstexten, ‘bei jmdm. Dienst antreten’
   1 mit Akk.d.S. ‘etw. (Kleidung, Rüstung u.ä.) anziehen, sich mit etw. bekleiden’ beide die herren vnd ir man. / sie zvgen ir halsberge an Herb 4448. 18016; Mügeln 56,16; Wh 84,25; Roth 2068; JvFrst 7187. – bildl.: so zúhet si an ein hemede der sanften demuͤtekeit Mechth 1: 44,18; ein esel fant eins louwen hut [die Haut eines Löwen] und zoch sie an Mügeln 56,1; der [Jesus] die menscheit noch nit hette angezogen Mechth 4: 14,15 u.ö. – mit Akk.d.S. und Dat.d.P.: ‘jmdm. etw. anziehen’ unde czugen ym [Jesus] uz daz purpur unde czugen ym an syne cleidir EvBerl 58,29. 58,25; desse schon [Schuhe] lossam. / die saltu mir zien an Roth 2194; Daniel 2131    2 mit Akk.d.S. (2.2 auch d.P.) und Refl.-Pron. ‘etw. zu Unrecht, fälschlicherweise an sich ziehen’    2.1 ‘sich etw. erwerben’, enthält immer eine Einschränkung: swaz êren ich mich ane züge [wenn ich einen Freund besiegte, der im Recht ist] Iw 7574; die sich guͦtæt und heiligs leben an zugen in der alten e [aber in der neuen ist das mehr wert] PrOberalt 133,18    2.2 ‘etw.(jmdn.) widerrechtlich beanspruchen’ du hâst mich ze dienste mit rede dich an gezogen [Du hast mich mit Deinen Worten (nach Meinung der Sprecherin zu Unrecht) als jmdn. beansprucht, der Dir dienstpflichtig ist] NibB 842,2; [Gott] der genant ist die warheit, / durch den ichz [dieses Buch] getihtet han, des sol er mich geniessen lan. / swer ez sich anders zuhet an [wer sonst es auch immer für sich beansprucht] , der ist ein unbescheiden man Rennew 36207; swer sich iht an zôch, / dâ er zuo niht rehtes het Ottok 24303 u.ö.; SchöffIglau 83; die mâcschaft zôch sich nieman an Kreuzf 266; vnd wanne ich daz von gnaden vnd niht von reht von in behabt han, so sol ich [...] noch mein geerben [...] sich dehain reht davon anziehen UrkWSchott 152 (a. 1316); da schol sich der statrichter nichtes nicht um an nemen, noch im czu recht an cziehen [noch sich als Recht anmaßen] , sunder dem chunich [...] wehalten StRBrünn 369 (a. 1254)    2.3 etw. von sich behaupten, obwohl es nicht stimmt, ‘vortäuschen’, auch ‘sich anmaßen’ (s.a. ane zocken und ane zücken) einen siechtum / zôch er sich an Ottok 31456; manegiu ziuhet sich daz an, / durch die vorhte des man [aus Furcht um ihren Mann] , / daz sîs [sein Verliegen] niht verdrieze Iw 2873; der ist ein glichsnær, der sich heilicheit an ziuht und ir datz im [ dâ ze im bei ihm] nicht ist PrOberalt 129,38; luglich wissagen di sein læut verleiten wolten und zugen sich an daz unser herre mit in redet ebd. 139,8. 148,3; ob ich mich getichte [Dichtkunst] an zuͤge / und danne niht tihten kunde Rennew 4175    3 mit Akk.d.S., Refl.-Pron. und präp. Bestimmung mit ze, ‘etw. als etw. auf sich beziehen, betrachten’ (nur Ottok ): zeiner smæhe grôzen / der kunic sich daz an zôch Ottok 42297; ähnl. ebd. 34993. 90433; daz zugen sich die suppan [slav. Edelmänner] / zeinem widerdrieze an ebd. 91799    4 in fester Bedeutungsbeziehung zu bestimmten Objekten    4.1 mit Akk.d.S.    4.1.1 Pfeil: zum Spannen eines Bogens den Pfeil anziehen: durch ainen dicken anpoß / war der pfeyl gar geflogen, / wan er war recht angezogen HvNstAp 5311; lâzt die phîle vaste an gezogen / ûf sie fliegen von den bogen UvEtzAlex 12777    4.1.2 Glocke: durch Anziehen des Seiles zu läuten beginnen: unz man die gloggen an zôch, / diu zer samenunge erklanc Mönchl 160; WeistGr 2,519 (a. 1298 kopial)    4.2 Dienstherr (mit Akk.d.P. und Rel.-Pron.), in Rechtstexten, ‘bei jmdm. Dienst antreten’ swer sich in der stat deheinen herren anziuhet DRW 1,799 (IngolstadtStR.)

MWB 1 310,40; Bearbeiterin: Baumgarte

ane zocken swV. 1 refl. (mit Akk./Gen.d.S.) ‘von sich behaupten, für sich in Anspruch nehmen (können)’ (s.a. ane zücken und ane ziehen 1 und 2 )
2 tr. ‘etw. (Kleidung) anziehen’ (nur Brun )
   1 refl. (mit Akk./Gen.d.S.) ‘von sich behaupten, für sich in Anspruch nehmen (können)’ (s.a. ane zücken und ane ziehen 1 und 2): swer sich daz an wil zocken, / er habe grœzer her gesehen, / daz ist im selten sît geschehen Wh 9,4; doch hiez er fragen vnd lesen / vnder siner phaffeheit, / ob sich sulicher wisheit / ir deheiner ane zohte, / der ime gesagen mochte, / waz daz dinc were Herb 18250    2 tr. ‘etw. (Kleidung) anziehen’ (nur Brun ): ich bin enkestet von minem rocke, / note ich den widir anzocke Brun 7937. 676

MWB 1 311,51; Bearbeiterin: Baumgarte

ane zücken swV. refl. mit Akk./Gen.d.S. ‘etw. für sich in Anspruch nehmen, sich anmaßen’ dîe síh ána zúcchent. daz sîe dîna geséllen sîn. unte sínt ábo dîna uîende Will 13,10; waz menschen ist der man, / der sich daz tar gezucken an, / daz er in der helle / sinen willen stelle [vollbringe] HeslNic 3046; Kchr 9981; di sich der gemeinen ament [Ämter] / vur di ander czucken an / und en czu eigen wöllen han TvKulm 3755. – ‘vortäuschen’ hude ne is din gebare / nicht kunnicliche getan. / du zvckis dich trunckenheit an Roth 1091

MWB 1 311,62; Bearbeiterin: Baumgarte

anezügec Adj. ‘verführerisch’ swaz got einem menschen git ze lidene, daz sol er froͤlich enpfahen, aller menschen gebresten gedulteklich úbersehen, sich von den anzúgigen dingen keren, nieman vil gelosen, siner sinnen huͤten Seuse 366,19

MWB 1 312,9; Bearbeiterin: Baumgarte

anezündære stM. ‘Anzünder, Brandstifter’ nû kom daz volc mit schalle, / [...] gerne hieten si gedrescht / ûf die anzundære Ottok 31128; [die Teufel] sint wol anzünder bœser dinge, [...] in dem menschen ist ein verborgen fiur, daz kan der tiuvel wol schürn und anzünden Eckh (Pf) 357,17

MWB 1 312,14; Bearbeiterin: Baumgarte

ane zünden swV. ‘in Brand setzen, Brand legen’ – mit Akk.d.S. (und Dat.d.P): daz in diu stirne / glostende werden, als si in sîn angizunt SM:Had 18: 1,10; sô heiz ich viern enden / zünden an den sal NibA 2046,2; Tauler 261,1; übertr.: frawen oder man, / die auch die mynne hab angezunt Minneb 4755; beide wengel, ir munt / sin von rœti angezunt SM:Had 52: 9,9; BdN 129,26; ez was ir meiste pîn, / daz si die kasten und die schrîn / elliu lær dâ funden. / vor zorne si an zunden, / daz si niht ze nemen heten Ottok 31041 dekliniertes Part. Prät.: diu flamm ist ain angezünter rauch BdN 71,14; subst.: wer vmb ein anzunden wirt begriffen StRPrag 123. – intr.: seht, do zunt Aglye / so vast in sinem hertzen an / daz er von andaht enbran WhvÖst 4200; wo kelde ungehür / verleschen wil naturen für, / da ilet phisica zu stür / dem tier und zündet wider an Mügeln 291,4. – mit Rel.-Pron.: [Kometen] laßen sunder wan / den acker und den anger stan / unfruchtbar; des sich zündet an / oft hunger, sterben unde such Mügeln 264,7

MWB 1 312,20; Bearbeiterin: Baumgarte

anezündunge stF. ‘das Anzünden’ al missehelung vnd anzundung [Brandstiftung] , alle mort, alle freuel StatTrient 121

MWB 1 312,41; Bearbeiterin: Baumgarte

anezuohangen stN. → ane hangen

MWB 1 312,44;

ane zwieren swV. mit Akk.d.P. ‘jmdm. zuzwinkern’ junge mägde solten / sich stolzlîchen zieren, / ir gewant ridieren, / an die man mit einem ougen zwieren Neidh SL 19:2,7; mit libin zinzirlichen [zärtlichen] blicken / mich ane quiren [l. zwieren] vnde smiren vil dicke HeidinI 897 La.. – subst. und übertr.: daz wîse ane czwiren, / waz haizet speculiren Syon 45

MWB 1 312,45; Bearbeiterin: Baumgarte

ange Adv. selten angen (s.u. 2; s.a. angel Adv.); in phras. Gebrauch auch adj. (vgl. 3); zu enge Adj. 1 ‘dicht, eng’
2 ‘mit ängstlicher Sorgfalt’ (mit einem weiten Spektrum von ‘bedrückt’ , ‘eifrig’ bis ‘peinlich genau’ )
3 in festen Wendungen
3.1 jmdm. ~ sîn ‘jmdm. schmerzlich sein, jmdn. bedrücken’
3.2 jmdm. ~ tuon ‘jmdm. Schmerz zufügen, jmdn. bedrängen’
   1 ‘dicht, eng’ die heizen trehene vielen / gedîhteclîche und ange / über ir vil liehtiu wange Tr 1211; hie mite twanc ers [Tristan Isolde] an sînen lîp / mit armen nâhe und ange ebd. 14479    2 ‘mit ängstlicher Sorgfalt’ (mit einem weiten Spektrum von ‘bedrückt’, ‘eifrig’ bis ‘peinlich genau’): dô dâht ich mir vil ange, / wes man zer welte solte leben. / dekeinen rât konde ich gegeben Walth 8,9; vnde wold in habin durchstochin, / sinin liebin mac gerochin. / des dachter ime uil angin / vnde bot sich geuangin / daz er in nicht insteche Athis B 3; sô daz mit überkraft den man / beginnet sêre dringen an / und mit im hertet lange, / so gedenkt er im vil ange / wie er sich dâ vor gener RvEAlex 8140; des houbetes wunden / besâhens oben und unden / ange unde jæmerlîche Tr 7183; PrMd (J) 348,6. – verstärkend: ‘gründlich, vollständig’ sôn blendet dekein blintheit / als anclîch unde als ange / sô geluste unde gelange Tr 17799. 18290; sô wizzet ir wol ange [ganz genau] / daz iuch niemen vor im wert, / sît vor dem rîche unernert / der hôhe kunic ist beliben Ottok 17570    3 in festen Wendungen    3.1 jmdm. ~ sîn ‘jmdm. schmerzlich sein, jmdn. bedrücken’ Îsôten ande und ange / doch was, daz sie sô lange / des lieben spiles solde enpern HvFreibTr 1109; daz klagte si vil sêre, / wand si gesach in nimmermêre. / ir was darumbe dester anger, / wande si was bî im swanger Ottok 2635; [den Pferden] wart vil enge und ange, / wan si niht heten rûmes. / vil bluotes unde schûmes / dranc in ûz der hiute KvWPart 14446; Tr 17842. 17837; Brun 4843; SM:HvT 1:2,3; HvFreibTr 4790; – hierher oder zu 1 ‘jmdm. eng werden’: in in slouf ein slange. / des im wart vil ange / in allem dem lîbe sîn WvRh 6677    3.2 jmdm. ~ tuon ‘jmdm. Schmerz zufügen, jmdn. bedrängen’ dem rîch tet ouch vil ange / marcgrâf Ott der lange / [...] mit unrehten zoln Ottok 101. 8103; ir sturmen wart gar ungehure [...] und teten der burge vil ange Minneb 3025; kein ding tet mir nye so ange. / min hercz lit in einer zange / von fremden quelendem leide MinneR 444 141. 94; Brun 5477

MWB 1 312,53; Bearbeiterin: Baumgarte

ange stSubst. auch angel. ‘Bedrängung’ mit dienste si sich flizzen, / daz si in [Maria ihnen] der vnmazzen / geruͦchte antlazzen, / die si mit grozzen angen / an ir hieten begangen Wernh A 3029; dâ von uns leit zerstœret / wart, mir und manger schœner maget, / die wârn in sorgen ange Virg 301,8; doch in des hungirs angele / nîmant dem andren bôt irbarm NvJer 24479

MWB 1 313,33; Bearbeiterin: Baumgarte

ange swM. vermischt sich mit dem Gebrauch von angel stM. (s.u. 2.3 und 3). 1 ‘enge Umschließung’ (vgl. enge Adj./ ange Adv.)
2 Teil des Türgelenks, Türgelenk, Öffnungsweite
2.1 umschließendes (vgl. enge Adj./ ange Adv.) Gegenstück zum Zapfen ( angel stM.) des Türgelenks, hier eine Vertiefung im Boden und der Decke, in der die Zapfen lagern, um die sich die Tür dreht
2.2 in der Wendung unz an den angen die maximale Öffnungsweite bezeichnend (diese Verwendung erklärt sich am ehesten, wenn man von einer metonymischen Verwendung von ange 2.1 auf den Stein ausgeht, in dem sich die Aushöhlung als Lager für den Zapfen befindet (ein einzelner Stein neben dem Mauerwerk)
2.3 ohne eine klare Grenze zur Verwendung von angel (Zapfen, Haken) scheinen beide Wörter gelegentl. einfach das Türgelenk (vgl. angel stM. 3 ) zu bezeichnen
3 in der Bedeutung von angel stM.
3.1 ‘Stachel’
3.2 ‘Angelhaken’ übertr.
   1 ‘enge Umschließung’ (vgl. enge Adj./ ange Adv.): von dir wart der umbevangen, / des kraft nieman kan erlangen, / den sluz dû in einen angen. / dâ wart er von dir gevar, / dô er in dir menschlich bilde / einte sîner gotheit wilde SM:EvS 1: 10,7    2 Teil des Türgelenks, Türgelenk, Öffnungsweite    2.1 umschließendes (vgl. enge Adj./ ange Adv.) Gegenstück zum Zapfen (angel stM.) des Türgelenks, hier eine Vertiefung im Boden und der Decke, in der die Zapfen lagern, um die sich die Tür dreht: tuot er einen stôz, / diu tür vert ûz dem angen Iw 3297; unt stîz die ture ûzze deme angin unt gienc dar în PrMd(J) 347,12. – übertr.: sun, dû solt dîner zungen phlegen, / daz si iht ûz dem angen var Winsb 24,2    2.2 in der Wendung unz an den angen die maximale Öffnungsweite bezeichnend (diese Verwendung erklärt sich am ehesten, wenn man von einer metonymischen Verwendung von ange 2.1 auf den Stein ausgeht, in dem sich die Aushöhlung als Lager für den Zapfen befindet (ein einzelner Stein neben dem Mauerwerk): dâ von er ûf die porten / warf biz an den angen KvWEngelh 4301; des charchæres tür, / diu stuont offen unz an den angen Serv 2715    2.3 ohne eine klare Grenze zur Verwendung von angel (Zapfen, Haken) scheinen beide Wörter gelegentl. einfach das Türgelenk (vgl. angel stM. 3) zu bezeichnen: dar nach alle Troyschy tor, / der angen offen stünden vor [die vorher offen standen] , / wurden verspertt dur nott / umb des vil werden ritters tod GTroj 19248    3 in der Bedeutung von angel stM.    3.1 ‘Stachel’ dú dritte nature dez binlins ist daz ez stichet mit dem angen den mentschen PrGeorg 325,18    3.2 ‘Angelhaken’ übertr.: der sich in daz paradisum want, / da er einen boum vant / dar inne zeinem angen Hochz 964

MWB 1 313,41; Bearbeiterin: Baumgarte

angel Adv. vgl. ange Adv. ‘mit ängstlicher Sorgfalt’ dâvon muost er sich angel / hüeten fürbaz / vor des herzogen haz Ottok 39577; daz wart behuot als schône / als ze Reinse der krône, / als angel si des brieves huoten, / sô hart man vorhte den unguoten ebd. 91473; Serv 2370; HeidinIV 1466 Hs.

MWB 1 314,15; Bearbeiterin: Baumgarte

angel stM. 1 ‘Stachel, Dorn’
1.1 konkret
1.2 übertr.
1.3 im Sprichwort und daraus abgeleiteten Wendungen (TPMA 6,181f.)
2 ‘Angelhaken, Angel’
3 ‘Türangel (Dreh-, Wendepunkt, Gelenk)’ (vgl. ange swM)
4 Verlängerung einer Klinge zur Befestigung des Griffes, Heftes
5 Teil der männlichen Bekleidung oder Frisur (?) (oder zu 2)
   1 ‘Stachel, Dorn’    1.1 konkret: ez sprechent auch etleich, daz der peinn [Bienen] kaiser kainen angel hab, dâ mit er stech BdN 288,30. 282,23 u.ö.; daz honec in dem munde, / daz eiter, dâ der angel lît Tr 15059; die dorn und die hagendorn die bezaichent die stunge und diu angele von den unser herre sprach zuͦ dem ersten menschen PrOberalt 140,8. – auch ‘Nagel’ owe, da ist der angel nút vast in geslagen, er ist in nút vernietet Seuse 454,4    1.2 übertr.: welch her nicht angels hat / und wib, kint, knecht an forchte lat Mügeln 262,1; diu sorge ir angel / in mîn herze hât geschoben Wh 174,22; dy mynne hett an im verspard / iren scharffen angel HvNstAp 1932; der armütte angel: GTroj 13812; der muͦs haben mangel / der da vergiften angel, / weltlichen trost und suessekait, / für Gottes trost ze hertzen lait SHort 2336; des todes angel: GTroj 10054; DvAPatern 298; schanden angel: Renner 10646    1.3 im Sprichwort und daraus abgeleiteten Wendungen (TPMA 6,181f.): nû seht daz honec, swie süeze ez sî, / da ist doch lîhte ein angel bî Freid 55,15; werlt [...] dîn lôn ist kranc, dû gîst den angel iemer nâch der süeze WernhSpr 29,2; manec zunge sprichet süeziu wort, dâ doch der angel stichet dar ebd. 6,4; iz solte kunige riwen, ob si [...] nach honige scharfen angel bieten JTit 2449,3; sô müezet ir den angel tiuhen [schlucken] , als ir daz hünic dâ sûget PrBerth 1:216,35    2 ‘Angelhaken, Angel’ ginch zu dem mer und wirf dinen angel dar in und den vische den du ze dem ersten vahest, dem tuͦ den munt auf PrOberalt 170,28; swer âne wazzer vischet / mit netzen, riusen und mit angeln, / der mac wol vische mangeln Renner 22485; ain regenwurm, dâ mit man die ängel äzt, sô man die visch wil vâhen BdN 310,5; dô hâte ich von sender klage / einen brief, daran ein angil [Haken, oder zu 1.1: Nadel?] was, / den hieng ich an sî, daz was vor tage SM:Had 1: 1,10. – übertr.: diu gotheit was der angel, den verslant der alt slange AvaLJ 154,5; / daz was der angil unde der list, / daz geborn wart Christ Hochz 893; der angel was diu gotes chraft, / da der tot wart ane irworgen MarldM 32    3 ‘Türangel (Dreh-, Wendepunkt, Gelenk)’ (vgl. ange swM): ein tür gât in einem angel ûf und zuo Eckh 5: 422,8 u.ö.; die haizzen auch die angelzaichen [Kardinalzeichen, mit den Sonnenwenden] , daruͤmb, wanne als deu tuͤr in dem angel aufget und zuget, also verandert sich deu sunne und daz jar vorderleich in den vier zaichen KvMSph 48,12    4 Verlängerung einer Klinge zur Befestigung des Griffes, Heftes: daz si [Zeugschmiede und Messermacher] ireu messer machen suln, daz di engel durch und durch di hefte und pinwerf gen NüP 137; daz daz selbe swert / in dem angel ab bræste Ottok 77078    5 Teil der männlichen Bekleidung oder Frisur (?) (oder zu 2): daz die man gend als die frawen / mit dem har und mit den klaiden, / [...] daz die fraw ein angel trait / und der man ein mantel raid, / daz e waz der frawen klaid Teichn 540,22

MWB 1 314,21; Bearbeiterin: Baumgarte

angelisch Adj. astronomisch-astrologische Übersetzung von ‘cardinalis’ (vgl. angelzeichen): so muzzen wir underschaiden zwischen den zaichen, di da haizzent ‘cardinalia’, daz ist, di da haizzent ‘angelisch’, und den zaichen, di da haizzent ‘regiones’, ‘gegent’, oder ‘lannde’, wann dy angelischen zaichen haizzent zwai, da di sunnestend ynne geschehent und zwai, da dy nachtgeleichunge ynne geschehent Sphera 87,2

MWB 1 315,18; Bearbeiterin: Baumgarte