apfelrôt
Adj.
‘rot wie ein Apfel’
der mangverbig regenpog hât dreirlai varb. ze voderst diu aller äuzerst und diu obrist ist apfelrôt oder rœter, diu næhst dar nâch ist grüen, diu dritt ist wahsvar BdN
98,27
MWB 1 337,5; Bearbeiter: Diehl
apfelsaf
stN.
‘Apfelsaft’
der waltratt [...] ist gar girig zuo apfelsaf BdN
140,11;
so gip deme sichen [...] dyalaccam mit epfel saffe gesotin [...] oder athanasiam mit epfel saffe gesotin SalArz
54,1
MWB 1 337,10; Bearbeiter: Diehl
apfelschale
F.
‘Apfelschale’
eyn harn het [heißt] in dem latin citrina: de ist gestalt alse eyn malogranates appelschale OvBaierl
45,2
MWB 1 337,14; Bearbeiter: Diehl
apfelstoc
stM.
‘Apfelbaum’
und jach her were ein rebuk / ein hirz und ouch ein apfelstuk Brun
7367
(vgl. die Auslegung 7414: got glichet sich dem apfelboume);
783.
5023
MWB 1 337,17; Bearbeiter: Diehl
apfeltranc
stMN.
‘Apfelwein’
gegen dem mete sûrez bier / hât ir geschenket mîme neven / und um den süezen wîn von Cleven / apfeltranc vil bitter KvWEngelh
3895;
ydromellum potio ex aqua et malis Matianis: ephiltranc / apheltranc SummHeinr
1:340,370.
– im Sprichwort ‘das wird jmdn. sauer ankommen’ (?):
daz wirt aber Wîerât ein epfeltranc, / ê daz siz gelerne; / wan diu hoeret mîn geplätze gerne Neidh
WL 5:1,8
MWB 1 337,21; Bearbeiter: Diehl
apfelvruht
stF.
‘Apfel’
denne izzet mit menschlicher zucht / got selbin sin apfelvrucht Brun
8531;
hierher?:
die brahten [...] / spise maniger hande, / [...] / vrisch brot, wiz als ein sne, / vigen, nuzze, und aphele fruht Vät
7219
MWB 1 337,30; Bearbeiter: Diehl
apfelwîn
stM.
‘Apfelwein’
wy do wirt appilwyn odir birn, pflumen, malagranatinwyn Pelzb
119,8
MWB 1 337,35; Bearbeiter: Diehl
apoplexîe
stF.
‘Schlaganfall’
da uon sint si [die Blätter] gut [...] uor di apoplexie SalArz
88,21.
96,2.
– i.d.R. in der lat. Form:
ein siechtum in begreif, / von dem im entsleif / hende, munt und fuoz: / selten wirt buoz / des siechtums ieman; / swen er kumt an, / umb den ist ez ergangen sâ; / er heizet apoplesiâ Ottok
55732;
daz vallend lait, daz ze latein apoplexia haizt BdN
407,25
u.ö.
MWB 1 337,37; Bearbeiter: Diehl
apostel
stswM.
‘Apostel’
den heiligin geist sante er her nidir sînin jungerin den zwelf apostolin PrMd(J)
344,21;
propheten und apostolen / und alle godes heiligen MarldA
94;
in dem meien: der apostolen tac Jacobi unde Philippi StatDtOrd
76,27;
der edel apostel sant Paulus Eckh
5: 8,2.
– häufig in der lat. Form:
der gûte sanctus Mathêus, der heilige apostolus unt êvangelista PrMd(J)
350,5.
– singulär ‘Apostelgeschichte’
diu hilig schrift diu nach gotes geburt geschriben ist, diu hiligen ewangelia, apostolus und ander hilig schrift PrOberalt
87,19
MWB 1 337,45; Bearbeiter: Diehl
apostelntuom
stN.
‘Apostelamt’
die zwene gotes knehte / baden umb daz apostelnduͦm HvNstGZ
4912
MWB 1 337,57; Bearbeiter: Diehl
apostem
N.
‘(eitriges) Geschwür’
die geswer, die apostemata haizent BdN
367,12;
die geswer in dem leib, die man apostem haizt ebd.
349,17;
sô ist ez [die Kresse] guot zuo den apostemen und zuo den gesweren ebd.
410,11
u.ö.
MWB 1 337,60; Bearbeiter: Diehl
apostolisch
Adj.
‘apostolisch’
1 auf die Apostel und ein evangeliengemäßes Leben bezogen 2 auf die päpstl. Kurie bezogen
1
auf die Apostel und ein evangeliengemäßes Leben bezogen:
her [Judas] was erwelit zu dem apostolîchem lebine aber nicht zu dem êwigen lebine HvFritzlHl
97,8;
uf wen viel dis los zuͦ diseme úberminnenclichem wesende, disem edeln apostollichen ambahte? Tauler
90,7
2
auf die päpstl. Kurie bezogen:
vz der hogelobten stat / des apostolischen stules PassI/II
318,62
MWB 1 338,1; Bearbeiter: Diehl
apotêkære
stM.
‘Apotheker, (Gewürz-)Händler’
die slangen vâhent die ärzt und die apotêker und behaltent si in pühsen BdN
276,23;
diu bühs in sîner lenken hant / bezeichent und tuot uns bekant / den apotêker HvBer
7612;
dar an der appenteger knaben, / die krúter prechen, wurzen graben SHort
6745;
der apotêker umb sîn lôn / mac machen sîn confectiôn / heilsam, und ouch die giftic sint HvBer
7630;
PfzdHech
310,15.
– als Bestandteil von Personennamen:
maister Wernher der appatheker UrkCorp (WMU)
530ABCD,9,9,32,31
MWB 1 338,10; Bearbeiter: Schnell
apotêke
swF.
‘Apotheke, (Gewürz-)Krämerei’
twahen und salben mit populeon, daz vindest dû in der apotêken BdN
5,24;
der nem fünf pillulas, daz sint fünf kügellein, in der apoteken gemacht ebd.
90,3.
91,8;
schaffe, daz der munt uns als ein apotêke smeke! SM:St
1: 4,8;
dirre heilige Alexius wart getragen in sente Pêters munster, und von deme suzen geruche der dâ ginc von sîme lîchamen, sô wart di kirche alse eine appotêke HvFritzlHl
163,40.
– übertr. (oft Sinnbild für Maria):
úwer hertze werde ein appotecke der gotheit Seuse
431,6;
wie mag denne der himelsch kúnig von diner lutren reinikeit, von diner senftmuͤtigen demuͤtikeit, von der wolriechenden apotek aller tugenden und gnaden so wol gevangen werden! ebd.
266,23.
– oft auch in der lat. Form:
du gotes muter, tochter, brut, du apoteca rich Frl
9:1,6;
waz sal dese apoteca [Maria] denne tun, / in der do ruete gotis sun / mit blidschaft [Freude] virzig wochen Brun
4112
MWB 1 338,21; Bearbeiter: Schnell
appellacion
stF.
‘Appellation, Berufung’
die appellacion man schreip Ottok
36535;
ein appellacion er las / vor dem bischolf der Salzpurgære ebd.
36541;
daz dise vorginantin priester nit bidurfen diekeine gnade von Rome von der appellacion wegen UrkCorp (WMU)
680,27
MWB 1 338,41; Bearbeiter: Schnell
appellieren
swV.
‘(an eine höhere Instanz) appellieren, (gegen ein Urteil) Berufung einlegen’
‘ich [Paulus] appeliere’ sprach er do / ‘an den romeschen gewalt’ PassI/II
263,42;
die riten appellieren / an den keiser alzvhant ebd.
43,31;
do was der bischof von Kolle, der appellierte [...] an den stuͦle zuͦ Rome ClosChr
50,24;
wir setzen, daz man alle die brûdere mit der iârbûze bûze, dî dâ wider ires ordenes gesezzede sich anderswâr berûfent oder appellîrent StatDtOrd
61,11.
85,4;
hinnan ich appellire / und zuͤhe ez fuͤr die minne. / di ist ein richterinne / billich in disen sachen HeinzelRitt
352
MWB 1 338,47; Bearbeiter: Schnell
Appenzeller
stM.
Name eines Tanzes (?):
kan aini tantzen springen / möcht mir an der gelingen / mit ir den appenzeller ich / am bett könd tretten waidenlich MinneR 11
35
MWB 1 338,60; Bearbeiter: Schnell
appetgrunde
stN.
→ abegründe
MWB 1 339,1;
applatys
Subst.
→ oblâtîsen
MWB 1 339,2;
aprille
swM.
→ aberëlle
MWB 1 339,3;
aprille, approlle
M.
→ aberëlle
MWB 1 339,4;
aquilôn
swM.
1
‘Nordwind’
2 übertr. ‘Norden’
1
‘Nordwind’
Altissimus [Gott] Luciferen mahte von vier winden: / er gap im Aquilônen art Wartb
Rs 27,7.
– i.d.R. in der lat. Form:
daz er küel ist sam der nordenwint, der ze latein aquilo haizt BdN
466,29.
80,2;
Seuse
451,15;
KvMSph
21,29.
– Nebenwind des Nordwindes:
als aber die zwêne [Auster und Boreas, Süd- und Nordwind] ir überschalles werdent în getân [...], als Aquilôn wirt ûz verlân, / und mit dem Zephirus, daz reine, süeze wirt diu zît Wartb(S)
157,11
2
übertr. ‘Norden’
drie was der porten [...]: / di eine gen den orten der werlt, die man da heizet meridjane, / diu ander het uz vart gen occidente, / diu dritte gen aquilone JTit
386,4
MWB 1 339,5; Bearbeiter: Schnell
ar
stM. (?)
→ ere Subst.
MWB 1 339,19;
ar
stN.
→
eher
MWB 1 339,20;
ar
swM. ,
arn
stM.
(st. vgl. HvFritzlHl , HeslApk und Herb )
großer Greifvogel, i.d.R. ‘Adler’ (vgl. auch adelar):
1 konkret 2 meist in Vergleichen, Metaphern und allegorischen Auslegungen, welche die zahlreichen positiven Eigenschaften aufnehmen, die dem Adler zugeschrieben werden 2.1 als Symbol des Evangelisten Johannes 2.2 sonstige Vergleiche und Metaphern, bezogen auf
1
konkret:
sô hüet ain gans allzeit und rekt den hals auf, daz der rauber, der ar, iht köm. diu gans erkent wol den arn vor dem geirn BdN
169,1;
der uogele di nu wan vleisch ezzen vnde daz rouben, also sperwer vnde hebeche, valkin vnde arn SalArz
39,17.
– in bildlicher Darstellung als Wappentier und Hoheitszeichen:
ain guldinen aren / furt er an deme schilte Rol
4220;
ein rôter strich mit wîzen arn / in golde zierte sînen schilt KvWTurn
940;
der helm was liehter dann ein glas. / ich sag iu, waz dar ûf was: / ein ar von gold dar ob swebt EnikWchr
16043;
Eracl
5007;
uf der lantzen flog ain ar [als Bannerzeichen]
WhvÖst
14691;
er sach andírnthalb den arn / von eíme scafte wedílín Athis
B 80;
vf die couerture, / riche vnd ture, / phellil vnde cindat, / arne, lewen dar in genat / vnde ander zeichen Herb
4442;
Athis
B 27
2
meist in Vergleichen, Metaphern und allegorischen Auslegungen, welche die zahlreichen positiven Eigenschaften aufnehmen, die dem Adler zugeschrieben werden
2.1
als Symbol des Evangelisten Johannes:
durch daz dutet her [Johannes] den arn, / wen der arn durch sine guft / swinget hoger in die luft / dan der vogele keiner tu HeslApk
8476;
daz dritte was gelîh einem vlieguntem arne, der gap urchunde, daz unser herre sweimet mit sînem gewalte ob aller geschefte PrStPaul
103,22;
der arn in die sunne set [...]
[ohne geblendet zu werden] . diz bezeichenet Johannen, / der sach vor allen mannen / in die gotheit HeslApk
8487;
Spec
119,19.
118,11
2.2
sonstige Vergleiche und Metaphern, bezogen auf:
– Sehkraft:
du solt haben eines aren oͮgen und merken und sehen dine undertane in gotte minneklich und nit arglich Mechth
6: 1,74.
– Flugvermögen, große Flughöhe:
sîniu wort diu sweiment alse der ar Tr
4722;
meht ich gefliegen als ein star, / so taet diu liebe, des ich ger, / und hohe sweiben als ein ar Tannh
10,25;
ze vröiden swinget sich mîn muot, / alse der valke envluge tuot / und der are ensweime MF:Reinm
7,5;
ähnl.
KLD:BvH
2:1,1;
die guͦten varent ze himele alse die aren, die vbelin vallint nider alse bli Lucid
138,25.
– körperliche Überlegenheit:
mancher ist an miner schar, / der gerne wer ein wilder ar Mügeln
232,7;
daz her von im wancte / als cleine vogele von dem arn UvZLanz
3305;
er muoste kumberlîcher varn / dan ein huon mit dem arn SpdtL
162,15.
– edles Wesen, herausragende Stellung:
o edeler arn, o suͤsses lamp [Gott] , o fúres gluͦt, entzúnde mich! Mechth
2: 2,17;
o Decius, der truw ein ar / und anger tugende geil Mügeln
351,17;
sô dû bist fridelîchin in dînen rîchin, / sô dû lîst, slâffest, dîn ougen newachent: / si firbernt dich gare, dû bist ir aller are Gen
2756;
daz ich gerne min guot. / same der edele arn tot. / wil teilin gelige. / armin vnde richen Roth
4984;
zu deme virden mâle sal her [der Mensch] glîcheit haben des arnes HvFritzlHl
201,15.
– Fähigkeit, sich (ähnlich dem Phönix) zu verjüngen:
daz des mannes iungent werde erniuwot also des aran JPhys
19,2;
so er [der Mensch] getoufet wirt. so ist er geiunget also der âre ebd.
19,15;
da sich der ar verjüngt in dinem [Gottes] brunne, / der in dich, ware sunne, / floug: unversert bleib sin gefider Mügeln
185,10.
112,11
MWB 1 339,21; Bearbeiter: Schnell |