anevëhtlich
Adj.
‘auf Anfechtung zielend’
so hat mich der gute Got / [...] / also bewart daz mich ie / der tuvel underwegen lie / mit anvechtlichem campfe Vät
35119
MWB 1 299,52; Bearbeiter: Diehl
anevëhtunge
stswF.
1
‘Bedrängnis, Not’
2 im relig. Kontext (häufig) ‘Anfechtung, Versuchung’
3 im rechtl. Kontext âne ~
‘unbestritten, ohne Einspruch’
1
‘Bedrängnis, Not’
waz anvechtunge unde vâr, / waz kummers, waz gebrechin swâr / dî brûdre [...] liddin NvJer
11323;
dat de nature mangherhande anvechtunge hat von magerleyge suke OvBaierl
63,11;
ain erznei den, die anvehtung habent von den pœsen gaisten BdN
269,33
2
im relig. Kontext (häufig) ‘Anfechtung, Versuchung’
daz er [...] beschetwet werde wider die anvehtun der bekorunge [
contra tentationem impulsus
]
ThvASu
208,23;
daz ist flaischlichú girde und flaischlichú anvehttung PrGeorg
301,22;
swer dekain anvehtung hât von des túfels raͤten ebd.
76,35;
daz er bereit ist ze enpfâhenne alle anvehtunge, bekorunge, widermüete und leit lîden williclîche und gerne Eckh
5: 112,14;
das man pinevol si in súchede, in wetagen, in anvehtunge und in manigem herzeliden Mechth
7: 65,4;
Seuse
61,7
u.ö.;
da uon so mag si kainer anvechtung widerstaͮn mit aigner kraft Gnadenl
1,535
u.ö.
3
im rechtl. Kontext âne ~
‘unbestritten, ohne Einspruch’
daz daz vor genante kloster [...] vor vns [...] an allen kriec vnde an alle anevehtvnge ewicliche belibe UrkCorp (WMU)
2665,19;
an alle anvechtunge fri und an alle ansproche DRW
1,627
(GlatzRQ.; a. 1344)
MWB 1 299,56; Bearbeiter: Diehl
ane veilen
swV.
‘jmdm. etw. (zum Kauf) anbieten’
daz ich [...] minem herren [...] min purch Diernstain [...] angeuailt han ze chouffen UrkCorp (WMU)
3509,29;
so ward nye chain dinch so zart / als der himel werden chan. / den vailt uns got umb di sunt an Teichn
220,10
MWB 1 300,17; Bearbeiter: Diehl
anevelle
stN.
dem Lehnsherren zufallende Nutzung aus einem vorübergehend freien Lehen (vgl. anegevelle):
das ir enheines kint mit enheinem anevælle besweret sol werden, wan das es sinú lehen haben sol friliche UrkFürstenb
1,287
(a. 1284)
MWB 1 300,23; Bearbeiter: Diehl
anevellec
Adj.
1
‘plötzlich auftretend’
2
‘hinfällig, krank’
1
‘plötzlich auftretend’
würhte diu natûre âne zît, so enhæte si niht anvellige gebresten Eckh
2:396,6;
Eckh (Pf)
327,27
2
‘hinfällig, krank’
allez, daz anvellic ist, daz sol ich gesunt machen Eckh
1:117,3
MWB 1 300,28; Bearbeiter: Diehl
anevengære
stM.
‘jmd., der (etw.) anfängt’, hier: ‘Anstifter’
als si [die Juden] vromten mit irm rât / Christi marter und den tôt. / des wâren si anevengêre, / zûschûndêre und helfêre JvFrst
11019
MWB 1 300,33; Bearbeiterin: Baumgarte
anevenge
stN.
‘Anfang’
der âne breite und âne lenge, / ân end ist und ân anegenge [La. anevenge
]
LvRegSyon
2;
dar nach teilen si islichen gradum in dri vnde heizen daz erste teil daz anvenge, daz ander di mitter, daz dritte daz ende SalArz
7,3
MWB 1 300,37; Bearbeiterin: Baumgarte
anevengec
Adj.
‘beginnend’
[Adam] lebindin geist empfie, anevengic lebin und lebindin lip RvEWchr
225;
jn dem nomen gotes sint ellev gvͤtev dinch anvennich UrkCorp (WMU)
801,25
MWB 1 300,42; Bearbeiterin: Baumgarte
ane vengen
swV.
→ ane vangen
MWB 1 300,46;
anevengunge
stF.
durch Handanlegung begonnene Klage um (gestohlenes) Gut, ‘Anfangsverfahren’ (vgl. anevanc 2):
von anvengung der ros StRBrünn
397
MWB 1 300,47; Bearbeiterin: Baumgarte
ane verdienen
swV.
‘etw. von jmdm. (durch Dienst) erlangen’
[er] dienet wiben uf den wan, / ob sin lip ir einer kan / verdienen an ir minne UvLFrb
1795;
UvLFrd
475,28;
sô wil ich ir daz an verdienen, / daz si mir diser schulde / müeze geben ir hulde Ottok
44462;
ich verdien daz mînem herren an / daz er iu geb sîn hulde / umb alle iuwer schulde EnikFb
3588;
waz ob er ir an verdienet, daz si noch wirdet vrô NibC
1125,2
MWB 1 300,51; Bearbeiter: Diehl
ane vergân
V.
‘etw. unternehmen, in Angriff nehmen’
swaz dû mich haizest an vergân des pin ich dir gerne gehôrsam Kchr
13195;
und enkêre niender ûz dem wege, / sunder dû dih versinnest unde verstâst, / waz dû an gegangen [La. an vergangen
] hâst ebd.
3966
u.ö.
MWB 1 300,60; Bearbeiter: Diehl
ane verlâʒen
stV.
1
‘etw. am Körper lassen’ (vgl. verlâʒen
‘zurücklassen’ ) 2
‘etw. in Bewegung setzen, antreiben’ (vgl. verlâʒen
‘loslassen’ )
1
‘etw. am Körper lassen’ (vgl. verlâʒen
‘zurücklassen’):
und wâren ir [...] / die hende gebunden, / ir cleider von ir getân / und niuwan ir hemde an verlân Iw
5154
2
‘etw. in Bewegung setzen, antreiben’ (vgl. verlâʒen
‘loslassen’):
nune wart der strît niht mê gespart: / diu ros wurden an verlân / dô liezen si zesamene gân / die kristen hin, die heiden her StrKarl
7309
MWB 1 301,1; Bearbeiter: Diehl
ane versuochen
swV.
(mit doppeltem Akk.) ‘etw. mit jmdm. versuchen’
nû [...] iz der christenhaite nôtturft ist, / versuochen wirz [die Wiedererweckung eines toten Stiers durch Papst Silvester] in inneclîchen an Kchr
10170.
– bedingt durch verderbte lat. Vorlage textkritisch problematisch:
Schachzb
106,85
MWB 1 301,9; Bearbeiter: Diehl
anevertecheit
stF.
‘Angriff’
alsus sall man in heysschen [vorladen] den hantdedigen [...] ind dye an der anverdicheit mit geweist haint UrkKöln
1,182
(a. 1324)
MWB 1 301,16; Bearbeiter: Diehl
anevertigære
stM.
‘Angreifer, Ankläger’
wer ouch einen geswornin burger anvertigit, [...] unde slet der gesworne burger [...] den anvertiger [...] czu tode unde nimit daz derselbe gesworne uffe sinen eit, daz in derselbe anvertiger [oder dessen Helfer] sines libes erlosin woldin UrkFreiberg
1:44,6
(a. 1305);
mit hulfe vnde mit gunste widder igeliche ansprecher vnd anvertiger zu deme vorgenanten erbe UrkStolb
148
(13. Jh.)
MWB 1 301,20; Bearbeiter: Diehl
ane vertigen
swV.
zu anevart.
1 mit Akk.d.P. 1.1
‘jmdn. angreifen’
1.2
‘jmdn. rechtl. belangen’
2 mit Akk.d.S. 2.1
‘etw. beanspruchen’
2.2
‘etw. anfechten’
3 mit doppeltem Akk.
1
mit Akk.d.P.
1.1
‘jmdn. angreifen’
swelich man den anderen ane verdiget in dhere strate mit gewalt UrkCorp (WMU)
2,32;
ob ein svn sinen vater oder sin mvͦter angriffet also, daz er in an ir lib, an ir gvͦt oder an ir eren an vertiget UrkWittelsb
2,122
(a. 1300).
–
‘verbal attackieren, beschimpfen’
ist ouch, daz iemen dehein schepfen [...] mit bosen worten anvertigt NüP
53;
mich zu anfertigen sprach sij zu mir Pilgerf
9169
1.2
‘jmdn. rechtl. belangen’
anivertigieti in [den Beklagten] dan imin mit sicheinir unrechtin gewalt Mühlh
97,12.
97,17;
daz weder wir, noch niemant anders [...] den edeln herren [...] von des vorgenannten erbteils wegen beclagen, bechuͤmern, hindern, noch anvertigen sullen UrkHohenz
3,50
(a. 1338).
3,174
(a. 1348).
3,177
(a. 1348)
2
mit Akk.d.S.
2.1
‘etw. beanspruchen’
ob iemand die [...] gut anvertigen wolt mit ansprach UrkIndersd
52
(a. 1311);
wer nach tode einiges mans [...] sein geraidt gut [...] erbt oder anefertiget DRW
1,630
(SaarbrückenLR.)
2.2
‘etw. anfechten’
geschæh aber, daz mein herr in der frist dhein lehen verlih an geværd [ohne Vorbehalt] , daz sol ich zehant an verttign als reht ist UrkCorp (WMU)
3483,6
3
mit doppeltem Akk.:
vmb den gewalt, daz man vnser chamer an gevertiget [angetan] hat UrkCorp (WMU)
2237B,27
MWB 1 301,29; Bearbeiter: Diehl
anevertigunge
stF.
‘Anklage’
daz wir damit dem gotzhaus deu irrung und diu anvertigung aufrihten und zerlozen suln UrkIndersd
52
(a. 1311);
und gebieten iu allen [...] daz ir furbazz iemand in iwern pflegen und gerihten solicher klag, ladung oder anvertigung [...] iht gestatt UrkLudw
204
(a. 1342)
MWB 1 301,57; Bearbeiter: Diehl
anevertunge
stF.
‘(rechtl.) Anfechtung’
daz in div ere anuertunge hernach ce schaden noch ce criege iht wahse von chainen minen nachchomen noch von mir UrkCorp (WMU)
1148,5.
1148,9
MWB 1 302,1; Bearbeiter: Diehl
ane verwænen
swV.
‘jmdm. etw. nachsagen, vorwerfen’ (mit Akk.d.P und Akk.d.S.):
tzw dem andern mal süllen die werichlawt weishait vnd warhait haben, also das ainer den andern icht neyd noch anverwän, das nicht war sey Schachzb
78,48
MWB 1 302,5; Bearbeiter: Diehl
ane vinden
stV.
‘sich an einem best. Ort befinden’ (fraglich, ob Partikelverb):
do muͦs die nature ir selbes verloͤigenen und under getruket werden in aller der klebelicheit und anhenglicheit do si sich an vint Tauler
377,11
MWB 1 302,11; Bearbeiter: Diehl
ane vlêhen
swV.
‘jmdn. anflehen’
den baruc man an flêgt, / daz er in diu lant / sîn heidenisch priester sant Ottok
49296
MWB 1 302,16; Bearbeiter: Diehl
ane vlicken
swV.
‘etw. anheften’
ein ander holz, / dar an di uberschrift gezwickt / was geschriben und angeflickt JvFrst
8744
MWB 1 302,19; Bearbeiter: Diehl
ane vliegen
stV.
‘auf etw./jmdn. zufliegen’
dich uloͮch an manich geschoz GenM
113,27;
alhie vlouc sper unde sper, / ros unde ros, man unde man / sô vîntlîche ein ander an Tr
18868;
nie valke guot / zem luoder kan / sô snelleclîch, / alsô mîn muot / si fliuget an KLD:BvH
18: 2,5;
KvWLd
24,25
MWB 1 302,22; Bearbeiter: Diehl
anevluʒ
stM.
‘Ursprung’ (vgl. ûʒvluʒ):
diz ist gesprochen von dem anefluzze des vaters, den er hât von sîner eigenen nâtûre, mit der er alvermügende ist Eckh (Pf)
521,17.
521,3
MWB 1 302,29; Bearbeiter: Diehl |