aldê
Interj.
‘lebewohl!’, Abschiedsgruß (wie adê aus afrz. adé nach lat. ad deum), in der Verbindung aldê sprechen:
ach zartes lieb ich sprich alde KonstBrf
91,82;
ach wie ist im so recht we / zu dem sin bul spricht alde LS197
23.
– personif.:
owe laides rich alde / waz hest an mir gerochen / daz sy von mir versprochen / hat mynen dienst an alle schuld KonstBrf
12,58
MWB 1 146,57; Bearbeiter: Tao
alder
Konj.
→
alde
MWB 1 147,1;
al die wîle
Konj. ‘solange’
→
2wîle
stF.
MWB 1 147,2;
âle
swF.
‘Ahle, Pfriem’
subula: suila / ala SummHeinr
1:252,303;
ein kurdiwæner wæhen schuoch / nâch lobelichen sachen / mac niemer wol gemachen, / hât er niht alen unde borst KvWTroj
117;
Martirius der wart ouch mit eksin gewundit. vnd mit alin durch sinin lib gebort JenMartyr
34
MWB 1 147,3; Bearbeiter: Tao
â|leibe
stF.
swF. Cranc .
‘Überrest, Überbleibsel’
daz dv uns muzis becleiden [l. bechleiben ‘begaben’, vgl. La.] / mit dinis tischis aleibin, / vnde mit dinen keliche getrunken machen, / ih meine mit den zwein uberisten sachen / dinis lichamen vnde dinis blutis Litan
1444;
er [Löwe] versmæht daz gestrig ezzen und die urlaib [La. aleibe
] seines vodern ezzens BdN
143,33;
vntz si so gar versluogen / jr est, die si truogen, / daz in ir vorder hant bleip / so gar swächiv aleip Krone
9302;
di oleyben der boume sinis waldis wirt man zelen Cranc
Jes 10,19
u.ö.
– als Übers. zu lat. reliquiae
PsM
20,13.
36,37.
36,38.
Per 15,13
MWB 1 147,9; Bearbeiter: Tao
al|ein
Adj.
verstärktes → ein Num., Pron., Adj.
MWB 1 147,22;
aleine
Konj.
1
‘obgleich, wenn auch’ (vgl. auch al Konj.) 2 als Teil einer mehrgliedrigen Konj.: niht ~ ... vil mê / wan ouch / halt / sunder (mêre / ouch) u.ä. ‘nicht nur … sondern auch’
1
‘obgleich, wenn auch’ (vgl. auch al Konj.):
her was mir ie genedich vnde got, / allen [= alein
] have mir [l. mi, mich] nv virtriven der helit got Roth
2246;
alleine tete im sin wunde we, / er sluc vaste vmbesich Herb
5904;
al eine geschehe es harte vil, / ezn heizet doch niht rehte spil Tr
7533;
unserhalp der vînde frî / wir sîn und haben uns der entladen, / aleine iz geschehen sî mit schaden Kreuzf
3068;
TvKulm
287.
– mit korrespondierendem doch, iedoch im Hauptsatz:
swenne wir irsterben, / al ein wir nit ne werden / begraben in neheinem grabe, / einen trôst habe wir doh dar abe, / daz uns bedecke der himel SAlex
4839;
alein sî mir ir hazzen leit, / ez ist iedoch ir wîpheit Parz
114,21;
aleine sie werten sich mit craft, / sie nam doch abe, die heidenschaft Kreuzf
3045;
alleine ich dîn unwirdig sî, doch sô habe ich dîn lange begert HvFritzlHl
8,28.
– durch folgendes und gestützt oder dem konzessiven swie vorgesetzt:
al eine und sîn si lange tôt, / ir süezer name der lebet Tr
222;
iedoch alein swie si mir drumbe tuot, / doch wil ich iemer nâch ir hulde werben KLD:MvH
6:2,3
2
als Teil einer mehrgliedrigen Konj.: niht ~ ... vil mê / wan ouch / halt / sunder (mêre / ouch) u.ä. ‘nicht nur … sondern auch’
‘du salth vestecliche den suntach viren und der heligen tage eren’, nicht aleine van knechlichen werken, vil me van sunden und van allen bozheiten HlReg
6,12;
nivt allein mit lv̂ter stimme als er an dem cruce tét, wan oͮch mit offenen zaichen siner verchwnden UrkCorp
93,4;
niht alein ir chloster, halt aller der stat ze Tullen ze vrum vnd ze gemach ebd.
1156,6;
Ottok
94163;
da uon so begibe ich si niht aleyne der ansprache, svnder mere allez daz reht, daz ich an dem selben guͤte hete UrkCorp
1452,20.
3310,41;
daz gvt der heiligin gehorsam sal aleine dem abbete nit zv irbotin werde, svnderin ovh di brudere sulin vnder ein ander also gehorsam si BrHoh
71;
BrAsb
71;
nicht alleine sult ir iz in disem fîgboume tuͦn, sunder ouch ob ir zuͦ disem berge sprechit: [...]
EvBeh
Mt 21,21
MWB 1 147,23; Bearbeiter: Tao
al|eine
Adv.
verstärktes → eine Adv.
MWB 1 148,1;
aleiʒ
Interj.
das frz. allez:
nû spottent s’ unser z’aller zît: / si sprechent ‘aleiz unde rît / in dîn lant hin über mer.’ Freid
155,8
MWB 1 148,2; Bearbeiter: Tao
alene
stF.
→
âlôe
MWB 1 148,5;
alêne
stF.
‘Alant’ (vgl.
1alant
):
mit gewaschener alene SalArz
51,55;
si sullen sich salbin mit salbin di gemachit si uon alene vnde mirren ebd.
63,27
u.ö.;
wîrouches ruch ûz arômâte, / spinat, gaffer und alêne [vgl. Anm.z.St.] / ist gegen dîner süeze ein krêne MarGr18
195
MWB 1 148,6; Bearbeiter: Tao
alevanz
swstM.
aus it. all‘ avanzo
‘zum Vorteil’, vgl. 2DWB 1, 259.
‘Schwindel, Betrug’, in den Funktionsverbgefügen
~ trîben, slahen
‘betrügen’
si trîbent alefanzen, / guot wilt wær von den selben unernerte Hadam
316,3;
swer wil mit allen schanzen / ûf heben ân dar legen / und trîbet alafanzen ebd.
399,3;
so schlecht ainer den alevancz, / daz er ez [Geld] halbez behalt der von Teichn
518,20
MWB 1 148,12; Bearbeiter: Tao
alevanzære
stM.
‘Schwindler, Betrüger’
dye herren treibent gewalts vil: / [...] wuchraͤr: manigs schad, / [...] vorsprech: ful dy hannt, / schreiber: merck es eben, / alfanczer: ratgeben Teichn
600,42
MWB 1 148,21; Bearbeiter: Tao
alexandrînisch
Adj.
‘zu Alexandria gehörig’
Marcus der tolmetscher Pêtri des apostolen und der Allexandrînischer kirchen êrste bischof EvBeh
5.
72
MWB 1 148,25; Bearbeiter: Tao
alexandrisch
Adj.
~ kürbiz:
von dem alexandrischen kürbiz. coloquintida haizt ain alexandrischer kürbiz. der paum wehset gegen der sunnen aufganch pei Jerusalem und haizt sein apfel auch coloquintida. BdN
365,17
MWB 1 148,28; Bearbeiter: Tao
alf
stM.
→
alp
stMN.
MWB 1 148,33;
alfa
Subst.
auch alpha.
erster Buchstabe des griech. Alphabets, nur in der bibl. Formel
~ et ô u.ä. ‘das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende’, für Gottvater oder Christus gebraucht:
~ et ô:
vone diu heizzis du in chriechisken alfa et o, / so iz uns hat chunt getan Johannis revelatio Himmelr
1,25;
alphâ et ô, künec Sâbâôt, / got, des gewaltes kraft gebôt / leben ân urhap RvEBarl
1;
erkennet ir alfa et o, / den die reine magt truc? Rennew
35360;
[Auslegung des Grußwortes des Erzengels Gabriel ave:] der vil ture buchstabe a / bezeichent uns alpha et o, / wen man den vater nante also Brun
2241
u.ö.;
WhvÖst
12219.
–
~ und ô, ~ dar nach ô:
‘ich bin alpha’ spricht her ‘und o’ / (diz dutet selben got also / der durch uns wart elelende), / ‘begin bin ich unde ende.’ [Apc 1,8]
HeslApk
1247;
wand alpha und o ich bin, / erst und letzt, ende und begin [Apc 22,13
]
ebd.
22913;
ich bin alpha, dar nach o [Apc 21,6
]
ebd.
20599
MWB 1 148,34; Bearbeiter: Tao
alfabête
stN.
‘Alphabet’
der meister [...] gab im [Jesusknaben] vor den bustab / des alfabetes vrhab / vnde allef genenet was PassI/II
55,46
MWB 1 148,54; Bearbeiter: Tao
alfakî
stM.
aus arab. elfakih.
‘Rechtsgelehrter’
vil manniger werschelier [l. betschelier Knappen] , / pawren und cavalir, / amarel und alfaky, / satrappen und mutkaly, / [...] kamen zu Anthiochia HvNstAp
371;
von den fursten ward gesant / nach dem alfaky [vgl. Anm.z.St.] zehant, / der hayden pabst von Ninive / wolt di kronen weyhen ee ebd.
18165.
18294
MWB 1 148,57; Bearbeiter: Tao
alfurt
Subst.
ein Tier:
daz tier daz die belge truoc / daz ist alfurt genant Craun
1147
MWB 1 149,1; Bearbeiter: Tao
al|genuht
stF.
‘volle Genüge, Reichlichkeit’
[
diu stetekeit ist
] allir tugent ein amme / als die este von dem stamme / nemint ir craft vnd ir fruht / als hant siv von ir algenuht / si grunent vnde blüegent / uon ir Martina
23,38
MWB 1 149,3; Bearbeiter: Tao
al|gerihte
stN.
‘Weltgericht’
wie snel ist eines ougen blic, / sô snel ist dâ ze Jôsaphat [vgl. Ioel 3
] des algerihtes ende. / die rehten füerent dâ den sic, / sô windent die vertânen dâ vil jæmerlîch ir hende Marner
1,47
MWB 1 149,8; Bearbeiter: Tao
algewalt
stF.
oder Syntagma al gewalt?
‘volle Macht, Herrschaft’
von deme [Tier] mir strit irschein / kein den heilgen mit gesic / steteclich an underlic, / biz der tage aldir [
antiquus dierum
] quam / richtende und im benam / an siner keinwortikeit [= gegenwertekeit
] / algewalt und gab gereit / sie wider den heilgen da / zu behalden Daniel
5894
(vgl. Dn 7,21ff.)
MWB 1 149,13; Bearbeiter: Tao
algewaltec
Adj.
vgl. auch
alwaltec
.
‘allmächtig’ als Attribut Gottes:
herre got algeweldiger PrLpz
27,15;
got [...] ist ein algewaltic guot an dem vater und ein klâriu wîsheit an dem sune und ein lûter güete an dem heiligen geiste Eckh (Pf)
538,21;
heu saltu ezzen gliche / eime ochsen siben jar, / bis tu bejest offenbar / got wesen algewaldic, / nemen, geben allen sic / landen, richen sunder wan, / ouch hohen den armen man, / nideren ouch den richen Daniel
3689
MWB 1 149,21; Bearbeiter: Tao
algorismus
Subst.
‘Rechenkunst’
swer die toten wolte zellen / die da erslagen waren, / der muͦste bi zwein jaren / von algarismo han gevlizzen, / oder er kunde ez niht wizzen Rennew
23717;
ein kunst heizet algorismus, daz saget von der reitunge, wie man die zal leget an den vingern. sô hât ieglîcher vinger sîne zal, sô hât der dûme sîne zal ouch sunderlîchen PrBerth
1:331,14.
– als Personenname:
[es waren so viele,] ob Algorismus noch des lebens pflege / und Abacus, di geometrie kunden, / die heten genuͦc zu schaffene, soltens ir aller zal do haben funden JTit
2051,2
MWB 1 149,31; Bearbeiter: Tao |