anegengen
swV.
1
‘(etw.) beginnen, anfangen’
intr. 2
‘jmdm. (als Vorzeichen) entgegenkommen, begegnen’ (vgl. aneganc 2 )
1
‘(etw.) beginnen, anfangen’
– intr.:
die vier schvlde die angengôtin an dem erstim mennisch Spec
6,22;
daz erbe der sele beginnet danne anegengen PrLpz
271,23.
– refl.:
div gnade div angengete sih an dirre naht; von div heizet si div wihe naht Spec
20,19;
diu gnade [...] anegenget sich elliu an disem tage PrHoff
85,18.
91,2.
– tr.:
wan da angenget der gvͦt sant Johannes sin ewangelium Konr
3 W1,166;
der die sunnen enphenget, / den hâstû [Maria] ganegenget [geboren]
RvZw
Leich 88;
daz daz vrône opher hiute alreste ganegengit wart Spec
51,18
2
‘jmdm. (als Vorzeichen) entgegenkommen, begegnen’ (vgl. aneganc 2):
wizzet, swem der anegenget an dem morgen fruo, / deme gêt ungelücke zuo Walth
118,16
MWB 1 236,44; Bearbeiter: Schnell
anegenomenheit
stF.
1
‘das Angenommenhaben’
2 die erworbenen Eigenschaften des Menschen (in myst. Texten)
1
‘das Angenommenhaben’
er hœret Kristum geborn von dem vater in voller glîcheit des vaters mit angenomenheit unserer menscheit Eckh
2:428,10
2
die erworbenen Eigenschaften des Menschen (in myst. Texten):
kint, soltu in Got geinniget und verwandelt werden, so muͦstu an dir selber verwerden [dich selbst aufgeben] und aller eigenheit und minneklicheit und wúrklicheit und angenummenheit in aller der wise do du dich selber besessen hast Tauler
314,9;
so wenet der besessene mensche dicke das es alles Got si das in ime wúrket: so ist er es alles selber und ist sin eigen werg und sin angenummenheit und guͦtduncklicheit ebd.
307,23
u.ö.;
jr wizzent wol, daz die spis muͦst verwerden in der uffart vnd all die groblichen an genomenhait, die Christus an sich genomen hatt, die belaib in der zit Katrei
343,34
MWB 1 236,60; Bearbeiter: Diehl
anegêntlich
Adj.
‘am Anfang stehend, anfänglich’
da wirt fundenn der anegentlich fürsatz und der endlich HvHürnh
3,23
MWB 1 237,14; Bearbeiter: Schnell
ane gerâten
stV.
‘jmdn. angreifen’
ob man sie mit keinem kriege an geriet Loheng
749;
dî roten er angerît / ûf der wiltnisse verre / menlîch mit strîtis werre NvJer
22275.
– mit Inf. mit ze
‘anfangen’
iz was ouch wol um sextezît / dô man ze richten an gerît JvFrst
7810;
er [Joseph von Arimathia] Pilatum angerît / zû biten gar mit vlîze / daz er in abe nemen lîze / ab dem krûze ebd.
11062
MWB 1 237,17; Bearbeiter: Diehl
anegerüere
stN.
‘Berührung’
unser minnen / beleib ân angerüere. / der ez wolt, ich swüere / sîn mit tûsent eiden, / diu triuwe an uns beiden / ist aller argen sinne bar Reinfr
10053
MWB 1 237,25; Bearbeiter: Diehl
ane gerwen
swV.
‘sich anziehen’ (vgl. gerwe):
er gerwet sich an, sicherlîch, / alsam ein bâbest rîch EnikWchr
22589
MWB 1 237,29; Bearbeiter: Diehl
anegescheftec
Adj.
‘beschäftigt’
dar nach betrahte wie sin sele [...] mit tusent noͤten angeschaͤftig ist PrGeorg
332,10
MWB 1 237,32; Bearbeiter: Diehl
ane geschëhen
stV.
‘jmdm. geschehen, zugefügt werden’
dô Jêsu der tôt angeschach, / in der welte man dô sach / regenen bluot WvRh
11954
MWB 1 237,35; Bearbeiter: Diehl
anegeschouwe
stF.
‘Anblick’
sine iunger werde / frevten sich siner angeschowe Wernh
A 4653
MWB 1 237,38; Bearbeiter: Diehl
anegeschouwede
stF.
‘Anblick’
wan sin gotlich angeschoͮwide ist ain paradys PrGeorg
251,10 App.
MWB 1 237,40; Bearbeiter: Diehl
anegeschrîe
stN.
‘Anschreien, Schimpfen’
von seinem angeschray waren sy alle mit tode entschlaffen [
ab increpatione Ps 75,7
]
PsMb
26(Glossar)
MWB 1 237,42; Bearbeiter: Diehl
anegesic
stM.
‘Widerstreben’
secht, bi der stunde / sere buzen begunde / sine sunde der kunic / stetlich ane angesic. / swaz im Daniel vor sprach / lere, keine er der brach Daniel
3880
MWB 1 237,45; Bearbeiter: Diehl
anegesiht
stF. ,
anegesihte
stN.
1 das Anschauen 1.1
‘Anblicken’
1.2 übertr. (in präp. Fügungen) ‘vor jmdm., unter den Augen, in Gegenwart von’
1.3
‘Sicht(-weise)’
2 das Aussehen von jmdm./etw. 2.1
‘Gesicht’
2.2
‘der Anblick von jmdm./etw.’
1
das Anschauen
1.1
‘Anblicken’
Jesus hienc das houbet nider / durch des volkes angesiht HeslNic
945;
ich bitte dich, heliger got, umb erbarmherzige angesihte mines unnútzen lebennes Mechth
5: 35,51;
daz [Tier] ist sô vergiftig mit seim angesiht, ob ainer im in daz aug siht, sô stirbt er zehant BdN
131,25.
– visionäres Schauen:
mit einem innerlichen angesicht der gegenwúrtikeit Gotz Tauler
155,27
1.2
übertr. (in präp. Fügungen) ‘vor jmdm., unter den Augen, in Gegenwart von’
an dis richteris anigisichti Mühlh
102,2;
in angesihte sin geuallen alle [interl. zu in conspectu eius
]
PsM
21,30;
in des trones angesicht HeslApk
1013;
do si fúr Saulis angesiht / waren komen und er si sah RvEWchr
24812;
vor sîner angesihte / begunde clagen alzehant / diu herzogîn KvWSchwanr
222;
vor al der welte angesiht RvEBarl
8823;
den giengen si ze angesihte und strâftens under ir ougen KvHeimUrst
1206
1.3
‘Sicht(-weise)’
uuánte álso díu uuât den lîchamen zîeret in ménnisken gesíhte. sámo zîerent díh gûotív uuérch in mînero ána sûne. [La. áne gesíhte
]
Will
66,14;
sú zúhent es alles nah diser angesiht zoͧ der nature wollust und lediger friheit in selb ze hilfe Seuse
339,29;
daz geschiht von der anderung der angesihte [Blickwinkel] die die leut habent an die planeten KvMSph
60,18
2
das Aussehen von jmdm./etw.
2.1
‘Gesicht’
do ersach er in richte / an sime ane gesichte / vnde an sime gelazze, / an libe vnde an mazze, / daz er was sines kindes kint Herb
17935;
Crist / der da ein gewarer spiegel ist, / [...] / da inne alle und yecliche lude / mogent schauwen ire angesichte Pilgerf
3583;
hie zu mir hait geredt, / das du din gestalt und gesichte / also haist verdecket mit dem gemalten angesichte [Maske]
ebd.
8352;
sine setin waren rife unde ernste, sin antlitze unde sin angesichte scharf Köditz
46,32
2.2
‘der Anblick von jmdm./etw.’
si erschracten von der angesicht GvJudenb
2307;
an zesehenn schöner angesichtt HvHürnh
70,2;
der palm waz schone vnde liht / siner bletere angesicht [Oberfläche] / gaben harte schonen blic PassI/II
122,66;
ich geloube des, daz er unvrô / der angesihte wære Wh
61,25;
[er] hiez im wrkin sa / ein hoh, wit gewelbe da. / dar an heiz er die geschiht / malin dur ein angesiht [zum Anschauen]
RvEWchr
23630
MWB 1 237,49; Bearbeiter: Diehl
anegesihteclîche
Adv.
‘sichtbar, deutlich’
dû [Gott] angesihticlîchen wunder tæte, / dô man dich sach in menschlîcher wæte RvZw
143,7;
wie her Nabuchodonôsor / ouch godes sun erkante / [...] und anegesihteclîche sach Erlös
1851;
wan daz sie Lazarum gehan / [...] / da mohten angesihteclich [
ut Lazarum viderent Io 12,9
]
EvStPaul
13176
MWB 1 238,32; Bearbeiter: Diehl
anegeslaht
Adj.
‘angestammt, eigen’
also got ist gut an geslacht, / also ist di bosheit deme tubel Brun
6539.
12585;
im [dem Teufel] ist wol an geslacht / arkeit und untugent eben HeslApk
10858
MWB 1 238,39; Bearbeiter: Diehl
anegeslöufe
stN.
‘Hülle’ (vgl. zuogeslöufe):
wer offenbart sin antlitze / und sin angesleufe vul [
quis revelavit faciem indumenti eius Iob 41,4 über das äußere Erscheinungsbild des Leviathan]
Hiob
15095
MWB 1 238,43; Bearbeiter: Diehl
anegestalt
stF.
‘äußere Erscheinung, Gestalt’
und brâhten im di maget sân / und fuorten sî mit gewalt / fur irs herren angestalt [vor ihren Herrn]
MargAntiochII
196
MWB 1 238,48; Bearbeiter: Diehl
anegestelle (?)
N.
Bed. unklar:
ich nam und warf si [die dreißig Silberlinge] ze hant / wider in daz gotes hûs / zû des angestellten klûs [Hs.: des angestelle chlaus ‘Raum für abgestellte Sakralgegenstände’ - proieci illos in domo Domini ad statuarium Za 11,13
]
JvFrst
5812
MWB 1 238,52; Bearbeiter: Diehl
anegeval
stM.
‘Angriff’ (vgl. aneval):
dine sigehafte hant [...] ist des vredis schilt, / der den tubel dicke bevilt / an sime angevalle Brun
3693
MWB 1 238,58; Bearbeiter: Diehl
anegevanc
stM.
‘Beginn, Anfang’ (vgl. anevanc 1):
daz abentlieht heizset du zit in der su [alle Dinge] sint geschaffen und habent anegevanc an in selben Vateruns(Sch)
28
MWB 1 238,61; Bearbeiter: Diehl
anegevelle
stN.
‘jmdm. zustehende Einkünfte, Besitzansprüche’ (überwiegend in Erbsachen):
he [...] virkoufte sin gebuwe / durch sine rechte truwe. / [...] jo wolde der geselle / von sinem angevelle / do vil libir werdin bloz / wen daz he wurde truwelos PfzdHech
275,26;
weitere Belege DRW 1,637.
– dem Lehnsherren zufallende Nutzung aus einem vorübergehend freien Lehen (vgl. anevelle):
van sînes mannes manne nimt die herre angevelle an sînes selbes gûde, die wîle die kindere beide binnen iren jâren [minderjährig] sîn SSp
209,14
u.ö.
MWB 1 239,1; Bearbeiter: Diehl
anegewalt
stN.
‘Mitregentschaft’ (vgl. anewalte):
den andern bruder nach im alt / zoch er mit im uf angewalt, / [...] er liez wirken eine kronen / [...] die sazte er uf sin houbet / unde wart ein kuninc alda / uber alle lant Judea Macc
11534
MWB 1 239,13; Bearbeiter: Diehl
ane gewërn (?)
swV.
‘durch Verjährung erwerben, ersitzen’
in usucapione quod vulgo dicitur angeweren UrkMedeb
74
(a. 1165)
MWB 1 239,18; Bearbeiter: Diehl
anegewette
stN.
‘Pfand, Vertragsstrafe’ (nur in alem. Urk.; vgl. anewette):
[sie] enzihet sich an disem brieve mit geswornem aide alles des rehtes, so si daran hatte [...] und hat daruf ein angewethe gesezzet hundert marche silbers, ob si ir aides vergessen wolte UrkZürich
8,183
(a. 1307).
7,104
(a. 1299)
MWB 1 239,21; Bearbeiter: Diehl
anegewin
stM.
‘Gewinn, Erwerb’
durch mines hailes angewin / wil ich hie die ruͦwe han / und unwidersaget lan / biz ich den tag erkiuse WhvÖst
5022
MWB 1 239,28; Bearbeiter: Diehl |