Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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a – abebrëchære, âbrëchære
abe brëchen, âbrechen – abe drumen
abe|ein – abe ertwingen
abe ervëhten – abegezogen
abegezogenheit – abe houwen
abehouwunge – abelæge
abe lantscheiden – abe lœsen
abelœsunge – âbentganc
âbenthan – âbentsunnenschîn
âbenttanz – aber|æhter
abe rechenen, abe rechen – aber|schâch
abe rücken – abe schieʒen
abeschiht – abeslac
abe slahen – abe stîgen
abestôn – abetragære
abe tragen – abe vâhen
abeval – abe wahsen
abe wæjen – abe weschen
abeweschunge – abe ziehen
abeziehunge – âbrëchære
âbrëchen – achter-, ahter-
achwent – ackervruht
ackerwërc – adellich, adellîche(n)
adelmuoter – âderslahen
âderstôʒ – affensmalz
affenspil – afterbier
afterblunder – aftermuoder
aftermûre – afterwort
afterzal – agleister
agleistervar – ahselrote
ahselspange – ahtehalp, ahtodehalp
ahten – âhui
ahzec – alamande
alanc – alde
aldê – algorismus
alheit – allergotesheiligentac
allerhalbe – allersamen, allersam, allersamet
allersêlentac – allwent
Alman, Almân – alp
alpha – al|tagelich
altære, altâre, alter – alters|eine
alterstat – altmæʒec
altmüede – alwaltecheit
alwaltende – ambahtære
ambahte – âmehte
âmehtec – ametiste
âmezûber – amt
âmügel – anderheit
anderleie – andorn
andouge – ane bereiten
ane bërn – anebot
ane botwarn – ane draben
ane dræhen – ane errâten
ane ersëhen – anegedenken
anegedenklich – anegeslaht
anegeslöufe – anegrîfunge
ane grînen – aneheftec
ane heften – aneinander
ane jagen – ane komen
ane koufen – aneleitrëht
aneleitunge – 2ane merken
anemerkunge – ane phîfen
ane phlanzen – anerüeftec
ane rüeren – aneschouwede
aneschouwelich – anesidel, anesedel
ane sîfern – ane sniudeln
ane snöuwen – ane springen
anespruch – ane strîten
ane stroufen – ane trëten
ane trîben – anevëhtigunge
anevëhtlich – anevluʒ
ane vordern – ane weigen
aneweigunge – anewîsunge
ane wonen – angelisch
angeln – angestnôt
angestsam – ankesmër
anlamin – antlæʒec
antlâʒen – antsmër
anttac – antwîch
antwürkæreknëht – apfelrîs
apfelrôt – ar
âr – arc|haft
arche – ardell
ardîse(n) – armbendec
armbouc – armiure
armlëder – arnebote
arnen – art
art – arzâtîen, arzedîen
arzâtîn – âsblâsende
ascalamus – â|schildes
aschlouch – aspentier
aspindê, aspindei – astronomierre
astronomus – atrament
atte, ette – avelen
âventiurære – â|witzec
â|witzen – âʒ|zît

   abe triegen - abe vegen    


abe triegen stV. ‘jmdm. etw. durch Betrug abgewinnen’ daz sebynde gebot ist daz: daz du nymande sullist stelyn adir beroubyn adir abetrigen syn gut EvBerl 149,30

MWB 1 71,62; Bearbeiter: Tao

abe trinken stV. ‘jmdm. etw. wegtrinken’ ê denne mir der mîn gelt abe trünke, / ich trünke ê daz mir diu zunge hünke Renner 10217

MWB 1 72,1; Bearbeiter: Tao

abe|trinne, abetrunne stF. ‘Abfall, Lossagung’ in dem anbeginne / der andrin abetrinne NvJer 15012; brûdir Conrât [...] daz lant [...] gar betrûbit vant / von der abetrinne / des volkis ebd. 20700; dâmit er [Gott] ûz der âchte / der aldin abetrunne / irlôste menschlîch kunne ebd. 21958

MWB 1 72,4; Bearbeiter: Tao

abetrit stM. – in der Wendung âne ~ ‘ohne Widerruf’ biz daz versigelt und verschriben / wart nach haidnischem sit / daz stætlich an abtrit / solt sin Aglye / kuͤnc Walwans amye WhvÖst 2190; der mir wolte staben / den ait, ich swuͤr an abtrit / daz ich slief und wachet nit ebd. 1135. ~ gewinnen ‘dahinschwinden’ [...] mir sint laz / wurden alle die gelit; / gar min craft hat abetrit / gewunnen vor den blicken / uz diner ougen ricken [Fesseln] Daniel 6684

MWB 1 72,10; Bearbeiter: Tao

abe|troc stM. , abe|getroc, â|getroc stN. ‘teuflisches Blendwerk’ knab, an iu lît wunders vil, / daz ir der natûre zil / alsô fruo brechet, / daz ir gêt und sprechet / als ob ir hêtet grâwen loc: / ir sît ez lîht ein abetroc [La. agetroc ] Georg 3214; dô sprach daz kindel wol getân / ‘her, ich bin niht ein abetroc [La. niht abegetroc ] [...]’ ebd. 3219

MWB 1 72,20; Bearbeiter: Tao

abe trôren swV. ‘abwerfen’ der rîffe iz [Obst] nefrôret, der wint iz ab netrôret, / diu hitze iz nedarret, nehein snê im newirret Gen 238

MWB 1 72,27; Bearbeiter: Tao

abe trossen swV. ‘abladen’ dî kost, / dî sî dâ hatten abgetrôst [sic!] NvJer 24457 (vgl. Johansson, NvJer.)

MWB 1 72,30; Bearbeiter: Tao

abe troufen swV. ‘herabträufeln’ wenn daz honig zehant abtreuft in tropfen weis, daz ist sô guot niht sam daz zæh ist BdN 293,6

MWB 1 72,33; Bearbeiter: Tao

abetrülle swM. ‘der Abtrünnige’ die [...] geloubic sint, / man frowen oder kint, / machet er mit marter grôz / aller marterære genôz, / oder abtrüllen, daz siu die helle ervüllen Antichr 569

MWB 1 72,36; Bearbeiter: Tao

abetrünnære stM. ‘Abtrünniger’ der jungelinc [...] muoz mit rehte münch sîn unz an sînen tôt, oder er muoz gotes abetrünner sîn von êwen ze êwen SpdtL 104,14

MWB 1 72,40; Bearbeiter: Tao

abetrunne stF. → abe|trinne

MWB 1 72,44;

abetrünne Adj. auch abturni. 1 ‘treulos, abtrünnig, abgefallen’
2 ‘flüchtig’
   1 ‘treulos, abtrünnig, abgefallen’ die engel abtrünnen Serv 287; DvASchr 385,35; die aptrunnen Israhele / verlurn lip unde sele, / daz si sich von ir herren zugen / und ir chnie dem apgot bugen StrKD 37,35; vil lîeber schrîbære, / schrîp den selben nascher [Ehebrecher] an / für einen abtrünnen man Helbl 2,1006. – präd. mit werden/sîn: wîn und wîp machent unwîsen man / der got lîchte wirt abtrunne Priesterl 140; daz in kurzer stunt / maniger abetrunn was worden / an kristenlichem orden Ottok 45231; ich bin got ungenæme / und kriste widerzæme, / ich bin abtrünne gewesen LBarl 14308    2 ‘flüchtig’ wirt die [der Mann, der den Bürgen gestellt hat] abturni, daz he sienin burgin nicht inloisit [nicht auslöst] , so sal di burgi also vili mi scultheizin leisti, alsi he geloibit heit Mühlh 99,17. 99,7; StRNördl 8,20

MWB 1 72,45; Bearbeiter: Tao

abetrünne swM. abentrünne Teichn , hierher? – ‘der Abtrünnige, Abgefallene’ ich was ein abetrünne LBarl 8405. 10034 u.ö.; Messya wær daz vil leit, / wuͤrde ich ein aptruͤnne Rennew 15953. 16172 u.ö.; man sold in [ êbrechære ] drumbe swachen / als einen abtrünnen Helbl 2,987; der ûz gevarn wære / dâ ze Lilenvelde [aus d. Kloster Lilienfeld] , / er [...] ist ein abtrünne ebd. 2,932; ein abentrunn Teichn 259,69. 393,107. – mit Gen.- oder Präp.-Attr.: nu fliuh ich ábtrúnne der heiligun glóubo unde áller rehter wérchunge ci demo uile miltin barme der dîner álemahtigûn irbármide BambGlB 141,14; manec gotes abtrunne, die gotes uerloͮgenent unde dem Antichristo uolgent Spec 145,21; er sî ein abtrünne sîner ê Helbl 2,964; des bischolfs abtrunne [Nom. Pl., die vom Bischof abgefallenen] Ottok 37723; ein aptrunne von der ewigen wunne StrKD 107,97; [der Ketzer gleicht] eim abentruͤnn / ab dem glauben christenleich Teichn 564,3470

MWB 1 72,63; Bearbeiter: Tao

abetrünnec Adj. ‘treulos, abtrünnig, abgefallen’ Lucifer / ein eingil abitrunnigir SuTheol 54; wan wer gote begeben phligt / und uf di hantgetat sich wigt / [...], / der ist abtrungec algereyt Hiob 11830; RvEBarl 14310; Daniel 1363; Cranc Ez 2,3; WernhMl 13362; daz er [Ordensbruder] wil abtrvnnich werdin [ ut egrediatur de monasterio ] BrEng 58; win macht ouh di wisen abtrvnnec BrAsb 40. – präd. mit einer Dat.- oder Präp.-Ergänzung: daz ich im [Christus] aptrünnic ie / was RvEBarl 13897; abtrunnic [...] / si wir dime gebote / worden Daniel 6270; Mügeln 379,17; wan sú vorten, daz si uss ire úpigen geselschaft abdrúnnig wurde Seuse 138,12; dekein brvͦder, der aptrunnig ist von irem orden UrkCorp (WMU) 1651A,22; HvNstGZ 5151. – subst. : nu fliuho ih abtrunnigiu dero heiligen glouba [...] ze demo filo milten barmi dero dinero almahtigen irbamidi WessobrGlBI 141,14; dekein brûder sol dikeinen cristenen menschen heizen verrêtere oder abtrunnigen von dem gelouben StatDtOrd 59,7

MWB 1 73,19; Bearbeiter: Tao

abetrünnecheit stF. ‘Abfall, Treulosigkeit’ wan di [Könige] der werlde alles leit / tun und di gerechtekeit / nicht halden [...], / set, daz heyzet abtrunnekeit / von kunclichen wirden gemeit Hiob 12857 (Auslegung zu 12852: „ir sit abtrunnege man”, vgl. Iob 34,18)

MWB 1 73,40; Bearbeiter: Tao

abetrünnede stF. ‘Abfall (vom Glauben)’ ich habe gisúndôt in trâgheite, in sûmigheite, [...] in ábtrunnide BambGlB 144,35

MWB 1 73,46; Bearbeiter: Tao

abe tuon V. 1 mit Akk.-Obj. (und Dat.-Obj.)
1.1 ‘etw. (von einer Stelle) wegnehmen, wegtun; etw. (von etw.) abmachen, loslösen’
1.1.1 ohne Dat.-Obj.
1.1.2 mit Dat.-Obj.
1.2 ‘was man an/bei sich hat (Kleidung, Rüstung u.ä.) von sich tun, ablegen; (mit Dat.d.P.:) jmdm. etw. abnehmen’
1.2.1 ohne Dat.-Obj.
1.2.2 mit Dat.d.P.
1.3 ‘(Bauwerke) abbrechen, abreißen’
1.4 ‘einen Betrag (von einer Summe) abziehen’
1.5 ‘etw. beseitigen, beenden, tilgen’ , in unterschiedlichen Bezügen
1.6 rechtsspr.
1.7 ‘einen Menschen, ein Tier beseitigen, töten’
2 mit Akk.d.P. und Gen.d.S., ‘jmdn. einer Sache berauben’
3 refl. mit einem Gen.-Obj.
3.1 mit Gen.d.S.
3.1.1 ‘etw. ablegen’ (vgl. oben unter 1.2 )
3.1.2 ‘auf etw. verzichten, etw. aufgeben, sich entäußern / entsagen’
3.1.3 ‘von etw. (Tun, Handeln) ablassen, mit etw. aufhören’
3.1.4 ‘sich von etw. (Sünde, Untugend) befreien’
3.1.5 rechtsspr.: ‘einen Kaufvertrag rückgängig machen’
3.2 mit Gen.d.P., ‘auf jmdn. verzichten, sich von jmdm. trennen, sich von jmdm. absondern’
   1 mit Akk.-Obj. (und Dat.-Obj.)    1.1 ‘etw. (von einer Stelle) wegnehmen, wegtun; etw. (von etw.) abmachen, loslösen’    1.1.1 ohne Dat.-Obj.: als man di phanne abe welle tun so sal man daz puluer drin sen. vnde sere vnder ein ander ruren SalArz 116,36; tue ab den kelich und das puech [...]! HvBurg 6371; der ritter det syn hant ab [vom Zaum] Lanc 151,37 u.ö.; man dete die dielen hinder uch abe allesampt [...] und die bruck was furbas nit gedielt ebd. 502,14; sô tuo diu pant ab, sô schiezent schœn rôsen auz BdN 346,6    1.1.2 mit Dat.-Obj.: nim einen stoc visch [...], tuͦ im die hut abe BvgSp 20. 38. – jmdm. daz houbet vom halse ~ , ‘jmdm. den Kopf abschlagen’ (vgl. auch unten unter 1.7): Ottok 4636    1.2 ‘was man an/bei sich hat (Kleidung, Rüstung u.ä.) von sich tun, ablegen; (mit Dat.d.P.:) jmdm. etw. abnehmen’    1.2.1 ohne Dat.-Obj.: er det synen helm abe Lanc 98,24 u.ö.; [er] det syn kuͦgeln [Kapuze] ab und grußt sie ebd. 42,33; ir ysenhút und ander ir wapen ~ ebd. 445,2; den manikel ~ ebd. 572,22; zum aller mynnesten saltu abedun / und nyderlegen dinen groben stab grune Pilgerf 5478. – bildl.: swer wil komen ze mir, der sol sîn selbes ûzgân und verzîhen und [...] sol abelegen und abetuon allez, daz criuze und leit ist Eckh 5: 45,16; wan ein ieglîcher ist daz aller vlîzigest abe ze tuonne, daz im allermeist wider ist ebd. 5: 238,1; daz man abetuo, daz schedelich sî, und daz wir zuobüezen, des uns gebrichet ebd. 2:139,1    1.2.2 mit Dat.d.P.: die jungfrau dete im den helm abe und halff im das er entwapent wart Lanc 610,9. 528,28. 470,5. – übertr., ‘etw. von jmdm. nehmen, jmdn. von etw. befreien; jmdm. etw. entziehen’ ich [...] lide [...] gar groze bekorunge di nimant uberwinden mag, got wolle si ime danne abe tuͦn HlReg 10,29; ich wil uch den zorn [der Königin] ab thun Lanc 455,2; ein stein ist edeler, als er ein wesen hât, dan got und sîn gotheit âne wesen, ob man im wesen möhte abetuon Eckh 1:134,10    1.3 ‘(Bauwerke) abbrechen, abreißen’ wir geloben ouch getruliche, daz wir die neuwe porte solen abe duͦn vnd niemer me wider gemachen UrkCorp 904,16; wir sulen ouch abe dun slechtis vnd zubrechen dy zvo buͦrge, dy wir zu Dredorf gemachet hatten ebd. 1200,4    1.4 ‘einen Betrag (von einer Summe) abziehen’ [wir] sulen im ouch des selben silbers zwei hundert mark ab tun an [für] hern Hailmanne von dem Han UrkCorp 2435,1    1.5 ‘etw. beseitigen, beenden, tilgen’, in unterschiedlichen Bezügen: wanne tu wir alle hindernusse ab, davon die augen gehindert werden moͤhten, als nebel ist und ander duͤnst KvMSph 15,25; Eckh 2:202,10; das er allen den zauber breche der in der burg ist und yn abthú Lanc 211,19 u.ö.; die [ missedait ] sollen sin nydergelait / durch busse und abe gedaen Pilgerf 2413; abzetvn min smachwort vnder den menschen [Lc 1,25] EvAug 123,28    1.6 rechtsspr.: – ‘jmdn. absetzen, entlassen’ jst ovch, daz der bvrchmann einer den drin missvellet, den svln die selben drie ab tvn vnd svͤln einen andern an des selben stat setzen UrkCorp 174,28; den amtman sol der herre abe tvͦn vnde vnser keiner sol den nimmerme zv amtmanne genemen ebd. 2070,18. – ‘etw. beendigen, abstellen, unterbinden’ UrkCorp (WMU) N125,18. 55,37. – ‘etw. aufheben, abschaffen’ UrkCorp (WMU) N14,31. N362,17 u.ö. – ‘gerichtliche Ansprüche abwehren; Ansprüche erhebende Person abwehren’ UrkCorp (WMU) N295,34. 2709,23. N531,7. – ‘(jmdm.) einen Schaden ersetzen, wieder gutmachen’ man sol im sînen schaden abe tuon SpdtL 126,4; StRAugsb 104,18; vnze ich inen den schaden abe getvͦn UrkCorp 701,18. 2600,12; weitere Belege s. WMU 1, 31f.    1.7 ‘einen Menschen, ein Tier beseitigen, töten’ das si das [neugeborene Kind] balde tetin abe / und si ez heinliche sluͤgin RvEWchr 8525; daz he iz [schädliches Tier] von dem wege brenge oder abetu StRFreiberg 259,6    2 mit Akk.d.P. und Gen.d.S., ‘jmdn. einer Sache berauben’ daz lant ze Troppouwe, / des het er niulich ab getân / sînen bruoder herzog Niclân / mit gewalt und âne reht Ottok 81493. – ‘jmdn. eines Amtes entheben’ des [ gewaltes ] wærn si lîhte worden / von dem bâbest ab getân, / het er dheinen arcwân / gegen in gewunnen Ottok 46427    3 refl. mit einem Gen.-Obj.    3.1 mit Gen.d.S.    3.1.1 ‘etw. ablegen’ (vgl. oben unter 1.2): der wâppen teter sich dô abe Parz 92,14    3.1.2 ‘auf etw. verzichten, etw. aufgeben, sich entäußern / entsagen’ alsus tet er sich abe / aller sîner vordern habe AHeinr 257; RvEBarl 5339. sich des guotes ~ StrKD 103,83; RvEBarl 14972; durch die vorhte des todes ne wolte si sich niht der chiusche abe tuͦn Konr 12,26; ewartechlicher werdecheit / tet Moyses sich gein in abe: / dez namen, des amptis, al der habe, / das den ewartin was benant, / geloupeter sich alda zehant RvEWchr 12792; so er ware biht tuͦ, / so tuͦ sich denne ganzlich abe / der gnade, die diu werlt habe StrKD 103,179; si [Mutter] tet sich abe / ir vreude, dô si mich verlôs Wig 11332. sich der werlde, werltlicher dinge, der werlt dinge ~ : er tet sich der werlde abe / durh got und aller sîner habe LvRegFr 591; PrOberalt 38,8; SHort 4699; verhüllend für ‘sterben’: sus tet si sich der werlte abe / mit herzenlîchem sêre. / den lîp, guot und êre / verlôs si umb ir gesellen tôt Wig 10032    3.1.3 ‘von etw. (Tun, Handeln) ablassen, mit etw. aufhören’ daz ir iuch der rede abe tuot StrAmis 2389; Märt 11760; wer mac grôzer sîn, / der dâ sitzet unde rast / oder der dâ dînet vast? / ist iz nicht der sô rût / und sich des dînstes abetût? [ [Lc 22,27 ] JvFrst 3054; dar umbe schuͤln wir uns dez gebetes nicht ab tuͦn PrOberalt 103,14; wan daz er durch sîn êre / den strît niht mohte lân, / er hêt sichs gerne abe getân Wig 3511. sô tuo ouch under wîlen schîn / ob er noch rîters muot habe, / unde entuo sich des niht abe / ern sî der rîterschefte bî / diu im ze suochenne sî Iw 2856; GTroj 23415    3.1.4 ‘sich von etw. (Sünde, Untugend) befreien’ ob wir uns der suͤnten wellen ab tun und uns becheren PrOberalt 65,36. 116,33; PrGeorg 13,34; ob wir uns dez nidez und ander bosheit ab tuͦn PrOberalt 168,35; wer der hochvart sich abtuͤt Teichn 456,8. 456,15    3.1.5 rechtsspr.: ‘einen Kaufvertrag rückgängig machen’ waer aber daz, daz iem der chouf nicht geuiel vnd sich des vil leicht ab taete, so sol ich iem daz selbe silber ouf di naehsten Liehtmezze gantzleich wider gelten UrkCorp 3509,44    3.2 mit Gen.d.P., ‘auf jmdn. verzichten, sich von jmdm. trennen, sich von jmdm. absondern’ swelch râtgebe zwô zungen trage, / [...] des tuo dich abe und volge mir! RvEAlex 1436; hie mit wuͦchs der werde knabe / und wart der kint sich tuͦn abe / und altersaine dike gan WernhMl 5316; [mit swaz-Satz statt Gen.d.P.:] sô tuot iuch abe [...], / swaz ir swaches gesindes hât, / daz zuo den unêren phlît LvRegSyon 3823. – ‘sich von jmdm. lossagen’ were oͮch, das uns schade beschehe von ir lúten, das súlen si vns heizen bessern, ald si súlen sich der selben abe tuͦn UrkCorp 1681,19

MWB 1 73,49; Bearbeiter: Tao

abe twahen stV. ‘etw. abwaschen, fortspülen’ nuͦ muͦstent sie pigment ab zwahen Krone 22072; selhen bû [...] / den der schûr und der hagel sleht / und der wâc abe tweht AHeinr 792. – übertr. ‘etw. (Sünde, Schuld) abwaschen, tilgen’ der man alte daz gemeilte, der niwe daz abetwuͦch [ Adam uetus quod polluit adam nouus hoc abluit ] PsM H 35,7. H 102,4; keusche und minne / setzet in ewer sinne. / [...] des houffen [der Sünden] ist dehein wiz so vil / ern werde gar ze tragen / und der sunden mal abgetwagen ErzIII 90,90; daz heilege kriuze [...], / daz [...] uns die sünde abe twuoc StrKarl 696

MWB 1 75,63; Bearbeiter: Tao

abe twingen stV. ‘jmdm. etw. mit Gewalt wegnehmen; jmdn. zu etw. zwingen’, mit Dat.d.P. und Akk.d.S.: in gelob der herr mein, / was der man ze recht hab, / das er im das nicht ab / [...] / mit seinem gewalt twing Hawich 4183; mir tuot endeclîchen wê, / daz den winder niemen des erwenden mac, / er entwinge uns abe / beide bluomen unde klê Neidh WL 2:1,3; swer in [Frauen] daz abe twinget KvWTroj 22097; Part. Präs.: abzvingende an mile gant si oh zvo [ angariati miliario vadunt duo, zu einer Meile genötigt, gehen sie zwei] BrZw 7. – ‘etw. von jmdm. abwenden’, mit Gen.d.P. und Akk.d.S.: swer minnecliche minne / mit minneclichem liebe habe, / der sol sich des niht sûmen, sô der tac ûf gê, / ern twinge sîne sinne / sîns herzecliches liebes abe, / dur daz sîn künfteclichiu vreude werde als ê: / so mac diu vriuntschaft wernde wol belîben SM:UvS 12: 1,4

MWB 1 76,12; Bearbeiter: Tao

abe vâhen stV. 1 ‘jmdn./etw. (jmdm.) wegfangen’ , mit Akk.-Obj. und Dat.-Obj. (meist).
2 ‘(Hunde) einfangen’ (oder ‘loslassen’ ? vgl. BMZ 3:203b,11ff. und Lexer 1,7)
   1 ‘jmdn./etw. (jmdm.) wegfangen’, mit Akk.-Obj. und Dat.-Obj. (meist). – mit Akk.d.P.: do [...] Paris [...] vnser volc vns abe ving / vnde vns manigen ersluc Herb 12184. 5322. 7360 u.ö.; da stritten wir so lang biß mir myner ritter dry wurden abe gefangen Lanc 380,2. 380,3; GrRud Fb 37; UvZLanz 3139; Parz 31,21. 382,25; Wh 458,23; RvEWh 2584; RvEWchr 34122; UrkCorp (WMU) 21AB,39. – mit Akk.d.S.: wir haben in alle ir êre / alhie abe gevangen. / ir êre ist zergangen Mai 126,1. 118,13    2 ‘(Hunde) einfangen’ (oder ‘loslassen’? vgl. BMZ 3:203b,11ff. und Lexer 1,7): hie ist vil wildes, fâh ab, fâh ab dîn hunde! Hadam_(Sch) 411,5

MWB 1 76,30; Bearbeiter: Tao

abeval stM. nur in myst. Texten, ‘Lösung, Loslösung von etw.’ (zu abe vallen 6): wan sú mit ungesaster vernunft got schowent [...], so wen [ wellen ] sú dis und daz lassen vallen [...]. daz ist wol war, es muͦss alles ab, dem reht sol geschehen; sú verstand aber noh nit, wie der abval sol gestellet sin Seuse 159,25; so mag des menschen geburt in dis ellend welt wol heissen ein tod von der not und erbeit [...], so mag aber der liplich tod wol heissen ein núwú gebúrt von dez sweren libes abval, von dem frien ingang in die ewigen selikeit ebd. 380,3; allez, daz gebrestenlich ist, daz ist abeval von wesene Eckh 1:132,1; mîn ouge enpfæhet in dem liehte die varwe; si enkumet aber in die sêle niht, wan ez ist ein abeval ebd. 2:178,2; mîn varwe enist mîn natûre niht, mêr: ez ist ein abeval mîner natûre ebd. 2:182,4. 2:183,3. 2:182,3

MWB 1 76,44; Bearbeiter: Tao

abe vallen stV. 1 ‘sich lösen und herabfallen’
2 ‘herabfallen, heruntertropfen’
3 ‘vom Pferd steigen, absitzen’
4 ‘sich durch Stürzen etw. brechen’ , mit Akk.-Obj.
5 ‘abtrünnig werden’
6 ‘weichen, (ver)schwinden, wegfallen, sich loslösen, beseitigt / aufgehoben werden’ , v. a. in myst. Texten.
   1 ‘sich lösen und herabfallen’ als er ûz der toufe gie, / diu hût im elliu ab viel, / jâ wart im der lîp sîn / als ain niwe gebornez chindelîn Kchr 7945; winierben [ = wîngerwe ] trucken vnde gebrennet machent daz di bosen nagel abe uallen SalArz 79,44. 77,8; wen di bletir alle ab geuallin sint vnde di knuspin noch nicht sint vs gesprossin vs deme wynstocke Pelzb 131,29; aber als ungewitter wirt und wint und sturm, so vallent si [Äpfel] ab Tauler 188,17; BdN 393,24    2 ‘herabfallen, heruntertropfen’ die rûpen, swenne die abevallent von den boumen, sô kriechent sie eine want ûf Eckh 1:134,2; von der dicken und von dem frost entsleuzt sich der dunst in süeze fäuhten und vellt her wider ab auf die früht und auf die pluomen BdN 87,32. er gerte in dem mute / sat werden von den crumen, / [...] / die dem tische vilen ab / des richen Daniel 4945. – Part.-Adj.: die grossen abvallenden hitzigen trehen Seuse 453,10. – übertr.: [...] die da gotlichen geordent werdent in die ewigen selikeit, [...] die da von disem ende vallent oder abvallen [ decidere; gemeint: von der Seligkeit ausgeschlossen werden] süllen ThvASu 282,30    3 ‘vom Pferd steigen, absitzen’ die piderben helt die vielen ab, / und traten zu dem hawffen Suchenw 20,205; do vielen die ritter ab und zukchten in [den vom Pferde gestürzten Kaiser] auf SächsWchr Forts. 339,38    4 ‘sich durch Stürzen etw. brechen’, mit Akk.-Obj.: ich [...] klam ûf einen boum: ich möhte den hals hân ab gevallen PrNvStr 295,17; der den [Edelstein] hât, / [...], / der vellet niemer abe daz bein / noch ander gelide kein, / sweder er rîtet oder gât Volmar 553 (oder zu abe vellen swV.?).    5 ‘abtrünnig werden’ alle, die dâ abevallent von götlîchem liehte in die sünde Eckh 2:604,2; Petrus [...] sprach von dem der abgevallen was, so solte man einen andern an sine stat setzen Tauler 89,1    6 ‘weichen, (ver)schwinden, wegfallen, sich loslösen, beseitigt / aufgehoben werden’, v. a. in myst. Texten. swenne daz lieht dirre werlt abevelt, sô ist ez âbent Eckh 1:326,15; ie mêr sich der mensche dar în [ =in daz wirdige lîden in der volkomnen pênitencie unsers herren Jêsû Kristî ] erbildet, ie mêr im abevallent alle sünde und pîne der sünde ebd. 5: 246,5; dâ got geborn sol werden in der sêle, dâ muoz alliu zît abegevallen sîn ebd. 2:231,5. und wurt dis lieht [d. göttliche Licht] reht enpfangen in der worheit, und do vallent alle bilde und forme und glichnisse abe Tauler 21,20. wanne das got disen grunt in der worheit besessen hat, so vallent dem menschen alzuͦmole alle werg abe die usserlich sint ebd. 24,33. 33,17. 361,6. der [...] got von inbrúnstiger minne alle zit dienet, der nimt got [...] als ein herzklich minneklichs lieb, da dú knehtlich vorte ab gevallen ist Seuse 182,10. 296,6. 164,13. 168,20. he [Dionysius] sprichit ouch: got ist ein vinsternisse, nicht daz he ein vinsternisse si, sunder fon der unbegriflichkeit sines grundelosin lichtis heizit he ein vinsternisse. und alse vinsternisse ist abenemin oder abevallin, also ist der name abevallin allir der dinge di wir ume zu gelegin mugin Parad 33,16. unde dar umbe, in waz daz der wille ist oder die begirde, in daz so muoz ouch die minne sin. wan von dem, daz daz erste abevellet, so vallent ouch die andern abe ThvASu 272,29. – vom Akzidens: wan daz heisset zuͦval [ accidens ] , daz der understanden wesenheit zuͦ und ab vellet ane des understandes zerstoͤrung, als dú varw tuͦt an dem brete Seuse 162,20

MWB 1 76,61; Bearbeiter: Tao

abe varn stV. 1 mit persönl. Subj.
1.1 ‘sich fortbegeben, weggehen, abreisen’
1.2 ‘(vom Glauben) abfallen’
2 mit sachl. Subj., ‘sich loslösen (und abfallen)’
   1 mit persönl. Subj.    1.1 ‘sich fortbegeben, weggehen, abreisen’ die frauw [...] hett angst [...] und vor ab Lanc 17,6; sie wolden varen abe Kreuzf 3675. 3606. 3615. – speziell rechtsspr. ‘von einem Lehngut wegziehen, es verlassen’ daz er [...] sich auzzert vnd verzech aller der selben phlegnusse an leuten, an gvͦt vnd an purgen, di im enpholihen warn, vnd sin leutt hiez ab varn von Lihtenberch UrkCorp 1239,1; ob ich der setze inder ainen vberfure, so pin ich geuallen von allem dem rechte, daz mir fuͤget an houe vnd an zehent von der lehenshaft, vnd shol [...] ab dem houe ab varen, [...] vnd shol den houe, ob ich ab var, perichten ebd. N774,1    1.2 ‘(vom Glauben) abfallen’ [...] in des êrstin jâris vart, / dâ sî zum andrin mâle wârn / dem geloubin abgevarn NvJer 13610    2 mit sachl. Subj., ‘sich loslösen (und abfallen)’ so suͦchet si [Schlange] denne ein engiz loch an eineme steine. unte sliufet da durch. so uert ir diu obere hût abe JPhys 11,21; der slag [...] kam sim roß so schwinde off den halß das im der halß ab fuͦre und von sim gereit ein stuck und von sim schilt ein stuck Lanc 350,7

MWB 1 78,3; Bearbeiter: Tao

abevart stF. ‘Abreise, Abzug, Rückzug’ darzû mugt ir ûch lâzen wol, / [...] / daz wir von û kumen niht, / ezn sî um uns alsô beriht, / daz ir uns gunnet der abevart Kreuzf 5259; manich menlich ouge naz / und turstige herze wart / betrûbet sîner abevart ebd. 8028 u.ö.; fuͤrwar, het ich hie inne / gewist dise vraise, / ich het mine raise / geriht uf ein abvart! WhvÖst 3483; NvJer 10097 u.ö. – ‘Abtrieb von der Alm’ den halbteil der alpen [...] mit allem nutz [...] mit ûffart und mit abvart UrkBern 6,671 (a. 1342)

MWB 1 78,26; Bearbeiter: Tao

abe vegen swV. ‘etw. durch vegen entfernen’ wil sie den rost zu sere abe fegen, daz waz [l. vaz ] mach lichte brechen BrEb 64 (vgl. abschaben BrAdm 64 ) – übertr. ‘etw. (Sünde) tilgen’ svnde abe vegen Baumgart 135,31

MWB 1 78,37; Bearbeiter: Tao