a – abebrëchære, âbrëchære abe brëchen, âbrechen – abe drumen abe|ein – abe ertwingen abe ervëhten – abegezogen abegezogenheit – abe houwen abehouwunge – abelæge abe lantscheiden – abe lœsen abelœsunge – âbentganc âbenthan – âbentsunnenschîn âbenttanz – aber|æhter abe rechenen, abe rechen – aber|schâch abe rücken – abe schieʒen abeschiht – abeslac abe slahen – abe stîgen abestôn – abetragære abe tragen – abe vâhen abeval – abe wahsen abe wæjen – abe weschen abeweschunge – abe ziehen abeziehunge – âbrëchære âbrëchen – achter-, ahter- achwent – ackervruht ackerwërc – adellich, adellîche(n) adelmuoter – âderslahen âderstôʒ – affensmalz affenspil – afterbier afterblunder – aftermuoder aftermûre – afterwort afterzal – agleister agleistervar – ahselrote ahselspange – ahtehalp, ahtodehalp ahten – âhui ahzec – alamande alanc – alde aldê – algorismus alheit – allergotesheiligentac allerhalbe – allersamen, allersam, allersamet allersêlentac – allwent Alman, Almân – alp alpha – al|tagelich altære, altâre, alter – alters|eine alterstat – altmæʒec altmüede – alwaltecheit alwaltende – ambahtære ambahte – âmehte âmehtec – ametiste âmezûber – amt âmügel – anderheit anderleie – andorn andouge – ane bereiten ane bërn – anebot ane botwarn – ane draben ane dræhen – ane errâten ane ersëhen – anegedenken anegedenklich – anegeslaht anegeslöufe – anegrîfunge ane grînen – aneheftec ane heften – aneinander ane jagen – ane komen ane koufen – aneleitrëht aneleitunge – 2ane merken anemerkunge – ane phîfen ane phlanzen – anerüeftec ane rüeren – aneschouwede aneschouwelich – anesidel, anesedel ane sîfern – ane sniudeln ane snöuwen – ane springen anespruch – ane strîten ane stroufen – ane trëten ane trîben – anevëhtigunge anevëhtlich – anevluʒ ane vordern – ane weigen aneweigunge – anewîsunge ane wonen – angelisch angeln – angestnôt angestsam – ankesmër anlamin – antlæʒec antlâʒen – antsmër anttac – antwîch antwürkæreknëht – apfelrîs apfelrôt – ar âr – arc|haft arche – ardell ardîse(n) – armbendec ardîse(n) Subst. areweiʒ stF. areweiʒsperc M. areweiʒstrô stN. areweiʒwaʒʒer stN. areweiʒwisch stM. arg- argelôs Adj. argen swV. arguieren swV. argument stN. argumentelîn stN. argumentiste swM. aritmeticâ, arismeticâ Subst. arke stswF. arke Subst. ärker stM. ärkerlîn stN. arl stswF. ärlîn stN. arlinc stM. arlizboum stM. arm Adj. arm stM. armbendec Adj. armbouc – armiure armlëder – arnebote arnen – art art – arzâtîen, arzedîen arzâtîn – âsblâsende ascalamus – â|schildes aschlouch – aspentier aspindê, aspindei – astronomierre astronomus – atrament atte, ette – avelen âventiurære – â|witzec â|witzen – âʒ|zît
|
ardîse(n)
Subst.
ein Edelstein (Sarder?, vgl. Engelen, Edelsteine, S. 365 Anm. 1):
alkonfone, rubine, kornvel [...] klarisian, ardisen. / edelkeit der steine kan ich an aller tugent nicht volprisen JTit
363,3
MWB 1 351,42; Bearbeiter: Schnell
areweiʒ
stF.
auch erweiz.
‘(Frucht der) Erbse’
1 als getrockneter Samen 2 als gekochtes Gericht 3 übertr. in Wendungen, die Geringfügigkeit ausdrücken
1
als getrockneter Samen:
ich brachte vch dannen daz korn / [...], / erweiz vnde bonen Herb
16628;
daz was des reinen spise: crut, fave [d.i. faba
] und bise [d.i. pisa
] , daz sprichet erweiz und bone Rennew
36359;
ein teil ephel er nam / und luczel arbais nam er da / und gen dem walt chert er sa Märt
5355;
HvBurg
5549.
– in Vergleichen:
vnde mache cleine kornil also di erweize SalArz
42,52;
ein edel stein der als ein erweiz wære PrBerth
2:178,3;
ez vallent auch oft körnlein, allermaist in dem lenzen, diu sint sinbel sam die arwaiz und sint herter an dem griff wan der snê und waicher wan der reif BdN
85,32
2
als gekochtes Gericht:
man braht im fur die hunger not / bonen, arweiz und brot StrKD
5,126;
über tisch si sassent dar. / ain grosz wirtschaft truog man in har: / arwis unde krut, / dez fröt sich dü prut Bauernh
345
3
übertr. in Wendungen, die Geringfügigkeit ausdrücken:
wizzet: dem menschen wæren alliu dinc als lîhte ze lâzenne als ein erweiz oder ein linse oder als niht [oder wie ein Nichts]
Eckh
2:305,11;
arweiz, bône, linse / setzet er [der Emporkömmling] ze zinse Freid
122,15;
und waͤr halt der wider streit / umb ain arwais Teichn
405,43;
der sich nicht in laster waiz / der gaͤb nicht ein arbaiz [gar nichts] / chainem schelter auf noch ab ebd.
179,14
MWB 1 351,47; Bearbeiter: Schnell
areweiʒsperc
M.
‘Feldsperling’
passer agri: arbaisperck SummHeinr
1:165,738
MWB 1 352,10; Bearbeiter: Schnell
areweiʒstrô
stN.
‘Erbsenstroh’
under sin hobt fúr ein kússi leit er ein seckli gefúllet mit erwisstro Seuse
45,2
MWB 1 352,12; Bearbeiter: Schnell
areweiʒwaʒʒer
stN.
‘dünne Erbsensuppe (als Fastenspeise)’
sie azz furbaz nimer dann ein erbizwazzer und nam all tag ein disciplin und wacht alle naht vor mitin EbnerChrist
17,38
MWB 1 352,15; Bearbeiter: Schnell
areweiʒwisch
stM.
‘ein Bündel von Erbsenstroh’, hier Geringfügigkeit ausdrückend:
einen læren arweizwisch / gæb ich niht umb ir aller kunst Helbl
2,1294
MWB 1 352,19; Bearbeiter: Schnell
arg-
s.a. erg-
MWB 1 352,23;
argelôs
Adj.
zu arc stN. oder erge stF.
hier subst.: ‘deren Bosheit entfesselt ist’ (vgl. Anm.z.St.):
nû cluogen hin, nû cluogen her! / swâ cluokeit ist mit valscher ger, / diun zimet nicht wol wan den argelôsen RvZw
123,12
MWB 1 352,24; Bearbeiterin: Baumgarte
argen
swV.
zu arc Adj.
1
arc machen, ‘(jmdm.) verdächtig werden, (jmdn.) mißtrauisch machen’ (oder zu 2.1) 2
arc werden 2.1
‘jmdm. beschwerlich werden’ (mit Dat.d.P.) 2.2
‘böse, unmoralisch werden’
1
arc machen, ‘(jmdm.) verdächtig werden, (jmdn.) mißtrauisch machen’ (oder zu 2.1):
– mit Dat.d.P.:
do hôrten sie / die liute clagen [über Tristans Tod]
[...] daz argete in und vrâgten sân / daz volc um ern Tristan HvFreibTr
6509.
– unpersönl., mit Akk.d.P.:
dô her sô lange dinne was, dô arget iz die gesellen, und warteten hin în; dô funden si in tôt HvFritzlHl
68,22
2
arc werden
2.1
‘jmdm. beschwerlich werden’ (mit Dat.d.P.):
Pafuncius irschrac dar abe, / im argeten die mere. / swie sie im weren swere, vurbaz vragete er in idoch Vät
5247;
vnd vorchte, im argete daz leben MarLegPass
21,135;
dô er der krefte wart sô laz, / daz im der lîp begunde argen Ottok
38752
2.2
‘böse, unmoralisch werden’
sus hân ich dik genomen war / daz man bî swachen kranket / und bî unstæten wanket / und bî den argen arget / [...] geselleschaft diz machet Reinfr
10711
MWB 1 352,29; Bearbeiterin: Baumgarte
arguieren
swV.
‘räsonnieren, argumentieren’
in der ander schule lernette ich / verstentenisse und underwijsette sij / arguieren und disputieren Pilgerf
2892;
arguierent nit me wieder mich ebd.
1845;
uwer arguieren hilffet wenig ebd.
1815;
das ich mit uch nit gearguieren kan ebd.
1703.
1711
MWB 1 352,48; Bearbeiter: Diehl
argument
stN.
‘Argument, Beweis’
[der Meister] lêre si [Schüler] denne ein argument / [...] / mit dem si gar sich selber triegen Renner
17569;
wan uns was in diseme vlîze des argumentis niht zu swîgene den sûchinden EvBeh
8;
Aristotyles [...], / der warheit durch argumente / gar wol hait erkennet Pilgerf
1618;
obe ich durch argumente / die lude wolde dun verstan und wenen / das ein palast odir eyn muͤnstere / eyn kleyn notstalle were ebd.
2811
u.ö.
MWB 1 352,54; Bearbeiter: Diehl
argumentelîn
stN.
Dimin. zu argument:
swenne die ein argumentelîn / gelernent larfen [stottern oder verschrieben aus laufen ?] oder zwei, / der driu doch gülten niht ein ei, / sô wöllen si meisters meister sîn Renner
16590
MWB 1 353,1; Bearbeiter: Diehl
argumentiste
swM.
‘jmd., der sich auf Argumente, Beweise bezieht’ (vgl. LexMA 1,924 ‘argumentum II’), hier negativ ‘Pseudo-Gelehrter, der die richtigen Verhältnisse ins Gegenteil verkehrt’
man vant bi armen auctoristen / vor tûsent jâren bezzer kristen / denne bî sûren argumentisten / [...] / die mit worten und mit listen / manigen gevangen ûz einer kisten / in ein ander kisten brengent Renner
8687
MWB 1 353,6; Bearbeiter: Diehl
aritmeticâ, arismeticâ
Subst.
‘Arithmetik’ (als ‘Rechenkunst’ Teil der Mathematik im System der artes liberales, vgl. LexMA 6,381ff.):
so ist diu viunfte [der artes] aver sa / geheizen aritmetica ArnoltSieb
34,10;
Arismetica. / die selbe kuͤnst hat die wal / daz sie pfliget aller zal. / sternen und des meres griz / zelet sie an wider driz HvNstGZ
846;
Ottok
38833;
wie sich die zal gebirt, / wer an der lere si verirrt, / von arismetrica er wirt / bescheiden ganz der meisterschaft, / wie zwei uß einem gan, / wie viere fort ir steigen han Mügeln
284,3;
aresmatica MinneR 481
821
MWB 1 353,15; Bearbeiter: Diehl
arke
stswF.
(stM. AristPhyll
388, vgl. 2.1); auch erich (vgl. 2.4).
‘verschließbarer Behälter, Kiste’ (aus lat. arca)
1
‘kastenähnliches Schiff’ , meist die Arche Noahs 2
‘Behältnis’
2.1
‘Kiste, Truhe’
2.2
‘Bundeslade’ ( arca foederis Nm 10,33) 2.3
‘Sarg’
2.4
‘Fischkasten, Reuse’ (meist umgelautet) 3
‘Uferbefestigung’
4 übertr. (nicht immer klar zu scheiden zwischen Schiff und Behälter)
1
‘kastenähnliches Schiff’, meist die Arche Noahs:
dô diu fluot fure wart unde diu arche stuont in monte Ararat Gen
714;
vnd ertranc alles das lebentiges was, ane die, die div arche bevangen hete Konr
1,36;
die waren glich den vogelen, die Noe us der arche hatte gesant Mechth
5: 23,131.
–
der vogel sich des harte fleiz / daz er die cleinen arken / gezüge ab dem vil starken / wilden wâge unmâzen tief KvWSchwanr
253
u.ö.
2
‘Behältnis’
2.1
‘Kiste, Truhe’
an den selben stunden / hiez er im giezen ain arke, / michel unde starke. / diu arke diu was êrîn Kchr
7546;
ob er tûsent marke / heizet in sîner arke / vil vaste besliezen Wig
67;
gehúgde; dú ist bildung aller ding und ist glich aim schrin oder ainer arche PrGeorg
233,3;
wi an deme boume odir in deme wynstocke wirt gemachit eyn icliche vrucht czu weren in eyner archin Pelzb
119,5;
die paum wachsent gar grôz, reht als diu aich, und macht man guot taveln oder archen oder laden oder schrein dar auz BdN
338,16;
ich gibe dir goldes zweinzic marc, / und vüere dich in mînen arc [an meine Schatztruhe] / und nim darûz, wie vil du wilt AristPhyll
388
2.2
‘Bundeslade’ (arca foederis Nm 10,33):
darin gi der ewarten tuͦre. da stunt inne ein arche. gelich eineme sarche VMos
57,22;
die arke waz von golde rot HvNstGZ
1540;
gelich / der hailgen arch minnenklich, / in der man behielt die zechen bott KvHelmsd
622;
abr di andir nwe stift / in des gelubdis arche / recht als in einem sarke / sten ewiclichen blibet TvKulm
5463
2.3
‘Sarg’
wan sarcos in kriechisch haizt ain arch BdN
462,20;
legt man hie vor der grôzen herren cörpel in archen ebd.
478,18
2.4
‘Fischkasten, Reuse’ (meist umgelautet):
istud instrumentum [...] quod vulgariter ereich dicitur UrkKlostern
2,170
(a. 1258);
de duplici piscina quarum una vocatur ærich WeistÖ
8:743 Anm.
(a. 1282 kopial);
daz niemant vischen oder æricht haben soll ebd.
8:868 Anm. 2
(vor 1318 kopial)
3
‘Uferbefestigung’
unde an der arken ein mes bi der Bolzerin UrkCorp (WMU)
N722,3;
die arke in der Frucze
2DWB
3:230,23
(Jutz)
4
übertr. (nicht immer klar zu scheiden zwischen Schiff und Behälter):
diu junge süeze künigîn / alsô zôch si gedanken în / ûz maneges herzen arken, / als der agestein die barken / mit der Syrênen sange tuot Tr
8109;
ir wîplîch herze was sô guot, / ein arke für unkiusche fluot Parz
477,12;
ich bin dez himels arke, / da daz himel brot inne lag HvNstGZ
7597;
wie Jhesus [...] / ist uff gegangen [...] / mitt sines gewaren libes arche [leiblich]
KvHelmsd
2793;
eyâ, dû auzerwelteu edleu arch, ain arch der êren, ain arch der götleichen gnâden BdN
338,27;
ein arcke voir onstede flut / ist van Brisseche her Otte MinneR 481
226
u.ö.
MWB 1 353,27; Bearbeiter: Diehl
arke
Subst.
‘Bogen’ (aus lat. arcus):
an bruggen ich nie besser werch / sach von gewelpten arken SHort
6459
MWB 1 354,21; Bearbeiter: Diehl
ärker
stM.
‘Erker’ (aus afrz. arquière
‘Schützenstand, Schießscharte’, bis ins Spätma. v.a. Bestandteil von Wehranlagen):
turme, zinnen, berfride, / mvren, erckere Herb
6195.
10467;
diu [Stadt] was berüstet wol mit wer: / türne, bercvrit, ärker / vil âne mâze stuont der / ûf der mûre Wig
10740;
daz hinnan nieman in der stat ze Costentze [...] dekainen fv́rschutz [Überbau] mache alde bûwe [...] vf die straze mit stvban, mit loͮben, mit gaͤdemern, mit vmbeloͮfen oder mit aͤrgern, ane den bv vf den túrnen UrkCorp (WMU)
2354,5,7.
– übertr.:
ir herren, di wile wir besitzen, / hie unses lebendes libes erker / und sint gevangen in vleisches kerker, / so muze wir vil anevechtunge / liden von der tubelischen zunge Brun
10721;
mit leides seile sie mich zoch / gar hoch uff sorgen erker / und liez in trurens kerker / mich vallen in ein tieffes loch Minneb
1789.
– Lit.: B. Keller, Der Erker. Studie zum mittelalterlichen Begriff, Frankfurt a.M. 1981
MWB 1 354,24; Bearbeiter: Diehl
ärkerlîn
stN.
Dimin. zu ärker:
ein hohe mure gemaht von quoderstein / die umbevieng den garten rein. / ouch stundent umbe den garten fin / schöne türne mit erkerlin ParzRapp
339,17
MWB 1 354,44; Bearbeiter: Diehl
arl
stswF.
‘kleiner Pflug’ (Beschreibung mit Abb. WBÖ 1,328ff.):
iu ist bû wol bekant / nemt die arl in die hant BuchdRügen
1502;
weder arlen noch phluoc / nutzen man dâ siht Ottok
41374.
– übertr. (nur in Tirol): ‘Fläche, die ein solcher Pflug als Tagwerk bestellt’
decima ex una arula UrkSüdtirol
3,2:171
(a. 1280);
in Seuers drey arel weingarten UrbTirol
124
(a. 1288)
MWB 1 354,48; Bearbeiter: Diehl
ärlîn
stN.
Dimin. zu ar:
ein ieglich ärlin Martina
107,25
MWB 1 354,56; Bearbeiter: Diehl
arlinc
stM.
‘kleiner Pflug’ (vgl. arl):
ez wiͤrt alltag eysens mer / und nympt auch an der tewrung auf. / wann ich sech [Pflugschar] und arling chauf / so ist ez vertewrt gar Teichn
351,6
MWB 1 354,58; Bearbeiter: Diehl
arlizboum
stM.
‘Kornelkirsche’ (vgl. Marzell 1, 1164ff.):
cornus: arlizboͮm SummHeinr
1:180,143.
2:45,238;
erlizboum ebd.
2:209,4
MWB 1 354,62; Bearbeiter: Diehl
arm
Adj.
(auch subst. in allen Genera)
‘etw. entbehrend’,
ursprünglich ─ wie in der Paarformel arm unde rîche (vgl 1.6) ─ stärker politische und rechtliche Machtlosigkeit und Abhängigkeit, als Mittellosigkeit, Bedürftigkeit bezeichnend; die einzelnen Bedeutungsaspekte sind oft nicht klar abgrenzbar:
wan darumbe han ich mich in ir gewalt gegeben, kindesch, arm, nakent, blos, versmehet Mechth
5: 25,26
1 von Personen 1.1
‘Mangel an etw. habend’ (meist mit Gen., v.a. in jüngeren Texten auch präp. Bestimmung) 1.2
‘gering, machtlos, abhängig’
1.3
‘mittellos, bedürftig’
1.4
‘unglücklich, bemitleidenswert’
1.5
‘sündig, erlösungsbedürftig’
1.6 in der Paarformel arm unde rîche
‘jeder, alle’ (vgl. 2 HRG 1,299f.) 2 von Sachen ‘unbedeutend, minderwertig, ärmlich’
3 in Sprichwörtern (vgl. TPMA 1,181-224)
1
von Personen
1.1
‘Mangel an etw. habend’ (meist mit Gen., v.a. in jüngeren Texten auch präp. Bestimmung):
der was lam und guotes arm RvEBarl
10063;
nu bin ich aller fröiden arn SM:Had
14: 2,7;
sælic sint die armen des geistes Eckh
5: 22,3;
zehant man manigen tiuren / edeln kneht sach an in varn, / die des guͦtes warn arn WhvÖst
2224;
unselge jüden, / arm an allen duͥden [Verstand] , / ware duͦt ir uͥren sin? MarlbRh
28,8;
arm in dem geiste Eckh
5: 29,8;
ich arme von allen tugenden Mechth
7: 25,2
1.2
‘gering, machtlos, abhängig’
ich ne bin ne so arm man. / ine ware doch zvare / dar heime ein richer graue Roth
1980;
die armen wurden dâ begraben, / und die edelen ûf bâre gehaben Wh
451,11;
daz ist dar umb, daz die fürsten namhafter sint dann arm läut BdN
76,30;
sie hetten unfreud, wann eyn die ander arm sah und vertriben großer eren Lanc
18,37;
menscheit ist an dem ermsten oder versmæhesten menschen als volkomen als an dem bâbeste oder an dem keiser Eckh
2:18,3
1.3
‘mittellos, bedürftig’
swe arm so ich si. / ich bin doch von minin magen vri Roth
1431;
ob er vor sinem tode [...] so arme werde oder so notich, daz er nihtzniht mer enhab UrkCorp (WMU)
1517,35;
ist aber der mensch arm vnd hat siner notdvͤrft niht PrBerthKl
1,50;
die armen sculen ir armoͮt gedulteclichen tragen; darumbe enphahent si daz ewige lon Spec
141,7;
der lepte heilicliche / guͦtis arm, niht riche RvEWchr
28012;
ellende und arme ritterschaft / mit rîchen gâben er beriet KvWTurn
22;
eim armen, daz in bat / des almuosens LvRegFr
971;
die armen sint aleine gote gelâzen, wan nieman ennimet sich ir ane Eckh
3:365,2;
herre, ja bin ich als arm, das ich nút habe Mechth
7: 11,7
1.4
‘unglücklich, bemitleidenswert’
nû bedarf ich wol arme, / daz sich Vênûs mîn erbarme En
1405;
ich bin ein armuͦ creatur, unselig und unfro Lanc
43,17
1.5
‘sündig, erlösungsbedürftig’
v̓nser arme altvordern, die verlvren die gots hvlde vnde daz here paradis mit ir vngehorsam Konr
24,47;
mit dem heiligen bluͦte ist der arm mensch erlediget, mit der tauf des heiligen christes ist er erwaschen PrOberalt
54,5;
Got [...] gibt gelucke / [...] den armen dy ire sunde / hy gar innenclichen buzen Hiob
1842;
ob es unsern herren icht sol erbarmen eins armen sundigen menschen Lanc
43,26.
– oft in den Wendungen arme sêle und armer sündære:
an iv sterbet die vil manigen svnde, die iͤr gefrumet habet wider got vnd wider iwer armen sele Konr
11,97;
des bin ich armiu sêle verlorn / ern welle mir genædic wesen Wig
4665;
das die arme sele nit ewiglich verdampnet sy Lanc
13,7.
–
der arme suntare, / deme sin gewizzede daz saget, daz er gotes hulde niene habet AvaJG
9,6;
so kan mîn armen sünders niemer werden rât SM:UvS
16: 1,10;
wenne si ir genâd uns armen sündern her nider geuzet auf ertreich BdN
60,19
1.6
in der Paarformel arm unde rîche
‘jeder, alle’ (vgl. 2HRG 1,299f.):
do chom got gegangen / unde lerte alle geliche arme unde riche AvaJo
23,3;
dine frunt gemeine, / groz vnde kleine, / arme vnde riche, / alle gemeine gliche, / vater, mvter, wip, kint, / bruder, swester vnde die da sint Herb
10417;
alle menschen, arm und rich PrOberalt
109,30;
die amtliute, die burgere, edel vnd vnedele, arme vnd riche UrkCorp (WMU)
2529,6;
dise vorgenanten gesetze suͦln halten arm unde riche in der stat zu Wirzebuͦrg WüP
7k,2
2
von Sachen ‘unbedeutend, minderwertig, ärmlich’
daz er [...] gervͦhte geborn werden in ainer armen stete, mit bosen tvͦchelinen gewindelt werden, in ainer armen krippe geleit werden Spec
34,8;
Tristan ime dô geben bat / daz aller ermeste gewant, / daz man in der barken vant Tr
7421.
3996;
diu truogen an ir lîbe / mit grôzen riuwen armiu kleit RvEBarl
1769;
ir was joch under in genuc / die ez so arm bekanten [das ihnen zuerkannte Gut für so gering erachteten] / daz sie dahin niht wanten / ir ougen Vät
17309;
ich sach einen armen man stan uf der erden, der was gekleidet mit armen lininen tuͦchen als ein arbeitende man Mechth
7: 11,3.
–
dû hâst ein arme zuoversiht KvHeimUrst
492;
nu hât ez aber arme craft Tr
13968
3
in Sprichwörtern (vgl. TPMA 1,181-224):
– Arme werden vom Unglück härter getroffen:
ertraͤt ein armer man ein huon, / er wurd gebüesset vaster zwir, / denne ein rîcher, gloubent mir, / ob er zehen ohsen naͤme / gar lîht er dâvon kaͤme Ammenh
5425.
– Arme werden verachtet:
des rîchen wort merkt man ze grunde: / in maniges armen mannes munde / verdirbet wort und witze vil, / sô sîn rede nieman hœren wil Renner
8721.
– Gott liebt die Armen:
und weiz ich doch benamen daz / ân allen zwîvellichen spot, / daz arme liute minnet got KvWPart
17642.
– der Arme darf nicht faul sein:
arm man sol niht træge sîn, / daz sprichwort wart dâ wol schîn Ottok
31132.
– Reiche können arm werden:
swie edel si sint oder swie rîch, / sô ist doch das gar mügelîch, / das si wol möhten werden arn Ammenh
4207.
– Lit.: W. Schröder, Armuot, DVjs 34 (1960), S. 501-526; R. Ris, Das Adjektiv reich, Berlin 1971 (QF 40)
MWB 1 355,1; Bearbeiter: Diehl
arm
stM.
selten auch swM. (
ind nam [...] in sin armen / den kleinen Jhesum MarlbRh
42,35;
und legten sie an den armen sîn HvFreibTr
4947
u.ö.; vgl. HvFreibTr , S. 114); auch arn (
er nam si an den arn SM:St
8: 2,4;
MF:Wolfr
7:1,12;
sin starker arn tet gros gewalt WernhMl
2359
); im Pl. gelegentl. umgelautet ( BdN
274,28)
‘Arm’
1 Körperteil von Mensch und Tier 1.1 konkret 1.2 übertr. 2 Ranke bei Pflanzen 3 Teil von Gewässern 4 Querbalken am Kreuz
1
Körperteil von Mensch und Tier
1.1
konkret:
die arm sint gemacht stark und piegleich geschikt zuo allen werken BdN
19,31;
er strahte sich her unde dar, / daz houbet, arme unde bein Eracl
3139;
so suͤllent sechse [...] ire hende legen auf des ersten arm [...] und suͤllent sweren MGHConst
4,2:1236,10
(a. 1312).
– oft in Verbindung mit blanc:
blichende kel, arme blanc, / schone hende, finger lanc Herb
2495;
ir kinne, ir kel, ir goltvar hâr, / ir hend, ir arme blanch, / ir lîp, ir nas, ir ougen clâr SM:WvH
4: 1,10;
sunder meil / ist sîn heil, swem von linden armen blanc / wirt umbevanc KLD:UvL
29: 3,14;
MF:Wolfr
2:4,10.
–
der krebz hât aht füez und arm und hât schær an der hende stat BdN
248,22;
Isidorus spricht, daz diu egdehs ze latein lacerta haiz, von dem wort lacertus, daz haizt ain arm, wan si hât ärm ebd.
274,28
1.2
übertr.:
ir sont Got vahen mit der hailgen minne und mit der hailgen vohrte, daz sint der selan arme PrGeorg
134,6;
an miner sele arme Mechth
5: 8,8.
5:34,22;
enpfahe mich denne an dem arem diner minne ebd.
7: 35,39;
kunst ist ein senfte last, / wer sie in arm der tugent faßt Mügeln
271,2.
– ausführende Kraft:
merchet, ir ritere, waz wir iv sagen. ir birt ein arm der christenheit geheiscen, da uon daz ir si uon den uinden bescirmen scult Spec
141,24;
set, der herre got wirt komen in sterke, unde sin arm wirt herschen Cranc
Jes 40,10.
– als Maßangabe:
so hebit sich an widir bewisin der leytstern nicht eynis armis ho obir deme wassir MarcoPolo
66,12
2
Ranke bei Pflanzen:
hopf. daz ist gar ain langez kraut und praitet sein arm auf die paum und auf die mauren, dâ pei ez wechset BdN
404,15
3
Teil von Gewässern:
da sint die mere alsus genant: / ein arm heizzet Caspion, / vnde der ander Persion Herb
14247;
damit si æinen arme der Tuͦnawe gelaitet habent auf ir mul UrkCorp (WMU)
1156,6;
von dem mer fleuzt manig arm in manig stück des ertreiches BdN
101,7
4
Querbalken am Kreuz:
die zuene arme [des Kreuzes] bezeichent, daz er alle dinc mit sime gewalte hat vnbeuangin Lucid
112,13;
pei dem paum unsers herren kräuz, under des rehten arm stêt unser liebiu frawe gotes muoter BdN
180,27
MWB 1 356,49; Bearbeiter: Diehl
armbendec
Adj.
→ carmbendec
MWB 1 357,37; |