ane vordern
swV.
meist in Rechtstexten
1
‘auffordern’
1.1
‘jmdn. zu etw. auffordern’ (mit Obj.-Satz) 1.2
‘jmdn. (vor Gericht) fordern, belangen’
2
‘jmdm. etw. abfordern’
1
‘auffordern’
1.1
‘jmdn. zu etw. auffordern’ (mit Obj.-Satz):
íh uórderôta ín ána. daz er sích mír in dírro uuérlte ôigte Will
83,2
1.2
‘jmdn. (vor Gericht) fordern, belangen’
das in Chunrat [...] umb die vogtai [...] nie nicht angevordert noch genöttet hat UrkNeustift
235
(a. 1325);
ob [...] jemant keme und sine erben umb schult anforderte DRW
1,630
(BruggStR.)
2
‘jmdm. etw. abfordern’
vurderent sie den herren daz gût ane zu lênrechte SSp
191,8;
lihet man daz [Gut] einem man [...] vnd vordert man in dienst an SchwSp
220a
MWB 1 302,33; Bearbeiter: Diehl
anevorderunge
stF.
‘Anspruch, Forderung’
swaz wir auch den juden haben abe genomen, des sullen wir ledig sin gentzelichen und dar umme von im kein straffuͦnge haben noch anforderunge MGHConst
5:528,31
(a. 1322);
wür haben [...] auf dieselb vogtey kheinerley recht, ansprach, oder anfoderung fürbas nimmer UrkNAltaich
2,54
(a. 1352 kopial)
MWB 1 302,45; Bearbeiter: Diehl
ane vrâgen
swV.
‘jmdn. (be)fragen’
der vragete an Briccio / nach dem bischove Martino, / wand er im was unbekant Pass III
615,41.
649,2;
der bischof wart sich ummesên / und dî lûte vragin an, / ob îman kente disen man NvJer
8235.
– Zu ane vrâgen in Aufforderungssätzen →
ane
Adv., Präp. 1.1
MWB 1 302,53; Bearbeiter: Diehl
anevrouwe
stF.
1
‘Großmutter’ (vgl. ane swstF.) 2
‘Vorfahrin, Stammmutter’
1
‘Großmutter’ (vgl. ane swstF.):
vil lieber man, du bist mîn suon / [...] / iedoch sint die kinder mîn / von dir, ir anefrouwe ich bin UvEtzAlex
3086;
vnser anherre vnd frauwen Elspeten sin hausfrauwen, vnser anfrauwen UrkCorp (WMU)
3132,4.
2969,35
2
‘Vorfahrin, Stammmutter’
wizt ir, daz iuwers vater bas / des jungen von dem Berge rehtiu anvrou was Loheng
1382
MWB 1 302,59; Bearbeiter: Diehl
ane vüegen
swV.
1
‘jmdm. etw. zuordnen’
2 intr. ‘sich anpassen’
1
‘jmdm. etw. zuordnen’
alliv dinc div im anvuogit [
iniunxerit
] der vater er habe vnder der sorg sin BrZw
31;
diu materie geformet wirt, / swaz der gestalt enbirt / der [La. die
] im gefuͤget ist denne an WhvÖst
14311
2
intr. ‘sich anpassen’
der vil tugenthafte Crist / wintschaffen alse ein ermel ist: / er vüeget unde suochet an, / dâ manz an in gesuochen kan Tr
15737
MWB 1 303,3; Bearbeiter: Diehl
anevüerærinne
stF.
‘Anleiterin’
zweyedracht und versmehonge, / [...] / des bin ich frauwe und anfuererynne, / heubtfrauwe und meisterynne Pilgerf
7495
MWB 1 303,11; Bearbeiter: Diehl
ane vüeren
swV.
1
‘etw. (Kleidung, Waffen, Schmuck) anhaben, tragen’
2
‘jmdn. anführen’
1
‘etw. (Kleidung, Waffen, Schmuck) anhaben, tragen’
man sach ín zuͦ den zítín / eínín halsberch ane vuorrín / mít ríemín und mít snuͦrín Athis
B 49;
ir ors, ir phert, ir cleidir / und swaz sie zierdin vuortin ane ebd.
C* 115;
er vurte einen wapenroc an Herb
12946;
sîne fuorte niht wan knoden an Parz
257,14;
diu maget vuorte ze kleide / ein scharlaches kappen an Wig
1737;
er fuorte von samîte / liehtiu wâpencleider an KvWTurn
360.
– mit Ersparung des Obj.:
so hiet ich einn verzagten muot, / solt ich an füern [eine Rüstung] und ir niht EnikWchr
28339
2
‘jmdn. anführen’
das sie der best ritter ane furte den die cristenheit hatt Lanc
252,28
MWB 1 303,15; Bearbeiter: Diehl
ane vüllen
swV.
Bed. unklar, ‘anfüllen’ im Sinn von ‘bedecken’ - oder mit Haupt, ZfdA 15 (1872), 247 ane vûlen
‘verunstalten’ zu lesen:
ir füllet iuch mit willen an, / iuwer dhaine ist so wol getan / si leg an sich all solche clait, / die iuch ze tragen solten lait / sin und die iuch missestant. / den lip ir alle unschone hant / daz git uns hohes muotes nicht UvLFrb
223
MWB 1 303,29; Bearbeiter: Diehl
ane wahsen
stV.
1 nur Part. Prät. ‘jmdm. angewachsen sein’
2
‘entstehen, sich entwickeln’
1
nur Part. Prät. ‘jmdm. angewachsen sein’
inn der [dem Juden abgezogenen] hute ging der ritter lobesan / in allen den geberden, / als were sie [die Haut] im gewachssen an SalMor
163,5
2
‘entstehen, sich entwickeln’
mit gemeine der Sachsen / sol zu Tzwickow ein spiegel hîr an wachsen StRZwick
6
MWB 1 303,37; Bearbeiter: Schnell
ane wæjen
swV.
1 mit Akk.d.P. ‘jmdn. anwehen’
2 mit Akk.d.P. und Akk.d.S. ‘jmdm. etw. zuwehen lassen’
1
mit Akk.d.P. ‘jmdn. anwehen’
lâ mich den wint an wæjen / der kumt von mînes herzen kuneginne KLD:HvA
2:1,1;
do der geist [Gottes] in [Johannes] dort an wete HeslApk
1632;
so der wind der gedultsami úns an waͤget PrGeorg
34,24
2
mit Akk.d.P. und Akk.d.S. ‘jmdm. etw. zuwehen lassen’
die tiuvel dâ mite [mit Blasebälgen] blæten, / daz fiuwer sî in [Tundalus] an wæten Tund
1322;
alle die uͤbeln wint die uns der tifel an wæt PrOberalt
44,30
MWB 1 303,44; Bearbeiter: Schnell
anewalt
stSubst.
‘Macht, Gewalt’ (mit Gen.-Attr.):
ouch Cristes gehorsam halt / und der getrwen anewalt / uns bezeiget ein ritter vrut [König David]
TvKulm
2418;
dez menschen bild [ist] beclecket, / gar vorschaffen und vorstalt / von der sunden anewalt ebd.
684;
di armen di hi muzen / liden betrubnis manicvalt / von der bosen anewalt Hiob
1846;
oder ist der Teufel als Sachwalter (vgl. anewalte) der Sünde bzw. der bösen Menschen gemeint?
MWB 1 303,54; Bearbeiter: Schnell
anewalte
stswM.
‘jmd., der Macht ausübt’ (vgl. anegewalt):
1 aufgrund eigener Befugnis: ‘Anführer’
2 im Namen eines anderen: ‘Sachwalter, Stellvertreter, Bevollmächtigter’ (vgl. 2 HRG 1,255-263)
1
aufgrund eigener Befugnis: ‘Anführer’
und dô sus dî gemeine dît [die aufständischen Preußen] / sach ir anewaldin [Übers. von principales huius sceleris
] / sich zu den brûdrin [Ordensbrüdern] haldin / [...] in trat michil angist zû NvJer
19866
2
im Namen eines anderen: ‘Sachwalter, Stellvertreter, Bevollmächtigter’ (vgl. 2HRG 1,255-263):
so sol vnser herr, der brobst oder sein anwalt daz purchrecht verchauffen UrkKlostern
1,167
(a. 1319).
1,221
(a. 1326);
UrkCorp (WMU)
3452,2;
do samenten sich satrapen, meistir, richter und anwalden des kunigis Cranc
Dan 3,94;
TvKulm
4142;
von den anewaldin / des kunigs [im Schachspiel]
[...], di do rochir [Türme] sint genant PfzdHech
240,24;
di anewalt [Plural]
ebd.
241,14
MWB 1 304,1; Bearbeiter: Schnell
ane walten
stV.
nur subst. Part. Präs.
‘Mitstreiter’
Belin bleyff do haldene / myt synen ane waldene KarlGalie
7676;
ir ind ur anewaldende / solt heir blyven haldende ebd.
6593
MWB 1 304,17; Bearbeiter: Schnell
ane walzen
stV.
‘heranrollen’
gelücke ist gar ein wildez lôz, / daz dicke walzet an und abe KvWTroj
18401
MWB 1 304,21; Bearbeiter: Schnell
anewande, anewende
stF.
1
‘Anwandacker, Pflugwende’ (Acker oder Grenzrain, auf dem der Pflug gewendet werden darf bzw. an den andere Äcker stoßen; vgl. Schmidt-Wiegand, Pflugwende und Anwendrecht, RhVjbll. 47 [1983], 236-264; s.a. anewendære ) 2 allg. ‘Grenze’
1
‘Anwandacker, Pflugwende’ (Acker oder Grenzrain, auf dem der Pflug gewendet werden darf bzw. an den andere Äcker stoßen; vgl. Schmidt-Wiegand, Pflugwende und Anwendrecht, RhVjbll. 47 [1983], 236-264; s.a. anewendære):
ubirsnitit och ein man din andirin [mäht ein Mann über die Grenze des anderen] an einir aniwendi Mühlh
155,17;
ein acker, stozset vffe die anewande bi sancte Peters ackere UrkCorp (WMU)
N627,40.
N184,32;
er und jener Engelher / triben mich mit wîges her / ab mîner anewande Neidh
WL 12:2,13;
Himmelr
10,12.
– als Wegstrecke, hier in Zeitangabe:
vnd sol iegeliche stvnde sin, das ein man mohte drie anewanden gegan UrkCorp (WMU)
N818,11
2
allg. ‘Grenze’
wa wart erdaht an dih [Gott] der list / [...], / daz des abgrvͥndes anewant, / tal vnd berg vf wasser sizzet? TürlArabel
*A 3,4
MWB 1 304,24; Bearbeiter: Schnell
ane wanden
swV.
1
‘(an etw.) angrenzen’
2 übertr. ‘nahe (zu jmdm. heran) kommen, sich nähern’
1
‘(an etw.) angrenzen’
ein zweiteil stosset an den houeweg, daruf anewandunt die [Besitztümer der] frowen von Sulzberg UrkCorp (WMU)
3047,22;
der drit [Acker] anewant auf den Gerakcher UrbSonnenb
128;
ain akger lit in Schalmanlachen und anwandet des klosters aekger UrkHeiligkreuztal
283,4
(a. 1348)
2
übertr. ‘nahe (zu jmdm. heran) kommen, sich nähern’
darvmb tzimpt in [den Frauen] wol, das sy erberg vnd käwsch sein, also das chain, die tzw in anwanten, icht von in angemüetet werd Schachzb
86,172
MWB 1 304,42; Bearbeiter: Schnell
anewart
Adj.
‘anwesend’
der [Bruder] , der zv dem verse nit anwart ist, der da nach ezzene wirt gesprochin BrHoh
43
MWB 1 304,54; Bearbeiter: Schnell
ane warten
swV.
1
‘jmdn. wahrnehmen, aufmerksam ansehen’
2
‘jmdn./etw. erwarten’
1
‘jmdn. wahrnehmen, aufmerksam ansehen’
si [Maria] begunde in [den Engel] ane warten / mit vil micheler vorhte Wernh
A 2126;
do sie in began anwarten ebd.
D 594
2
‘jmdn./etw. erwarten’
alle die mutharten / die daz riche [Gottes] an warten HeslApk
18914;
der vordrung lac / sô vil zwischen in / dem bischolf zungewin, / daz er ez [die Verhandlung] hart wart an Ottok
69654;
diu kuniginne [...] wart in übellichen an [erwartete den König missgestimmt]
ebd.
14768
MWB 1 304,57; Bearbeiter: Schnell
ane wæten
swV.
‘jmdm. etw. anlegen, anziehen’ (mit Akk.d.P. und Akk.d.S.):
ich weiz er in [der Pharao dem Joseph] ane wâtet einen saben guot Gen
2080;
anegewaetet sint die widere dere scaffe [interl. zu induti sunt arietes ovium
]
PsWindb
64,14.
– übertr.:
ewarte, biscove, bristere dine anelegen, aneguættet [l. anegewaetet
] werden deme rehte [interl. zu sacerdotes tui induantur iusticiam
]
PsWindb
131,9.
– mit Refl.-Pron., übertr.:
salige die des hie hungerot: / si begrabent mit gote den alten man [ihr bisheriges Leben] , / den niwen watent sie sich an Vateruns
150
MWB 1 305,4; Bearbeiter: Schnell
ane wecken
swV.
‘etw. anregen, wecken’
in Judam was gekrochen / und angewekt ein sulch gedanc: / [...] si gedenken sicherlich / ich sî ez den hî meinet Christ JvFrst
2695
MWB 1 305,16; Bearbeiter: Schnell
anewëgære
stM.
städt. Bediensteter zur Eichung der beim Fleischverkauf verwendeten Gewichte:
der richter sol einen anweger zuͦ dem vlæsche haben als der angiesser uͤber daz trinchen gesetzet ist StRMünch
199,23.
249,26.
250,3
MWB 1 305,20; Bearbeiter: Schnell
ane wegen
swV.
‘jmdn. bedrängen, beschuldigen’
Jesus zû der selben zît / kam mit im selbe in einen strît [...]. sulcher krîc Christ aneweit, / wan lîblich sin [...] mit vorchte wider den tôt sich spart JvFrst
3690;
[die Leute] di dô beseiten / sand Peter und aneweiten / sô, daz sîn eines lîb / begînc daz lougen [dass er Christus verleugnete]
ebd.
4792
MWB 1 305,25; Bearbeiter: Schnell
anewegunge
stF.
1
‘Anreiz’
1
‘Anreiz’
dise drî bewêrunge / wârn der Krîchen anwegunge JvFrst
1238;
di jungern unsers hêren Christ / enphîngen ein lidunge / von menschlicher anwegunge, / daz si um di êre / krîgten ebd.
2994
MWB 1 305,33; Bearbeiter: Schnell
aneweigære
stM.
‘Gegner, Widersacher’
mein anbeiger [La. anefechter
] hat ir selber gewissen darczuͤ betwungen, das sew vncz an dise czeit geswigen sind SchlierbAT(LS)
1,1
MWB 1 305,38; Bearbeiter: Schnell
ane weigen
swV.
möglicherweise zu anewîgen mit nhd. Diphthongierung
1
‘jmdn. angreifen’
2
‘jmdn. anfechten, versuchen, verfolgen’
3
‘etw. betreffen’
1
‘jmdn. angreifen’
wil disen an weigen sin geselle [...] so sol er daz vndervarn. vnd enmag er des niht vndervarn, so sol er dem helfen, den diser da an weiget UrkCorp (WMU)
475AB,4;
ist daz der bischolf [...] si [die Bürger] vnd di stat wil anwæigen mit gwalt, so suln si sich wern UrkWittelsb
1,391
(a. 1285)
2
‘jmdn. anfechten, versuchen, verfolgen’
iz moge nicht sîn moglich nû / daz ein menschlich sêle ûf erden / nicht sulle geanweiget werden JvFrst
3585;
er ist bereit / zû helfen den di angeweit / und angevochten werden ebd.
10258;
Senocrates [...] was als käwsch [...], das in dieselb fraw die gantz nacht anweygt vnd nye v̈berwinden möcht Schachzb
98,108;
GestRom
97
3
‘etw. betreffen’
mit allen dem, daz das hous anget oder anweiget UrkHeil
2,42
(a. 1315)
MWB 1 305,42; Bearbeiter: Schnell |