armlëder
stN.
‘lederner Armschutz’ (v.a. als Bestandteil bürgerlicher Bewaffnung):
under die ermel ûf die mûs [Armmuskel] / hât er gebunden armleder Helbl
8,459.
– als Appellativum im Kontext der ‘Armledererhebung’ (vgl. LexMA 1,983):
die houbetman nantent sich kunig Armleder ClosChr
103,23
MWB 1 360,39; Bearbeiter: Diehl
armliut
stN. ,
armliute
stM. (Pl.)
dient als Pl. für armman, häufig auch in der Verbindung von attr. arm mit liute.
1
‘Bedürftige, Bettler’
2
‘Abhängige’
1
‘Bedürftige, Bettler’
dise [Priester] ladent ûf daz armliut / solhe burde die niemen mac erheben / unt wellent si selbe nicht erwegen Erinn
110;
hilf dinen armen luden, / die dig van allen landen / widene ane ruofent MarldA
262;
der dot hait die macht wider / in der welt uber mentschlich leben, / und fochtent yn konninge und fursten eben / me dann armenlude und die kleinen Pilgerf
13435;
pei dem hecht verstên ich all wüetreich, die arm läut frezzent und auch ir aigen mâg und freunt verderbent BdN
254,14
2
‘Abhängige’
do ich dvrch got [...] hete gemachet vnd gegeben [...] daz dorfgerihte datz Mezzingen, min arm levte vnd allez min eygen UrkCorp (WMU)
463,20;
das die armenlude die den clostern zu gehorent, / nit anders haben dann is yn zu gehoret Pilgerf
9887
MWB 1 360,46; Bearbeiter: Diehl
armlôs
Adj.
‘ohne Arme’
er wart armelos und hantlos StrKD
147,97
MWB 1 361,1; Bearbeiter: Diehl
armman, arman
stM.
nur im Sg. (Pl. armliut, armliute), oft auch in der Verbindung von attr. arm mit man.
1
‘armer Mann, Bettler’
2
‘bedauernswerter Mensch’
3
‘Abhängiger, Unfreier’
4 in Sprichwörtern (vgl. TPMA 1,181-224)
1
‘armer Mann, Bettler’
du sprach der arm man, [...] / ich was ein betelare AvaLJ
97,3;
der rîche man ist edele / [...] / allenthalben ist verworfen der armman Erinn
408;
daz hete si wol gedienet an dem armman und an sînem wîbe [...] diu nâch dem almuosen giengen BuchdKg
59,8;
ich bin ein armmam [l. armman
] / vnde han anders dehein gewin, / wen daz ich ein ieger bin Herb
18069
2
‘bedauernswerter Mensch’
duo ferstuont er arm man [Adam] daz er ubele hêt getân Gen
361;
ach ich arman unde ôwî / [...] / mîn jâmer ist von im ze breit Parz
321,2;
daz cruce vf Christum wart geleit / [...] sus giench er arman virladen / daz volc honlichen rief PassI/II
69,46
3
‘Abhängiger, Unfreier’
er qvam dar als ein armman, / fvrsten amt er da gewan ReinFu
K,2107;
daz die herren von Marburg also vmbischeidinliche an mir arman hant giworbin UrkCorp (WMU)
3566,2;
ein pawman oder ein ander arm man UrkWittelsb
2,29
(a. 1293);
Wh
170,8;
Parz
70,8;
Gwîgâlois heize ich niht; / ich bin et sus ein armman / und sol bûwen disen tan / als mîn vater Wig
5834;
er ist myn herre und ich syn arm man Lanc
555,4.
– in der Paarformel herre oder ~
‘jeder’
swer ez [das Münzprägen] dar vber tvͦt, er si herre oder arnman, der ist ein valscher SchwSp
90a
4
in Sprichwörtern (vgl. TPMA 1,181-224):
ein bœser armman wirt er rîche, / er wirt dem bœsen niht unglîche WälGa
2899
MWB 1 361,3; Bearbeiter: Diehl
armmensche
swM.
‘armer Mensch, Bettler’
der fride chom an der cite, wan div gewette werete fvnf tvsint iare vnde mere, daz wir armennesgen ne wedir habeton gotes hvlde PrWack
3,86;
swen im got dee tvginde gebe, dc er dvr got ain armennische wolti sin UrkCorp (WMU)
132,18.
–
‘Abhängiger’ (?):
von wie getâner ordenunge / sold er ze einem hêrren werden gehabt / fur daz er der werlt hât widersagt / der vor des ein armmensch was? Erinn
233
MWB 1 361,34; Bearbeiter: Diehl
armonîe
stswF.
‘Harmonie’
mit susser armonia / sungen vor in zway maidelein. / susser kunde nit gesein / herpfen oder geygen HvNstAp
5970;
zuo Marîen hôchgezît. / die engel sungen armonîe, / die heilegen süeze symphonîe, / die sêle schoene melodŷe Philipp
9964;
wie die döne löne schöne / schenken uz der armonien Frl
1:18,2.
–
‘Sphärenharmonie’
da was oh bezeichent mitte / dú decamonie / und och dú armonie: dú himil zeichen unde wagin / sullin in dén zeichen umbe jagen RvEWchr
12613;
ach, kunst ist tot! nu klage [], armonie, / planeten tirmen klage Frl
8:26,15
MWB 1 361,44; Bearbeiter: Diehl
armrinc
stM.
‘Armring’
1 als Schmuck 2 als Fessel
1
als Schmuck:
armilla: armring VocOpt
18.016;
perichelis: armring ebd.
18.017;
[ich] czirete dich mit gebende und tet an dyne hende armrynge [
armilla
] und halsringe um dinen hals Cranc
Ez 16,11
2
als Fessel:
manica: armring VocOpt
30.020
MWB 1 361,56; Bearbeiter: Diehl
armschîbe
swF.
Maßeinheit für Salz, das in Scheiben transportiert wurde (vgl. schîbe):
item dictus Regenfuz de 1 feudo dicto hoflehen avocato ein arm scheiben salis RbHohenlohe
319.
322
MWB 1 361,62; Bearbeiter: Diehl
armschilt
stM.
‘Armschmuck’ (?):
elliu wîplîchiu kleider, vingerlîn, armegolt [La. armeschilt
] , schappel SpdtL
102,7
MWB 1 362,1; Bearbeiter: Diehl
armsêlgeræte
stN.
Stiftung zur Fürbitte für die ‘armen Seelen’ (vgl. LexMA 7,1680 ‘Seelgerät’):
daz machent die opherphenninge unt daz armsêlgiræt, dar ûf schaffent si allez ir gewæt Priesterl
713
MWB 1 362,4; Bearbeiter: Diehl
armstarc
Adj.
‘kräftig’
Dauîdis námo uuírt gántfristet manu fortis. daz quît. ármstrenger [La. arm starche
]
Will
58,11;
swie sich div sterch an iu barch, / jr sit grimme armstarch Krone
1292
MWB 1 362,8; Bearbeiter: Diehl
armstrangec
Adj.
‘kräftig’
Dauîdis námo uuírt gántfristet manu fortis. daz quît. ármstrenger [La. arm strangigh
]
Will
58,11
MWB 1 362,12; Bearbeiter: Diehl
armstrenge
Adj.
‘kräftig’
Dauîdis námo uuírt gántfrístet manu fortis. daz quît. ármstrenger Will
58,11
MWB 1 362,15; Bearbeiter: Diehl
armswenken
stN.
→ swenken
MWB 1 362,18;
armunge
stF.
‘freiwillige Armut’
dî armunge sol geschên / [...] / in vorsatze gewêre / und in geistlîchir gere NvJer
2830;
des drittin rechtis getwinc / gebot daz man all dinc / nicht nach gute solde wein, / sundir nach armunge phlein [
phlegen
]
PfzdHech
239,3
MWB 1 362,19; Bearbeiter: Diehl
armuot
stF., auch stN.
‘Elend’
1
‘Not, Mühsal’
2
‘Bedeutungslosigkeit’
3
‘Mittellosigkeit’
3.1
‘Mangel’
3.2
‘geringer Besitz’
3.3 als Synekdoche Bezeichnung für eine Gruppe mittelloser (unfreier) Menschen 4 im Sprichwort (vgl. TPMA 1,181-224)
1
‘Not, Mühsal’
in der armut [interl. zu in miseriis
] niht gestent si PsM
139,11;
do min her Adam volles slages / uzer dem paradise / durch die vorbotenen spise / zu disen armuten wart vortriben HeslApk
20523;
aber die armuot oder die iamerkeit [
miseria
] ist widerwertige der selikeit ThvASu
278,11;
ich bin die mitt jomer streben / müss umb den libsten man / den frow ze trutt ie gewan. / [...] armütt wirtt mir niemer rautt GTroj
4108
2
‘Bedeutungslosigkeit’
wez mugent si me geren, wen si sint den engelin gelich. Alexanderes groz gewalt were da ein armuͦte Lucid
157,9
3
‘Mittellosigkeit’
3.1
‘Mangel’
sam nû ist sumelichen liuten / die fon rîchtuomen zarmôten [in Armut] choment Gen
594;
si daz armote, dv den richtum Litan
327;
die armuͦt machet vil dikche den menschen vil dimuͤtich PrOberalt
123,3;
vrow, dat armuͦt ded dir diͤ not MarlbRh
42,6;
sit man nü hasset armuot, so wer ich gerne rich SM:Ga
1a: 2,1;
gymnosophiste, daz sint plôz weis läut, die gênt plôz in armuot und in diemüetichait und versmæhent die üppigen werlt BdN
491,14;
in der armuot des geistes Eckh
5: 297,8.
–
al sîn wâpenlîchez kleit / nie dehein armuot erleit / (wan ez was tiuwer und lieht) Wh
75,24;
sîn schilt was geworht aldâ: / des buckel was armüete vrî ebd.
125,11.
– personif.:
nû bedahte vrouwe Armuot / von grôzer schame daz houbet Er
1579;
Armuot si troffen hæte dô / mit ir vil scharpfen strâle KvWKlage
14,3
3.2
‘geringer Besitz’
wie dû einem sîne armuot an gewinnest mit wuocher PrBerth
1:271,22;
sie brechent iu die selben armuot abe mit unrehte, daz iu mit rehte got beschaffen hât ebd.
1:59,32
3.3
als Synekdoche Bezeichnung für eine Gruppe mittelloser (unfreier) Menschen:
swen ir di armuot fro / mit ivwer gabe machint / daz si von frovden lachent Martina
26,16;
und von deme ungeverte / lyt iz dem armute herte / daz nicht mac kumen dar ir vuz / da in werde kummers buz Hiob
10684.
8145
4
im Sprichwort (vgl. TPMA 1,181-224):
– Armut ist hart und schmerzlich, raubt den Verstand:
diu armuot mit jâmer lît, / diu rîcheit niwan vreude gît Wig
5694;
sô wê dir armuot! dû benimst dem man / beide witze und ouch den sin, daz er niht kan MF:Sperv
1:10,1.
– Armut macht sorgenfrei, kann Reichtum sein:
armuot ist âne sorge gar, / der rîch nimt manger sorgen war Boner
15,59;
ez sprach her Bernhart Frîdank: hôchvertigiu armuot / daz ist rîcheit âne guot Helbl
8,488.
– Lit.: W. Schröder, Armuot, DVjs 34 (1960), S. 501-526
MWB 1 362,25; Bearbeiter: Diehl
armuotsiuche
stF.
‘Plage der Armut’
er ist nu hin, [...] / des hant [Hand] die armen sorgen siechen kunde laben / daz er sie wol von armuotsiuche erloste Rumelant
3,55b
MWB 1 363,12; Bearbeiter: Diehl
armuz
Subst.
→
almuz
MWB 1 363,16;
armvol
stM.
‘Menge, die man im Arm halten kann’, hier übertr. ‘Geliebte, Geliebter’
ich hân den süezsten armvol / den ie frouwe umbevie Flore(G)
5904;
ach, minnenclicher arn vol, / schol ich dich ymmer ummvan? WhvÖst
7458;
ain getrüwer armvol / des nachts an dem bette by / mit dem lept ich sorgen fry MinneR 11
18
MWB 1 363,17; Bearbeiter: Diehl
armvöllec
Adj.
‘armfüllend’ (zu armvol) oder ‘armdick’ (vgl. armgrôʒ) (?):
er furt ein armfelliges sper, / das ist an massen lank und schwer, / der helt in seiner hende Virg(St)
97,1
MWB 1 363,24; Bearbeiter: Diehl
armwîp
stN.
‘bedauernswerte, (abhängige?) Frau’
wie stâtz um disiu armen wîp [La. armwip ─ die Frauen im Spinnhaus betreffend] ? Iw
6267.
7317
MWB 1 363,28; Bearbeiter: Diehl
1arn
stM.
→ ar swM.
MWB 1 363,32;
2arn
stM.
‘Ernte, Erntezeit’
daz ist aue der ameizin geslâhte. so si indem arne an den ahchar gat. so gestinchit si [riecht sie] wa diu gersta unt der weizze ist JPhys
17,31;
MillPhys
125,2;
do er siu [Christus die Jünger] do hina sante, do sprah er, daz der arin michel ware, unte dero snîtare luzil wari. [...] pittit den almahtigen got, daz er senti di werhmanne in sinen aren [Mt 9,37f.
]
PrSchererB
168,17;
daz ist ergangen, do von Christes geburd warn dreuzehenhundert jar, dar nach in dem vier vnd zwaintzigisten jar des svntags in dem arn nach vnserm vrôwntach UrkEnns
5,401
(a. 1324)
MWB 1 363,33; Bearbeiter: Schnell
arnære
stM.
‘Tagelöhner, Erntearbeiter’
ich bin iezvnt niht wirdich geheizzen werden din svn. mache mich als einen vz dinen arneren EvAug
178,8.
178,4;
vnd si [Jakobus und Johannes] liezzen irn vater Zebedo in dem schiffe mit den arnern ebd.
77,18;
umb H., den Trawblinger, den arnaͤr BWB
1,587
(Rgbg. Urkb., a. 1342)
MWB 1 363,45; Bearbeiter: Schnell
arnebote
swM.
‘Bote, Fürsprecher’
herre sancte Petir, ich bite dich [...], daz du mir zi unsirme trehtine arnebote siest, daz min ser unde min not [...] in mandunge bicherit werde MuriGeb
96
MWB 1 363,52; Bearbeiter: Schnell |