altvater
M.
1
‘(alttestamentlicher) Stammvater, Patriarch, Prophet’ , 2
‘(frühchristlicher) Wüstenvater, Eremit’
3
‘Vorfahr’
1
‘(alttestamentlicher) Stammvater, Patriarch, Prophet’,
meist im Pl.:
die heiligen altvæter unde die heiligen wissagen unde die heren kuͤnige, von den diu here kuͤniginne geborn ist, únser vrouwe sant Maria Konr(Sch)
100,21
u.ö.;
eine stat [...], diu dâ heizet limbus, dar die altveter fuoren PrBerth
1:299,14;
dô got erstarp, diu helle erdôz, / wan sîner kunft fröuten sich gar / der altveter gevangen schar WvRh
11829
u.ö.;
PrGeorg
9,5;
PrWack
5,9.
32,60;
PassI/II
149,83
u.ö.;
SHort
3396;
HistAE
16;
BdN
211,4.
– im Sg.:
sich den altvater [
Ecce uates
]
PsM
H 42,4;
der erste man, unser altvater Adam Konr(Sch)
180,42
u.ö.;
herre Symeon der altvater der da unsern herren opherot in den [l. dem
] tempel PrSchw
2,145;
Reinfr
13135
2
‘(frühchristlicher) Wüstenvater, Eremit’
sin gnadenrichez mere, / wie tugenthaft er were, / [...] erschal / in der wuste uberal / den altveteren hie und da Vät
30895
u.ö.;
Antonius, Pyamon vnd ander altvetter, die got liep waren VitasPatr
219,8
u.ö.;
so sant er ir die pild und die ler der heilligen altvetter Stagel
7,27;
HvFritzlHl
8,10;
Seuse
106,19
u.ö.
–
der altveter buoch
‘Vitaspatrum’ (Sammlung von Legenden und Aussprüchen der Wüstenväter):
dez vinden wir ain urkúnde an der altvater buch. dc ist in vita patrum PrSchw
1,113;
man liset in der alt vaͤtter buͦch PrGeorg
45,23.
47,30;
Seuse
104,7
u.ö.;
Tauler
302,29;
VitasPatr
364,29
3
‘Vorfahr’
das her sy lize bi iren sittin unde gewonheit dy yn angestorbin were von iren alt vetirn MarcoPolo
14,19;
swaz mir vor langer zîte / mîn alten veter [Hs.: altfater
] hânt verlân, / werd ich des frî von iu getân / mit freveliches herzen gir, / sô quâment ir ze früeje mir / in dirre lantriviere phliht KvWSchwanr
927;
Martina
195,89
MWB 1 188,17; Bearbeiter: Hoffmann
altverborgen
Part.-Adj.
‘alt und verborgen’, im Sinne der Typologie der im Alten Testament vorgebildeten Ereignisse:
wir jungen namen den weize / der alt vorborgen zeichen, / wen wir lideweichen [biegsam, formbar] / nach den worten uns bekarten / die jen alden uns vor larten HeslApk
11029
MWB 1 188,53; Bearbeiter: Tao
altvîl
stSubst.
‘Blödsinniger’? ‘Zwitter’? Etymologie und Bedeutung unklar :
uffe altvîle unde uffe twerge / erstirbit weder lên noch erbe, / noch uffe kropelkint. / swer denne die erben sint / und ir nêsten mâge, / die suln sie halden in irre phlâge SSp(W)
1:4
MWB 1 188,60; Bearbeiter: Tao
altvorder
swM.
‘Vorfahr’, überw. im Pl.:
daz die wissagen gehiezzen / ivweren altfordern, / daz ist nu sihtich worden Wernh
D 4070;
do v̓nser altvordern Adam vnde Eva hie bevor in dem heiligen paradise warn in allen den eren Konr
24,4;
den [Armen] teilter rîlîche dort / sînes vater grôzen hort, / der lange was behalten dar / von sînen altvordern gar RvEBarl
14450;
wann sin altfordern das closter gestifftet hetten Lanc
615,4.
– im Sg.:
von Adame. vnsirm altuordirn PrWack
12,26
MWB 1 189,1; Bearbeiter: Tao
altvrenkisch
Adj.
‘der (vorbildlichen) Art der fränkischen Vorfahren entsprechend’
man sprichet gern, swen man lobet hiute, / er sî der alt frenkischen liute: / die wâren einveltic, getriuwe, gewêre Renner
22314;
2 hus mitme altvrenzen geyvil [Giebel]
Wrede
110b
(a.1349)
MWB 1 189,11; Bearbeiter: Tao
altvrouwe
swF.
1
‘alte Herrin, Mutter des regierenden Herrn’
2
‘durch ihr Alter erfahrene Frau’
1
‘alte Herrin, Mutter des regierenden Herrn’
mîn altvrouwe was gevarn [...] / ûz dem lande ze Korntîn / ûf ir hûs ze Roimunt Wig
3751.
8851;
Mai
130,23
2
‘durch ihr Alter erfahrene Frau’
do besande der keiser rîche / zwelf altfrouwen [...]. / flîzeclîchen er die bat, / daz sie sich underwünden, / [...] des kindes und ez bereiten, / ez badeten unde kleiten / mit dem besten gewande Eracl
2343.
–
‘durch die Ältestenwürde ausgezeichnete Nonne’
waz aber minre sachen zu dune ist in deme clostere nutzeliche, des habbe ockert der altfrauwen rath BrEb
3;
obe keine sustere werde ober vngehorsam ober stoltz oder murmellene oder in keinen dingen weder wurdich wesende regele die heilge unde die geboth der altfrauwen versmet, die sal gemanet werden al na godes gebothe eines vnd aber geswegliche [diskret] von den altfrauwen ebd.
23.
22
MWB 1 189,17; Bearbeiter: Tao
altwalkære
stM.
Handwerker, der altes Tuch durch Walken zum Verfilzen bringt:
es hant oͧch die zawerre [darüber: altwalcher
] gesetzet, das [...]
FWB
1,900
(Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch. 78, Anm.)
MWB 1 189,35; Bearbeiter: Tao
altwërkære
stM.
‘Händler mit Altwaren, gebrauchten Gegenständen’
es ensol in disem huse nieman stan, wan die mit núwem werke umbe gant und nicht altwerker FWB
1,900
(Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch. 69,49)
MWB 1 189,40; Bearbeiter: Tao
altwîse
Adj.
‘durch Alter klug, erfahren’
dô kom ein altwîser man / durch klage über die frouwen sân, / dâ si mit dem tôde ranc Parz
109,13
MWB 1 189,45; Bearbeiter: Tao
alt|zierec
Adj.
‘alt und prächtig (gekleidet)’
sîne bekêrten tage wâren / kumen wol ze zweinzec jâren. / vor den zweinzc in jâren zwein [zwei Jahre vor Vollendung der zwanzig] / ein altzierger priestr erschein / eins nahtes bruoder Helias LvRegFr
3889
MWB 1 189,48; Bearbeiter: Tao
alûn
stM oder stN.
stF.
BairFärb
14,4.
aus afrz. alun oder lat. alumen, vgl. Suolahti 1,48; Rosenqvist 1,70 und 2,151f. (mit weiteren Belegen). –
‘Alaun’
beta mit alunnen gestossen unde an gestrichen vertribet daz helige vuͦr Macer
91,3;
ein wênic âlûnes Volmar
850;
swer plawe varb machen welle, der nem lasawr in ezzeich vnd siede daz mit gumi vnd mit alaun vnd verb da mit BairFärb
11,2;
do lazze die alaun vnd gumi dar vnder erwallen ebd.
14,4
u.ö.;
SalArz
79,32;
Mügeln
288,6.
– in lat. Form:
mit alumine gestossen vertribet daz heilige fiur unde helet daz gebrante Macer
69,3;
alumen, ezsige unde col: di dri zusamne gestosen unde das gestrichen an di vlecken, si vergen ebd.
50,9
MWB 1 189,54; Bearbeiter: Tao
alûnec
Adj.
‘alaunhaltig’
vngesmackiz wazzerer ist manchirleie. einiz ist gesalcin. einiz svebelic. daz dritte pechic. daz uirde alunic. daz vunfte ist spatic. daz sechste ist daz man uindit in den erzgengin SalArz
19,55;
daz alunige wazzer keret vnde truckent das uzvlizende blut vnde twingit di veic blater ebd.
20,5;
jst daz wazzer alunic. so sal man iz mischin mit suzeme tranke ebd.
20,27
MWB 1 190,5; Bearbeiter: Tao
alûnen
swV.
‘mit Alaun gerben’, übertr. ‘durchgerben, prügeln’
dâ liefen unde giengen / manc werder man in îsenwât: / den wart dâ gâlûnt ir brât / mit treten und mit kiulen Parz
75,6
u.ö.;
er wart mit stichen und mit slegen / galûnet an allen sîten. / sus muos er strîten Wh
57,13;
er sol mit stœzen und mit slegen / sich lâzen âlûnen vaste / den heinlichen mit dem gaste UvTürhTr
2488;
man sal sine blanke hut brunen / mit geiselstebe sere alunen Brun
9013
MWB 1 190,13; Bearbeiter: Tao
alûn|waʒʒer
stN.
‘alaunhaltiges Wasser’
man sol nemen holdern vnd sieden in alaunwazzer, da wirt grün varb oder swarcz varb aus, ob man es ein tail mischet mit scwarczer varb BairFärb
13,2
u.ö.
MWB 1 190,23; Bearbeiter: Tao
al|vermügende
Part.-Adj.
‘allmächtig’
zwischen gote unde gotheit an sîner alvermügender gewalt ist diz niht [Nichts] beslozzen unbeslozzenlich Eckh (Pf)
631,20.
631,24;
daz punt ist diu vermügentheit der drîveltikeit [...]. dâ inne wirt diu sêle alvermügende ebd.
503,34;
alleine nu got sine alvermúgende kraft berge und swiget Tauler
404,3
MWB 1 190,27; Bearbeiter: Tao
alvermügentheit
stF.
‘Allmacht’
diz ist beslozzen an sîner [Gottes] alvermügentheit Eckh (Pf)
631,26;
die drîe persônen sint ein alvermügentheit ebd.
503,35.
daz heize ich alrest ein alvermügentheit
667,33
MWB 1 190,35; Bearbeiter: Tao
alwalt
Adj.
‘allmächtig’
hie mit si den hochsten got / loben gar alwalden, / drilich und ainvalden, / lebend in wernder er / on end ymmer mer Vät
41401;
got der alwalde Pass III
75,12
MWB 1 190,40; Bearbeiter: Tao
alwalte
swM.
‘Verwalter’
do gebot der herre sim alwalten daz er sinen wercliuten ir lon gæbe Konr(Sch)
44,16
(vgl. Mt 20,8)
MWB 1 190,44; Bearbeiter: Tao
alwaltec
Adj.
auch alweltec.
‘allmächtig’
got alwaltig wolti irougin / sini crefti vili dougin SuTheol
31.
25;
dem alwaltigen herren / dem beualch er sine sele Rol
6918;
der alwaldige got TrSilv
333;
wær got an allen steten niht, / gebræst im des gewaltez iht, / so en wære got niht drivaltech / und wære niht alwaltech StrKD
12,222;
du hast vil wunderlich gesaget / von unsern goten, die wir haben / und dicke helfe an in entsaben, / wand si sint alwaldic Pass III
672,93;
alweldec
ebd.
86,41.
88,48
MWB 1 190,47; Bearbeiter: Tao
alwaltecheit
stF.
‘Allmacht’
er nam die menscheit von mîner frouwen sante Marîen und bleib an der gotheit daz er was, unde diu alwaltikeit bekante an irre êwigen wîsheit die ordenunge aller dinge, daz was der heiligeist Eckh (Pf)
498,9
MWB 1 190,58; Bearbeiter: Tao
alwaltende
Part-Adj.
‘alles beherrschend, allmächtig’
nu hilf mir, alwaltintir got ÄJud
195.
200;
des enphi zu siner hende / der al waltente herre / ir uil raine sele Rol
5967;
herre, alwaltender christ, / in dîner hant beslozzen ist / dirre werlde umberinc, / himel und elliu diu dinc / diu dar inne sint bevangen KvHeimHinv
873
MWB 1 190,63; Bearbeiter: Tao
alwære
Adj.
auch albære.
1
‘schlicht, einfältig, dumm’
2
‘seltsam’
1
‘schlicht, einfältig, dumm’
er were / weizgot niht alwere, / swer sich behvͤtete ze aller zit ReinFu
K,168;
ouch ist ez alwære, / swer saget, daz Tristan ûf daz mer / nâch wâne schiffete mit her Tr
8616;
diz was diu alwære, / diu herzelôse blintheit ebd.
17738;
er ist vil alwære, / git er in sin guͦt vergebene StrKD
161,382.
58,II 174.
–
einveltic und ~
:
durch di libe unserez herren machte si sich einveldich und alewere und hielt ir swigen und liz al unnuze wort ungesprochen HlReg
60,22;
StrAmis
1319.
–
alber und guot
TvKulm
4159.
alber und gerecht
ebd.
4170
2
‘seltsam’
under andern dingen / lât iu ze liehte bringen / einen albæren sit, / der dem meister wonte mit Ottok
39142;
seltsæmer mære / unde albær wort / man vil von im hôrt ebd.
67427
MWB 1 191,6; Bearbeiter: Tao
alwære
stF.
‘Torheit’
ob ez [Sündenfall] niht wære geschehen von ir [Evas] alwære GenM
16,15;
sumelich uerleitot div ubirmuͦt, / si wolden sich uermæren / mit grozzer alwære / in die werlde wite ebd.
32,15
MWB 1 191,22; Bearbeiter: Tao
alwærekeit
stF.
‘Einfalt, Naivität’
dô lachte di reine, / dô si hatte wol gehort / sîne kintlîche wort / unde sîne alwêrekeit, / daz sô grôze tumpheit / an den schûler was gewant Klausner
694
MWB 1 191,27; Bearbeiter: Tao
alwëc
Adv.
→ allewëc
MWB 1 191,31; |