a – abebrëchære, âbrëchære abe brëchen, âbrechen – abe drumen abe|ein – abe ertwingen abe ervëhten – abegezogen abegezogenheit – abe houwen abehouwunge – abelæge abe lantscheiden – abe lœsen abelœsunge – âbentganc âbenthan – âbentsunnenschîn âbenttanz – aber|æhter abe rechenen, abe rechen – aber|schâch abe rücken – abe schieʒen abeschiht – abeslac abe slahen – abe stîgen abestôn – abetragære abe tragen – abe vâhen abeval – abe wahsen abe wæjen – abe weschen abeweschunge – abe ziehen abeziehunge – âbrëchære âbrëchen – achter-, ahter- achwent – ackervruht ackerwërc – adellich, adellîche(n) adelmuoter – âderslahen âderstôʒ – affensmalz affenspil – afterbier afterblunder – aftermuoder aftermûre – afterwort afterzal – agleister agleistervar – ahselrote ahselspange – ahtehalp, ahtodehalp ahten – âhui ahzec – alamande alanc – alde aldê – algorismus alheit – allergotesheiligentac allerhalbe – allersamen, allersam, allersamet allersêlentac – allwent Alman, Almân – alp alpha – al|tagelich altære, altâre, alter – alters|eine alterstat – altmæʒec altmüede – alwaltecheit alwaltende – ambahtære ambahte – âmehte âmehtec – ametiste âmezûber – amt âmügel – anderheit anderleie – andorn andouge – ane bereiten ane bërn – anebot ane botwarn – ane draben ane dræhen – ane errâten ane ersëhen – anegedenken anegedenklich – anegeslaht anegeslöufe – anegrîfunge ane grînen – aneheftec ane heften – aneinander ane jagen – ane komen ane koufen – aneleitrëht aneleitunge – 2ane merken anemerkunge – ane phîfen ane phlanzen – anerüeftec ane rüeren – aneschouwede aneschouwelich – anesidel, anesedel ane sîfern – ane sniudeln ane snöuwen – ane springen anespruch – ane strîten ane stroufen – ane trëten ane trîben – anevëhtigunge anevëhtlich – anevluʒ ane vordern – ane weigen aneweigunge – anewîsunge ane wonen – angelisch angeln – angestnôt angestsam – ankesmër anlamin – antlæʒec antlâʒen – antsmër anttac – antwîch antwürkæreknëht – apfelrîs apfelrôt – ar âr – arc|haft arche – ardell ardîse(n) – armbendec armbouc – armiure armlëder – arnebote arnen – art art – arzâtîen, arzedîen arzâtîn – âsblâsende ascalamus – â|schildes aschlouch – aspentier aspindê, aspindei – astronomierre astronomus – atrament atte, ette – avelen âventiurære – â|witzec â|witzen – âʒ|zît
|
andersît
Adv., Präp.
auch andersîte, andersîten; häufig korrelierend mit einsît, einhalben (vgl. enandersît).
1 Adv. 1.1 lokal ‘auf der anderen Seite (von zwei Seiten)’
1.2 direktional:
‘auf die andere Seite (von zwei Seiten)’
2 Präp. mit Gen. ‘jenseits, auf der anderen Seite’
1
Adv.
1.1
lokal ‘auf der anderen Seite (von zwei Seiten)’
vz pheif im daz blut, / einsit vnd andersit Herb
5453;
der weinreb hât die art, daz er ain seit an dem ast an ainem knoden daz weinplat auzscheuzt und ander seit die weinper BdN
351,13;
einsitt des wegs was groß gebrúch, und andersitt was ein starcker hage Lanc
322,25;
WüP
85,3.
– übertr.:
enswiu ich vermisse, / mir ist einhalp als andersît, / wan mîn tôt an der wâge lît UvZLanz
1777
1.2
direktional: –
‘auf die andere Seite (von zwei Seiten)’
gein dem rucke er in in stach, / durch den buch andersit Herb
13239;
Hestor [...] stach den [Ritter] der die frauwen hielt durch den arm und durch den lip biß andersytt uß Lanc
370,3.
–
‘von der anderen Seite’
do quam Emilius vnuerzaget / andersit im engein Herb
12951
2
Präp. mit Gen. ‘jenseits, auf der anderen Seite’
disesit der Gera [...] andersit der Gera UrkCorp (WMU)
1393,22;
diz geschach czu Betanie andir syt des Jordanis EvBerl
4,17
MWB 1 213,26; Bearbeiter: Diehl
anderstunt
Adv.
‘zum zweiten Mal, wieder’
die ê daz suochen heten lân, / die begunden suochen anderstunt Iw
1371;
swenn uns der touf wirt angeleit, / sô sîn wir anderstunt geborn RvEBarl
3215;
swer den ban eines enphæhet, der bedarf in anderstunt niht enphâhen SpdtL
165,9
MWB 1 213,48; Bearbeiter: Diehl
anders|wâ
Adv.
seit dem 14. Jh. auch anderswô, semantisch nicht zu scheiden von → anderswar.
1 lokal ‘an (irgend-)einem anderen Ort, an anderer Stelle’
2 direktional ‘an (irgend-)einen anderen Ort’
1
lokal ‘an (irgend-)einem anderen Ort, an anderer Stelle’
in Spanjenlant noch anderswâ / wart nie kein schœnerez erzogen Tr
6660;
in Oesterriche und anderswa / wil er behalden ie den pris Tannh
1,9;
weder hie noch anderswâ KvWHvK
637;
der swan was anderswâ al wîz, / wan snabel unde vüeze rabenvar Wh
386,14;
diu wurz, diu etswâ merretich haizt und anderswâ kren BdN
418,26;
dâ vindest dû wâren vride und niendert anderswâ Eckh
5: 197,5.
– häufig zum Verweis innerhalb von Texten ‘andernorts’
ouch hât gesprochen anderswâ / Jôhannes êwangelistâ RvEBarl
4443;
ich han din lof ouch anderwa geschriven MarlbRh
15,15;
als diu geschrift sagt in dem dritten puoch der künig und anderswâ BdN
349,2;
an disem buoche und ouch anderswâ Eckh
5: 60,6
2
direktional ‘an (irgend-)einen anderen Ort’
ritter unde vrouwen die giengen anderswâ [nach verschiedenen Seiten]
NibB
1671,2;
er sazte ouch bischofe dâ, und fuor er predigen anderswâ KvHeimHinv
90;
wolt ir des nicht, so muß ich yne anderswo furen Lanc
129,21
MWB 1 213,54; Bearbeiter: Diehl
anders|wâhër
Adv.
‘anderswoher’
dv sol an der hofstat weder teil noch gemein han an dem, so ich dar geben han alde anderswahar got dar gefvͦget het UrkCorp (WMU)
1871,3
MWB 1 214,14; Bearbeiter: Diehl
anders|wâhin
Adv.
‘anderswohin’
so tuͦt der mensche also ob er Gotte den rúcken oder den nack kere und spreche: ‘ich wil din nút, ich wil anderswo hin.’ Tauler
316,5
MWB 1 214,18; Bearbeiter: Diehl
anders|wannen
Adv.
‘von anderer Seite’
vmbe das guͦte, das wir ze lehen haben anderswannen danne von dem gotzhuse ze Costenze UrkCorp (WMU)
730AB,39;
dur sin eigen, das vnser vordern deme closter hent gen oder anderswannen ist gen ebd.
52,38
MWB 1 214,22; Bearbeiter: Diehl
anders|war
Adv.
semantisch nicht zu scheiden von → anderswâ
1 lokal ‘an (irgend-)einem anderen Ort’
2 direktional ‘an (irgend-)einen anderen Ort’
1
lokal ‘an (irgend-)einem anderen Ort’
mîn gewerbe ist anderswar, / ich gê dannân oder dar MF:Reinm
60: 3,6;
sô muose er ir spil sehen. / und sô daz niht mohte geschehen, / daz er lîhte was anderswar, / sô muose diu keiserinne dar Eracl
2845
2
direktional ‘an (irgend-)einen anderen Ort’
dô fuor der künec Karle dan / mit êren aber anderswar KvWSchwanr
1351;
sîn herze stuont niender anderswar / niuwan dâ er sî weste Iw
1720;
dar wil ich und niender anderswar. / kum ich dar, ez ist uns beiden frum KLD:UvL
42: 5,8;
als ich das nit me vertragen mag, so muß ich anderswar dar mich gott gewiset Lanc
41,20
MWB 1 214,28; Bearbeiter: Diehl
anders|wie
Adv.
‘auf andere Weise’
die vrowe duchte gar zu vil / der worte, die er ir gewuc, / wand si sie anderswie versluc [auffasste] / und sprach ‘nu seht der trugener’ Pass III
464,42;
sie durchsuchten gar daz gras, / ob sie indert vunden / [...] / ein zeichen von des esels tot. / do sich daz nindert in irbot, / sie dahten: im ist anderswie. / der esel ist niht gezzen hie Vät
27339
MWB 1 214,42; Bearbeiter: Diehl
anders|wô
Adv.
→ anders|wâ
MWB 1 214,50;
andert
Adv.
‘auf der anderen Seite’
sælig wære, der daz rat [der Fortuna] mit heil ûf træte. / vallet aber er andert nider, / er kumet kûme iemer mê hin wider SM:JvR
1: 13,11
MWB 1 214,51; Bearbeiter: Diehl
anderteil
stN.
Übersetzung des lat. secunda (als zweiter, ‘anderer’ Teilungsgrad) bei der Gliederung des (Tier-)Kreises; entspricht der geometr. Sekunde:
ain iegleich grad tailt sich in sehtzig minut; ain iegleich minut tailt sich in sehtzig andertail; ain iegleich andertail stukt sich in sehtzig drittail KvMSph
24,16
MWB 1 214,55; Bearbeiter: Diehl
anderunge
stF. (swF. Pilgerf )
selten änderunge, enderunge.
‘Veränderung, Wandel (jeglicher Art)’
er nam sîn herze und sînen sin / und suohte anderunge in in Tr
11786;
deweder hant noch zunge / die meinent noch minnent niht wan valsch und anderunge [Umsturz]
MF:Gottfr
1:1,11;
swer es merken wil, der sihit vil anderunge vf der erde: einer ist hv́te hie, morn anderswa UrkCorp (WMU)
2583,38;
das ich machen, daz dun ich mit mussen, / dan ich nit ylen zu unmussen / und hassen alle anderongen sicherlich / die da gescheent ylentlich Pilgerf
1439;
des mônen ändrung BdN
157,15;
daz er ainen tôten leichnam behüett und behelt vor faulen und vor änderung [Verwesung] und vor gestank ebd.
370,23;
geschiht aber div andervnge [Besitzwechsel] enzwischen svnegiht [Sonnenwende] vnd sant Martins mes, so sol man gen alse vil ze erschaz alse ze zinse UrkCorp (WMU)
383,43.
–
‘Verschiedenheit’
von der anderung [
diversitas
] der neht und der tag KvMSph
6,17.
60,18
MWB 1 214,62; Bearbeiter: Diehl
anderwarbe
Adv.
auch anderwerbe, anderwerf (vgl. warp).
‘zum zweiten Mal, wieder’
do kart er vz dem ringe / vnde gurte sime rosse baz. / anderwerbe er vf saz / vnde laisirte in den ring Herb
1444;
dô kam unser herre [...] und sprach: ‘vride sî iu!’ und anderwarbe: ‘vride sî iu!’ und ze dem dritten mâle: ‘nemet den heiligen geist!’ Eckh
2:186,4;
unde nach enphahunge dirre [gotlichen] naturen so heizent si widergeborn oder anderwerbe geborn in gotis sün ThvASu
214,23.
– in Aufzählungen ‘zweitens’
anegainde sprechin wir [...] andirwerue sagin wir [...] dirdewerue sagin wir [...] verdewerf sagin wir UrkCorp
796,37
MWB 1 215,19; Bearbeiter: Diehl
anderweide
Adv.
auch anderweit.
‘zum zweiten Mal, wiederum’
Menelaus [...] hiz sin ros gurten baz / [...] vnde reit anderweit dare Herb
7110;
gebristet dâ iht, man sol in anderweide phenden, ez ensî daz in êhafte nôt sûme SpdtL
185,4;
aber sin sehin gibit allin dingin hi nature und gnade und sin anderwede sehin di ewigin ere Parad
65,25.
– oft ~
geborn wërden (durch die Taufe):
ir siet alle gar vorlorn, / irn wert anderweit geborn / in wazzir uf daz meiste / und in dem heilgen geiste TvKulm
3224;
dv solt niht wundern wan ich gesprochen han ir müezzet anderweid geborn werden EvAug
214,8.
–
‘außerdem’
ouch gab in di suͤze / [...] iegelicheme einen schilling / unde duͦch zu eime cleide; / si gab in ander weide / ie dem man ein simelbrot Elis
2950;
ir habt anderweid gehört wan gesprochen ist den alten. dv solt niht swiren EvAug
9,14.
–
‘anderswo’
[die Armen] mochten si [geschenkte Kostbarkeiten] wol anderweit / verkoufen umme ir libes nar Elis
3774.
–
‘auf andere Weise, andersartig’
si wolde sich nit verschriben [verzichten] , / [...] der godelichen lere, / [...] si dachte ir anderweide / unde sprach Elis
6526;
hierher vielleicht auch die von ihrer Bildung her unklare Wendung an der wet
Ottok
35820
u.ö.
MWB 1 215,32; Bearbeiter: Diehl
anderweiden
swV.
1
‘etw. zum zweiten Mal machen, wiederholen’
2
‘jmdn./etw. erneuern, verändern’
1
‘etw. zum zweiten Mal machen, wiederholen’
abir dô der bote sach, / daz dî andrin sîne wort / vor einen gam [Scherz] intpfîngin dort / er wart mit starkin eidin / dî mêr in andirweidin NvJer
7924;
dise drî sacramente ensal man nummer mêr geanderweiden: toufe und firmelunge und pfaffen wîhunge. wer si anderweite der tête tôtlîche sunde. aber andere sacramente, [...] mac man alle anderweit nemen HvFritzlHl
53,39;
deutronomius es ist / genant. des text ist so geleit: / was e gesprochen is / in exodo und genesis / und in den andern zwein, das wiß, / das wirt darinn geanderweit [
replicantur et resumuntur
]
Mügeln
75,8
hierher wohl auch:
des ersten buches sin ez [das 2. Maccabäerbuch] hat, / niht wan daz ez anderweidet / die geschihte baz bescheidet. / swaz in dem ersten niht ensi / beschriben gar, daz vint man hie Macc
7025.
–
‘verdoppeln’
ist, daz ein man [...] die buze nicht leistet zu siner rechter zit, der richter mac die buze wol anderweiden StRFreiberg
215,26
2
‘jmdn./etw. erneuern, verändern’
innova signa et immuta miracula. / daz sprichet: irnuwe daz wunder / und andirweide daz kunder Brun
4025;
die munce zu Vriberc sal man nicht dicker anderweiden noch vernuwen anme slage unde an den pfenningen wen zu einem male in dem iare StRFreiberg
73,24;
von disen horigen sunden / muz uns Got uz waschen / mit des todes aschen, / swen her uns anderweidet HeslApk
17989.
– mit Refl.-Pron. ‘wechseln’
diselben zwelf geswornen zu Vriberc sullen sich anderweiden alle iar StRFreiberg
253,21
MWB 1 215,58; Bearbeiter: Diehl
anderwerbe
Adv.
→ anderwarbe
MWB 1 216,27;
anderwërt
Adv.
‘zum zweiten Mal, wieder’ (nur Lanc ):
er fragt es anderwert und das dritt mal Lanc
394,30.
198,37
u.ö.
MWB 1 216,28; Bearbeiter: Diehl
an der wet
Adv.
→ anderweide
MWB 1 216,31;
anderwîs
Adv.
‘auf andere Weise’
ist aber das du wirs ein dieb / oder anderwis ein bose man / und wiltu dich bekeren dan HeslApk
5209.
5337
MWB 1 216,32; Bearbeiter: Diehl
andorn
stM.
‘Andorn’ (Marrubium vulgare, Lippenblütler, vgl. Marzell 3,58-60):
marrubium heizet zu dute andorn. der ist heiz unde trocken Macer
36,1.
36,10;
daz wib der div brust swere, div neme andorn vnde altes smere vnde stozze div zesamine Ipocr
333
MWB 1 216,35; Bearbeiter: Schnell
andouge
Adv.
→ antouge
MWB 1 216,41;
andromant
stM. oder stN.
ein silberglänzender Edelstein (vgl. antrodrâgmâ):
von dem andromant. andromanda, oder androdragma [...] ist ain stain, der ist silbervar und ist gar hert, sam der adamas BdN
436,3
MWB 1 216,42; Bearbeiter: Schnell
andunge
stF.
‘Erregung, Aufgeregtheit, Aufruhr’
da von ist gesprochen: sin zorn vnt sin antvnge vertreit nicht deheine rach PrLeys
6,40;
sô enmac der lîp niht wol sô ungewonlîche vreude vertragen âne etlîche andunge DvASchr
336,9;
dar umbe sprechent die meister: gewerden des viures ist mit widerkriege, mit andunge und unruowe und in der zît [das Werden des Feuers vollzieht sich mit Widerstreit, mit Erregung und Unruhe und in der Zeit]
Eckh
5: 34,18
MWB 1 216,47; Bearbeiter: Schnell
ane
Adv., Präp.
1 Adv. 1.1 alleine stehend, bisweilen schwer abzugrenzen von der Verbpartikel 1.2 in der Verbindung alleʒ ane
→ alzane
1.3 Pron.-Adv. mit dâ(r)
→ dâran ; mit hie(r)
→ hieran ; mit wâ(r)
→ wâran ; das Pron.-Adv. kann alle präpositionalen Funktionen von ane übernehmen 1.3.1 in Kontaktstellung 1.3.2 in Distanzstellung 2 Präp. 2.1 mit Instr., nur in der Wendung ane diu (daʒ)
‘dadurch (dass)’
2.2 mit Dat. 2.2.1 im Präp.-Obj. 2.2.2 in adv. Bestimmungen 2.2.2.1 lokal, eine räumliche Beziehung ausdrückend ‘an, auf, in’
2.2.2.2 temporal ‘an, während, innerhalb’
2.2.2.3 modal 2.3 mit Akk. 2.3.1 im Präp.-Obj. 2.3.2 in adv. Bestimmungen ‘an, auf, in, zu’
2.3.2.1 direktional, auf das Ziel einer Bewegung verweisend 2.3.2.2 temporal, auf das Ende eines Vorgangs verweisend 2.3.2.3 gelegentl. in der Wendung biʒ ane mit exzipierender Bedeutung ‘bis auf, außer’
3 Gradpartikel ‘fast, ungefähr’
1
Adv.
1.1
alleine stehend, bisweilen schwer abzugrenzen von der Verbpartikel:
dar rieden vonzich dusint an [da ritten fünfzigtausend herbei]
Roth
3569.
– in wörtl. Rede zur Kennzeichnung eines Imperativs ‘los jetzt!’ oder einer Aufforderung etw. zu beginnen ‘fang doch an!’
nu blas an / kurzliche SalMark
1837;
[der Teufel rät Eva:] iz an, iz ist mîn rât [...] iz an, enphâ die gnâde / und gib ouch dîme manne Erlös
296;
Boner
15,20;
AdelhLangm
17,11;
trût geselle [...] harpf an! Tr
3546;
vil schone froͮwe, so klagent wider an WolfdD
1865,3;
nu lêret an! [...] / uns wære guoter lêre nôt Tr
18524;
nu merket an Frl
5:13,8;
‘nü rät / an’, sprach Alexander GrAlex
2354;
getreuwer man, / Taliarce, nu ratt an / was wir tuen nu zu stunden HvNstAp
726;
EnikWchr
25169;
nu redet an, waz meinet ir? HvFreibTr
1052;
Köditz
22,6;
Boner
95,53;
‘sag an, wie hâstû daz vernomen?’ / sprâchen die juden zehant KvHeimUrst
368;
Tr
6795;
Lanc
141,13;
nu sag’ an liebiu mære; jâ gib ich dir mîn golt NibB
225,3;
hastu dinten end permit, / so schrif an als ich dich bit! MinneR 481
594;
ja sinck ane, vogelgin, / ich willen dir gevolgich sin HagenChr
3084;
Mechth
2:25,130;
Boner
54,17;
‘so slag ich im sin heubt ab.’ ‘slahet an!’ sprach sie Lanc
366,1.
440,7;
nu sprechet an, waz wellet ir? Tr
14730.
12088;
Lanc
525,3;
RvEWh
795;
SM:Tr
6:3,1;
[sie] sprach ze im: herre, trinche an PrSchw
1,133;
dv hast sin mvͦt, nv tvͦ an TürlArabel
*A 18,20;
‘liebiu maget, nû wîse mich / ein teil, des ich vrâge dich.’ / ‘nû vrâg an! ich sage dir / swaz dû wizzen wilt von mir’ RvEBarl
5815;
MerswNF
165,25
1.2
in der Verbindung alleʒ ane
→ alzane
1.3
Pron.-Adv. mit dâ(r)
→ dâran; mit hie(r)
→ hieran; mit wâ(r)
→ wâran; das Pron.-Adv. kann alle präpositionalen Funktionen von ane übernehmen
1.3.1
in Kontaktstellung:
er ist och guͦt des, daz er daz pluͦt verstrettet, daz uz der wnten oder den nasan fliuzzet, ob er dar ane gebunten wirdet PrüllS
1,10;
sæ daz puluer dar ane Ipocr
171;
dat mir din gedanc hiͤran werd schin MarlbRh
95,8;
hie erzeicte sîne hövescheit [...] der bescheiden man, / unde ich sage iu war an Iw
2716
1.3.2
in Distanzstellung:
dar mag min ana uuizzen. daz denne nâht. únde tâc ebinlanc sínt ÄPhys
7,4;
da mugt ir die gotes martyr ane versten AvaLJ
32,4;
da mite werden wir ermanet, daz got selbe daz cruce truͦc, do er die marter an liden wolte Lucid
88,12;
ir muget hie selbe merken an, / daz si sich niht gehelen kan / der grôzen liebe Tr
13709
2
Präp.
2.1
mit Instr., nur in der Wendung ane diu (daʒ)
‘dadurch (dass)’
so der leo slafet so uuachent sinu ougen. an diu daz siu offen sint daranna bezeichenit er abir unserin trotin ÄPhys
1,12;
an dîu bezeinet ez den fîánt dér dés mannis muôt spénit zedin uueriltlihen lusten ebd.
5,8
2.2
mit Dat.
2.2.1
im Präp.-Obj.:
ter leo hebit triu dinc ann imo. ti dir unserin trotinin bezeichenint ÄPhys
1,6;
Maria, wie guot din werch ist, / daz du ane mir hast getan AvaLJ
106,4;
nu in kinne [erkenne] got [Akk.] an mir armen man Roth
923;
er sprichet ouch anderswâ, daz der alze gîtic ist, dem an gote aleine niht engenüeget Eckh
5: 18,3
2.2.2
in adv. Bestimmungen
2.2.2.1
lokal, eine räumliche Beziehung ausdrückend ‘an, auf, in’
syn sporn an synen fußen warn alle blutig Lanc
36,31;
[
mîns herzen turn
] der ist veste an allen sîten KLD:BvH
16: 2,4;
biseit [erblickt] ein man an dir strazi [...] guit daz umi virstoln is Mühlh
121,3;
ein sper vuorter ander hant Athis
B 88;
Joseph lac eines nahtes an sînem bette BuchdKg
4,13;
an dem saltare lisit man, daz [...]
JPhys
13,1.
– übertr.:
die groß kunheit die er teglich an im sah Lanc
9,32;
entfriundet uns mîn aremuot, / so ist an dir swach der sippe haft KLD:Kzl
16: 11,6;
an dir lernent diͤ geistliche luͥde MarlbRh
78,1
2.2.2.2
temporal ‘an, während, innerhalb’
an der stuͦnde. Moyses daz den livten kundete VMos
65,16;
an dem tage MF:Reinm
10: 5,9;
an der weil sach ich si fleissigklich an HvHürnh
25,2.
– in der Wendung an der stat
‘sogleich’
→ stat stF.
2.2.2.3
modal:
vil liute sint an hunger tot TannhHofz
193.
–
‘in Bezug auf’
scône bist tú an gûoten uuérchon. scône bist tú an rêinen gedánkon Will
22,2;
div vierde [ist eine Frau] , div weder an mvͦt noch an libe vor got maget ist vnd die doch die lvte vur ein maget habnt PrBerthKl
3,11;
des meien hôchgezît, rîch an fröiden, rîch an aller sælikeit KLD:UvL
13: 1,2;
ich bin an fröiden tôt KLD:GvN
3: 3,10;
ich muoz verderben / unde an fröiden sterben ebd.
5: 3,6
2.3
mit Akk.
2.3.1
im Präp.-Obj.:
wir denchen an daz ellente Vateruns
208;
si geloupten an di namen drí Rol
354;
schabe im abe die schuͦpen, spalde in vnd snit in an stuͤcke BvgSp
19
2.3.2
in adv. Bestimmungen ‘an, auf, in, zu’
2.3.2.1
direktional, auf das Ziel einer Bewegung verweisend:
di tavelen er an einen stein sluͦch VMos
54,5;
daz raine opher si brachten, / do si daz cruce an sich namen Rol
3447;
die wurzele anz houbt gebunden vertribet di suche Macer
75,5;
er treip sin uihe an di guten weide VMos
34,28;
sîne brüeder [...] vielen an iriu knie für in BuchdKg
29,4;
so sîu dáz âzzin, só uúrdin sîo uértribin ándáz êllende ÄPhys
8,13.
– übertr.:
so mac he [...] sueri mit sien einis hant uffi din heiligin, wan iz umi geit an sien liep Mühlh
98,5;
ir sprechet alze sêre / den rittern an ir êre Iw
168
2.3.2.2
temporal, auf das Ende eines Vorgangs verweisend:
unze an daz ente der werlte JPhys
2,34;
unze an di stunde VMos
40,11;
biz an den ivngisten tag PrBerthKl
2,6
2.3.2.3
gelegentl. in der Wendung biʒ ane mit exzipierender Bedeutung ‘bis auf, außer’
swer solte gelten drizich tvsent march, der im die liez biz an dri phennige, der wer gar vro PrBerthKl
8,52;
da was die burgk allesampt gewunnen biß an den großen thorn Lanc
8,36
3
Gradpartikel ‘fast, ungefähr’
an zwei hundrit wurden gezalt, / di den lîb dâ verlorn SAlex
1168
MWB 1 216,57; Bearbeiter: Schnell
ane
stswFM.
ahd. ana und ano fallen im Mhd. lautlich zusammen, Pl. meist nicht differenzierbar, das M. obd. häufig ene.
‘Ahn, Vorfahr’, meist auf Großmutter und Großvater bezogen:
dîne muoter (diu ist mîn an) Wh
157,26;
die muͦtter vnd die an Krone
21730;
die solt dw nemen tzw ainer chan [Ehefrau] , der müeter vnd an dw habst erchennet, das sy schämig gewesen sein Schachzb
41,150;
allen den erbteil, den mein howsvrowe vrow Margrete hat gehabt ze Seldenhoven nach ir ene [Großvater] vnd nach ir ane UrkCorp (WMU)
958,24;
vnder vnsers enis jnsigel ebd.
1718,5;
daz er [...] inen bigruobe dâ sîn vater jouch sîn ane lâge Gen
2649;
ez leite etelîcher an, / daz sîn vater und sîn an / sô guotes nie niht gewan Eracl
2402.
–
ein kuͤnc was mins anen an Rennew
32784
– im Pl. meist ‘Großeltern’
swelch man unbescholten ist von vater unde von muoter unde von sînen vier anen an sînem rehte, den mac nieman an sîner geburt beschelten SSpAug
142,9;
SpdtL
142,18;
von allen vieren enen ein gebûwer Neidh
WL 31:6,8;
men sol oh ir iargezit [...] began mit ein ander [...] vnd irs vattirs vnd irre mvͦter vnd irre anen UrkCorp (WMU)
N236,30.
– Lit.: Müller, Großvater, S. 17-50
MWB 1 218,49; Bearbeiter: Diehl |