ane gerwen
swV.
‘sich anziehen’ (vgl. gerwe):
er gerwet sich an, sicherlîch, / alsam ein bâbest rîch EnikWchr
22589
MWB 1 237,29; Bearbeiter: Diehl
anegescheftec
Adj.
‘beschäftigt’
dar nach betrahte wie sin sele [...] mit tusent noͤten angeschaͤftig ist PrGeorg
332,10
MWB 1 237,32; Bearbeiter: Diehl
ane geschëhen
stV.
‘jmdm. geschehen, zugefügt werden’
dô Jêsu der tôt angeschach, / in der welte man dô sach / regenen bluot WvRh
11954
MWB 1 237,35; Bearbeiter: Diehl
anegeschouwe
stF.
‘Anblick’
sine iunger werde / frevten sich siner angeschowe Wernh
A 4653
MWB 1 237,38; Bearbeiter: Diehl
anegeschouwede
stF.
‘Anblick’
wan sin gotlich angeschoͮwide ist ain paradys PrGeorg
251,10 App.
MWB 1 237,40; Bearbeiter: Diehl
anegeschrîe
stN.
‘Anschreien, Schimpfen’
von seinem angeschray waren sy alle mit tode entschlaffen [
ab increpatione Ps 75,7
]
PsMb
26(Glossar)
MWB 1 237,42; Bearbeiter: Diehl
anegesic
stM.
‘Widerstreben’
secht, bi der stunde / sere buzen begunde / sine sunde der kunic / stetlich ane angesic. / swaz im Daniel vor sprach / lere, keine er der brach Daniel
3880
MWB 1 237,45; Bearbeiter: Diehl
anegesiht
stF. ,
anegesihte
stN.
1 das Anschauen 1.1
‘Anblicken’
1.2 übertr. (in präp. Fügungen) ‘vor jmdm., unter den Augen, in Gegenwart von’
1.3
‘Sicht(-weise)’
2 das Aussehen von jmdm./etw. 2.1
‘Gesicht’
2.2
‘der Anblick von jmdm./etw.’
1
das Anschauen
1.1
‘Anblicken’
Jesus hienc das houbet nider / durch des volkes angesiht HeslNic
945;
ich bitte dich, heliger got, umb erbarmherzige angesihte mines unnútzen lebennes Mechth
5: 35,51;
daz [Tier] ist sô vergiftig mit seim angesiht, ob ainer im in daz aug siht, sô stirbt er zehant BdN
131,25.
– visionäres Schauen:
mit einem innerlichen angesicht der gegenwúrtikeit Gotz Tauler
155,27
1.2
übertr. (in präp. Fügungen) ‘vor jmdm., unter den Augen, in Gegenwart von’
an dis richteris anigisichti Mühlh
102,2;
in angesihte sin geuallen alle [interl. zu in conspectu eius
]
PsM
21,30;
in des trones angesicht HeslApk
1013;
do si fúr Saulis angesiht / waren komen und er si sah RvEWchr
24812;
vor sîner angesihte / begunde clagen alzehant / diu herzogîn KvWSchwanr
222;
vor al der welte angesiht RvEBarl
8823;
den giengen si ze angesihte und strâftens under ir ougen KvHeimUrst
1206
1.3
‘Sicht(-weise)’
uuánte álso díu uuât den lîchamen zîeret in ménnisken gesíhte. sámo zîerent díh gûotív uuérch in mînero ána sûne. [La. áne gesíhte
]
Will
66,14;
sú zúhent es alles nah diser angesiht zoͧ der nature wollust und lediger friheit in selb ze hilfe Seuse
339,29;
daz geschiht von der anderung der angesihte [Blickwinkel] die die leut habent an die planeten KvMSph
60,18
2
das Aussehen von jmdm./etw.
2.1
‘Gesicht’
do ersach er in richte / an sime ane gesichte / vnde an sime gelazze, / an libe vnde an mazze, / daz er was sines kindes kint Herb
17935;
Crist / der da ein gewarer spiegel ist, / [...] / da inne alle und yecliche lude / mogent schauwen ire angesichte Pilgerf
3583;
hie zu mir hait geredt, / das du din gestalt und gesichte / also haist verdecket mit dem gemalten angesichte [Maske]
ebd.
8352;
sine setin waren rife unde ernste, sin antlitze unde sin angesichte scharf Köditz
46,32
2.2
‘der Anblick von jmdm./etw.’
si erschracten von der angesicht GvJudenb
2307;
an zesehenn schöner angesichtt HvHürnh
70,2;
der palm waz schone vnde liht / siner bletere angesicht [Oberfläche] / gaben harte schonen blic PassI/II
122,66;
ich geloube des, daz er unvrô / der angesihte wære Wh
61,25;
[er] hiez im wrkin sa / ein hoh, wit gewelbe da. / dar an heiz er die geschiht / malin dur ein angesiht [zum Anschauen]
RvEWchr
23630
MWB 1 237,49; Bearbeiter: Diehl
anegesihteclîche
Adv.
‘sichtbar, deutlich’
dû [Gott] angesihticlîchen wunder tæte, / dô man dich sach in menschlîcher wæte RvZw
143,7;
wie her Nabuchodonôsor / ouch godes sun erkante / [...] und anegesihteclîche sach Erlös
1851;
wan daz sie Lazarum gehan / [...] / da mohten angesihteclich [
ut Lazarum viderent Io 12,9
]
EvStPaul
13176
MWB 1 238,32; Bearbeiter: Diehl
anegeslaht
Adj.
‘angestammt, eigen’
also got ist gut an geslacht, / also ist di bosheit deme tubel Brun
6539.
12585;
im [dem Teufel] ist wol an geslacht / arkeit und untugent eben HeslApk
10858
MWB 1 238,39; Bearbeiter: Diehl
anegeslöufe
stN.
‘Hülle’ (vgl. zuogeslöufe):
wer offenbart sin antlitze / und sin angesleufe vul [
quis revelavit faciem indumenti eius Iob 41,4 über das äußere Erscheinungsbild des Leviathan]
Hiob
15095
MWB 1 238,43; Bearbeiter: Diehl
anegestalt
stF.
‘äußere Erscheinung, Gestalt’
und brâhten im di maget sân / und fuorten sî mit gewalt / fur irs herren angestalt [vor ihren Herrn]
MargAntiochII
196
MWB 1 238,48; Bearbeiter: Diehl
anegestelle (?)
N.
Bed. unklar:
ich nam und warf si [die dreißig Silberlinge] ze hant / wider in daz gotes hûs / zû des angestellten klûs [Hs.: des angestelle chlaus ‘Raum für abgestellte Sakralgegenstände’ - proieci illos in domo Domini ad statuarium Za 11,13
]
JvFrst
5812
MWB 1 238,52; Bearbeiter: Diehl
anegeval
stM.
‘Angriff’ (vgl. aneval):
dine sigehafte hant [...] ist des vredis schilt, / der den tubel dicke bevilt / an sime angevalle Brun
3693
MWB 1 238,58; Bearbeiter: Diehl
anegevanc
stM.
‘Beginn, Anfang’ (vgl. anevanc 1):
daz abentlieht heizset du zit in der su [alle Dinge] sint geschaffen und habent anegevanc an in selben Vateruns(Sch)
28
MWB 1 238,61; Bearbeiter: Diehl
anegevelle
stN.
‘jmdm. zustehende Einkünfte, Besitzansprüche’ (überwiegend in Erbsachen):
he [...] virkoufte sin gebuwe / durch sine rechte truwe. / [...] jo wolde der geselle / von sinem angevelle / do vil libir werdin bloz / wen daz he wurde truwelos PfzdHech
275,26;
weitere Belege DRW 1,637.
– dem Lehnsherren zufallende Nutzung aus einem vorübergehend freien Lehen (vgl. anevelle):
van sînes mannes manne nimt die herre angevelle an sînes selbes gûde, die wîle die kindere beide binnen iren jâren [minderjährig] sîn SSp
209,14
u.ö.
MWB 1 239,1; Bearbeiter: Diehl
anegewalt
stN.
‘Mitregentschaft’ (vgl. anewalte):
den andern bruder nach im alt / zoch er mit im uf angewalt, / [...] er liez wirken eine kronen / [...] die sazte er uf sin houbet / unde wart ein kuninc alda / uber alle lant Judea Macc
11534
MWB 1 239,13; Bearbeiter: Diehl
ane gewërn (?)
swV.
‘durch Verjährung erwerben, ersitzen’
in usucapione quod vulgo dicitur angeweren UrkMedeb
74
(a. 1165)
MWB 1 239,18; Bearbeiter: Diehl
anegewette
stN.
‘Pfand, Vertragsstrafe’ (nur in alem. Urk.; vgl. anewette):
[sie] enzihet sich an disem brieve mit geswornem aide alles des rehtes, so si daran hatte [...] und hat daruf ein angewethe gesezzet hundert marche silbers, ob si ir aides vergessen wolte UrkZürich
8,183
(a. 1307).
7,104
(a. 1299)
MWB 1 239,21; Bearbeiter: Diehl
anegewin
stM.
‘Gewinn, Erwerb’
durch mines hailes angewin / wil ich hie die ruͦwe han / und unwidersaget lan / biz ich den tag erkiuse WhvÖst
5022
MWB 1 239,28; Bearbeiter: Diehl
ane gewinnen
stV.
1
‘jmdm. etw. abnehmen’ (bes. durch Kampf oder gerichtl. Entscheidung) - meist mit Dat.d.P. und Akk.d.S. 2
‘jmdm. etw. zufügen’
3
‘jmdm. etw. nachweisen’
1
‘jmdm. etw. abnehmen’ (bes. durch Kampf oder gerichtl. Entscheidung) - meist mit Dat.d.P. und Akk.d.S.:
unze er selbe her quam unde ime den roup angewann AvaLJ
193,5;
mine burge sint mir an gewunnin Rol
3602.
7209;
daz si dem einvalten man / sînen zwîvel allen an gewan Tr
13892;
biz daz sim aber an gewan, / daz er den zwîvel aber lie ebd.
14222;
dochn mohten si im dehein êre / vürnames an gewinnen Iw
5369;
sint daz ir vriunde in ir guot vor gerihte habent anegewunnen SpdtL
90,9;
mit der kundikeit / macht er sô verzeit, / die daz hûs heten inne, / daz si niht mohten an gewinnen [nicht umhin konnten] / ze geben die klûs Ottok
74552.
– in den Wendungen: jmdm. hals/lîp/lëben
~
‘jmdm. das Leben nehmen’
sit ir bit vbeleme muͦde / stent nach dis mannes bluͦde, / wie ir ime gewinnent daz leben an, / vnschuldig wil ich sin dar an PassSpM
1058;
daz he demeselbin, deme he schult gibit umme den totslac [...], sinen hals angewinnen sal mit eime eide UrkFreiberg
1:43,32
(a. 1305)
2
‘jmdm. etw. zufügen’
unz er im aber an gewan / einen slac alsam ê; / der tet im herzenlîche wê Wig
6704
3
‘jmdm. etw. nachweisen’
vnd blibet aber die missetat von des meisters wegen vngerihtet [...], wirt es dem meistere ane gewunnen, er rûmet die stat UrkCorp (WMU)
N238AB,2,27
MWB 1 239,32; Bearbeiter: Diehl
ane geziehen
stV.
‘jmdn. betreffen, jmdm. zukommen’ (mit Akk.d.P.):
si enphiengen [...] / von im ir lant und des geniez, / als ieslîchen an gezôch Parz
52,7;
dô er die vürsten hêt gewert / ir lêhen, als si an gezôch Wig
9550;
UrkCorp (WMU)
2205,18;
wolten auch etliche unser genozze von hinnan varn, die svͤlen zu dem bawe tun, als si an geziuht, ee si von uns varn UrkAugsb
1,130
(a. 1298);
UrkCorp (WMU)
N362,20
MWB 1 239,59; Bearbeiter: Diehl
anegieʒ
stM. oder stN.
Vorgang des Angießens (vgl. ane gieʒen):
welch pot sich des angiesses seczt, der verlewst 12 pfenning UrkEichst
2,154
(a. 1319)
MWB 1 240,4; Bearbeiter: Diehl
anegieʒære
stM.
städt. Bediensteter zur Eichung von Gefäßen und zur Ausschankkontrolle (vgl. ane gieʒen):
es sol auch kain angiezer in kainen kelr gen und auch kain gedinge haben mit den, die trinken schenkent NüP
112
u.ö.;
dye angyesser sollent angiessen dem armen als dem reichen alle maß und alles trincken on geverde UrkEichst
2,154
(a. 1319)
u.ö.;
WüP
19,1
u.ö.
MWB 1 240,8; Bearbeiter: Diehl
ane gieʒen
stV.
1
‘jmdm. etw. einflößen’
2 überw. rechtl.: den Ausschank kontrollieren, durch das Einfüllen von Flüssigkeit den Inhalt eines Gefäßes messen 3
‘begießen, eingießen’
1
‘jmdm. etw. einflößen’
den schin des heiligen geistes angivz [interl. zu infunde
] vnsern sinnen PsM
H 13,2.
H 14,3
2
überw. rechtl.: den Ausschank kontrollieren, durch das Einfüllen von Flüssigkeit den Inhalt eines Gefäßes messen:
unde hat auh den gewalt daz er unde sine boten an mugen giezzen eime ieglichen litgaeben [Schankwirt] abents unde morgens uzerhalp sins huses StRAugsb
192,18;
unde swer schenket, swelherlai trinken daz ist, dem suln die angiezer alle tage angiezen, ze dem minsten aines males NüP
112
u.ö.;
UrkEichst
2,154
(a. 1319)
u.ö.
3
‘begießen, eingießen’
dô der keiser het gebat / [...] / dô sprach er: man sol giezen an [zur Dampfentwicklung Wasser auf erhitzte Steine] . / wir suln erwarmen unde gân / zu den rossen für das tor Wildon
3,163;
sÿ muͤstent in dem bluͦte über irn willen baden. / er begunde in an griffen [La. an giessen
] , daz mangem wart so heis, / der do muͤste nider schiessen tot in den kalten sweis WolfdD
2023A,2
MWB 1 240,16; Bearbeiter: Diehl |