anestrich
stM.
‘Substanz, mit der etw. bestrichen wird’ (hier: Blut statt Harz):
hœrt ir die dœne, Hagene, die dort Volkêr / videlt mit den Hiunen, [...] / ez ist ein rôter anstrich, den er zem videlbogen hât NibB
2004,4
MWB 1 288,19; Bearbeiter: Diehl
anestrîchærinne
stF.
‘eine Frau, die sich zu stark schminkt’
da main ich an streicherinn / dw sich schoner machen wellen / denn si got selber chan gestellen Teichn
292,4
MWB 1 288,24; Bearbeiter: Diehl
ane strîchen
stV.
1
‘etw. (Kleidung) anziehen, überstreifen’
2
‘etw. auftragen’
2.1 Salbe 2.2 Schminke (übergehend zu negativem ‘sich herausputzen’ )
1
‘etw. (Kleidung) anziehen, überstreifen’
zwô scharlaches hosen streich er an / mit grôzem vlîze an diu bein Wig
4088;
dô strichen si ir kleider an, / diu besten, diu si brâhten dar EnikWchr
6710;
sînen bart het er geschorn / und niwe kleider an gestrichen Ottok
10056.
75279;
Krone
23175;
Mai
73,12
2
‘etw. auftragen’
2.1
Salbe:
beta mit alunnen gestossen unde an gestrichen vertribet daz helige vuͦr Macer
91,3.
29,5
u.ö.;
niuwan dâ er die nôt lite, / dâ hiez sî sî [die Salbe] strîchen an: / sô entwiche diu suht dan Iw
3445.
3449.
–
do der gotes holde / den kunic [...] / getoufte [...] / und wolde im nach gewonheit / des oleies heilikeit / anstrichen Pass III
95,19
2.2
Schminke (übergehend zu negativem ‘sich herausputzen’):
liutsælic was sie selpvar, / doch bezzert sie hals unde kel: kecsilber, gaffer, weizmel / mit altem smerwe streich sie an Helbl
1,1148;
waz diser poshait ist, / anstreichen und chind vermachen, / daz geschiecht [...] / von dez alten weibs rat Teichn
294,23.
– übertr.:
ich weiz niht varbe mê, / diu vrowen alsô schôn an stê / alsô güete: swelch vrowe di an / strîchet, diu ist gar wolgetân UvLFrd
564,16
MWB 1 288,28; Bearbeiter: Diehl
ane stricken
swV.
‘etw. an jmdm. befestigen’
Marke nam dô Tristanden / sînen neven ze handen, / swert unde sporn strict er im an Tr
5021;
GTroj
21428.
– übertr. ‘jmdm. etw. anhängen’
wer nu [...] / unser frawen daz an striket / daz si mit sünden sey geschiket Teichn
464,309
MWB 1 288,52; Bearbeiter: Diehl
ane strîten
stV.
mit Dat.d.P. (v.a. bei ane gestrîten) oder Akk.d.P.
1
‘gegen jmdn. ankämpfen’
2
‘jmdm. etw. streitig machen’
3 subst. ‘Angriff’
1
‘gegen jmdn. ankämpfen’
unz mir daz alter ane gestreit: / daz hât mir gar die kraft benomen Er
605;
doch het er ein swære, / diu sinen sorgen an gestreit StrKD
123,33;
hie mit der slâf im an gestreit. / in dirre nôt entslief er Wig
6860;
er [...] streit der heiden ungelouben an KvWPant
36;
reinikeit, / dâ mite der geist ie an gestreit / vleischlîcher gir, als sunne tuot dem touwe RvZw
35,11;
RvEWchr
16749.
17297.
21649.
–
[es] begunde in dô an strîten [anfechten] / zuo den andern sîten / daz im gar unmære / älliu diu êre wære Iw
1731;
dô er mich sô vil an gestreit [in mich drang] / verholn ichz im dô sagte Parz
498,4.
– mit Gen.d.S.:
sol mîn ritter sîn ein koufman, / des mich mîn swester vil an streit Parz
396,7
2
‘jmdm. etw. streitig machen’
[von den Griechen] wart mit ritterlichen siten / Troiære der sig an gestriten KvWTroj
40500
3
subst. ‘Angriff’
darumme saltû zu allin zîten / kein des tûvils anstrîten [Versuchung] / gereit sîn NvJer
3233
MWB 1 288,58; Bearbeiter: Diehl
ane stroufen
swV.
‘überstreifen’
obe ich einen dore [Narren] fynde, / das ich yme daz umb den hals bynde, / [...] / und yme eine bose woche an streuffe Pilgerf
7229
MWB 1 289,15; Bearbeiter: Diehl
ane stunt
Adv.
→ stunde
MWB 1 289,19;
ane stürmen
swV.
‘jmdn./etw. angreifen, überfallen’
als an drin teilen die / stat wolden ansturmen sie Kreuzf
2856;
von dem ansturmen der stat und der burc Elbinge NvJer
7806,Überschrift;
RvEWchr
16250
MWB 1 289,20; Bearbeiter: Diehl
ane stürzen
swV.
‘jmdm. etw. überziehen’
dem fuͤrsten angestuͤrtzet / was daz riche gewant WhvÖst
12840
MWB 1 289,25; Bearbeiter: Diehl
anesûne
stN.
→
anesiune
MWB 1 289,28;
ane suochen
swV.
1
‘jmdn. um etw. ersuchen, jmdm. etw. abverlangen’
1.1 mit doppeltem Akk. 1.2 mit Akk.d.P. und Obj.-Satz 1.3 in Passivkonstr. 2
‘jmdm. etw. antragen’ (mit doppeltem Akk.) 3 refl. ‘sich anschmiegen’
1
‘jmdn. um etw. ersuchen, jmdm. etw. abverlangen’
1.1
mit doppeltem Akk.:
er ladete zewâre / friunt unde mâge / [...] helfe suocht er si an Kchr
6985;
swer iz in [Christus] sivchet ane / mit warir minne, / deme hilfet her gedingen / [...] / zvͦ deme ewigen libe Ägidius
1041;
‘frauwe’, sprach ich, ‘ich hatte uch so sere / ertzurnet das ich uch nit mere / solichs an gesuchen, aber yetzont / bijden ich uch flehelich zu stont’ Pilgerf
4680;
wann wer den andern vngerechtichait ansüecht, das ist des schant, der vnrecht hat Schachzb
106,95
1.2
mit Akk.d.P. und Obj.-Satz:
daz si den Markis svͦhtin an, / daz er Arabel in gæbe wider TürlArabel
*A 162,14;
ich bit uch ob alle fruntschafft das ir mir anders kein mynne an suchent dann die alle die lút wol ansehen mögen Lanc
534,32;
do derzaigt der pruder daz / daz er was ein pöser man / und auch sucht die frawen an / daz si seinen willen tet Teichn
565,14
1.3
in Passivkonstr.:
nieman weis, wie stark er si, er werde denne e angesuͦchet von der welte bosheit Mechth
6: 40,4;
ain junckfrawe wol getaun. / diuͤ wirt vil gesuͦcht an / daz iren ern nit gezæm / und der leib doch gern næm Teichn
521,4.
–
‘jmdn. rechtl. belangen’
daz der probst unt daz goteshaus [...] niht en gelten shuln, was Walchun mit reht oder mit gewalt wirt angesuchet umbe daz sælbe erbe UrkCorp (WMU)
845,33
2
‘jmdm. etw. antragen’ (mit doppeltem Akk.):
herr, ich was des bot, / daz iuch sunder spot / daz rîche wart an gesuocht Ottok
13325
3
refl. ‘sich anschmiegen’
der roc der was ir heinlîch, / er tet sich nâhen zuo der lîch: / ern truoc an keiner stat hin dan, / er suohte allenthalben an / al von obene hin ze tal Tr
10912.
15737
MWB 1 289,29; Bearbeiter: Diehl
ane sweifen
stV.
‘etw. (ein Kleidungsstück) überwerfen’
den mantel siu doch an swief. / dô wart er ir alsô tief, / daz er ir verre nâch gienc UvZLanz
5907
MWB 1 290,1; Bearbeiter: Diehl
ane swërn
stV.
‘jmdm. etw. durch Schwur oder Fluch auferlegen’
lîdens nôt / von natûre im [Christus] angeborn / und nicht von ûzen angesworn JvFrst
2400
MWB 1 290,5; Bearbeiter: Diehl
ane swingen
stV.
‘jmdn. überkommen’
daz ist niht anders mere, / do sie die minne ane geswanc; / nochdan was sie so kranc Herb
651
MWB 1 290,9; Bearbeiter: Diehl
ane tagedingen
swV.
‘jmdn. anklagen, gerichtl. belangen’
ab sie keyman antegedingen eder ansprechen wolde ume daz vorgenante guͦt UrkMerseb
823
(a. 1343)
MWB 1 290,12; Bearbeiter: Diehl
ane tasten
swV.
‘jmdn./etw. berühren, anfassen, an etw. rühren’
Lancelot tast den sarck ane zum schwern ende und hub yn Lanc
615,21;
her ist besigelt also vaste, / daz ich sin nicht tar antasten Brun
9822;
wa man kuͦninc Ludowichs [...] kuninclich gut anetastede MGHConst
5:530,47
(a. 1322);
dise wort ich wider antaste HeslApk
14643;
icht hinwider ze clagen, daz dieselb ansprâch antast StRMünch(A)
192;
dise mirre wurt angetastet in zweigerleige wise, mit den sinnen und mit der vernunft Tauler
19,17.
19,18.
19,25.
–
‘jmdn. überkommen, befallen’
stet vaste, / swen die not uch an taste HeslApk
13694.
–
‘jmdn. festnehmen’
zuͦ hant duͦ ane taste / manlich den sinen [der Henker der Gefangenen] / inde leiden si zer pinen MorantGalie
2124
(vgl. Anm.z.St.)
MWB 1 290,16; Bearbeiter: Diehl
anetblat
stN.
‘Dillblatt’
daz kraut [Kümmel] hât langeu pleter klaineu nâhen [...] sam diu anetpleter BdN
396,15
MWB 1 290,32; Bearbeiter: Diehl
aneteil
stMN.
‘Anteil’
sol man vron Verenuͦn [...] ir antailis des silbers niht wan vz den drinhundert marchen werin UrkCorp (WMU)
127A,11.
127B,12;
wil der Waffeler sinen anteil geben, den sol man von ime nemen UrkFreiburg
3:170,9
(a. 1311)
MWB 1 290,35; Bearbeiter: Diehl
aneteilec
Adj.
‘beteiligt, teilhaftig’ nur in best. Wendungen
1 einer Sache
sîn
‘an etw. (An)teil haben’
2 jmdn. einer Sache
tuon/machen
‘an etw. beteiligen’
1
einer Sache ~
sîn
‘an etw. (An)teil haben’
es sint ôch fúnf hand lúte die der mess nit antailig sint PrGeorg
8,10;
[er] begert von hertzen / antailig sin des grossen schmertzen / den unser herr Jhesus Cristus laid KvHelmsd
4190
2
jmdn. einer Sache ~
tuon/machen
‘an etw. beteiligen’
das wir [...] vnsers gotzhuses lúte vnd gvͦt ze Vre [...] genôsam vnd anteilig [
participes
N477B30
] haben gemachet aller der rechtunge UrkCorp (WMU)
N477A,25;
barfuozen unde bredier / tête ich sú sin [des Pfennigs] anteilig / sú sprechent ich were heilig Pfennig
63
MWB 1 290,40; Bearbeiter: Diehl
ane teilen
swV.
‘zuteilen’
der grâve sprach: nû teilet an, / daz uns beiden wol an stê / und niht krumbes dâ mit gê HeidinIV
1354
MWB 1 290,53; Bearbeiter: Diehl
anetkrût
stN.
‘Dill’ (vgl. tille):
anetum haizt anetkraut BdN
381,28;
dû scholt auch niht gedenken noch wænen, daz anetkraut aneiskraut haiz, wan daz ist ain ander kraut ebd.
382,10
u.ö.
MWB 1 290,56; Bearbeiter: Diehl
anetrac
stM.
‘Anschlag’
ich trag grosser beschwaͤrde dol: / Got von himelrich, du erkennst wol / disen antrag unnd diß groß unrecht FrSchw
473
MWB 1 290,60; Bearbeiter: Diehl
anetragære
stM.
zu ane tragen.
‘jmd., der etw. anbahnt’
swer auch dez [Entführung eines Kindes zur Verheiratung gegen den elterl. Willen] antrager ist, frowe oder man, der sol ligen in dem turne funf iar NüP
170
MWB 1 291,1; Bearbeiter: Diehl
anetragærinne
stF.
zu ane tragen.
‘Frau, die etw. herbeibringt, Kellnerin’, übertr. ‘in die Wege leitet, Anstifterin’
den wirt der lôn weder oben ûf dem himele noch hie niden [...]. daz sint die trüllerinne [Kupplerinnen] unde die antragerinne, der nieman mêr ze keiner bôsheit geruochet PrBerth
1:335,32;
das ist die spiserynne / und die andregerynne / hie in dem huse und ansetzerynne. / sij gibt der selen zu essen Pilgerf
13164
MWB 1 291,6; Bearbeiter: Diehl
ane tragen
stV.
1
‘etw. (an sich) tragen’ (meist Kleidung, auch Rüstung, Schmuck) 2
‘herantragen’
2.1 mit Akk.d.S. ‘etw. herantragen, herbeischaffen’
2.2 mit Akk.d.S. und Dat.d.P. oder doppeltem Akk. 2.2.1
‘jmdm. etw. antragen, anbieten’
2.2.2
‘jmdm. etw. zufügen’
3
‘etw. anstiften, in die Wege leiten’
1
‘etw. (an sich) tragen’ (meist Kleidung, auch Rüstung, Schmuck):
einen goden waphen roch trocher an Roth
1118;
swaz der ritter ane truc, / ez [das Geschoß] fur durch in san, / alser nicht en hette an Herb
4500;
knecht, gebur, koufman / mvsten ysen [Rüstung] tragen an ebd.
9860;
wir enkvnden von der gezirde / nimmer gesagen vollen gnvc, / die die frauwe ane truc ebd.
628;
die selben wallenden man / die truogen unde hæten an / lînkappen unde solhe wât, / diu wallæren rehte stât Tr
2630;
zwêne brîsschuoch [Schnürschuh] er an truoc Wig
1434;
vil maniger grawes [graue Mönchsgewänder] ane treitt / und hat verwandelt sein leben HvBurg
32
2
‘herantragen’
2.1
mit Akk.d.S. ‘etw. herantragen, herbeischaffen’
den schaz man ane zale nam. / vnde trogin allez daz an. / vz des kuningis kameren Roth
789.
3111;
der gebûr rief dem wîbe sâ; / er sprach ‘nu trac den harnasch an: / wir suln von dem walde dan / balde varn ê ez tage.’ Wig
5459.
– mit Ersparung des Obj.:
fraw, nu haist tragen an. / [...] da trügen sy dy saümschrein / an das schef, prot und wein Hawich
3845.
– selten mit Akk.d.P. ‘jmdn. herantragen’
dâ wart der arme Tristan / mit maneger clage getragen an / vil tougenlîche Tr
7346;
sus swebeten sîne sinne / in einer ungewissen habe: / trôst truog in an [führt ihn ans sichere Ufer] und zwîvel abe. / ern vant niht stætes an in zwein ebd.
892
2.2
mit Akk.d.S. und Dat.d.P. oder doppeltem Akk.
2.2.1
‘jmdm. etw. antragen, anbieten’
und truog in sînen dienest an Tr
3401;
deist triuwe, diu von herzen gât; / diu treit sich uns vergebene an ebd.
12337
u.ö.;
Nicômachus begunde ouch sagn / wie in daz mort was an getragen [wie er zur Mittäterschaft aufgefordert worden war]
RvEAlex
19376.
– mit Ersparung des Obj.:
der vnterkauffel [Makler]
[...] hat das guet also angetragen StRPrag
82.
– mit Gen.d.S. und Akk.d.P. ‘jmdm. etw. berichten, nahelegen’
als ich ein teil hie hân geseit / des mich der schrift urkünde an treit RvEAlex
15554
2.2.2
‘jmdm. etw. zufügen’
diz truogin [seinen Freunden] grôzen jâmer an Tr
2585;
was jâmers mir in kurzen tagen / ist von dem Karlot an getragen Ottok
4858
3
‘etw. anstiften, in die Wege leiten’
wer schol daz wenden vnde chlagen, / daz got selbe ruchet antragen, / der an niemen missetvt? Wernh
D 2058;
swaz der tieuil angetreit, / ih wêiz er sich niemer geleit / untzer daz uol bringet ebd.
D 4851;
daz all teufel nicht an truͤgen, / daz pringt si zu in churzer vrist Teichn
294,20;
ich getrûwez heinlîche alsô wol an getragen: / daz Prünhilde weinen sol im werden leit NibB
873,2.
1107,1.
1116,1;
HvNstAp
9209;
Ottok
523;
HvFreibTr
5898.
–
‘mit jmdm. etw. beginnen, verabreden’
vrouwe, dâ sult ir / mit dem künege daz an tragen / [...] daz er denne rîte / gein dem blanken lande hin HvFreibTr
4209.
2360.
2376;
mit dem selben man / truoc ouch herzog Otte an, / wie er über kæme / daz er niht schaden næme Ottok
86929;
der selbe geistlich man / truoc die verrâtnus an / mit den unsæligen ebd.
60628
MWB 1 291,15; Bearbeiter: Diehl |