anevertigære
stM.
‘Angreifer, Ankläger’
wer ouch einen geswornin burger anvertigit, [...] unde slet der gesworne burger [...] den anvertiger [...] czu tode unde nimit daz derselbe gesworne uffe sinen eit, daz in derselbe anvertiger [oder dessen Helfer] sines libes erlosin woldin UrkFreiberg
1:44,6
(a. 1305);
mit hulfe vnde mit gunste widder igeliche ansprecher vnd anvertiger zu deme vorgenanten erbe UrkStolb
148
(13. Jh.)
MWB 1 301,20; Bearbeiter: Diehl
ane vertigen
swV.
zu anevart.
1 mit Akk.d.P. 1.1
‘jmdn. angreifen’
1.2
‘jmdn. rechtl. belangen’
2 mit Akk.d.S. 2.1
‘etw. beanspruchen’
2.2
‘etw. anfechten’
3 mit doppeltem Akk.
1
mit Akk.d.P.
1.1
‘jmdn. angreifen’
swelich man den anderen ane verdiget in dhere strate mit gewalt UrkCorp (WMU)
2,32;
ob ein svn sinen vater oder sin mvͦter angriffet also, daz er in an ir lib, an ir gvͦt oder an ir eren an vertiget UrkWittelsb
2,122
(a. 1300).
–
‘verbal attackieren, beschimpfen’
ist ouch, daz iemen dehein schepfen [...] mit bosen worten anvertigt NüP
53;
mich zu anfertigen sprach sij zu mir Pilgerf
9169
1.2
‘jmdn. rechtl. belangen’
anivertigieti in [den Beklagten] dan imin mit sicheinir unrechtin gewalt Mühlh
97,12.
97,17;
daz weder wir, noch niemant anders [...] den edeln herren [...] von des vorgenannten erbteils wegen beclagen, bechuͤmern, hindern, noch anvertigen sullen UrkHohenz
3,50
(a. 1338).
3,174
(a. 1348).
3,177
(a. 1348)
2
mit Akk.d.S.
2.1
‘etw. beanspruchen’
ob iemand die [...] gut anvertigen wolt mit ansprach UrkIndersd
52
(a. 1311);
wer nach tode einiges mans [...] sein geraidt gut [...] erbt oder anefertiget DRW
1,630
(SaarbrückenLR.)
2.2
‘etw. anfechten’
geschæh aber, daz mein herr in der frist dhein lehen verlih an geværd [ohne Vorbehalt] , daz sol ich zehant an verttign als reht ist UrkCorp (WMU)
3483,6
3
mit doppeltem Akk.:
vmb den gewalt, daz man vnser chamer an gevertiget [angetan] hat UrkCorp (WMU)
2237B,27
MWB 1 301,29; Bearbeiter: Diehl
anevertigunge
stF.
‘Anklage’
daz wir damit dem gotzhaus deu irrung und diu anvertigung aufrihten und zerlozen suln UrkIndersd
52
(a. 1311);
und gebieten iu allen [...] daz ir furbazz iemand in iwern pflegen und gerihten solicher klag, ladung oder anvertigung [...] iht gestatt UrkLudw
204
(a. 1342)
MWB 1 301,57; Bearbeiter: Diehl
anevertunge
stF.
‘(rechtl.) Anfechtung’
daz in div ere anuertunge hernach ce schaden noch ce criege iht wahse von chainen minen nachchomen noch von mir UrkCorp (WMU)
1148,5.
1148,9
MWB 1 302,1; Bearbeiter: Diehl
ane verwænen
swV.
‘jmdm. etw. nachsagen, vorwerfen’ (mit Akk.d.P und Akk.d.S.):
tzw dem andern mal süllen die werichlawt weishait vnd warhait haben, also das ainer den andern icht neyd noch anverwän, das nicht war sey Schachzb
78,48
MWB 1 302,5; Bearbeiter: Diehl
ane vinden
stV.
‘sich an einem best. Ort befinden’ (fraglich, ob Partikelverb):
do muͦs die nature ir selbes verloͤigenen und under getruket werden in aller der klebelicheit und anhenglicheit do si sich an vint Tauler
377,11
MWB 1 302,11; Bearbeiter: Diehl
ane vlêhen
swV.
‘jmdn. anflehen’
den baruc man an flêgt, / daz er in diu lant / sîn heidenisch priester sant Ottok
49296
MWB 1 302,16; Bearbeiter: Diehl
ane vlicken
swV.
‘etw. anheften’
ein ander holz, / dar an di uberschrift gezwickt / was geschriben und angeflickt JvFrst
8744
MWB 1 302,19; Bearbeiter: Diehl
ane vliegen
stV.
‘auf etw./jmdn. zufliegen’
dich uloͮch an manich geschoz GenM
113,27;
alhie vlouc sper unde sper, / ros unde ros, man unde man / sô vîntlîche ein ander an Tr
18868;
nie valke guot / zem luoder kan / sô snelleclîch, / alsô mîn muot / si fliuget an KLD:BvH
18: 2,5;
KvWLd
24,25
MWB 1 302,22; Bearbeiter: Diehl
anevluʒ
stM.
‘Ursprung’ (vgl. ûʒvluʒ):
diz ist gesprochen von dem anefluzze des vaters, den er hât von sîner eigenen nâtûre, mit der er alvermügende ist Eckh (Pf)
521,17.
521,3
MWB 1 302,29; Bearbeiter: Diehl
ane vordern
swV.
meist in Rechtstexten
1
‘auffordern’
1.1
‘jmdn. zu etw. auffordern’ (mit Obj.-Satz) 1.2
‘jmdn. (vor Gericht) fordern, belangen’
2
‘jmdm. etw. abfordern’
1
‘auffordern’
1.1
‘jmdn. zu etw. auffordern’ (mit Obj.-Satz):
íh uórderôta ín ána. daz er sích mír in dírro uuérlte ôigte Will
83,2
1.2
‘jmdn. (vor Gericht) fordern, belangen’
das in Chunrat [...] umb die vogtai [...] nie nicht angevordert noch genöttet hat UrkNeustift
235
(a. 1325);
ob [...] jemant keme und sine erben umb schult anforderte DRW
1,630
(BruggStR.)
2
‘jmdm. etw. abfordern’
vurderent sie den herren daz gût ane zu lênrechte SSp
191,8;
lihet man daz [Gut] einem man [...] vnd vordert man in dienst an SchwSp
220a
MWB 1 302,33; Bearbeiter: Diehl
anevorderunge
stF.
‘Anspruch, Forderung’
swaz wir auch den juden haben abe genomen, des sullen wir ledig sin gentzelichen und dar umme von im kein straffuͦnge haben noch anforderunge MGHConst
5:528,31
(a. 1322);
wür haben [...] auf dieselb vogtey kheinerley recht, ansprach, oder anfoderung fürbas nimmer UrkNAltaich
2,54
(a. 1352 kopial)
MWB 1 302,45; Bearbeiter: Diehl
ane vrâgen
swV.
‘jmdn. (be)fragen’
der vragete an Briccio / nach dem bischove Martino, / wand er im was unbekant Pass III
615,41.
649,2;
der bischof wart sich ummesên / und dî lûte vragin an, / ob îman kente disen man NvJer
8235.
– Zu ane vrâgen in Aufforderungssätzen →
ane
Adv., Präp. 1.1
MWB 1 302,53; Bearbeiter: Diehl
anevrouwe
stF.
1
‘Großmutter’ (vgl. ane swstF.) 2
‘Vorfahrin, Stammmutter’
1
‘Großmutter’ (vgl. ane swstF.):
vil lieber man, du bist mîn suon / [...] / iedoch sint die kinder mîn / von dir, ir anefrouwe ich bin UvEtzAlex
3086;
vnser anherre vnd frauwen Elspeten sin hausfrauwen, vnser anfrauwen UrkCorp (WMU)
3132,4.
2969,35
2
‘Vorfahrin, Stammmutter’
wizt ir, daz iuwers vater bas / des jungen von dem Berge rehtiu anvrou was Loheng
1382
MWB 1 302,59; Bearbeiter: Diehl
ane vüegen
swV.
1
‘jmdm. etw. zuordnen’
2 intr. ‘sich anpassen’
1
‘jmdm. etw. zuordnen’
alliv dinc div im anvuogit [
iniunxerit
] der vater er habe vnder der sorg sin BrZw
31;
diu materie geformet wirt, / swaz der gestalt enbirt / der [La. die
] im gefuͤget ist denne an WhvÖst
14311
2
intr. ‘sich anpassen’
der vil tugenthafte Crist / wintschaffen alse ein ermel ist: / er vüeget unde suochet an, / dâ manz an in gesuochen kan Tr
15737
MWB 1 303,3; Bearbeiter: Diehl
anevüerærinne
stF.
‘Anleiterin’
zweyedracht und versmehonge, / [...] / des bin ich frauwe und anfuererynne, / heubtfrauwe und meisterynne Pilgerf
7495
MWB 1 303,11; Bearbeiter: Diehl
ane vüeren
swV.
1
‘etw. (Kleidung, Waffen, Schmuck) anhaben, tragen’
2
‘jmdn. anführen’
1
‘etw. (Kleidung, Waffen, Schmuck) anhaben, tragen’
man sach ín zuͦ den zítín / eínín halsberch ane vuorrín / mít ríemín und mít snuͦrín Athis
B 49;
ir ors, ir phert, ir cleidir / und swaz sie zierdin vuortin ane ebd.
C* 115;
er vurte einen wapenroc an Herb
12946;
sîne fuorte niht wan knoden an Parz
257,14;
diu maget vuorte ze kleide / ein scharlaches kappen an Wig
1737;
er fuorte von samîte / liehtiu wâpencleider an KvWTurn
360.
– mit Ersparung des Obj.:
so hiet ich einn verzagten muot, / solt ich an füern [eine Rüstung] und ir niht EnikWchr
28339
2
‘jmdn. anführen’
das sie der best ritter ane furte den die cristenheit hatt Lanc
252,28
MWB 1 303,15; Bearbeiter: Diehl
ane vüllen
swV.
Bed. unklar, ‘anfüllen’ im Sinn von ‘bedecken’ - oder mit Haupt, ZfdA 15 (1872), 247 ane vûlen
‘verunstalten’ zu lesen:
ir füllet iuch mit willen an, / iuwer dhaine ist so wol getan / si leg an sich all solche clait, / die iuch ze tragen solten lait / sin und die iuch missestant. / den lip ir alle unschone hant / daz git uns hohes muotes nicht UvLFrb
223
MWB 1 303,29; Bearbeiter: Diehl
ane wahsen
stV.
1 nur Part. Prät. ‘jmdm. angewachsen sein’
2
‘entstehen, sich entwickeln’
1
nur Part. Prät. ‘jmdm. angewachsen sein’
inn der [dem Juden abgezogenen] hute ging der ritter lobesan / in allen den geberden, / als were sie [die Haut] im gewachssen an SalMor
163,5
2
‘entstehen, sich entwickeln’
mit gemeine der Sachsen / sol zu Tzwickow ein spiegel hîr an wachsen StRZwick
6
MWB 1 303,37; Bearbeiter: Schnell
ane wæjen
swV.
1 mit Akk.d.P. ‘jmdn. anwehen’
2 mit Akk.d.P. und Akk.d.S. ‘jmdm. etw. zuwehen lassen’
1
mit Akk.d.P. ‘jmdn. anwehen’
lâ mich den wint an wæjen / der kumt von mînes herzen kuneginne KLD:HvA
2:1,1;
do der geist [Gottes] in [Johannes] dort an wete HeslApk
1632;
so der wind der gedultsami úns an waͤget PrGeorg
34,24
2
mit Akk.d.P. und Akk.d.S. ‘jmdm. etw. zuwehen lassen’
die tiuvel dâ mite [mit Blasebälgen] blæten, / daz fiuwer sî in [Tundalus] an wæten Tund
1322;
alle die uͤbeln wint die uns der tifel an wæt PrOberalt
44,30
MWB 1 303,44; Bearbeiter: Schnell
anewalt
stSubst.
‘Macht, Gewalt’ (mit Gen.-Attr.):
ouch Cristes gehorsam halt / und der getrwen anewalt / uns bezeiget ein ritter vrut [König David]
TvKulm
2418;
dez menschen bild [ist] beclecket, / gar vorschaffen und vorstalt / von der sunden anewalt ebd.
684;
di armen di hi muzen / liden betrubnis manicvalt / von der bosen anewalt Hiob
1846;
oder ist der Teufel als Sachwalter (vgl. anewalte) der Sünde bzw. der bösen Menschen gemeint?
MWB 1 303,54; Bearbeiter: Schnell
anewalte
stswM.
‘jmd., der Macht ausübt’ (vgl. anegewalt):
1 aufgrund eigener Befugnis: ‘Anführer’
2 im Namen eines anderen: ‘Sachwalter, Stellvertreter, Bevollmächtigter’ (vgl. 2 HRG 1,255-263)
1
aufgrund eigener Befugnis: ‘Anführer’
und dô sus dî gemeine dît [die aufständischen Preußen] / sach ir anewaldin [Übers. von principales huius sceleris
] / sich zu den brûdrin [Ordensbrüdern] haldin / [...] in trat michil angist zû NvJer
19866
2
im Namen eines anderen: ‘Sachwalter, Stellvertreter, Bevollmächtigter’ (vgl. 2HRG 1,255-263):
so sol vnser herr, der brobst oder sein anwalt daz purchrecht verchauffen UrkKlostern
1,167
(a. 1319).
1,221
(a. 1326);
UrkCorp (WMU)
3452,2;
do samenten sich satrapen, meistir, richter und anwalden des kunigis Cranc
Dan 3,94;
TvKulm
4142;
von den anewaldin / des kunigs [im Schachspiel]
[...], di do rochir [Türme] sint genant PfzdHech
240,24;
di anewalt [Plural]
ebd.
241,14
MWB 1 304,1; Bearbeiter: Schnell
ane walten
stV.
nur subst. Part. Präs.
‘Mitstreiter’
Belin bleyff do haldene / myt synen ane waldene KarlGalie
7676;
ir ind ur anewaldende / solt heir blyven haldende ebd.
6593
MWB 1 304,17; Bearbeiter: Schnell
ane walzen
stV.
‘heranrollen’
gelücke ist gar ein wildez lôz, / daz dicke walzet an und abe KvWTroj
18401
MWB 1 304,21; Bearbeiter: Schnell
anewande, anewende
stF.
1
‘Anwandacker, Pflugwende’ (Acker oder Grenzrain, auf dem der Pflug gewendet werden darf bzw. an den andere Äcker stoßen; vgl. Schmidt-Wiegand, Pflugwende und Anwendrecht, RhVjbll. 47 [1983], 236-264; s.a. anewendære ) 2 allg. ‘Grenze’
1
‘Anwandacker, Pflugwende’ (Acker oder Grenzrain, auf dem der Pflug gewendet werden darf bzw. an den andere Äcker stoßen; vgl. Schmidt-Wiegand, Pflugwende und Anwendrecht, RhVjbll. 47 [1983], 236-264; s.a. anewendære):
ubirsnitit och ein man din andirin [mäht ein Mann über die Grenze des anderen] an einir aniwendi Mühlh
155,17;
ein acker, stozset vffe die anewande bi sancte Peters ackere UrkCorp (WMU)
N627,40.
N184,32;
er und jener Engelher / triben mich mit wîges her / ab mîner anewande Neidh
WL 12:2,13;
Himmelr
10,12.
– als Wegstrecke, hier in Zeitangabe:
vnd sol iegeliche stvnde sin, das ein man mohte drie anewanden gegan UrkCorp (WMU)
N818,11
2
allg. ‘Grenze’
wa wart erdaht an dih [Gott] der list / [...], / daz des abgrvͥndes anewant, / tal vnd berg vf wasser sizzet? TürlArabel
*A 3,4
MWB 1 304,24; Bearbeiter: Schnell |