a – abebrëchære, âbrëchære abe brëchen, âbrechen – abe drumen abe|ein – abe ertwingen abe ervëhten – abegezogen abegezogenheit – abe houwen abehouwunge – abelæge abe lantscheiden – abe lœsen abelœsunge – âbentganc âbenthan – âbentsunnenschîn âbenttanz – aber|æhter abe rechenen, abe rechen – aber|schâch abe rücken – abe schieʒen abeschiht – abeslac abe slahen – abe stîgen abestôn – abetragære abe tragen – abe vâhen abeval – abe wahsen abe wæjen – abe weschen abeweschunge – abe ziehen abeziehunge – âbrëchære âbrëchen – achter-, ahter- achwent – ackervruht ackerwërc – adellich, adellîche(n) adelmuoter – âderslahen âderstôʒ – affensmalz affenspil – afterbier afterblunder – aftermuoder aftermûre – afterwort afterzal – agleister agleistervar – ahselrote ahselspange – ahtehalp, ahtodehalp ahten – âhui ahzec – alamande alanc – alde aldê – algorismus alheit – allergotesheiligentac allerhalbe – allersamen, allersam, allersamet allersêlentac – allwent Alman, Almân – alp alpha – al|tagelich altære, altâre, alter – alters|eine alterstat – altmæʒec altmüede – alwaltecheit alwaltende – ambahtære ambahte – âmehte âmehtec – ametiste âmezûber – amt âmügel – anderheit anderleie – andorn andouge – ane bereiten ane bërn – anebot ane botwarn – ane draben ane dræhen – ane errâten ane ersëhen – anegedenken anegedenklich – anegeslaht anegeslöufe – anegrîfunge ane grînen – aneheftec ane heften – aneinander ane jagen – ane komen ane koufen – aneleitrëht aneleitunge – 2ane merken anemerkunge – ane phîfen ane phlanzen – anerüeftec ane rüeren – aneschouwede aneschouwelich – anesidel, anesedel ane sîfern – ane sniudeln ane snöuwen – ane springen anespruch – ane strîten ane stroufen – ane trëten ane trîben – anevëhtigunge anevëhtlich – anevluʒ ane vordern – ane weigen aneweigunge – anewîsunge ane wonen – angelisch angeln – angestnôt angestsam – ankesmër anlamin – antlæʒec antlâʒen – antsmër anttac – antwîch antwürkæreknëht – apfelrîs apfelrôt – ar âr – arc|haft arche – ardell ardîse(n) – armbendec armbouc – armiure armlëder – arnebote arnen – art art – arzâtîen, arzedîen arzâtîn – âsblâsende ascalamus – â|schildes aschlouch – aspentier aspindê, aspindei – astronomierre astronomus – atrament atte, ette – avelen âventiurære – â|witzec â|witzen – âʒ|zît
|
abe nagen
stV.
1
‘etw. nagend ablösen, etw. abnagen’
2
‘etw. (Zähne) durch Nagen abnutzen’
1
‘etw. nagend ablösen, etw. abnagen’
der wurm, der da den boͮm abkifte und in abnuͦch dc er dorrot PrSchw
2,104;
daz gebeine [...] daz gap ouch sô durren schîn, / als ob ez nie hiet fleisch getragen, / sô gar was ez [von Heuschrecken] ab genagen Ottok
96125;
wer trüege ein gift in sînem magen, / diu im daz herze wölte abe nagen Renner
14264;
daz si [Maus] den strick ab genuck / und den lewen ledick lie ErzIII
87,24.
– med., eine Wirkung von Heilmitteln bezeichnend:
[Weinstein als Salbe angewendet] hat di kraft daz er daz fule. vnde daz rote uleisch abneget an den wunden. vnde di blatern di uzsetzigen hant an dem antluze SalArz
92,3;
ähnl. vom Kraut Nieswurz:
daz ez wildez [wucherndes] flaisch abnegt BdN
399,28
2
‘etw. (Zähne) durch Nagen abnutzen’
die zene waren v̀ber al / scherttet [schartig] vnd ab genagen Krone
19689
MWB 1 37,33; Bearbeiter: Plate
âbenden
swV.
‘Abend werden’, unpersönl.:
und alse ez âbendende wart, / nu bereite man in zuo zir vart / eine barken unde ein schiffelîn Tr
7339;
so es aber begond abenden, so turst in als reht úbel, daz ellú sin nature na trinkene rang Seuse
47,12;
Kudr
1065,1;
StrAmis
1846;
RvEWchr
16590
MWB 1 37,51; Bearbeiter: Plate
âbendes
Adv.
‘abends’ (adverbialer Gen. von âbent, vgl. dort die weiteren Belege für des, eines ~
):
abendes und morgens und mittes tages [
uespere et mane et meridie
]
PsM
54,18;
âbents oder fruo Parz
554,5;
an tentzen ir gerne gat / abendis uf den gazzen Daniel
2933.
2041.
6427;
Lanc
90,32
MWB 1 37,57; Bearbeiter: Plate
abe neigen
swV.
1
‘sich niederneigen’ , refl. 2
‘abweichen, sich abwenden (von etw./jmdm.)’
3
‘etw. abwenden, ablenken’
1
‘sich niederneigen’, refl.:
die andern planeten die abnaigen sich gegen dem himelwagen KvMSph
25,10
(u.ö. für declinare)
2
‘abweichen, sich abwenden (von etw./jmdm.)’
vervlvhet di da abeneigent [
maledicti qui declinant (a mandatis tuis)
]
PsLeipzig
29;
aber Ihesus naiget sich ab von der schar di da stvnd in der stat EvAug
221,4
3
‘etw. abwenden, ablenken’
[der Smaragd] mêrt reichtum [...] und abnaigt daz ungewiter BdN
459,24
MWB 1 37,63; Bearbeiter: Plate
abeneigunge
stF.
‘Neigung nach unten’
dy undirste wonunge was kein [gegen] dem tempil undir der erdin durch [wegen] der abneygunge [Gefälle] des bergis Cranc
Uzl 269,28;
seit danne deu grost abnaigung [
declinatio
] der sunnen hat drei und zwainzig grad KvMSph
31,30
u.ö.
MWB 1 38,9; Bearbeiter: Plate
abenëmære
stM.
1 zu tr. abe nëmen 1.3.2
‘stehlen’
2 zu intr. abe nëmen 2
‘sich verschlechtern’
1
zu tr. abe nëmen 1.3.2
‘stehlen’
von boͤser herren smeicher vnd armer levte abnemer Renner
Überschrift vor 2149 App.
2
zu intr. abe nëmen 2
‘sich verschlechtern’
an êren zuogrif der ist guot, / an êren abenemer [der an Ansehen verliert] der tuot / vil manege zît, des Êre niht enlachet RvZw
70,11
MWB 1 38,15; Bearbeiter: Plate
abe nëmen
st.V.
1 tr. 1.1 mit Akk.d.S. ‘etw. herunternehmen, wegnehmen, entfernen’
1.1.1
‘etw. (Gegenständliches) herunternehmen, wegnehmen’
1.1.2
‘etw. abziehen, ausnehmen, verringern’
1.1.3
‘(Abgaben) einziehen’
1.1.4
‘(eine Erzählung) abbrechen, unterbrechen’
1.1.5
‘etw. aufheben, zurücknehmen, abschaffen, beenden’ , 1.1.6
‘(ein Tier) schlachten’
1.1.7
‘etw. nachbildend gestalten’
1.2 mit Akk.d.P. 1.2.1
‘jmdn. (vom Kreuz, Galgen) herabnehmen’
1.2.2
‘jmdn. fortnehmen, entfernen, vertreiben (von etw./jmdm.)’
1.2.3
‘jmdn. von etw. (einem Tun oder Verhalten) abbringen / veranlassen, damit aufzuhören’
1.2.4
‘jmdn. entschädigen’
1.3 mit Dat.d.P. oder Präp.-Obj. und mit Akk.d.S. 1.3.1 der Dat. bezieht sich auf die physische Person. 1.3.2
‘jmdm. etw. entwenden, entziehen, abgewinnen’
1.3.3
‘etw. (Beschwerliches, Bedrückendes) vón jmdm. nehmen, jmdn. von etw. befreien’ . 1.3.4
‘jmdn. für etwas büßen lassen, dafür strafen’
1.3.5
‘jmdm. (als einem Aussagegegenstand) etw. absprechen’ (Ggs. zuo legen ) 1.3.6 Phras. 2 intr. 2.1
‘weniger werden, zurückgehen, schwinden, zu Ende gehen’
2.2
‘physisch schwächer werden, nachlassen’ (durch Alter, Krankheit, Hunger usw.) 2.3
‘sich wirtschaftlich, geistig, moralisch usw. verschlechtern, verfallen, dem Niedergang unterliegen’ (von Personen, Einrichtungen, Verhältnissen) 3 refl. nur
1
tr.
1.1
mit Akk.d.S. ‘etw. herunternehmen, wegnehmen, entfernen’
1.1.1
‘etw. (Gegenständliches) herunternehmen, wegnehmen’
den gríntel mîner túre nám íh ába. daz íh mînemo uuíne intâte Will
81,1;
diu tischlachen wâren ab genomn Parz
83,5;
und sô man die erde, diu von ûzwendic oben dar ûf geworfen ist, abenimet Eckh
5: 113,9.
– mit sachl. Subj.:
do die sunne hoch uf quam / und sie den towe ab genam ErzIII
141,32;
bist dv isen, das fúr nimt dir den rost abe VitasPatr
242,19;
wer sich wescht mit den cleien, dem nement si die unsauberkait vast abe BdN
403,14.
–
‘etw. (Wein, Obst) pflücken, ernten’
vnz man den win abnimet UrkCorp
2214,9;
eyn man hatte eynen vicboum gepflanczit in synem wyngarten. do quam her czu ym dy frucht abe czu nemene EvBerl
123,16.
123,18;
wiltu nv eppil odir birn lange haldin, so saltu di vrucht abe nemen mit gewarsamekeit, das keyn bruch doran si Pelzb
132,25.
– Küche: ‘etw. vom Feuer nehmen’
laz sie [Leber] braten gar vnd nim sie denne abe vnd lazze sie kalden BvgSp
29;
e du in [Fisch] abe nemest, betraufe in mit butern vaste ebd.
38.
20;
nim abe die pfannen ebd.
40.
–
‘(seine/die) Kopfbedeckung abnehmen, -setzen’
sînen huot er abe nam Wig
1436;
ir hoͮptuͦch WernhMl
10069;
den helm UvZLanz
2521;
die kupfen ebd.
4208;
helme und ouch diu hüetelîn ebd.
6839.
–
daz sie die segel abe name [niederholten] / vnd zv stade quamen Herb
1251.
–
ab was genomen [abgebunden] des rîches van, / durh daz wand in des rîches her / was entwichen von der wer Wh
328,6.
–
do man die thische abe nam [fortgetragen hatte] / vnde daz folc gestillet was, / do sprach der kvnic Herb
242;
die tavel man abe nam Er
5019.
–
Gyburc si weinende kuste [zum Abschied] . / ê si zir ringen wæren komen, / gezelt wâren elliu ab genomen [abgebaut]
Wh
313,2
1.1.2
‘etw. abziehen, ausnehmen, verringern’
daz si enweder liezen vor / burc lant noch urbor / unde dâ niht næmen abe, / wan daz si lîp und alle ir habe / antwurten [...] Lanzelete ir herren UvZLanz
8301;
die súnde allir tegelich / mit houbit schuldin merent sih / und wirt kleinen iht abe genomen [um nichts verringert]
RvEWchr
14168.
– mit Dat.d.S. für das, von dem abgenommen wird:
ir muren sint xx elin ho und x elin dicke, dorno nymt man der muren abe [verjüngt sie] in der hoe, das sy beheldit bobin iij elin MarcoPolo
29,13
1.1.3
‘(Abgaben) einziehen’
daz wir daz dienst [Geldabgaben] iærchleihen schuln abnemen ze den vorgesprochen tagen UrkCorp
2481,36
(weitere Belege s. WMU 1,23 unter B2 und DRW 1,189 unter 3a)
1.1.4
‘(eine Erzählung) abbrechen, unterbrechen’
von in und von den andern gar / [...] wil die aventúre sparn / und wider an das maͤre komen / da es e wart abe genomen RvEWh
8810;
RvEWchr
10503
1.1.5
‘etw. aufheben, zurücknehmen, abschaffen, beenden’,
besonders von Gesetzen, Gewohnheiten, Vorrechten, Abgaben usw. (vgl. DRW 1,190 unter II,1 und WMU I,23a unter 2.1), z.B.:
wir gebiten aber, alle di zcolle di gehoget sint [...] das man di irhovnge abe neme UrkCorp
4W,2.
– sonst:
daz werke der gotlichen liebi in uns, daz da abgenomen wirt übermitz die sünde, daz ist die gnade SuTheol
408
(u.ö. für tollere, vgl. Glossar);
man findet fúnf kunne gevengnisse domitte die lúte hie swerlich gevangen werdent in diser zit, die Cristus [...] abe nimmet Tauler
76,10.
–
diz [religiöser Niedergang] wuͦhs und wart niht abe genomin [wurde nicht aufgehalten, beendet]
RvEWchr
3166
1.1.6
‘(ein Tier) schlachten’
swenne man in sumerigen zîten ein kalp oder ein lamp abnæme, daz man ez sâ zehant ville und im daz vel gar abe ziehe PrBerth
1:86,27;
vnd hat dîn vater abe genumen / ein feistes kalb EvStPaul
8907
(Lc 15,27)
1.1.7
‘etw. nachbildend gestalten’
ich binz aller formen forme, / abgenomen nach des innern sinnes norme Frl
1:17,14;
sô liuf er [
ein kluoger steinmetze
] zehant, / dâ er den kunic sach, / unde nam darnâch / die gestalt hie ab, / die er dort dem bilde gap Ottok
39137
1.2
mit Akk.d.P.
1.2.1
‘jmdn. (vom Kreuz, Galgen) herabnehmen’
wer an dem crúce hienge, / so der sabbat an vienge, / den soͤlt man ab nemen von dan WernhMl
11477;
ze abent hiezz er si [Erhängte] ab nemen PrOberalt
75,3.
74,12;
er bat, [...] das er Ihesus lycham solde / von dem cruce da genemen. [...] den licham Ihesus abe er nam EvStPaul
14460.
10531;
EvBeh
Io 19,38;
EvBerl
60,3;
JvFrst
11064
1.2.2
‘jmdn. fortnehmen, entfernen, vertreiben (von etw./jmdm.)’
aber di tage choment so der brütigam wirt abgenvmen von in EvAug
18,10;
der teufel waz dem menschen gram, / daz er auf den stuel solt chomen / do der veint waz ab genomen Teichn
310,28;
JvFrst
11030.
– übertr.:
got ist ein wâr lieht; swer daz sehen sol, der muoz blint sîn und muoz got al abenemen von ihte Eckh
3:224,1.
–
Brun nam den ritter einhalb ab [nahm ihn beiseite] und rumt [flüsterte] mit im Lanc
208,3
u.ö.
1.2.3
‘jmdn. von etw. (einem Tun oder Verhalten) abbringen / veranlassen, damit aufzuhören’
dô kom Bernart von Brubant: / der strâfte in und nam in abe / von sîner grôzen ungehabe Wh
456,29;
dô si daz [
buhurt
] getriben lange, / dô nam si der furste ab. / [...] darnâch muost man ezzen gân Ottok
67971
– mit Refl.-Pron. im Akk. und Gen.d.S.:
dâ von nement iuch des abe / und hânt dekein ungehabe Flore
4069
1.2.4
‘jmdn. entschädigen’
vnde hant oͮch die selben herren geloͮbet ir lu̓t abe ze nem̄de vnde ze huldenne vmbe den vorgenanten schaden vnde ane ansprache ze machende gegen dem vorgenanten herre UrkCorp
3154,27
1.3
mit Dat.d.P. oder Präp.-Obj. und mit Akk.d.S.
1.3.1
der Dat. bezieht sich auf die physische Person.
–
‘jmdm. die (zum Schwur erhobene) Hand niederziehen’ (um den Schwur zu verhindern):
swer mit dem eide erziugen wil / daz mîn niht heize Brâbant, / dem wirt genomen ab sîn hant KvWSchwanr
704;
UrkCorp
248B,24.
33.
606,32.
–
‘jmdm. den Kopf abtrennen’
daz houbet si ime abnamen, deme chunige si iz gaben. / do gab erz deme wirsisten wibe AvaJo
30,4.
–
‘jmdm. die Kleidung vom Leib nehmen’
dú spot klaider man im do ab nam / und laite im sinú wider an WernhMl
9491;
Nicodemus ouch dar kam, / der im daz sîdîn abe nam / und bewante in an der stunde / mit dem lînîn JvFrst
11200
1.3.2
‘jmdm. etw. entwenden, entziehen, abgewinnen’
und sprachen vil ofte undir in, / ir guͦtis hohesten gewin / hette in Jacob genomin abe RvEWchr
6412;
swer dem andern sîn guot stilt oder raubet oder ze unrehter wîse abenimet BuchdKg
21,8;
mit roup / an dem bischolf er sich rach: / er nam im ab unde brach / sîner veste aht Ottok
8381;
wer da hat, dem wirt gegeben [...] wer niht dan hat, vnd was der habe / daz sol ym werden genumen abe EvStPaul
1498.
7207,
daz wirt abgenumen von im EvAug
29,2.
64,8.
– (hierher?:)
Gâwein [...] Êrecken sûmen began / mit listen swâ er kunde, / unz daz er im die stunde / mit kurzem wege abe genam, / unz daz der künec wol vür kam Er
5030.
– mit sachl. Subj., übertr.:
von Helenen war da gehort / halbe rede, halbe wort. / als ez ir in den mvnt quam, / daz sufzen ez ir halp abe nam Herb
10630
1.3.3
‘etw. (Beschwerliches, Bedrückendes) vón jmdm. nehmen, jmdn. von etw. befreien’.
– jmdm. eine bürde ~
:
als eb im sin allerliebster vrúnt hette sin allerswerest burdin abgenomen Mechth
6: 4,15;
RheinauGeb
136;
RvEBarl
5360.
14456.
– Krankheit:
do enbuttent sú die mære / [...] Ihesu und hiessent im klagen / irs lieben bruͦders siechtagen, / umb das er balde kæme / und im den ab næme WernhMl
7750;
hâst dû gebresten, sô bite got dicke [...] daz er dir sie abeneme Eckh
5: 301,6;
daz [Heilmittel] nimet dir abe alle den houbit sweren SalArz
31,31.
– Strafe:
biz daz ime die bûze [...] ein teil gelîhteret werde oder gar abegenumen werde StatDtOrd
88,13;
sich, spricht vnser herre, ich wil dir ein iar des vegfivres ab nemen PrBerthKl
5,62
u.ö.;
grúwelich vegfúr nimet es [Leben in Klosterdisziplin] ab und lichte ein ewig helle Tauler
354,19.
– anderes:
angest
Herb
11346;
armuot
RvEWh
3201;
sorgen
WernhMl
3988;
spot
ebd.
231;
übermuot
Lanc
487,17;
zwîfel
MarlbRh
106,9;
Eckh
1:18,6
1.3.4
‘jmdn. für etwas büßen lassen, dafür strafen’
wer sich dawider setzen wolde [...] di gewalt haben si [Geschworene] wol, daz si daz dem mugen abenemen an dem libe oder an deme gute StRFreiberg
253,17;
man neme [...] im abe, / ob er sich icht versumet habe / an des esels wache Pass III
511,44
1.3.5
‘jmdm. (als einem Aussagegegenstand) etw. absprechen’ (Ggs. zuo legen):
dennoch enmac got dar în [
in die sêle
] niht, im enwerde abegenomen allez, daz im zuogeleget ist Eckh
1:361,4.
3:124,4.
3:221,4;
SuTheol
100;
ein spot [...] ist genant blasphemia / zû latîne, und wirt al dâ / swâ man gote abenimt / ein dinc mit rede daz im gezimt / und wirt gegeben mit willikur / der geschephten kreatûr JvFrst
5455
1.3.6
Phras.:
jmdm. daz leben ~
‘das Leben nehmen’
of in deheiniu kint bequæmen in then wegen, / thaz sie in afnæmen thaz leven MfrkReimb
189.
– einer Jungfrau den bluomen ~
‘sie deflorieren’
swer sô bî einer megede lac / und ir den bluomen abe genam Tr
12643
2
intr.
2.1
‘weniger werden, zurückgehen, schwinden, zu Ende gehen’
also der mone fuͤmftzehen tag wæchst und andere fuͤmftzehen tag ab nimt PrOberalt
53,33;
wie cumet daz, daz der mane so zuͦ vnde abe nimet? Lucid
52,2;
als ain abnemender môn BdN
346,16.
–
diu kerz [...] nimpt ab in der flammen BdN
72,11;
so daz fiuer [Fieber] beginne abe zu nemen SalArz
67,51
u.ö.;
unser minne [...] ennimmet nút abe, sunder sú wehsset und nimmet zuͦ Tauler
408,10.
–
als der winter abe nam / vnde ez gein sumerzit quam Herb
3299;
do der drítte morgín quam / vn̄ die nacht abe nam Athis
A 164;
sehs werlte [Weltalter] solten wesen, und ie diu werlt bî tûsent jâren abenemen SpdtL
83,7
(vgl. auch unten unter 3.)
2.2
‘physisch schwächer werden, nachlassen’ (durch Alter, Krankheit, Hunger usw.):
sinne und jare was er alt / und abenende an siner kraft RvEWh
14843;
zît gibet zwei dinc: alter und abenemen Eckh
2:350,5;
alle di crefte di zu der sele horint, di inaldint nicht. mer di crefte di zu dem libe horint, di slîfint und nemint abe Parad
53,31.
–
ich enwil si niht lazzen vasten. daz si niht abnement in dem wege [unterwegs]
EvAug
37,1;
da Agar und ir iunge / Hismahel vortaten daz / brot und wazzer, diz kint wart laz / und nam ab van durste groz HistAE
619.
–
der an deme libe abe nimet uon der melancolie SalArz
22,15.
13,39;
biz daz er alsô sêre / von sînes lîbes schœne kam / und an der varwe als abe genam Tr
3790.
–
der ölpaum mag niht gewachsen und zuo genemen mit andern paumen, er muoz besunder stet haben. er [...] nimt ab, sô in die gaiz laidigent BdN
335,24;
fungi haizent swammen. [...] die pesten [...] wahsent an dem anvang des lenzen und nement ab in dem maien ebd.
401,23
2.3
‘sich wirtschaftlich, geistig, moralisch usw. verschlechtern, verfallen, dem Niedergang unterliegen’ (von Personen, Einrichtungen, Verhältnissen):
hie mite begunder an der habe / sô swachen unde nemen abe, / daz er sich nider ze vuozen liez / und sîniu phert verkoufen hiez Tr
3776;
die liute [Gesellschaft] sich / bœsernt alle stunde [...] wie wir denne nemen abe / sô diu welt die êre lât / der si noch ein wênec hât RvEAlex
15626;
in deme gebette lvterlicher erkennit der geistliche mensche, ob er vf nimet oder abe nimit, alse in eime spiegil DvAStaff
41.
–
diu welt gestüende trûreklîcher nie / und hete an fröiden ab genomen Walth
121,35;
nun mohtens aber ze rehte / mit offenlîcher wer niht komen, / wan diu lant hæten abe genomen Tr
5972
3
refl. nur:
do sich der tac abe nam Vät
11824
(vgl. die intr. Belege oben unter 2.1 am Ende)
MWB 1 38,22; Bearbeiter: Plate
abenëmunge
stF.
–
‘Aufhebung’ (zu abe nëmen 1.1.5)
abenemunge der mageschaft [zur Ermöglichung einer Heirat]
Köditz
48,14.
–
‘Befreiung von etw.’ (zu abe nëmen 1.3.3)
abnemunge eins [...] gebresten ThvASu
278,8.
–
‘Absprechen (eines Prädikats)’ (zu abe nëmen 1.3.5)
die gotlich nature ist daz wesen gotis selber ane abnemung ThvASu
84,33.
–
‘Verminderung’ (zu abe nëmen 2.1)
ir vreude ist gesundert von aller trûrekeit, von aller vorhte, von aller abnemunge [...] si ist alsô gestætiget, daz si niht geminnert mac werden DvASchr
373,11.
–
‘(körperliche) Schwächung’ (zu abe nëmen 2.2)
afnemynge an deme liue OvBaierl
61,3.
–
‘Verschlechterung’ (zu abe nëmen 2.3)
waz vruͦmet iz dem menschen, ob her di werlt allesament gewinnet, und daz her sîner sêle abenemunge lîdet? EvBeh
Mt 16,26
MWB 1 42,11; Bearbeiter: Plate
abe nieʒen
stV.
‘einen Anspruch auf Nutznießung wahrnehmen’, speziell: ‘eine Schuldforderung durch Nießbrauch eines Pfandes tilgen’
süllen si [...] die [ihnen verpfändete] burg [...] niessen vnd han für ir recht phant ze abe nvtze, vntz daz si drithalb hundert march ab geniessen UrkEidgenG
5,1:479
(a. 1324)
(weitere Belege s. WMU 1,18b u. 23b; DRW 1,196f.; 2DWB 1,626; FWB 1,266);
in der Verbindung abenieʒendes phant als passivisches Part.Präs.
ain abnütz oder ain abniessendes pfand UrkHohenb
389
(a. 1346)
MWB 1 42,28; Bearbeiter: Plate
abe nœten
swV.
‘durch Zwang abgewinnen’
Ihesus von Nazareth, / der juden kúneg, den sin volk het / mit klage úns ab [Konjektur, Hs. hat
] genoͤtet, / das wir in han ertoͤtet WernhMl
10337
MWB 1 42,39; Bearbeiter: Plate
âbent
stM.
1
‘Abend, Abendzeit’
1.1 allgem. 1.2 übertr., ‘Ende, Ausgang’
2
‘Vorabend’ eines Festtags 3
‘Westen’
1
‘Abend, Abendzeit’
1.1
allgem.:
vor âbendes nâhen do diu sunne nider gie / unt ez begonde kuolen NibB
601,1;
des rockes heter wol rât, / wand ez ein warmer âbent was Iw
6489;
mit manierhande meren / wart der abunt hine bracht Herb
15361;
danne ist ein dinc vol, sô ez in sînem ende ist, als der tac ist vol in sînem âbende Eckh
1:423,2.
– Grußformel:
‘guoten morgen, guoten âbend’ was den minniclîchen meiden tiure Kudr
1220,4
1.2
übertr., ‘Ende, Ausgang’
wê, waz hilfet mich, daz mîn sunne ist ûf gegân? / [...] ich gelebte noch den lieben âbent gerne, / daz si sich her nider mir ze trôste wolte lân MF:Mor
15: 3,5;
diu morgenlîche sunne / sîner werltwunne, / dô diu von êrste spilen began, / dô viel sîn gæher âbent an Tr
316.
– Sprichwort:
man spricht, daz nicht / abent aller tage entstunde Frl
5:121G,9;
guoten tac man ze âbende loben sol LaurinA
928
2
‘Vorabend’ eines Festtags:
an sunewenden âbent die herren wâren komen / in Etzeln hof des rîchen NibB
1816,1;
der âbent [...] der pfinxtlîchen zîte UvZLanz
5680;
noch danne sint sehz hochzit der abint man vasten sol. wihe naht, pfingsten, sunegiht, Laurenti, unser frowen messe der erren, unde och sant Markes tac MNat
9,6;
der zwelfpoten âbent [...], sant Simons unde Judas Ottok
85361;
an sant Mathis abent des zwelf botten Tauler
388,30
– heiliger ~
‘Vorabend eines Hochfestes’
sô man nûn leccien hat [wenn es sich um ein Fest mit neun Lesungen handelt] , sô sal man vor zu nône niht venien [auf Knien beten] des heiligen âbendes noch in den octaven [weder am Vorabend noch in der Oktav]
StatDtOrd
125,8;
diú zit begunde nahen / [...] das der hailge abent [des Pfingstfestes] cam RvEWh
5691;
RvEGer
3452
– schœner ~
‘Tag vor Christi Himmelfahrt’
UrkCorp (WMU)
726,19.
–
die bredie usser sancte Matheus ewangelio, des zwoͤlften obendes [nach Weihnachten, d.i. der Abend vor Epiphanias] , von Josephes vorhte und von Archelaus tot Tauler
12,17;
den obersten âbent [Abend vor Epiphanias] unde unser vrowen liehtmesse âbent unde sente mathies âbent StatDtOrd
42,31
3
‘Westen’
an der zit, do sich die sunne gein dem abent chert und diu nacht nahen begunde PrOberalt
44,11
MWB 1 42,43; Bearbeiter: Plate
âbentbekantnisse
stN.
die schwächere ‘Abenderkenntnis’ der Schöpfung ohne Bezug auf Gott, im Gegensatz zur deutlichen morgenbekantnisse in gote (motiviert über âbentlieht und morgenlieht durch die Licht-Wissen-Metapher; vgl. auch âbentschouwen):
sô man bekennet die crêatûre in ir selber, daz heizet ein âbentbekantnisse, [...] sô man aber die crêatûre in gote bekennet, daz heizet und ist ein morgenbekantnisse Eckh
5: 116,13;
zit. von
Seuse
347,1
MWB 1 43,24; Bearbeiter: Plate
âbentbrôt
stN.
‘Abendessen’
hat dan der helt vormezzen / sin abentbrot gar gezzen, / ich wene her diste sterker si Brun
8164
(vgl. auch âbentlîchez brôt
8126.
8132
).
– Bezeichnung für das Altarsakrament:
so gebit her uns zu unser not / al dar ezzen sin abentbrot. / daz ist sin vil heiliger licham Brun
8172.
8154
MWB 1 43,34; Bearbeiter: Plate
âbentëʒʒen
stN.
‘Abendessen’
dô was dem vischenden man / sîn âbentezzen bereit Greg
2883;
er bat, daz man sîn wart / mit dem âbentezzen Ottok
87034.
–
‘abendliches Gastmahl, Festmahl’ (vgl. âbentwirtschaft):
ein mensche mahte ein gros abuntessen und [...] hies kummen die geladen wurdent zuͦ sime abuntessende Tauler
317,6;
Eckh
1:346,1;
TvKulm
5226;
EvStPaul
8697
(alle Lc 14,16);
si minnent daz vorsitzen in dem abentezzen. vnd di ersten stüel in den synagogen. vnd di grüzzvnge in dem marchte EvAug
56,8.
– besonders für das Abendmahl Christi und das Altarsakrament:
sente Petir [...] sach den jungern den Jhesus lip hatte [...] der do inslif uf synen brusten in dem abent ezzene EvBerl
6,26;
als si zem âbentezzen / gemeinlich wârn gesezzen, / in vollenbrâchter wîse aldô / wart recht begangen pascha JvFrst
349;
meister Eckart bewisit hi wi di inphaunge unsis herrin lichamen heize ein abintezzin Parad
3,9
MWB 1 43,41; Bearbeiter: Plate
âbentganc
stM.
‘Abendzeit, Abend’
biwilen an mittages zit / was an dem spil ir sumen. / [...] biwilen unz an den abentganc Pass III
568,69
MWB 1 43,61; Bearbeiter: Plate
âbenthan
swM.
Hahn, der am Abend kräht:
swenn hat gekret der abenthan Frl
11:10,13
MWB 1 44,1; Bearbeiter: Plate
âbentimbîʒ
stN.
‘Abendessen’
so man daz abentimmez gaz, / her Clinsor an den luft gesaz / [...] durch gemach Elis
239.
– besonders das Abendmahl Christi:
daz ich diz âbentimbîz dû / mit ûch, ê ich doch morne vrû / lîden mûze mîne nôt Erlös
4793;
als sie den abentymbiz sus / enphingen, brot daz nam Ihesus / vnd [...] daruber sinen segen sprach EvStPaul
1675
MWB 1 44,3; Bearbeiter: Plate
âbentkriec
stM.
‘Streit am Abend’
vor dem kunig ouch hernâch / manic âbentkriec geschach Ottok
77527
MWB 1 44,11; Bearbeiter: Plate
âbentlich
Adj.
‘abendlich, am Abend’
grâve Ritschart [...] der wânde vinden vil bereit / sîn âbentlîche sælikheit. / durch daz huop er die ritterschaft UvZLanz
3238.
– in der Übersetzung von sacrificium vespertinum:
opher ein abentlih PsWindb
140,2;
von dem opfer David jach / in dem salme do her sprach / [...] mine ufgehaben hende / sin dir ein abentlichez opfir Brun
7445.
– in der Fügung âbentlîchez brôt statt âbentbrôt
Brun
8126.
8132
MWB 1 44,14; Bearbeiter: Plate
âbentlieht
stN.
‘Abendlicht’, übertr. (vgl. abentbekantnisse):
Sant Augustînus sprichet: swenne die engel die crêatûren âne got bekennent, daz ist ein âbentlieht; aber swenne sie die crêatûren in gote bekennent, daz ist ein morgenlieht Eckh
1:133,3
u.ö.;
PrNvStr
301,8
MWB 1 44,23; Bearbeiter: Plate
âbentmâl
stN.
‘Abendessen’
den amtliuten was gedon / zuo dem âbentmâle Ottok
68137;
vnd pegert, das er mit dir ain abentmal haben wil vnd pey dir tzw pett ligen Schachzb
90,61
MWB 1 44,29; Bearbeiter: Plate
âbentmærlîn
stN.
‘kleine Geschichte zur Abendunterhaltung’
ich wil durch kurze wîle [...] ein âbentmærlîn welzen Häslein
7
MWB 1 44,33; Bearbeiter: Plate
âbentmaʒ
stN.
‘Abendessen’
vor sehs dagen der ostern quam / Jhesus hin in Bethaniam, / da dot gelag doch Lazarus, / den uf erstan gedet Jhesus. / da mahten sie ym ein abentmaz EvStPaul
13142;
für das Abendmahl Christi:
Petrus [...] sach [...] den jungern, an den Jhesus lust / von minnen hade ─ uf siner brust / er uf das abentmaz entslief ebd.
14726
MWB 1 44,36; Bearbeiter: Plate
âbentopfer
stN.
‘Abendopfer’
Gabriel [...] rurte mich in der zit des abentopphirs [
sacrificii vespertini
]
[...] und sprach zu mir Cranc
Dan 9,22
MWB 1 44,44; Bearbeiter: Plate
âbentrëgen
stM.
‘Abendregen’, eigentl. der Spätregen, imber serotinus Iob 29,23, die vor der Ernte einsetzende Regenzeit; bildl.:
und vingen myner worte seyn / als eynen suzen abentreyn, / der da brenget loub und gras Hiob
11238;
[Gottes] suzer abent reyn / [...] manchen seyn / hat in sines scrines slozze ebd.
37
MWB 1 44,47; Bearbeiter: Plate |