aber|list
stMF.
‘verfehlte Klugheit’
man sait waz grozer aber list / in der welt nu richsent sy MinneR 53
8.
–
‘Weisheit, Klugheit’ (wie list, nicht pejorativ):
[
45,84ff.:] der [Schlange] het fivnf wisheit vz irlesin / daz guotiv werc betiutit. / daz erste [...]; / so ist div ander kvndekeit [...]; / dez slangen drittiv witze [...]; / dez slangen fivnfter abirlist Martina
46,105
MWB 1 53,1; Bearbeiter: Tao
æbern
swV.
‘frei werden von Schnee und Eis, sichtbar werden’
sag dein taugen nieman gar! / ez aebert fuͤrher [ = hervür
] uͤber jar. / wann swaz man piͤrgt in sne, in eis, / daz ist recht zu gleicher weis Teichn
81,8;
waz ein mensch dem andern sait / [...] in taugenhait, / daz aebert oft und dikch her fuͤr / als daz velt aus der gefruer ebd.
81,13.
– Vgl. âber Adj. und æber stN.
MWB 1 53,9; Bearbeiter: Tao
abe rouben
swV.
‘jmdm. etw. rauben’
jene behelt sîn gût, daz ime verstolen ─ oder abgeroubet ─ was SSp(W)
2:36,4.
2:60,1.
3:5,3;
daz pfert wart mir abegeroubet uf der vrien straze mit anderme mime gute oder wart mir verstoln StRFreiberg
89,3.
133,36.
137,25;
weitere Belege s. WMU 1,26
– übertr.:
gotes liebe in also traf, / daz er lib unde leben / in den tot e wolde geben, / e er im den gelouben / wolde lazen aberouben Pass III
549,56
MWB 1 53,17; Bearbeiter: Tao
abersâ
Adv.
‘sogleich nochmals, sofort wieder’
vnd swenn daz selb zil vͦz get, so sol er si [Burg] abersa ze zilen besetzen UrkCorp
174,25;
weitere Belege s. WMU 1,26.
–
‘wieder, wiederum’
vnd do chomen si abersa [La. anderweid
] zv Ierusalem EvAug
106,23;
[
31,15ff.:
] daz riche der himel ist glich dem verborgen schatz in dem acker [...] abersa ist daz riche der himel glich dem menschen eim chavfmanne [...] abersa ist daz riche der himel glich einre raüsen [...]
ebd.
31,18.
95,11.
101,16
u.ö.
MWB 1 53,26; Bearbeiter: Tao
aber|schâch
Subst.
Ruf beim Schachbieten: ‘abermals Schach, doppeltes Schach’
HvFreibTr
4159
(La.).
4160
(La.);
s. a. → abe|schâch
MWB 1 53,37; Bearbeiter: Tao
abe rücken
swV.
‘jmdm. etw. (ruckartig) wegziehen, abreißen’
daz kint [...] gie zuo dem künig hin / und ruct im ab die krône / und sazt sie ûf vil schône EnikWchr
6747;
si [...] ructen im den roc abe PassI/II
70,22;
[sie] intpundin im dî bant, / als sî woldin daz gewant / im ruckin ab NvJer
14505
MWB 1 53,40; Bearbeiter: Tao
abe rüeren
swV.
‘etw. mit etw. verrühren’
so du wilt mandelkuͦchin machen, so mache von mandelkerne guͦte milch vnd suͤt die vnd ruͤre die abe mit eime zuckere BvgSp
74.
77.
80
MWB 1 53,46; Bearbeiter: Tao
abe rûmen
swV.
‘ etw. (einen Bau) abbrechen’
swer ein unbow tuͦt in der stat und dem die powemaister [...] gebietent, daz er den abroum NüP
55
(=
139
)
MWB 1 53,50; Bearbeiter: Tao
aberünnec
Adj.
→
aberinnec
MWB 1 53,53;
abe|runs(e)
F. oder M.?
(vgl. runs, runse)
‘Abfluss’
[
daz wazzer Nilus
] rinnet also [...] durch Egipten lant. da gewinnet ez siben abrunse vnz hin ze Alexandria Lucid
19,21
MWB 1 53,54; Bearbeiter: Tao
aber|wenken
swV.
oder ab|erwenken?
mhd. nur als stN. in der Wendung ôn alles ~
‘beständig’
wie hartt ich bin / in deinem syn / geschlossen tieff, on alles aberwencken! Hätzl
1:118,60
MWB 1 53,58; Bearbeiter: Tao
aber|wette
stN. oder stF.
‘Pfand’
den [Hof] ich dem vorgeschriben goteshous ze sant Vlrich ze pen vnd ze aberwet gesezt haun UrkUlrich
1,296
(a. 1340).
– Vgl. after|wette
MWB 1 53,62; Bearbeiter: Tao
aber|witze
stF.
‘Demenz, Schwachsinn’
senex [...] decrepitus: ein man in der aberwitz VocOpt
4.052;
vnd div gesihte diser worte sint vor in als ein aberwitze vnd gelavbten in niht EvAug
206,9
MWB 1 54,1; Bearbeiter: Tao
abesage
stF.
‘Ablehnung, Abweisung’
daz [Forderung] verzôch er im sider / von tage ze tag / mit maniger absag Ottok
36363;
got sich nyem versagen tuet. / nuͤr der mensch got wider sagt, / wan in gueter werch petragt. / das ist got ain absag Teichn
682,27;
do men dise abesage befant, also das er diser schœnen edelen jungfrowen nút wolte MerswKn
82
MWB 1 54,5; Bearbeiter: Tao
abe sagen
swV.
1 mit Akk.d.S.: ‘etw. verneinen, ablehnen’
2 mit Dat.d.P. und Akk.d.S.: ‘jmdm. etw. absprechen, aberkennen’
3 mit dem Refl.-Pron. sich und einem uneingeleiteten Obj.-Satz, ‘offiziell verkünden’ (?) 4 bei den formelhaften Ausdrücken an noch ab sagen
‘weder ja noch nein sagen’ , an oder ab sagen
‘ja oder nein sagen’ ist es unklar, ob Partikelverben vorliegen
1
mit Akk.d.S.: ‘etw. verneinen, ablehnen’
so wirt nv min chorde [l. chosde = kôsede, sermo
] ze dir gerihtit. wer dv bist der da wilt absegen dinen eignen willon! BrEng
Prolog;
so sullen wir [...] den vorgenanten vrid abe sagen UrkBern
5,567
(a.1327);
waz [...] die selben brôtbeschouwer brôtes nement und absagent [beanstanden] , daz selbe brôt sol man after des niht verkoufen StRMeran
416
2
mit Dat.d.P. und Akk.d.S.: ‘jmdm. etw. absprechen, aberkennen’
solt der abt von Admunde / dem bischolf ab sagen, / daz bî sô langen tagen / der guote sant Ruopreht / und sîn gotshûs mit reht / habent inne gehabt Ottok
28976;
doch bleibet von mir unverswigen / des edlen herren wirdichait, / dem der tot hat ab gesait / daz leben Suchenw
7,50
3
mit dem Refl.-Pron. sich und einem uneingeleiteten Obj.-Satz, ‘offiziell verkünden’ (?):
kunic Wêlân bat er dô, / daz er ims [
im si
] ze konen gab: / dâmit seit er sich ab [gab er zu verstehen] , / er het der phaffen urloup darzuo Ottok
9283
4
bei den formelhaften Ausdrücken an noch ab sagen
‘weder ja noch nein sagen’, an oder ab sagen
‘ja oder nein sagen’ ist es unklar, ob Partikelverben vorliegen:
Parz
368,20;
RvZw
173,1;
Ottok
12398;
vgl. abe Adv. und ane sagen
MWB 1 54,13; Bearbeiter: Tao
abe sagen
swV.
→
abe segen
MWB 1 54,39;
abesaz
stM.
Bed. unklar, wie frühnhd. absaz
‘Vorsprung an Gebäuden oder im Gebirge’? (vgl. FWB 1,306 und 2DWB 1,741):
die verirreten zu wege wisen ich, / und ich wurde nummer frolich / ee das ich nit mochte finden / abesatz da ich sij verburge inne Pilgerf
12629
MWB 1 54,40; Bearbeiter: Tao
abe schaben
stV.
sw. Part. Prät. SHort ;
s. a. schab|ab
1
‘etw. durch Schaben, Kratzen entfernen’
2 übertr.: ‘etw. tilgen, zunichte machen; jmdn. vertreiben’
1
‘etw. durch Schaben, Kratzen entfernen’
ô nim die wurze des linsenchrûtes unde schab die rinden abe Barth
147,13;
BairFärb
10,1;
nim einen lahs, schabe im abe die schuͦpen BvgSp
19;
aber als man das golt [vom Holz] ab geschabet, so were es kume zwelf phenning wert Tauler
248,11;
swâ sô daz wazzer abschabet [fortreißt] deme lande, daz hât der verlorn, des daz lant ist SSp(W)
2:56,2.
– vom Geschriebenen oder Gemalten:
durh got êrt er ouch die buochstaben, / daz er sie niht liez abschaben, / so er einen brief schrîben hiez LvRegFr
3074;
StRBrünn
399;
PassI/II
153,91;
die kruze liez er abeschaben, / swaz man ir gemalet vant Pass III
158,36;
der namen lezet Got abeschaben, / die sich an im vorwirken HeslApk
5018;
Rennew
8812
2
übertr.: ‘etw. tilgen, zunichte machen; jmdn. vertreiben’
unreht ist ze Rôme erhaben, / reht gerihte ist abe geschaben Freid
152,27;
dîns glouben êre ist abe geschaben, / sündern ist ir trôst benomen ebd.
162,17;
dez och vil mániger guter abt / verstossen ist und ab geschabt SHort
4920;
wir [...] schaben in ab von deme lande der lebenden Cranc
Jer 11,19.
– Part.-Adj.:
ich bin alt unde kranc / unde bin gar abe geschaben [von allem Besitz entblößt? ] . / got wolde daz ich wære begraben! Schlegel
277
MWB 1 54,46; Bearbeiter: Tao
abe|schâch
stMN.
ab(e) Kürzung von aber (so Bechstein)?
Ruf beim Schachbieten: ‘abermals Schach, doppeltes Schach’ (oder ‘Abzugsschach, Schachmatt’?), auch übertr. auf Gefahr, Bedrängnis:
der künic sprach / zu der küneginne: „schâch!” / „dâ schâch!” sprach die künegîn, / „hie buoz mit dem ritter mîn!” / „abschâch [La. aber schach
] !” sprach der künic sân. / sie gedâchte: „abschâch [La. aber schach
] wirt iuch getân: / mich dunket, er [Tristan] sî aber kumen, / von dem mir sorge wirt benumen.” HvFreibTr
4155-62
( vgl. Bechstein, HvF., S. 173f.; K. v. Bahder, Wortgeschichtliche Beiträge, PBB. 22 (1897), 522─527; Eiserhardt, Schachterm., S. 15f.);
nu seht, da vil tusent jar / sich verliefen in der var / und in dem abeschache / des czornes und der rache TvKulm
347
MWB 1 55,10; Bearbeiter: Tao
abe schaffen
V.
‘etw. aufheben, verbieten’
empfehlen wir [...], was solicher schenckhäuser, da also aufkhumen sindt, [...] das du die von vnserentwegen abschoffest DRW
1,230
(Ratkersburg; a. 1331)
MWB 1 55,26; Bearbeiter: Tao
abe scharn
swV.
wohl zu scharn swV. ‘abteilen’.
bildl., bei der Erklärung der Einsetzungsworte der Eucharistie:
ditz ist den sinnen abgeschart [verschlossen] / und dem gelouben zûgespart [zugänglich]
JvFrst
1911
MWB 1 55,31; Bearbeiter: Tao
abe scharten
swV.
‘abtrennen’
wie dicke er [Biber] von den boumen fliehe / die er abschertet [fällt] mit sînem zan Renner
19545.
– übertr.:
man sol in der jogunt / di untogunt von der togunt / vollen genzlichen abescharten, / als man tut bose krut uz den garten Brun
9278
MWB 1 55,36; Bearbeiter: Tao
abe schatzen
swV.
‘jmdm. etw. abnötigen’
[
die legaten
] schatzen armer pfafheit abe / ir nar Frl
9:19,17;
[Folterknechte, die] ir gut / in schatzten ab mit harme Hiob
1439;
sô ist der fröuden hort mir abgeschatzet Hadam
514,7
MWB 1 55,42; Bearbeiter: Tao
abescheide
stF.
(wie abescheidunge
3) ‘Wegabzweigung, Kreuzung’
bore uf dine hende zu im umme dy selin dinir cleinin, di do hungirs vorterbin in der abscheide allir wege [
in capite omnium compitorum Lam 2,19
]
Cranc
Kl. Jer 2,19
MWB 1 55,47; Bearbeiter: Tao
abescheidelîche
Adv.
wie abegescheidenlîche:
die dis unwoͤrtlichen und unbegriffenlichen adels súllent gewar werden in der worheit, die muͤssent sich halten abescheidelichen, lidelichen und eineklichen und innerlichen Tauler
119,35
MWB 1 55,52; Bearbeiter: Tao |