abe scharn
swV.
wohl zu scharn swV. ‘abteilen’.
bildl., bei der Erklärung der Einsetzungsworte der Eucharistie:
ditz ist den sinnen abgeschart [verschlossen] / und dem gelouben zûgespart [zugänglich]
JvFrst
1911
MWB 1 55,31; Bearbeiter: Tao
abe scharten
swV.
‘abtrennen’
wie dicke er [Biber] von den boumen fliehe / die er abschertet [fällt] mit sînem zan Renner
19545.
– übertr.:
man sol in der jogunt / di untogunt von der togunt / vollen genzlichen abescharten, / als man tut bose krut uz den garten Brun
9278
MWB 1 55,36; Bearbeiter: Tao
abe schatzen
swV.
‘jmdm. etw. abnötigen’
[
die legaten
] schatzen armer pfafheit abe / ir nar Frl
9:19,17;
[Folterknechte, die] ir gut / in schatzten ab mit harme Hiob
1439;
sô ist der fröuden hort mir abgeschatzet Hadam
514,7
MWB 1 55,42; Bearbeiter: Tao
abescheide
stF.
(wie abescheidunge
3) ‘Wegabzweigung, Kreuzung’
bore uf dine hende zu im umme dy selin dinir cleinin, di do hungirs vorterbin in der abscheide allir wege [
in capite omnium compitorum Lam 2,19
]
Cranc
Kl. Jer 2,19
MWB 1 55,47; Bearbeiter: Tao
abescheidelîche
Adv.
wie abegescheidenlîche:
die dis unwoͤrtlichen und unbegriffenlichen adels súllent gewar werden in der worheit, die muͤssent sich halten abescheidelichen, lidelichen und eineklichen und innerlichen Tauler
119,35
MWB 1 55,52; Bearbeiter: Tao
abe scheiden
stV.
1
‘etw. (von etw.) absondern, abtrennen’
2
‘jmdn. von etw. abbringen’
3
‘sich trennen, sich entfernen, fortgehen’
4
‘jmdn. / sich (von jmdm.) trennen; sich abspalten’
5 in myst. Texten: ‘etw. (Irdisches, Kreatürliches) ablegen, sich davon lösen’ (s.a.
abegescheiden
Part.-Adj. und
abegescheidenheit
) 6 rechtsspr.
1
‘etw. (von etw.) absondern, abtrennen’
das lant, das ir abscheydin sullit Cranc
Ez 48,8;
guot ~
SHort
5004.
– Phras.:
daz er von dem weize die spriu abe schiede Wernh
5805;
vgl. TPMA 11,182
2
‘jmdn. von etw. abbringen’
um einen fûtersac / er wolde einen ganzen tac / sich slahen mit den heiden. / wir wellen in des abe scheiden Kreuzf
3402
3
‘sich trennen, sich entfernen, fortgehen’
si schieden ze Weisefort / mit michelen vröuden abe Tr
11482;
her [Jesus] ist abe gescheiden von en [den Jüngern] , alsô verre alse ein steinworf ist EvBeh
Lc 22,41;
als nû von in / Judas abgescheiden was JvFrst
2901.
– übertr. ‘sterben’
das wir das erbe der undirsassen, die undir den ritthern abegescheiden, off hebin sollen DRW
1,94
(CDPruss; a. 1278)
4
‘jmdn. / sich (von jmdm.) trennen; sich abspalten’
[Christus:] ich enbin niht komen ûf ertrîche friden ze machende, sunder daz swert, umbe daz ich alliu dinc abe gesnîde und abescheide den bruoder, daz kint, die muoter, den friunt, die gewêrliche dîn vîande sint [vgl. Lc 12,51
]
Eckh (Pf)
14,25
ähnl.
EvStPaul
8417
(subst.);
ir zweie sollent nit dan eins sin / und truwe under ein tragende fin / [...] noch tuschen uch sin kein abescheiden Pilgerf
686;
[er] wil [...] alder werlt af scheyden / und leben als ermyten leyden MinneR 496
79;
ein ander ketzerliche dît / sich mit eim andern abeschît / von des gelouben krî, / di hîzen Manichei JvFrst
10740
5
in myst. Texten: ‘etw. (Irdisches, Kreatürliches) ablegen, sich davon lösen’ (s.a.
abegescheiden
Part.-Adj. und
abegescheidenheit
)
– tr., refl.:
dâ von enist kein rât, man enschel und enscheide abe allez, daz der sêle ist: ir leben, krefte und natûre, ez muoz allez hine Eckh
2:343,10;
dâ von scheidet abe diu bilde und einiget iuch mit formelôsem wesene ebd.
5: 431,4;
abegescheidenheit [...] scheidet abe die crêatûre und vereiniget sich mit gote ebd.
5: 432,9
u.ö.;
das der mensche sich ab scheide von allem dem das zitlich und zergengklich ist Tauler
330,1.
330,4.
92,6
u.ö.
– subst.:
ein abescheiden aller lîplicheit Eckh
1:403,2.
– intr. mit von:
si [
vernünfticheit
] abescheidet von hie und von nû Eckh
3:169,2
6
rechtsspr.
–
‘etw. durch rechtl. Entscheid abweisen, für erledigt erklären’
alle die ansprahch [...] die haben wir ab geschæiden UrkCorp (WMU)
2875,35;
swaz schaden die burger von Zv́rich [...] hant [...], daz hant di vorgenanden schidelv́te [...] hin gestrichen gênzeklich vnd abe gescheiden ebd.
2485,11.
–
‘etw. ausschließen’
alreleye argelist unser ind unser erven afgescheiden DRW
1,241
(SGereonUB. )
MWB 1 55,57; Bearbeiter: Tao
abescheidunge
stF.
1
‘Abschied’
2 rechtsspr. ‘Ehescheidung’
3
‘Wegkreuzung’
1
‘Abschied’
waz jamers unde betrubnisses da gesehen unde gehort wart von siner abescheidunge Köditz
5,7;
DRW
1,241
(MagdebBresl.)
2
rechtsspr. ‘Ehescheidung’
von abescheydunge eynir vrouwin von erym manne DRW
1,241
(MagdebBresl)
3
‘Wegkreuzung’
wye sint zustroyit dy steine des sanctuariums in allir gazzin abscheydunge [
in capite omnium platearum Lam 4,1
] ! Cranc
Kl. Jer 4,1
MWB 1 56,46; Bearbeiter: Tao
abe scheln
swV.
1
‘(sich) ablösen’ , intr., refl., tr. 2
‘sich entfalten’ , hier vom Kapitel, das zu Ende ist (vgl. lat. explicere, explicit )
1
‘(sich) ablösen’, intr., refl., tr.:
das czeichin der gare ist, wen du sist di hut abe geschelit vnd di substancia der kirsin czu dickin als honik seym Pelzb
133,18;
syn gebeyn [...] wart gar und schelete sich ab Cranc
Ez 24,5.
– in myst. Texten:
diu sêle muoz geliutert werden und kleinlich gemachet in dem liehte und in der gnâde und alles abegescheiden werden und abegeschelt, daz vremdez ist an der sêle, und ouch ein teil, daz si selber ist Eckh
2:549,4
u.ö.;
daz diu vernünfticheit schele alzemâle abe und nimet got blôz ebd.
1:122,5.
1:365,2
2
‘sich entfalten’, hier vom Kapitel, das zu Ende ist (vgl. lat. explicere, explicit):
sich wil ouch abeschelen / nu des capitels ende, / hie sine rede wende Daniel
8172
MWB 1 56,55; Bearbeiter: Tao
abe schërn
stV.
sw. Part. Prät. ab geschart
Teichn .
‘etw. (Haare, Bart u.ä.) abschneiden’
ime was daz edile har / bi den orin aua geschorin Roth
5086;
Herb
16869;
StrAmis
2338;
RvEWchr
21052;
OvBaierl
141,11;
sleht abir ein gast einin burger, dem sol man hût vnd har abe schern zweier vinger breit UrkCorp (WMU)
248A,47;
den bart ~
HvNstAp
17313;
Kreuzf
7724;
Teichn
551,58;
czuhant schyr doruffe daz hor abe Albrant
3,6.
– bildl.:
die ankleblicheit der alten gewonheit: die sol man ab schern mit dem scharphen scharsach eines heiligen flisses Tauler
222,28
u.ö.
– übertr. ‘vernichten, tilgen’
wol dan, wir wollin abeschern / und tilgin cristinlîchin nam / von disin landin allintsam NvJer
11304
MWB 1 57,6; Bearbeiter: Tao
abe schieʒen
stV.
‘abtrennen’
man warf in zuͦ der erden [...]: / mit eim tilen snelle daz hŏbt man jm abe schos / vnd stecketz an die zinne WolfdD
1071,2
MWB 1 57,21; Bearbeiter: Tao
abeschiht
stF.
Gegenteil von zuoschiht (accidens). ‘Verminderung der Zahl der notwendigen Bestimmungen eines Dinges’ (FrlWB):
die menscheit unser eigen immer muz betagen, / kein zuschicht noch kein abeschicht er mac getragen, / ern si ein got den ich [Maria] gebar Frl
1:16,12
(vgl. Komm.z.St.)
MWB 1 57,25; Bearbeiter: Tao
abe schimpfen
swV.
‘scherzhaft ablocken’?
waz ist daz liehte, daz lûzet hervür / ûz dem jungen, grüenen gras, als ob ez smiere, / und es uns ein grüezen wil schimpfen mit abe? SM:UvB
3:1,3
MWB 1 57,32; Bearbeiter: Tao
abe schinden
stV.
‘etw. (Fell, Rinde) abziehen, ablösen’
zwô hiute [...] : / die heter [...] / zwein tieren abe geschunden Iw
468;
so nim hasenvel also vrischez, so ez abe geschunden si BenRez
8;
si [...] hiezen ohsen bringen / und die hiut ab schinden / und machten kursen und belz guot EnikFb
1016;
Hadam
448,7.
544,3;
swer an der waren tat funden wirt, daz er lorinden abeschindet, der sol pezzeren NüP
174
MWB 1 57,36; Bearbeiter: Tao
abe schiuren
swV.
‘etw. durch Scheuern entfernen’, bildl.:
das sú abeschúrtent den rust den sú hie vormoles do gemaht hattent in den boͤsen tagen Tauler
116,4.
128,21;
so foͤrt er die gebrechen ins fegefeür und werden da ab geschuert Seuse
528,13
MWB 1 57,45; Bearbeiter: Tao
abe schrecken
swV.
‘jmdm. etw. durch Erschrecken wegnehmen’, bildl.:
mich hilft kein segen niht ein ey / [...], / mir wolle der mynne ungetuͤm / daz leben ye abe schrecken / und auch daz hertz erstecken Minneb
1813
MWB 1 57,51; Bearbeiter: Tao
abe schrîben
stV.
1
‘eine schriftliche Vorlage abschreiben’
2
‘etw. niederschreiben, schriftlich darstellen’
3
‘jmds. Namen (von einem Dokument) streichen, löschen’
1
‘eine schriftliche Vorlage abschreiben’
nv haben wir di selben brive abe haizzen schreiben UrkCorp (WMU)
391,31;
swer dis buͤchli [...] well ab schriben, der sol es alles sament eigenlich an worten und sinnen schriben, als es hie stat Seuse
325,19;
wer dis buͦch liset oder schribet [...], oder der es frúmet abzeschribent, [...] der stirbet nút unrechtes todes noch aͮn rúw siner súnd WernhMl
2,2.
–
in diutsch ~
‘übersetzen’
daz wir die selbe hantvestin keser Frideriches, die in latîne gesriben ist, hiessen abe sribe in thv́tsch UrkCorp
1653,43,39
2
‘etw. niederschreiben, schriftlich darstellen’
daran [Pergamentbogen] schraib der raine / sein getat groz und chlaine / und seines lebens orthab; / von end ze end schraib er es ab Märt
18474;
[...] ein verborgen goͤttelich vinsternisse, von dem do sant Dyonisius vil abe geschriben hat Tauler
411,27
3
‘jmds. Namen (von einem Dokument) streichen, löschen’
der selbe richter sal haben einen schriber der an schribe alle di in di achte kvmen [...] vnde so si [...] us der achte kumen, so schribe he ire namen abe UrkCorp
4W,25;
Rennew
24973
( vgl. abe der phaht schrîben
ebd.
31758
);
ich wird ab geschriben / von dem lebendigen briefe Minneb
2514
MWB 1 57,56; Bearbeiter: Tao
abeschrift
stF.
‘Abschrift, Kopie einer Urkunde’
dis ist dú abscrift des briefes, den v́ns der vorgenande [...] kúnig Ruͦdolf [...] gab UrkCorp (WMU)
2596,26.
559,32
(weitere Belege WMU 1, 27);
ouch mand er an den spruch / die vier, den ez enpholhen was, / als man an der abschrift las, / als diu hantveste stuont, / dâmit man si versuont Ottok
10779
MWB 1 58,18; Bearbeiter: Tao
abe|schrôt, â|schrôt
stswM. (?)
‘Abgeschnittenes, Rest’
prosegmina dicuntur particulę cuiuscumque materię abscisę: abscrotun SummHeinr
1:329,206;
wen man ouch mit aschroten [Laa. ab(e)schroten
] , di man von den pfenningen snidet oder uz den pfenningen, unde mit der schere an hanthafter tat begrifet, iz get im an di hant StRFreiberg
76,20;
2DWB
1:879,49
(Urk. dt.-öst. Erblande);
fünde ich veile solhe wât, / in der der sêle würde rât, / der müeste ein ellen gar tiure sîn / ir müeste ein âschrôt [La. abschrot
] wesen mîn Renner
20936;
StRPrag
23.
–
‘Verkürzung’
unkusche ist ein verterpnis / des libes und ein abeschrot [
abbreviatio
] / des lebens und der tugende tot / unde der e ein ubertrit Secret
827
MWB 1 58,26; Bearbeiter: Tao
abe|schrœtelîn
stN.
Dimin. zu abeschrôt:
renftelîn, spitzelîn, abschrœtelîn / von brôte, von bier, von mete, von wîn / gefröuwet maniger trinker muot Renner
9997
MWB 1 58,41; Bearbeiter: Tao
abe schrôten
stV. ,
âschrôten
V.
âschrôten nur Renner
2022 (Inf.), zum Subst. âschrôt?
–
‘etw. abtrennen, abhauen, abschneiden’
mit dem scharphen swerde / daz houbet her im abe scriet En
6669;
Herb
5499;
KvWEngelh
6288;
des helmes her im abe schriet / vil nâch einer hende lank En
12438;
ir schœne zöpfe si abe schriet Wig
9992;
ein louch, / dem ab geschrôten ist der kil KvWTroj
20207;
wie dicke er [Biber] von den boumen fliehe / die er abschertet [La. ab schrotet
] mit sînem zan Renner
19545.
– übertr.: ‘verkürzen’
[...] recht sam der sich froͤden noͤtet / und sin lebent zit abschroͤtet / wider got und eren ler Teichn
595,68.
– jmdn.
~
: ‘jmdm. die Ehre abschneiden’
swer werden wil [...] bâbst, bischof oder techant, [...] der lerne liegen, triegen vor, / glîchsenheit und simonîe / und einen âschrôten [La. abschroten
] , ribaldîe Renner
2022
MWB 1 58,45; Bearbeiter: Tao
abeschurc
stSubst.
‘Abstoßen, Fortstoßen’,
~ nemen
‘etw. aufgeben’
des mûst ir einez [eine der Burgen] abeschurc / nemen, want dî kost zu grôz / den brûdern was NvJer
26833
MWB 1 58,63; Bearbeiter: Tao
abe schüten
swV.
‘etw. von etw. herunterschütteln, etw. von sich/etw. abschütteln’ (vgl. unter schüten den Gebrauch mit Präp. abe, von )
[der Igel geht] inden wingartin. unt stîget ûf eine rebe [...] unte scutit diu bere abe JPhys
18,4;
mîn harnasch was ze swære / daz ichz gânde niht enmohte getragen: / [...] ich schuttez abe und gie dan Iw
779;
dô schuter abe sîn îsengwant Wig
4074.
692;
HvNstGZ
1470
(Hs. G).
–
‘jmdm. etw. (Besitz, einen Rechtstitel) entziehen’
und swaz in dem Lungou / der herzog Albreht / jach haben ze reht, / daz wart im geschutt ab Ottok
70350
(vgl. DRW 1,268 unter V.)
MWB 1 59,3; Bearbeiter: Plate
abe segen, abe sagen
swV.
‘etw. absägen’
[das Tier Autula] habet langiu horn. diu sint getan also sagun. nehein boum nist so starch [...] iz sage in aba JPhys
9,5;
ÄPhys
9,4;
sege ab den ast von deme boume Pelzb
122,12.
121,9
MWB 1 59,16; Bearbeiter: Plate
abe seihen, abe seigen
swV.
‘durch Abgießen Flüssiges und Festes trennen, abseihen’
so seige denne abe das smaltz BvgSp
11.
31;
daz side [...] allez mit ein ander in wazzer [...] dar nach seige ez abe. vnde gip im ez ze trinken SalArz
74,26
u.ö.
MWB 1 59,21; Bearbeiter: Plate
âbesel
stM.
→
âwasel
MWB 1 59,26; |