absist
M.
auch absint, abecincht.
ein Edelstein:
absist Parz
791,19
(Steinkatalog);
von dem absint. absyntus ist ain swarzer stain durchmischet mit snêweizen æderleinn BdN
435,12;
di auserwelten staine / dy in di krone sind geslagen, / [...] das ist aheston und abecincht, / adamant, agant, jacincht, [...]
HvNstAp
18144
MWB 1 92,28; Bearbeiter: Plate
absîte
F.
‘Apsis’ aus mlat. absida, lautlich angelehnt an ahd. sîta
‘Seite’ (s. AWB 1,20) und aufgrund von Gebrauchsüberschneidungen mit dem Kompositum abesîte von diesem nicht immer deutlich zu unterscheiden:
der künec hiez in den zîten / in einer apsîten / machen eine toufstat, / die er mit vlîze zieren bat RvEBarl
13562;
in sanct Peters mvͤnster datz Mvͤnichen in der absitten gen dem markt UrkCorp (WMU)
653,24;
nû quam der vürste von Prâbant / [...] dâ er vil messe vant / dâ ze einer pfarre in absît und in koeren Loheng
7006;
ez wær darzuo ze klein / ein ganze absît / in einem munster wît Ottok
39188;
nu quam ich in den ziten / in eine absiten / an deme templo Vät
34754;
und maz di want des huysis sechs elin und dy wite der absiten vier elin allinthalbin alumme des huysis Cranc
Ez 41,5.
6.
– zu abesîte (?):
zuͤ der chapellen, die ich erpauwen han an der abseiten der pharrchirchen ze sant Mærtein UrkCorp (WMU)
2598,2
MWB 1 92,35; Bearbeiter: Plate
absoluzîe
stF.
‘Absolution’
und sô wirkit di absoluzie und di bîchte sunderlîche gnâde HvFritzlHl
92,35
MWB 1 92,55; Bearbeiter: Plate
absolvieren
swV.
‘jmdn. los-, freisprechen von etw.’
– von einem Bann:
die sal unser here vzer den banne duͦen inde absolvieren UrkCorp (WMU)
78,10
u.ö.;
dust du das, so enpfahe ich dich wiedder in die heilige kristenheit und absolviere dich von dem banne da du inne bist Lanc
538,25.
– von einem Gelübde:
dz vns inhein babist noch nieman andir von disen giluͦbiden absoluirin muͦge UrkCorp (WMU)
164,30;
vil wol man ûch gehelfen kan, / dat ir des ordens ledich sît: / den pâbst besendet man inzît, / dat er ûch absolvyre Yolande
3313.
– von Sünden:
ich wil duͦn absolvyren dich, / [...] ich sol dich wol entladen / van sunden und van schaden Yolande
1191;
ich enmag nieman absolvieren, im ensin denne sine súnde leit Tauler
202,34
u.ö.
MWB 1 92,58; Bearbeiter: Plate
abstinencie
swF.
‘Enthaltsamkeit’
abstinencie, die dâ merclîche von der gemeinde scheident, die mane wir, daz man die mîde StatDtOrd
41,12;
wanne sú buwent uf ir eigen ufsetze, es si in penitencien oder abstinencien oder si gebet oder andaht Tauler
18,33;
von abstinencien hertekeit Vät
3919;
sine abstinencia was so groz ebd.
10226
MWB 1 93,10; Bearbeiter: Plate
abstinent
Adj.
‘enthaltsam’, subst.:
da vor hett man all geistlich lut geheißen abstinenten, das ist als viel als die sich vor sunden húten Lanc
348,24
MWB 1 93,17; Bearbeiter: Plate
ab|turni
Adj.
→ abetrünne
MWB 1 93,20;
âbulge
swF.
‘Zorn’
odin, prodin, loshait, boshait: / dem ist daz gotes wort leit, / daz muoz allez samt sin / in der gotes abulgin Hochz
82
MWB 1 93,21; Bearbeiter: Plate
âbunst
stFM.
‘Missgunst’
ich han mich firwarth [l. verworht ‘vergangen’] leider / mith avunste unde mith nide, / mith hazze unde mit girede SüklU
19;
daz von schite des nidis vnd habvnstis flamma diu sele icht burne BrHoh
65;
daz ist die maniger hande sunde [...] nit und haz, [...] giricheit und abunst PrLpz
212,30;
PrLpz(L)
67,14.
123,8
MWB 1 93,24; Bearbeiter: Plate
âbunsticheit
stF.
‘Missgunst’
die mich lesent sunder auunsticheit, / die muogen bit irer guotlicheit / entsculdigen mine vnwizzenheit FünfzGrade
103v,11
MWB 1 93,31; Bearbeiter: Plate
abyss
FM.
aus griech.-lat. abyssus.
‘Abgrund, Tiefe (besonders des Meeres); Hölle’
daz mer und die abysse / und ouch swaz darinne lebet, / beide swimmet unde swebet Pass III
420,72;
ich bin der gemachet hat / der werlde rinc [...] die tufe der abisse, / daz liecht, daz vinsternisse Vät
36863;
da mit misset sie [Geometrie] die lant / und dez firmamentes stege / und dez wilden meres wege / und der abyssen straze. / sie kan alle maze HvNstGZ
873.
–
si ilent in die abysse / in die ewige vinsternisse Lilie
54,37;
mit hochvart [...] vervielen hin die engele / in des abyssen tiefen giel Pass III
524,19;
in der abissen giel Vät
16176;
du weldes mit gewelden / der tuvele dez vinsternisses / und der tufe des abysses HeslApk
94
u.ö.
MWB 1 93,35; Bearbeiter: Plate
ach
Interj.
nasaliert anch
RvEWh
1912 u.ö.
Ausdruck von Schmerz, Klage, Erstaunen, Bewunderung, Sehnsucht; im Dialog als Anrede- und Aufmerksamkeitssignal; oft mit anderen Interj. verbunden (vor allem mit wê, ôwê; mit
wênc
Parz
104,21 und RvEGer
3079 La.).
1 mit folgendem Kasus (Vokativ unten unter
2
). 2 mit folgendem Satz (dem eine Anrede vorausgehen kann).
1
mit folgendem Kasus (Vokativ unten unter
2
).
– Nom.:
ach, ich arme svnderin Herb
16462;
ach ich vreuden arm man Wh
217,9;
ach ich vil unselig wip Lanc
332,33.
– Gen.:
ach ach dînes troumes! Gen
1974;
ach mîner tage! MF:Mor
17: 3,8;
ach wê der armen weisen, die dâ ze Bechelâren sint NibB
2314,4;
ach mînes lîbes! Tr
1215;
ach, der nôt! SM:HvStr
2: 1,6.
– Dat.:
anch mir armen und oͮwe, / das ich dich herren ie gesach! RvEWh
1938.
– Akk.:
ach mih armen vnde ujl armen Litan
1205;
anch mich, wen han ich nu genant, / wes hat min herze mich ermant! RvEWh
12565
2
mit folgendem Satz (dem eine Anrede vorausgehen kann).
– Ausrufesatz:
ach, daz der mensche ie geborn wart, der so groze not liden muͦz Lucid
130,1;
ach, ach, daz ich in lâzen muoz / umbe sölhe geschiht! UvZLanz
3668;
ach herre, waz hânt ir geseit! KvWHvK
452;
die wîle lâgen mîn arme ûf ir schôz: / ach, wie suozze mir daz dur mîn herze gie! SM:Had
2: 4,6;
ach herre got, wie schœne ein wîp! KLD:GvN
8: 3,1;
mangez spricht: ‘ach, wie ain guot predig der herr heut tet!’ BdN
118,24.
– Wunschsatz:
ach, / vriunt lieber, got gesegen dich Tr
788;
genâde, minneclîchez wîp: / ach hæte ich iuwer süeze minne tougen! KLD:GvN
23: 2,6;
Augustînus spricht, got hât des menschen herz gar tewr gekauft [...] dar umb besitzet er ez pilleich ain und niemant mêr. ach, wær dem alsô! BdN
179,21.
– Aufforderungssatz:
ach, reiniu frucht, / dur dîn vil wîblîch stênden zucht / erbarme dich / noch uber mich: / hilf mir ûz sendem schaden SM:Had
39: 4,8;
frowe, hilf, êst an der nôt, / ach, hilf, lâ mich niht verderben! SM:KvL
14: 5,8;
ach helferinne, hilf! BdN
84,14;
ach diu [Maria] benem uns unser lait und füer uns in daz êwig leben ebd.
494,26
MWB 1 93,50; Bearbeiter: Plate
ach
stN.
‘Seufzen, Klagen; Leid, Qual, Kummer’
ê dîn muoter dich geber / mit sêre unt mit ache Erinn
487;
di heizit er in daz ewige fur gen, / da nit inist dan ach, weinin unde we JGerichtH
6,11;
dar uon der tueuel gewan / daz ime nimer zeran / ochis noch achis / noch allis ungemachis / des hat he immer genuch Roth
4565.
–
ach unde we geschehe dir! Rol
1388;
si dolten ach und wê, / die mit Poydwîz kômen in den strît Wh
392,10;
mit roube und mit fiur / tet er ach unde wê / dem goteshûse von Kiemsê Ottok
5491
MWB 1 94,28; Bearbeiter: Plate
achâtes, achât(e)
M.
auch agat(h)es, agant.
‘Achat, ein Edelstein’ (s.a. agestein):
ein ligurius was geschoben / in daz golt mit liste. / da bei lag ein amatiste, / ein achates zwischen den zwæin Serv
561;
Parz
791,11;
BdN
432,17;
Mügeln
139,1;
der ahte stein heizt achât, / der wol in dem golde stât Volmar
191;
HvNstAp
18145 La.;
von dem achaten [Überschrift]
BdN
432,16;
agates Ottok
69275;
agathes BdN
190,15;
Erlös
402;
agant HvNstAp
18145.
MWB 1 94,39; Bearbeiter: Plate
achen
swV.
zu ach Interj.
‘seufzen’
ze trank und ouch ze spîse / gap sî im siuften achen, / für slâfen strengez wachen / für schallen blüendez trûren HvBer
5350;
HeslApk
18457 App.
MWB 1 94,49; Bearbeiter: Plate
achilon
M.
ein Vogel:
der rab hât den fuchs liep von nâtûr, und dar umb hilft er im wider die vogel, die achilen haizent, wan der achilon ist des raben veint BdN
177,26
MWB 1 94,53; Bearbeiter: Plate
achmardî
stN.
‘arabisches Seidengewebe von grüner Farbe’, bei Wolfram ( Parz
14,23 u.ö.;
Wh
426,8)
und in seiner Nachfolge belegt; s. Vorderstemann, Fremdw., S. 25f.; Brüggen, Kleidung, S. 268
MWB 1 94,57; Bearbeiter: Plate
achstein
stM.
→ agestein
MWB 1 94,61;
achter
Adv., Präp.
→ after
MWB 1 94,62;
achter-, ahter-
→ after─
MWB 1 94,63;
achwent
Part.Präs.?
zu einem sonst nicht belegten swV. achwen
‘ach rufen, jammern’ (so Lexer)?
sît ich muoz [...] ein achwent allen liuten sîn KvWTroj
41182;
oder ist ein achwênc ( →
ach
Interj.,
wênc
Interj.) zu lesen, ‘ein Bejammernswerter’?
MWB 1 95,1; Bearbeiter: Plate
achzen, echzen
swV.
‘ächzen’
doch wen ich daz du ringest / mit tode, so tustu ehtzen Minneb
5027;
aller herzen wetuͦndes herzleid, aller wunden smerzen, aller siechen ahzen Seuse
91,2
MWB 1 95,6; Bearbeiter: Plate
ackeln
swV.
Bedeutung unklar, zu acken
‘schmerzen’? (so Glossar; zu acken vgl. BWB 1,84 s.v. äcken1
):
sô kumt mir [
frouwe Minne
] zuo gevære / diu Ungebitikeit mit île / unde læt mir niht der wîle ─ / vil tiwer ich daz ackel ─ / daz ich mit mîner vackel / des wîbes herze und des man / stôz mîner tugent fiwer an Ottok
18217
MWB 1 95,10; Bearbeiter: Plate
acker
stM.
1
‘Ackerland’ und ‘Acker’ (ein einzelnes Stück Ackerland), oft nicht voneinander zu unterscheiden 1.1 im Unterschied zu anderen Arten von Kulturland 1.2 abhängig von Mengenangaben 1.3 in Verbindung mit bestimmten Verben 2 als Maßeinheit 2.1 als Längenmaß 2.2 als Flächenmaß 3 als Kampfplatz
1
‘Ackerland’ und ‘Acker’ (ein einzelnes Stück Ackerland), oft nicht voneinander zu unterscheiden
1.1
im Unterschied zu anderen Arten von Kulturland:
daz dorf [...] vnd svaz darzuͥe hort, es sige holz, wise, æker / wasser oder velht UrkCorp
1859B,4;
swaz wir da haben in veld und in holz, in wis vnd in akker ebd.
682,5;
dit gut [...] mit ackere [...] mit wiesen, mit welden, mit weide, mit wazzere ebd.
1508,2;
gisce iz abir uzirtalp dir stat uf enimi ackiri edir in enimi gartin Mühlh
109,7;
lant unde eckere, wîngarten StatDtOrd
30,12;
acker, wisen unde velt / het er ze Kempten KvWHvK
386;
hûs, acker, wîngarte / het sie schiere hin gegeben Eracl
602.
– als (für Ackerbau genutzter) Teil eines veldes:
vnd gat diz velt von der núwen staigen durch den gebuwenen akker [...] hin vnz an den wasserval / da sich die akkere schaident UrkCorp
1127,8;
czwu garbin von itzlichim ackir des gantzin feldis das dor gehort zcu der stad Reichenbach ebd.
222A,3
(vgl. auch 2.2)
1.2
abhängig von Mengenangaben:
in dem selben dorf git man von æime ivhart ackirs æin spec swin UrbBayÄ
746,c
(vgl. ackerjiuchart);
ahttehalben morgen ackers UrkCorp (WMU)
1391,11;
zv siben rindern ackers ebd.
2166,28;
dri juche aggers ebd.
2636,25
1.3
in Verbindung mit bestimmten Verben:
etw. ze ~ machen
‘durch Roden usw. Ackerland gewinnen’
vnd ist auh min gvt wille / daz si mit dem selben holtz / vnd mit den ækchern / datz Obernwalde allen ir frvm schaffen sullen / ze ræuten [...] vnd auh ze akcher machen / vnd ob iz in gevellet wider ze holtz lazzen werden UrkCorp
2218,38.
–
ze ~ gân, varn, ziehen
‘den Acker bearbeiten’ (vgl. ackerganc):
also die guoten gemaren, [zwei Bauern, die zusammen anspannen] / die rehte zachere wellent varen VRechte
441;
swer an dem suntage z’acker gêt, der tuot tœtlîche sünde PrBerth
1:269,30;
ouch sullen die zcyns liͮte [...] alle jar eyn tag zcu ackir zcyhe UrkCorp
N407,2;
übertr.:
der gotes kneht daz mer dô lie, / uf der erden er ze acker gie / er sætez gotes wort her unt dar LvRegFr
2323
2
als Maßeinheit
2.1
als Längenmaß:
ern vüert sî sunder mînen danc / nimmer eines ackers lanc Iw
4646.
5325;
mit manlichir mannis wer / sluͦgin si der heidin sa / in einis akirs lenge da / zwenzig manne RvEWchr
23356;
von ieglichem [Zelt] ans ander was / das wol ains akers lenge swain RvEWh
7303
(Var. ackerlenge, s. dort)
– übertr. auf die Zeit, die für das Abschreiten einer Ackerlänge benötigt wird:
siede denne die selben wirtz [Metwürze] gein eime acker lanc hin vnd wider BvgSp
14
(vgl. das Glossar z.St.)
2.2
als Flächenmaß:
ovch hab ich achtenhalben acker veldes in dem ban zvͦ goggeswilre UrkCorp
N392,34
(u.ö., vgl. WMU)
3
als Kampfplatz:
die kômen her und dar gehurt, / ûf acker und in mangem vurt / dâ Larkant daz wazzer vlôz Wh
58,10;
und swen daz dunk unmugelich, / der enkegen [trete entgegen] hern Uolrich / von Walsê ûf dem acker / und sî dâ gar wacker Ottok
77498.
16255;
die Sarrazîne [...] enwolden fliehen niht. / ir zimierde von steinen lieht / dâ rîhten acker unde furch. / beneben ûz und wider durch / der Cristen banier fûr mit craft Kreuzf
1985
MWB 1 95,17; Bearbeiter: Plate
ackeram, ecker(e)n
stMN.
‘Buchecker, Eichel’; ‘von Bucheckern oder Eicheln besätes Waldstück zur Schweineweidung’
were ouch, daz der walt eicheln truͤge oder ander gewer genant eckern, so soͤllent er eigene swin fri sin [...] ze gende in allem kirspel UrkCorp (WMU)
1047,45;
swaz froͤmder swine in den walt ze Kencingen ze akeram gat ebd.
679,9;
vnd der akeram ze Oteswant [...] ist sin vnze sancte Andreas mes ebd.
679,10;
recht als dy hungerygen swin / [...] wen man sy trybet in / eycheln oder in dis ecker Hiob
11301
MWB 1 96,18; Bearbeiter: Plate |