a – abebrëchære, âbrëchære abe brëchen, âbrechen – abe drumen abe|ein – abe ertwingen abe ervëhten – abegezogen abegezogenheit – abe houwen abehouwunge – abelæge abe lantscheiden – abe lœsen abelœsunge – âbentganc âbenthan – âbentsunnenschîn âbenttanz – aber|æhter abe rechenen, abe rechen – aber|schâch abe rücken – abe schieʒen abeschiht – abeslac abe slahen – abe stîgen abestôn – abetragære abe tragen – abe vâhen abeval – abe wahsen abe wæjen – abe weschen abeweschunge – abe ziehen abeziehunge – âbrëchære âbrëchen – achter-, ahter- achwent – ackervruht ackerwërc – adellich, adellîche(n) adelmuoter – âderslahen âderstôʒ – affensmalz affenspil – afterbier afterblunder – aftermuoder aftermûre – afterwort afterzal – agleister agleistervar – ahselrote ahselspange – ahtehalp, ahtodehalp ahten – âhui ahzec – alamande alanc – alde aldê – algorismus alheit – allergotesheiligentac allerhalbe – allersamen, allersam, allersamet allersêlentac – allwent Alman, Almân – alp alpha – al|tagelich altære, altâre, alter – alters|eine alterstat – altmæʒec altmüede – alwaltecheit alwaltende – ambahtære ambahte – âmehte âmehtec – ametiste âmezûber – amt âmügel – anderheit anderleie – andorn andouge – ane bereiten ane bërn – anebot ane botwarn – ane draben ane dræhen – ane errâten ane ersëhen – anegedenken anegedenklich – anegeslaht anegeslöufe – anegrîfunge ane grînen – aneheftec ane heften – aneinander ane jagen – ane komen ane koufen – aneleitrëht aneleitunge – 2ane merken anemerkunge – ane phîfen ane phlanzen – anerüeftec ane rüeren – aneschouwede aneschouwelich – anesidel, anesedel ane sîfern – ane sniudeln ane snöuwen – ane springen anespruch – ane strîten ane stroufen – ane trëten ane trîben – anevëhtigunge anevëhtlich – anevluʒ ane vordern – ane weigen aneweigunge – anewîsunge ane wonen – angelisch angeln – angestnôt angestsam – ankesmër anlamin – antlæʒec antlâʒen – antsmër anttac – antwîch antwürkæreknëht – apfelrîs apfelrôt – ar âr – arc|haft arche – ardell ardîse(n) – armbendec armbouc – armiure armlëder – arnebote arnen – art art – arzâtîen, arzedîen arzâtîn – âsblâsende ascalamus – â|schildes aschlouch – aspentier aspindê, aspindei – astronomierre astronomus – atrament atte, ette – avelen âventiurære – â|witzec â|witzen – âʒ|zît
|
âhtunge, æhtunge
stF.
‘Acht, Ächtung’
swen ein richter veræchtet vnd mit seiner æchtunge pringet in in des chuniges æchte SpdtL(E)
Ldr 259;
Barrabas, der mit der ehtvnge was gepvnden. in der ehtvnge het er getan einen manslack EvAug
118,19
MWB 1 137,1; Bearbeiter: Plate
ahtzëhen
Num.
‘achtzehn’
done was sîn alter vür wâr / niuwan ahtzehen jâr Iw
6354;
inner ahzehen tagen Tr
12546;
binnen achzen wochen UrkCorp
22,1;
in vnsers richis achzehenden iare ebd.
1437,7;
an dem ahzênden tag BdN
181,4
MWB 1 137,7; Bearbeiter: Plate
ahtzëhendehalp
Adj.
‘siebzehneinhalb’
vmbe ahtzehendehalbe marche loͤtiges silbers UrkCorp
665,4;
des gibit [...] Conrad Pauler achtzenhalb schilling ebd.
222AB,5
MWB 1 137,12; Bearbeiter: Plate
ahtzëhenjærec
Adj.
‘achtzehn Jahre alt’
das er achzehenjerig was worden Lanc
117,16;
da Lancelot ein wenig elter was dann achczehenjerig ebd.
117,25;
DRW 1,417
MWB 1 137,16; Bearbeiter: Plate
âhui
Interj.
→
ahî
MWB 1 137,20;
ahzec
Num.
‘achtzig’
sezzoch sínt der kúniginno. áhzoch sínt der kébese Will
103,1;
ahzec sîner degene NibB
1615,2;
mit ahtzic tûsent mannen Ottok
2457.
– als Ordinalzahl:
tvsent jar zwaj hundert jar indem nivnden vnde ahzigesten jare UrkCorp
1099,11
u.ö., s. WMU 1,44f.
MWB 1 137,21; Bearbeiter: Plate
aihterdeggien
stM.
→ aftertëchan
MWB 1 137,27;
aine
F.
→ agene
MWB 1 137,28;
â|kambe
stN.
‘Abfall beim Flachsschwingen, Weben, Wollkämmen’ (zu
kamp2
stM.):
vnd dehein rinder har noh acchamp sol man niht wurchen UrkCorp
614AB,20;
wolle, werc und âkamp Helbl
1,659;
MarGr18
64
MWB 1 137,29; Bearbeiter: Plate
â|kambîn, abekambîn
Adj.
‘aus âkambe, hären’
statuimus, quod textores faciant tres ulnas rupfein [aus Werg] pro uno denario, et achambin similiter UrkWittelsb
1,157
(a. 1256);
Filomacia ir gespil, / [...] di was gen ir als ain rint / payde an gepär und an zucht: / si was zesamme gedrucht / als ain aichender [La. abkchampen A] sack HvNstAp
15006
MWB 1 137,34; Bearbeiter: Plate
â|kôsen
swV.
subst. ‘sinnloses Gerede, Unsinn’
swîc, sinnelôser gouch! / leg dîne hant vür dînen munt, / dir ist niht wan tôrheit kunt. / lâ dîn âkôsen sîn! RvEBarl
12845;
verwirf ir akosen, / wand ez werlich itel ist. / halt ot dich an Iesum Crist Pass III
462,82;
PassI/II
165,94;
KvWTroj
27326;
Köditz
60,23
MWB 1 137,42; Bearbeiter: Plate
â|kôsunge
stF.
‘sinnloses Gerede’
deliramenta: acosunge SummHeinr
2:262,172.1
MWB 1 137,49; Bearbeiter: Gärtner
â|kraft
stF.
‘Kraftlosigkeit, Ohnmacht’
wider den swintel und wider die âkraft BdN
345,10.
345,18
MWB 1 137,51; Bearbeiter: Plate
â|kreftec
Adj.
‘kraftlos’
und verzert sich selber sô gar, daz si gar âkreftich wirt BdN
178,28
MWB 1 137,53; Bearbeiter: Plate
âkust
Adj.
‘tückisch’
das nyeman doch zü laster zelt, / wann der yme schand hat erwelt / von sinem akusten müt Krone
24302
MWB 1 137,55; Bearbeiter: Plate
âkust
stF.
1
‘Laster, sündhafte Begierde’ , häufig in frühmhd. geistl. Texten (Belegsammlung Leitzmann, Lexik. Probl., S. 33) 2
‘Arglist, Tücke’
1
‘Laster, sündhafte Begierde’, häufig in frühmhd. geistl. Texten (Belegsammlung Leitzmann, Lexik. Probl., S. 33):
die siben achust [Todsünden] , / die gotes gaist hat vertriben / mit sinen geben siben SiebenZ
14;
so nevehtent in den brusten / die tugende mit den achusten Vateruns
94;
giriskheit. unt huͦrlust. und ander werltliche achust JPhys
9,14;
den einen wirfet er ane [...] des huores âchust daz er aller brinnet unz er daz wîb gewinnet Gen
421;
der vleischlîch gelust / mit brœdeclîcher âkust / uns armen brâhte den tôt RvEBarl
2468;
Vät
673.
4674;
vleischlicher liebe akust / trugen sie kein der reinen Daniel
7454;
flaischlich akust PrGeorg
275,7;
zorn und gîtlîch âkust RvEBarl
323;
vîentlîche âkust ebd.
10908;
ûf dem land und in den steten / tet er wan swes in gelust, / sînes herzen âkust / volfuort er sô gar, / [...] / daz er sô gar lebte / nâch sînes herzen willen Ottok
42096
2
‘Arglist, Tücke’
wer din kungvn din von vbel vnde di leuesn din daz nit si redin di acust [
prohibe [...] labia tua ne loquantur dolum
]
BrZw
Prolog;
der nit scvͦf âchust in der zungvn sin ebd.
Prolog;
mit valsche und mit âkust Tr
12239;
getriuwe unde gewære / und wider den vriunt âne âkust ebd.
12329;
âkust unde list ebd.
16936;
mit kündeclicher âkust / wart im sîn stat gewunnen an KvWTroj
12338;
den slangen dur sin akust / hies er slichen uf der brust SHort
529;
aͮn alle geværde / was der zarte werde, / aͮne aukunst, aͮne loshait, / aͮne alle widerwærtekait WernhMl
5689.
– formelhaft âne alle ~
, oft âne alle ~ und geværde:
daz wir alle die ansprache [...] habin frilich vnd willich ane alle akust vnd geværde abegelazen UrkCorp
1264,12
u.ö., vgl. WMU 1,46.
– Vgl. abekust.
MWB 1 137,58; Bearbeiter: Plate
âküstec
Adj.
‘arglistig, tückisch’
achustiges [subdolum]
PsM
H 22,2;
verborgen valsch, heimlîche truge, âkustic zunge, verschamte untriuwe, verruochte luge KLD:Kzl
3: 2,1;
der túvel, der akustig fuchs PrGeorg
326,32;
der heize fluz colera nie / die unfuoge an im [Jesus] begie, / daz si in âkustec taete / ald zürnec ald unstaete WvRh
6494;
dô brach sich manic âkustic ruof / in der hezzigen brüsten [aus Enttäuschung über die Freilassung eines zu Unrecht Verfolgten]
HvBer
2306
MWB 1 138,29; Bearbeiter: Plate
âküsteclîche
Adv.
‘arglistig’
vnde swenne wir daz abe liezin achústekliche vnde versvndig UrkCorp
2922,29
MWB 1 138,39; Bearbeiter: Plate
al
Adj., Pron.
1 Form und Flexion 2 Bedeutung und Verwendung. Im Sg. bedeutet al
‘all, jeder, ganz, gesamt’ , im Pl. ‘alle, sämtliche’ , nach âne
‘ohne’ (s. unten unter 2.1.3 ) ‘irgendein’ . al wird als Attribut zu einem Substantiv ( 2.1 ), einem Zahlwort ( 2.2 ) oder Pronomen ( 2.3 ) verwendet, wobei es flektiert und unflektiert dem Bezugswort voran- oder nachgestellt werden kann, daneben wird es auch als substantivisches Pronomen ( 2.4 ) und attr.-präd. ( 2.5 ) gebraucht. 2.1 attr. zum Substantiv 2.1.1 dem Subst. vorangestellt 2.1.1.1 vor dem Artikel; 2.1.1.2 vor dem Poss.-Pron.; 2.1.1.3 vor Adj.-Attr.; 2.1.1.4 vor Gen.-Attr. 2.1.1.5 unmittelbar vor dem Subst.; 2.1.2 dem Subst. nachgestellt (s.a. unten unter 2.5 ) 2.1.3 in festen Verbindungen 2.1.4 Gen. Pl. eines Subst. mit aller , abhängig vom superlativischen Adj. 2.2 attr. zum Zahlwort, vorangestellt 2.3 attr. zum Pron. 2.3.1 vorangestellt 2.3.2 nachgestellt (s.a. unten unter 2.5 ) 2.4 als subst. Pron.; 2.5 in attr.-präd. Verwendung (vgl. Behaghel, Dt. Syntax 1, S. 396; 2
3 Mhd. Gr., § 392 A. 2), die sich bei Nach- und Späterstellung dem Adverb nähert, s.a. 2.1.2 und 2.3.2
2.5.1 vor dem Verb 2.5.2 vor dem Adj. (auch Part.-Adj.) oder Adv. (bei den Formen al, alle mit fließendem Übergang zur Zusammenrückung) 2.6 Instr., in präp. Formeln mit folgendem Rel.-Satz
1
Form und Flexion:
mit Umlaut älliu,
ælliu,
elliu,
gerundet olliu, oͤlu (vgl. WMU 1,46f.).
–
al flektiert i.d.R. wie ein st. Adj. (aller, alliu, alleʒ), Ausnahmen beruhen auf Dissimilation (vgl. 2
3Mhd. Gr., § 231).
Das attributive Adj., das dem stark flektierten al unmittelbar folgt, kann stark oder schwach flektiert sein (vgl. 2
3Mhd. Gr., § 392 A.1).
al erscheint auch endungslos in sämtlichen Kasus. Der Instr. alliu (alle, elliu) kommt nur noch in präp. Formeln mit folgendem Relativsatz vor (s. unter 2.6).
– Neben dem unflektierten al findet sich das erweiterte indeklinable alle (ahd. alla, alle, vgl. G. Müller/Th. Frings, Das flektierte al, in: PBB 72 [1950], S.421f. und Behaghel, Dt. Syntax 1, S.393):
in álle démo lante Will
39,2.
álle dîu gnâda ebd.
122,2.
álle díu sûoze ebd.
129,2;
in alle sime lebene HlReg
38,8.
alle der convent UrkCorp
1395,9;
mit alle dem rehte ebd.
3177,43;
direkt vor dem Nomen:
alle geistlichen luten [Dat.Pl.]
HlReg
29,8;
ze alle ziten UrkCorp
194,35;
an alle vnterlos ebd.
2899,15
2
Bedeutung und Verwendung. Im Sg. bedeutet al
‘all, jeder, ganz, gesamt’, im Pl. ‘alle, sämtliche’, nach âne
‘ohne’ (s. unten unter 2.1.3) ‘irgendein’. al wird als Attribut zu einem Substantiv (2.1), einem Zahlwort (2.2) oder Pronomen (2.3) verwendet, wobei es flektiert und unflektiert dem Bezugswort voran- oder nachgestellt werden kann, daneben wird es auch als substantivisches Pronomen (2.4) und attr.-präd. (2.5) gebraucht.
2.1
attr. zum Substantiv
2.1.1
dem Subst. vorangestellt
2.1.1.1
vor dem Artikel;
im Sg.:
daz ist ál daz gerúste gûoter lêro. unte gûoter uuércho Will
58,25;
Pollixena, [...], / so lute schrei vnde grein, / daz aller der palas / von irme ruffe vol was Herb
10639;
daz al daz kielgesinde / [...] von dem kinde / unmuotic wart Tr
2337;
dú lant uf al der erde RvEWchr
172;
das heil aller der welte Tauler
230,25.
– im Pl.:
do chom ain michel uorchte / unter alle di haiden Rol
5389;
ouch sprâchen al die hêrren dô Tr
9973;
dv [...] mvͦst dennoch immer mer brinnen in der helle alle die svnttage, alle di mæntage, alle di eritage [...]
PrBerthKl
4,90
2.1.1.2
vor dem Poss.-Pron.;
im Sg.:
dâ du dich mite entêrest / und allez dîn geslehte! En
10637;
al mîn vreude NibB
1055,4;
so ist aller mîn trôst dâ hin Iw
4736.
– im Pl.:
daz er dánnan lôsti alle sine irwélitan BambGlB
138,17;
sô werdent wol errochen elliu mîniu leit NibB
2109,3;
er verwandelte dâ mite / al sîne sinne und sîne site Tr
940;
der uns trœstet in allen unsern betrüepnissen Eckh
5: 8,4
2.1.1.3
vor Adj.-Attr.;
im Sg.:
mit alleme himelisscen here Spec
148,11;
vor allem senedem zorne Tr
18106;
dar vf allez geistliche leben gegruntfestet ist PrBerthKl
3,102.
– im Pl.:
so ebenmendent ime alle himiliske chrefte JPhys
9,14;
verborgen vor allen menschlichen herzen Konr
3 W1,163;
aller valschen dinge wil ich dich ledic lân NibB
859,3
2.1.1.4
vor Gen.-Attr.:
so scolt du gebieten / [...] / uͦber al mines herren riche Rol
1914;
von den was gezieret wol allez Etzelen lant NibB
1380,4;
ouch wurden ir mit dienste sider undertân / alle des küniges mâge unt alle sîne man ebd.
1385,2;
alliu des menschen werk diu würket got lûterlîchen Eckh
5: 202,1
2.1.1.5
unmittelbar vor dem Subst.;
im Sg.:
si machet mich vor allem leide vrî MF:Reinm
32: 1,4;
alliz wiltbrete machit bosiz blut SalArz
17,19;
orthaber allir wisheit RvEWchr
5;
mit aller andacht Tauler
233,15;
mit allem flisse ebd.
269,8;
vor dem Eigennamen:
do aber Herodes der chünik ditz hort er ist betrübet. vnd allez Ierusalem mit im EvAug
2,17.
– im Pl.:
iz nemogen alle zungen / gesagen nog gesingen, / frowe, diner eren / nog dines loves envollen MarldA
82;
der umbeganc den alle sternen hant umbe uns an dem himele heizit zodiacus MNat
13,18;
das er von allen kreften kam WernhMl
8445
2.1.2
dem Subst. nachgestellt (s.a. unten unter 2.5):
wî rîche kunige al zegiengen Anno
1,6;
vnd czeruielen div apgothuͦser elliu Konr
14,107;
vil lûte rief dô Dancwart daz gesinde allez an NibB
1930,1;
sî müese ir zorn allen lân Iw
1636
– durch andere Satzglieder vom Bezugswort getrennt:
daz lant zuo den bürgen wil ich dir allez geben NibB
1907,1;
den Sîfrides mâgen tuon ich allen kunt ebd.
713,2;
sîne vriunde er alle zuo sich nam Tr
9247;
diz mære ist allez âne nôt ebd.
13398
2.1.3
in festen Verbindungen
– mit âne:
wir [...] gelobendes stête zvͦ habenne mit gvͦten druwen ane alle geverde UrkCorp
1145,5;
so sol der selb hof [...] an alle irresal ledich sin ebd.
1104B,19;
ân allen argen list Iw
7928;
âne alle missewende Tr
1809;
daz ich disen spot / und dise schande dulde / ân alle mîne schulde Iw
5236;
an allen fuͤrzog UrkCorp (WMU)
1079AB,27;
an alle widerrede ebd.
3257,26.
– in Zusammenrückungen mit hande, leie, slahte s.
allerhande
,
allerleie
,
allerslahte
– in der Konj. al die wîle (unde/sô/unze)
‘solange’
→
2wîle
stF. ‘Weile, Zeit’; al die vrist unz
→
vrist
stF.
2.1.4
Gen. Pl. eines Subst. mit aller, abhängig vom superlativischen Adj.:
wander allir meistere bezist ist Glaub
44;
jâ baite ich dîn vil lange, / liebest aller manne Kchr
14608;
aller liute beste Iw
6119;
Oransche diu veste, / aller bürge diu [
diu fehlt Ka u.a.] beste, / diu von sturme manege nôt / enphienc Wh
251,22;
aller wîsheit diu beste PrBerth
1:8,25;
des dinges [...], daz aller dinge beste ist ebd.
2:175,13.
– Nach Behaghel, Dt. Syntax 1, S. 255 hat sich aus dem Gen. Pl. aller in dieser Verwendung durch Ersparung des Substantivs und Erstarrung das Präfix aller- zur Verstärkung des Superl. von Adj./Adv. entwickelt
2.2
attr. zum Zahlwort, vorangestellt:
die fürsten [...] sprâchen alle drî NibB
692,1;
nu daz der hirz gevellet wart, / der dâ jegermeister was, / der stracte in nider ûf daz gras / ûf alle viere alsam ein swîn Tr
2791;
sîe alle viere UrkCorp (WMU)
225,8
2.3
attr. zum Pron.
2.3.1
vorangestellt:
al daz ich dar enbiete, des sult ir niht verdagen NibB
734,2.
2157,2;
nû widervuor im allez daz / daz im sîn vriunt [...] hete gesaget Iw
1302;
ouch enwart dâ niht vergezzen / wirn heten alles des die kraft / daz man dâ heizet wirtschaft ebd.
365
2.3.2
nachgestellt (s.a. unten unter 2.5):
sin schönheit si al üvergiͤnc MarlbRh
97,31;
des solt ir alle vlîzich wesen En
5960;
owê, daz wir [...] ez allez [
irdensch guot
] müezen lân gar hinder uns SM:JvR
1: 9,3.
– durch andere Satzglieder vom Bezugswort getrennt:
daz du sie irtrenchest. mit deme wage al uirsenchest VMos
13,24;
swaz uns vür wirt geleit, / daz müeze wir allez lîden Iw
6385;
die boume, die dâ stuonden grîs, / die habent alle ir niuwez rîs / vogele vol Neidh
SL 3:2,2;
das uns nu das allen geschehe, des helf uns got. amen Tauler
219,19
2.4
als subst. Pron.;
alleinstehend:
nu Môrolt der hôrt allez an Tr
6221;
dô er dô sîn âventiure / von sîner Blanschefliure / von ende her betrahtete / und allez sunder ahtete: [...]
ebd.
924.
9101.
11025.
– mit folgendem Rel.-Satz:
allez daz wir hân, [...], daz sî iu undertân NibB
127,1;
wan alle die im nâch riten / die streuter nâch ein ander Iw
4712;
der nút enlat alles das er besessen hat, der enist min nút wirdig Tauler
221,20.
– s.a. überal Adv. ‘keinen, nichts ausgenommen, gänzlich’
2.5
in attr.-präd. Verwendung (vgl. Behaghel, Dt. Syntax 1, S. 396; 2
3Mhd. Gr., § 392 A. 2), die sich bei Nach- und Späterstellung dem Adverb nähert, s.a. 2.1.2 und 2.3.2
2.5.1
vor dem Verb:
sîn chéla íst uílo sûoze. unte áller íst er nîetsâm Will
96,1;
den einen wirfet er ane glust, des huores âchust, / daz er aller brinnet unz er daz wîb gewinnet Gen
422;
daz er fore minnen aller begunde brinnen ebd.
1599;
als er ir gewar wart, / so wart er aller vurkart Herb
8578;
sie roubeten vnd branten, / allez daz sie beranten. / daz lant in gluten allez schein ebd.
3905;
man sach si [...] gegen den ôren spannen / ir hurnîne bogen. / ez wart manic senib ab gezogen, / daz si alle zefuor Ottok
7378
2.5.2
vor dem Adj. (auch Part.-Adj.) oder Adv. (bei den Formen al, alle mit fließendem Übergang zur Zusammenrückung):
die waren ime al vndertan Roth
9;
sîn wât was elliu naz NibB
1006,1;
nu diz was allez gereit, / diu rotte saz ûf unde reit Tr
9327;
der [
wagen
] was aller silberînc EnikWchr
23235;
der mantel was ze vlîze / mit hermîner wîze / innen al ûz gezieret Tr
10919;
er vil tot vf daz gras, / aller zv howen Herb
13205.
16730.
–
~ gemeine/gemeinlich:
die zvmfmaister vnd der rât von Ezzelingen alle gemaine UrkCorp (WMU)
3435,23;
di Startzhousær all gemeinlich ebd.
1274AB,11;
hircze, hinden, affen / [...], / dú kament allú gemaine / [...] / durch schoͮwen iren herren dar WernhMl
3690.
–
~ miteinander:
so vallent die weingarten alle mit æinander ledichleich wider an den brobste UrkCorp (WMU)
2632,9;
wir alle mit aînandern ebd.
1978,15.
–
~ sament:
mit dem willen vnserre swestern von dem conuente allersament gemailich UrkCorp (WMU)
874,15;
mit den vorgenampten guͤten allen sameth ebd.
2274A,29;
mit dem guͦte ze Alchingen allem sament ebd.
2274A,2;
ich bin iu von herzen holt, / iu allen samt gemeine EnikWchr
23147;
so svlen sich die bvrgen alle samt dar vf antwrten in die selben stat UrkCorp (WMU)
1360,36
2.6
Instr., in präp. Formeln mit folgendem Rel.-Satz:
in elliu diu und er tete sô hête er guote site Gen
1846;
got gab im fransspuot in elliu diu und er bestuont ebd.
1847;
ähnl. Formeln mit den Präp. ane, mit, ûf, von s. WMU 1,49
– Vgl. auch
betalle
Adv.,
mitalle
Adv.
MWB 1 138,42; Bearbeiter: Tao
al
Konj.
‘obgleich, wenn auch’ (s. a. aleine Konj.):
al ne mugit [erg.: ir
] is nit gelouben, / in lûhten di ougen / alse brinninde liehtfaz SAlex
6407;
al wâre sie ein wîse wîb, / sie was dô vil sinne lôs En
2426;
al sî ich niht ein künigîn, / ich wil ouch an der suone sîn Tr
10531;
al schine iz brot an der gesicht / und al schine iz wazzer und win, / swen die wort volsprochen sin / und die zeichen dar uber getan / [...], / daz brot wirt [...] gewisse / der ware gotes lip HeslApk
13054;
SpdtL
213,9;
Eckh
2:436,5.
– mit korrespondierendem doch, iedoch im Hauptsatz:
al sie in [ihnen] de hof ungelegen. / sie sin doch so wichgare kumen. / deͥr zo helfe vnde zo vromen Roth
681;
al ne torste hers niht jehen, / iedoch vorhte im sêre / Ênêas der hêre En
2904;
al were der gotes wec hart, / [...] und al were der biwec weich, / [...] und der rechte wec hart, / doch liezen sie die bivart HeslApk
8568.
683
MWB 1 141,39; Bearbeiter: Tao
al
stN.
subst. al
‘Alles’:
also ist got ain al on al vnd sy [Seele] mit im ain al on al Eckh
3:82,9;
wan dâ [wo Gott ist, wo die Seele ist] enist niht dan ein, und dâ ein ist, dâ ist al, und dâ al ist, dâ ist ein ebd.
3:130,10;
ein gelassenr mensch soͤlte alle siner sel krefte also gezemmen, wenn er in sich sehe, daz sich daz al da erzogti Seuse
170,8.
356,8-13.
–
al in al:
in disem lebene sint alliu dinc ein, alliu dinc gemeine al und al in al und al geeiniget Eckh
3:317,2.
3:319,3.
3:325,2;
die maister sprechent, got der enhab enkein wa, er sie al in al Seuse
176,5.
159,22.
174,12
MWB 1 141,57; Bearbeiter: Tao
al, alle
Adv.
(zur Form alle vgl. al Adj., Pron. unter 1).
‘gänzlich, völlig’, verstärkend bei Adj., Adv., Part. Präs./Prät., Präp. und ein (Num./Pron./ Adj.), eine (Adv.). Solche Verbindungen können meist als Wortbildungen aufgefasst werden, doch ist nicht immer klar, ob es sich um eine feste Verbindung mit dem Adv. al (vgl. auch al Adj., Pron. unter 2.5 attr.-präd.) oder um eine Wortbildung handelt, besonders in den Verbindungen unter 5.
1 Adj. und Adj.-Adv. 2 Part. Präs./Prät. 3 Adverbien 4 mit Num./Pron./Adj. ein und Adv. eine 5 mit Wörtern, die als Präp., Adv. und Verbalpartikeln verwendet werden 6 vor Superlativen
1
Adj. und Adj.-Adv.:
-balde
-bar
-bereite
-besunder
-besundern
-blôʒ
-einec
-ganz
-gar
-gelîche
-gemachsame
-gemechlîche
-gemeine
-gemeineclich
-gemeinlich
-gërne
-gerëhte
-gereite
-gesunt
-gewaltec
-guot
-kleine
-lëbendec
-lûter
-mechlich
-mehtec
-mehteclich
-meistec
-milte
-minneclich
-müede
-muotersein
-niuwe
-rëhte
-reite
-rôt
-samelich
-sanfte
-schône
-solich
-suslich
-swarz
-tiure
-toup
-trûrec
-vermëʒʒenlich
-veste
-vlühtec
-vol
-vollec
-vrô
-wære
-wâr
-waltec.
2
Part. Präs./Prät.:
-bëllende
-blîbende
-brëhende
-gërnde
-klagende
-lachende
-minnende
-mugende
-rîtende
-schemende
-schrîende
-spëhende
-stênde
-siufzende
-spilende
-stërbende
-swîgende
-swindelnde
-unverdrossen
-vallende
-vermügende
-vlieʒende
-wallende
-waltende
-weinende
-zogende.
3
Adverbien:
-anders
-bediute
-begarwe
-besunderlingen
-betalle
-bîhanden
-dëste
-dâ
-dâhër
-dâhin
-dô
-dar
-darnâch
-darumbe
-dort
-eingenôte
-eines
-einzeln
-gâhes
-gater
-gedon
-gelîches
-gerihte
-hër
-hie
-mitalle
-mitten
-sâ
-sam
-samelîchen
-sô
-sus
-überal
-überlût
-vollen
-vürsich
-vürwâr
-wê
-zegater
-zehant
-zemâl
-zesamen
-zestunt.
4
mit Num./Pron./Adj. ein und Adv. eine:
-ein Adj.,
-eine Adv.,
-eine Konj.
5
mit Wörtern, die als Präp., Adv. und Verbalpartikeln verwendet werden :
-durch
-nâch
-sunder
-umbe
-under
-ze, -zuo.
6
vor Superlativen:
-ëbenst
-jungest
-meist
(vgl. aller-)
MWB 1 142,5; Bearbeiter: Tao
âl
stM.
(selten sw.),
auch æl,
Pl.
æle,
ele.
–
‘Aal’
zwei ales stvcke gebe ich dir ReinFu
K,677;
swem die ougen rinnen, der nem [...] eines âles gallen Barth
145,2;
in Ganges dem wazzir da / gant æle groz RvEWchr
1814;
angwilla haizt ain æl BdN
244,14;
nim frische ele BvgSp
37.
– bei Frl als Substitution für das zu erwartende slange:
der dritte sprunc [Gottes] was in die meit, / der vierde quam in ales wise [gemeint die eherne Schlange (Nm 21,8) als Präfiguration Christi, vgl. Anm.z.St.]
Frl
2:13,4.
– in Vergleichen, auf Schlüpfrigkeit des Aals anspielend (vgl. TPMA 1,2ff.):
swenne si [zuchtlose Priester]
[...] / sô verre staphent ûz dem wege / unt si [Akk.] die läien an grîffent, / ûz den handen si in slîffent / als der âl bî dem zagele Priesterl
167;
der [Treulose] sich dem man windet ûz der hant reht als ein âl, / owê, daz got niht zorneclîchen sêre an deme wundert! Walth
30,24;
Meissner
16:9,5;
swer den helen [l. hæle schlüpfrig] visch, der da heisset ein al, bi dem sweif wil haben und ein heiliges leben mit lawkeit wil an vahen, der wirt in baiden betrogen Seuse
9,16
MWB 1 142,44; Bearbeiter: Tao
æl
stM.
→ âl
MWB 1 143,1;
alabadîn
stM.
→ almendîn
MWB 1 143,2; |