anerûschunge
stF.
‘Angriff’ (vgl. rûschen):
impetus: anvertunge, anrûschunge VocAbstr
358
MWB 1 267,20; Bearbeiter: Schnell
anesage
stF.
→ anesæje
MWB 1 267,22;
anesage
swM.
1
‘Verkünder, Überbringer (einer Nachricht)’
2
‘Zeuge, Gewährsmann (vor Gericht)’
1
‘Verkünder, Überbringer (einer Nachricht)’
wir wærn darzuo ze swach, / [...] daz wir zwischen sô hôhen fursten / solher rede wærn ansagen Ottok
27572
2
‘Zeuge, Gewährsmann (vor Gericht)’
daz der man auf den andern sait [...], dez sol er seinen ansagen stellen, wer ims gesait hab RbRupr
318;
mein herren sint uberain worden [...], swer ieman grausen von dem andern sagt, [...] daz er in ze hant frag, ob er sein woll ansag sein StRRegensb
118
MWB 1 267,23; Bearbeiter: Schnell
ane sagen
swV.
1
‘jmdn. (einer Sache) beschuldigen, anklagen’ , mit Akk.d.P. (und Akk./Gen. d. S.) 2
‘(jmdm.) zusagen, eine Zusage geben’ , stets in Verbindung mit abe sagen
1
‘jmdn. (einer Sache) beschuldigen, anklagen’, mit Akk.d.P. (und Akk./Gen. d. S.):
daz si lugenlîchen gar / die frouwen habent an geseit, / wan ez ist lug und niht wârheit EnikWchr
18817;
hie vor ist man si war an sagende JTit
5645,3;
etswer seit Tristanden an / dise schulde und dise inziht Tr
15380;
des ich valschlîch wart angeseit Boner
35,52.
– mit Refl.-Pron.:
dâ von solt dû dich des niemer ze unsælden an gesagen, daz dû niht kinde enhâst PrBerth
1:160,24
2
‘(jmdm.) zusagen, eine Zusage geben’, stets in Verbindung mit abe sagen:
ern hât mir an noch ab gesagt Parz
368,20;
‘in rouch’ sagt weder abe noch an [‘es ist mir egal’ sagt weder ab noch zu]
RvZw
173,1;
wir wellen an oder ab / in vil kurzen tagen / iwerm herren sagen Ottok
12398
– Zu ane sagen in Aufforderungssätzen →
ane
Adv., Präp. 1.1
MWB 1 267,33; Bearbeiter: Schnell
anesæje (?)
stF.
‘Aussaat’ (?):
und [...] schicket er [Gott] den wynt Affricum mit wachtelen anesage [mit einem Herabregnen von Wachteln; lat. Text folgt hier Nm 11,31]
PsMb
25(Glossar)
MWB 1 267,51; Bearbeiter: Schnell
anesaz
stM.
‘(Gebühr für die) Einleitung einer Rechtssache’
wenne ein abbas och den vogt ladet in den hof umb sinen bresten, so soll er drin kommen [...], und sol denen dem vogt geben fünff schillinge ze ansatze UrkEls
2,163
(a. 1339);
sol och der vogt [...] mit in den dinkhof kommen [...]. vnd wenne das beschiht, das er dar in wirt beruffet, so sol man im ze ansacz geben v ß [5 Schillinge]
WeistGr
4,181
(14. Jh.)
MWB 1 267,55; Bearbeiter: Schnell
anesæzec
Adj.
‘ansässig (mit festem Wohnsitz)’
da sol man in niht vmbe vesten [festsetzen] , der ansæzzich ist. dem selben sol man fvͤrbieten vnd sol er daz reht tuͦn UrkCorp (WMU)
3305,15
MWB 1 268,1; Bearbeiter: Schnell
ane scheften
swV.
‘etw. befestigen, in einen schaft stecken’
einen schafft vil swere / [...] da was ein stefft / oben von gold an geschefft Krone
14688;
dort rîtet einer nâch uns her / under schilde und füeret sper. / [...] sô schiftet ouch mir mînez an [steckt auch meine Speerspitze in den Schaft]
Bit
2774
MWB 1 268,5; Bearbeiter: Schnell
ane schicken
swV.
‘jmdn. befehligen’
her Fridrich was ir aller hoptmann, / er kund sy wol schicken an FrSchw
3782
MWB 1 268,12; Bearbeiter: Schnell
ane schieben
stV.
refl. ‘sich jmdm. annähern’
so wier anders nieman lieben, / so well wiͤr uns got an schieben Teichn
12,36
MWB 1 268,15; Bearbeiter: Schnell
ane schieʒen
stV.
‘jmdn. treffen, heimsuchen’
ob mich ir umbefang beschleusset / und mich ir lichter augenplick anscheusset FrlSuppl
11:209A,126;
vil manigen geistleichen man / grosse bechorunge schiessent an, / dy in ierrent das er nicht mach / seiner andacht plegen HvBurg
2654
MWB 1 268,18; Bearbeiter: Schnell
ane schiffen
swV.
1 intr. ‘in See stechen’
2 refl. ‘sich einschiffen’
3 tr. mit Akk.d.S. ‘etw. auf ein Schiff verladen’
1
intr. ‘in See stechen’
datz Aglei [in Aquileja] schift er an / mit einem tiwerlichen her / [...] und fuor die gerihte ûf dem mer Ottok
152.
48214;
da man von Zwingen schiffet an WhvÖst
1079;
Rennew
13011
2
refl. ‘sich einschiffen’
ze Misenburc der rîchen dâ schiften si sich an NibB
1377,1;
da si ir schef funden / unt schiften sich vrolich an GvJudenb
4895.
4474;
Mai
107,25
3
tr. mit Akk.d.S. ‘etw. auf ein Schiff verladen’
ê daz man aber den wein an schiffe, so sol man gemain levt dar zvͦ furen, die achten, ob meiner herren wein vnd die scheffart wol verrichtet sei UrkCorp (WMU)
1436,23
MWB 1 268,24; Bearbeiter: Schnell
ane schiften
swV.
→ ane scheften
MWB 1 268,37;
ane schilhen
swV.
auch ane schilen.
1
‘jmdn. (schielend) bösartig ansehen’
2
‘jmdn. von der Seite ansehen’ , hier übertr.
1
‘jmdn. (schielend) bösartig ansehen’
er sluͦg mime herren finfe vnd zwentzig man, / er schilte mich an mit oͮgen, do floch ich in den tan WolfdD
1729,4;
daz uns in der lesten not / chains poͤsen geistes aug anschilh Suchenw
41,701
2
‘jmdn. von der Seite ansehen’, hier übertr.:
wenn aber in [den Mond] diu sunn beseits an schilhet sô ist er niht ganz vol BdN
65,7
MWB 1 268,38; Bearbeiter: Schnell
ane schimphen
swV.
‘jmdn. verspotten’
daz vrouwe Barmeherzekeit / sô schimpet an Gerehtekeit Erlös
586
MWB 1 268,47; Bearbeiter: Schnell
aneschîn
stM.
1
‘Anblick’
2 in den Wendungen:
lâʒen, sîn, wërden
‘sichtbar, erkennbar machen, sein, werden’
1
‘Anblick’
dô vant er aines marches [Muttermal] anscîn daz er wol rekante Kchr
12766
2
in den Wendungen: ~
lâʒen, sîn, wërden
‘sichtbar, erkennbar machen, sein, werden’
der helt Gebewin / der lie des tagis anschín, / daz er gote nicht wolde entrinnen Rol
8200;
duo hiez der kunic mære / sîne listwurchære / giezen ain sûl êrîn, / sô hiute ze Rôme îst anscîn Kchr
5534;
daz er do daz alrerst liez anschin werden, war vmb er in haimlicher gehabt hete den ander sin ivnge Konr
3 W1,145;
von den puochen wirt uns anscin / welehez die siben gebe sin ArnoltSieb
6,1
MWB 1 268,50; Bearbeiter: Schnell
ane schînen
stV.
1
‘anfangen zu leuchten’
2
‘jmdn. anleuchten, bescheinen’
3
‘an jmdm. sichtbar, erkennbar sein’ (mit Dat.d.P.)
1
‘anfangen zu leuchten’
also der tach schein an [als der Tag anbrach] oͮf was der bote uon Abraham GenM
43,23
2
‘jmdn. anleuchten, bescheinen’
daz der liehten sunnen schîn / sô diemüte geruochet sîn / daz er mich volleclichen an / schînet Greg
3537
3
‘an jmdm. sichtbar, erkennbar sein’ (mit Dat.d.P.):
[er] was ein reckir herre. / vnde plach grozer erin. / daz schinit mir immir an. / her hat mer michil guot getan Roth
3724;
daz im aller sîn schade / harte lützel an schein Iw
3651;
sô stânt hie zwelf biderbe man, / den schînet zuht und alter an KvHeimUrst
464;
Mechth
3:9,47;
Hawich
310
MWB 1 268,62; Bearbeiter: Schnell
aneschouwære
stM.
‘Betrachter, Erkennender’
wan Christus, alse vil alse er ein mensche ist, [...] waz ein warre anschower gotlicher wesunge ThvASu
66,28;
die gerehten vernünftigen gewêren anschouwer gotes, die dâ niht betriegen noch gevelschen mac Eckh (Pf)
476,30
MWB 1 269,11; Bearbeiter: Schnell
aneschouwe
stF.
1
‘das Betrachten, (An-)Schauen’
2
‘Anblick, Aussehen’
1
‘das Betrachten, (An-)Schauen’
die burgere / [...] entpfiengen in [den Kaiser] do / mit vreuden anschowe Pass III
312,21;
vernemet waz uch saget der brief / an siner aneschowe Vät
36149;
[meine Gedanken] dringen mich uz der ouwe / der suzlichen ane schouwe / der ersten warheit [Gott]
Hiob
7026;
alsus geschach, / daz er ûf der Lubbouwe / zu sichtigir anschouwe / sî [die Feinde] irvolgete und irreit NvJer
12746;
in anscowe der engel [interl. zu in conspectu anglorum
]
PsM
H 92,1;
von den engeln han ich den trost / daz sy mich labenn mit dem taw / der mir chümt von Gotes anschaw Märt
2338;
Vät
28043;
Pass III
176,17
2
‘Anblick, Aussehen’
wer gesach ie crêatiure / baz gestalt [...] und so rehte schœne anschowe, / sam si ist, mîn trût, mîns herzen frowe? SM:KvL
12: 5,5;
diu rôse ist in dem touwe / ein liehte anschouwe Georg
4056;
wunder man ouch seite / von der leng und breite / ires hers anschou Ottok
42913
MWB 1 269,17; Bearbeiter: Schnell
aneschouwede
stF.
‘Betrachtung’
in der aneschouwede des almahtigen gotes so choment die heiligen engele froliche PrWack
11,38;
nieht ist got uor der anschowede sin [interl. zu non est deus in conspectu eius
]
PsM
9,26
MWB 1 269,37; Bearbeiter: Schnell
aneschouwelich
Adj.
‘kontemplativ’
also zúhent sú [die Seelen] als mit in in, in daz selbe abgrunde, in den selben minnengluͦt und in ein anschoͮwelichen wisen Tauler
102,17
MWB 1 269,42; Bearbeiter: Schnell
ane schouwen
swV. tr.
1
‘jmdn./etw. ansehen’
2
‘(Abstraktes, Göttliches) im Blick erfassen’ , meist in myst. Texten 3 nur subst. ‘Aussehen, Erscheinungsbild’
1
‘jmdn./etw. ansehen’
wenn der vogel trunken wirt von wein, sô schawet er gern junkfrawen an BdN
222,21;
[Claudas] sich schemte zu trincken vor allen den luten die yn anschauweten Lanc
57,17;
daz nie engel schœner wart / an ze schouwen KLD:UvL
39: 6,6;
HvBurg
330.
–
‘jmdn./etw. nachdenklich, prüfend betrachten’, oft mit Gott als Subj.:
unt er [Gott] anscǒwote mich JPhys
8,24;
nû geruoche dû [Gott] unsich ane scouwen Gen
2630;
wand got self wold aneschowen / siner diͤrn otmuͤdicheit MarlbRh
74,40.
– subst.:
da knúwet er nider in dem anschowene [...] des grimmen annegelens sins herren an das krúz Seuse
36,15
2
‘(Abstraktes, Göttliches) im Blick erfassen’, meist in myst. Texten:
laß uns den vater [Gott] schouwen an Mügeln
119,12;
des vuͥrs werden ich an dir [Maria] geware, / als ich din minne aneschowen MarlbRh
3,13;
eyâ, wan wæren der sêle ougen ûfgetân, daz diu verstandnisse klærlîche aneschouwete die wârheit Eckh
2:305,10.
2:443,11;
da Got sine / egine nature aneschowit Parad
122,22;
daz vläisch [...] mûse [...] die sêle ane schowen / sam ein diu [eine Magd] ir rechten frowen Erinn
197.
– subst.:
daz diu edel sêle ein vernünftic aneschouwen hâte mit dem êwigen worte Eckh
2:442,3
3
nur subst. ‘Aussehen, Erscheinungsbild’
des wart ir lieht anschouwen / ungevuoge verhouwen Wh
20,15;
liehtgevar / was ir anschouwen, brûnreit ez hâr Kreuzf
727;
ei, welch ein süeze anschouwen / ist der wunsch, ich meine ein wîp / diu tiuret werdes friundes lîp UvEtzWh
480.
5562
MWB 1 269,46; Bearbeiter: Schnell
aneschouwunge
stF.
1
‘Anschauen, Betrachten’
2
‘geistiges Betrachten, Kontemplation, Erkenntnis (des Göttlichen)’ , überwiegend in myst. Texten
1
‘Anschauen, Betrachten’
her, du lezs din knecht nu / na der anschowungen ’s suͤzen Jhesu / bit vriden van disem live scheiden MarlbRh
42,40.
53,6
2
‘geistiges Betrachten, Kontemplation, Erkenntnis (des Göttlichen)’, überwiegend in myst. Texten:
die selikeit, daz ist die anschouwunge der gotlichen wesunge, die dem menschen niht fürkomen mag in disem leben ThvASu
140,4;
daz kein mensche mit vernunft von ir eigen nâtiurlîchen maht mac komen zuo der anschouwunge der wunne sînes götlîchen antlitzes Eckh (Pf)
210,5;
du [Seele] bist ein spiegel der inwendigen anschowunge Mechth
5: 7,4;
du, himelscher vatter, [...] du bist ain spiegel der inwendigen anschawung HvNördlBrf
48,23;
Seuse
193,11;
ähnl.
Parad
134,16
MWB 1 270,14; Bearbeiter: Schnell
ane schrîben
stV.
tr.
1
‘aufschreiben’
1.1
‘etw. (Worte, Zeichen) schreiben’
1.2
‘etw. (Gedanken, Sachverhalte) schriftlich festhalten’
1.3
‘registrieren, verzeichnen, schätzen (und zur Zahlung von Steuern verpflichten)’
2
‘etw. einer Sache zuschreiben’
1
‘aufschreiben’
1.1
‘etw. (Worte, Zeichen) schreiben’
er liez ir den span nah, / do daz chruze uf was angescriben Eilh
R,3493;
Crisostomus der guͦte man / hat diese wort geschriben an HvNstGZ
6477
1.2
‘etw. (Gedanken, Sachverhalte) schriftlich festhalten’
swas div welt geschæftes hat, das sol man haissen schriben an, das man her nach gedenk dar an UrkCorp (WMU)
N371,42;
ein schrîber ouch bî mir beleip / der mîn zerung ane schreip RvEGer
1188;
so screib er die betrahtunge an und tet daz ze tútsche Seuse
197,10;
sitzet, her schrîbær, / schrîbet daz grôze wandel an! Helbl
2,559.
– mit Akk.d.P. ‘über jmdn. berichten’, hier: ‘anprangern’
vil lîeber schrîbære, / schrîp den selben nascher an Helbl
2,1005;
Neidhc
89:5,9
1.3
‘registrieren, verzeichnen, schätzen (und zur Zahlung von Steuern verpflichten)’
– mit Akk.d.P.:
dy gefangen wurden an geschriben, / die da lebendig waren pliben: / sibenzehen tausent oder me HvNstAp
3298;
si wurden auch geschriben an / di er mit im [auf die Fahrt] solte han ebd.
13589;
do tet er [der Bergmeister, der die Grubenrechte vergibt] als ein frumer man / und hiez mich zehant schriben an ErzIII
56,70.
– mit Akk.d.S.:
der [Kaiser] waz so geweltich, daz er alle die werlt hiez an schriben, daz si den romærn ein zins gæben PrOberalt
16,37.
169,14.
17,19;
waz bezeichente daz, daz do in siner [Christi] gebvrte ælliv div lant an geschriben waren? Spec
24,10
2
‘etw. einer Sache zuschreiben’
der mensche [...] solt es siner kleinheit und snoͤdekeit an schriben, das man in dar umbe alsus locken und reissen muͤsse Tauler
248,21.
– Zu ane schrîben in Aufforderungssätzen →
ane
Adv., Präp. 1.1
MWB 1 270,30; Bearbeiter: Schnell
aneschrîbunge
stF.
‘(Titel-)Überschrift’ (hier: eines Liedes):
an des brieves anescribunge [interl. zu in tituli inscriptione
]
PsWindb
56,1;
so auch
ebd.
58,1
MWB 1 271,1; Bearbeiter: Schnell |