Antipodes
Subst. (Pl.)
‘Antipoden’ (vgl. Hamm, Lucid., S. 180-182):
waz sprichest du von den lúten, die da heizent antipedes? der meister sprach: die erde ist rehte enbor, so sint die antipedes vnder vns vnde hant die fuͦze engegen vns gekeret. Lucid
45,8.
– als Ländername:
der getwerge künec Bîlêî / und sîn bruoder Brîans genant: / Antipodes hiez ir lant Er
2089
MWB 1 324,33; Bearbeiter: Schnell
antiste
swM.
‘Prälat’ (aus lat. antistes):
daz er ze Lunders zEngelant / ein concîlje leite / und dâ der pfafheite, / den witzegen antisten, / die gotes reht wol wisten, / sînen werren tæte kunt Tr
15305;
die wisen antisten / in den glauben predigten WhvÖst
18410;
alrerst begunden regen / sich die werden cristen: / layen und antisten, / kuͤnge, fuͤrsten, graven wert ebd.
17778
MWB 1 324,41; Bearbeiter: Schnell
antlâʒ
stM.
‘Ablass, Sündenerlass, Vergebung’ nur in relig. Kontext (vgl. abelâʒ):
mit den wortin sprechen wir iu antlaz. / in der warheit sage wir íu daz: / uor gote birt ir inbunten / uon allin werltlichen sunden Rol
3929;
wir sculn iz ê beruogen, vil wârlîchen beriuwen, / mit wârer buozze chomen zantlâzze Gen
570;
der hêilige schâchare gêrte antlazs an dem crv̂ce vnde wart sin gewêrt Spec
9,33;
daz wir immer sunde miden / und immer buze liden: / so wirt uns antlaz gigeben / und darnach daz ewige leben StrKD
107,81;
si [Maria] ist ein antlâz den riuwigen TrudHL
40,29;
Lucid
115,13;
BdN
217,26
MWB 1 324,49; Bearbeiter: Schnell
antlâʒære
stM.
‘jmd., der Ablass gewährt’
gib uns von obene antlazer antlaz [interl. zu effunde nobis desuper remissor indulgentiam
]
PsM
H 53,6
MWB 1 324,62; Bearbeiter: Schnell
antlæʒec
Adj.
‘sühnbar, lässlich’ (von Sünden im Ggs. zu Todsünden):
die fünf lüge sint tœtliche sünde. die drîe sint antlæzic PrBerth
1:285,26;
ez wirt antlezziger dem lande Sodomorum vnd Gomorreorum in dem tage des vrteiles wan diser stat EvAug
20,19;
daz dem armen sundære / diu burde wirt berch mæzzich / und wirt nimmer antlæzzich StrKD
129,218;
ist aber di schuld antlazzich, so schol di puezz darnach sein genaedich mier UrkKrems
38
(a. 1347)
MWB 1 325,1; Bearbeiter: Schnell
antlâʒen
swV.
‘jmdm. (die Sünden) vergeben, Ablass erteilen’
helt, nu antlaze du mir, / daz min sele icht prinne! Rol
6481;
antlazzit alle ain andir, ôb ir wârn antlaz uon gote hiute welt gewinnin Spec
53,16;
mit dienste si sich flizzen, / daz si in [ihnen] der unmâze / geruochte antlâzen Wernh
3690;
ir schulde si veriahen / unde baten in got antlazen Serv
2321;
barmherce [...] uerlihes, geantlazzest [interl. zu indulgeas
]
PsWindb
122,Oratio
MWB 1 325,11; Bearbeiter: Schnell
antlæʒlich
Adj.
‘sühnbar, lässlich’ (von Sünden im Ggs. zu Todsünden):
einlef pôtin, die wârn rein uor allin hoͮpthaftin suntin unde wârn iedoch niht alzogis âne sunte antlazliche Spec
52,27;
antlazliche sunte, der niemen in dirre werlt ane ist ebd.
90,16
MWB 1 325,20; Bearbeiter: Schnell
antlâʒnaht
stF.
‘Vorabend des Gründonnerstags’
von rehter minne seins güetigen hertzen gab er an der heilgen antlaznaht sein jungern sein heilgen leichnam AdelhLangm
63,1.
91,24
MWB 1 325,26; Bearbeiter: Schnell
antlâʒtac
stM.
‘Gründonnerstag, Ablasstag’
daz bezeichenet den antlaz tach. do uns got sin fleisk unde sin blut gab VMos
57,2;
PrSchw
1,12;
mit den worten trôste sie der herre an dem antlâztage nâch dem âbentezzen Eckh (Pf)
245,23;
aber dort am antlass tag / so hat got gar vil zeschaffen / mit den andern layn und pfaffen Teichn
636,32;
des babbes pann, den er jerlich chundet an dem antlaztage UrkCorp (WMU)
879Sa,17;
an dem antlasse tage in der marter wochen ebd.
421,26;
Konr
9,47
MWB 1 325,30; Bearbeiter: Schnell
antlâʒwoche
swF.
‘Karwoche’
und in der antlass wochen dann, / wann ander lewt, frawn und man / arm und reich ze kirchen gingen / und die heilikait enpfingen Teichn
636,17.
388,77
MWB 1 325,41; Bearbeiter: Schnell
antlitze, antlütte
stN.
1
‘Gesicht’
2 übertr. ‘Vorderseite, Bildseite’
3
‘Anblick, Gegenwart’
4
‘Gestalt’
1
‘Gesicht’
der munt und diu nase und diu ougen und alliu diu gestaltnisse des antlites Eckh
1:266,5;
wil dû daz antluze unmâze scône machen, sô nim einer eselinne milch Barth
137,13;
an libe vnde an antlitze Herb
3179;
ir antlütze unde ir schœniu lîch Iw
1669;
si nam sîn antlüte in ir hende wîz / und truchte ez an ir munt SM:Had
4: 1,5;
wer gar ain sinwel antlütz hât, der ist ain tôr BdN
46,21;
[er] kêret den rücke der menscheit und daz antlitze ze gote Eckh
5: 112,5.
– in der Wendung von ~ ze ~
‘von Angesicht zu Angesicht’
dort wirt man in sehende von antlútze ze antlúze DvAStaff
491;
do die seligen die gotheit sehent uon antluze ze antlúze Lucid
123,14;
und sæhe die ane von antlitze ze antlitze Eckh
5: 16,7.
–
ein schin Godis der da irluchtit daz antlitze der sele Parad
24,16.
51,32;
der innewendige wille: des antlitze ist allezit zu Gode gekart ebd.
79,16;
so besihe ich das antlitze miner sele in dem spiegel miner súnden Mechth
7: 21,5.
–
‘Miene’
der pabis schiere antwurte / mit schoneme antlietze TrSilv
784;
er het ein froelîch antlütze LvRegFr
3171
2
übertr. ‘Vorderseite, Bildseite’
als der buͦchstab und das antlútz des insigels schinet in dem wahs, swenn es wol dar in wirt gedruket PrGeorg
17,35;
die da stunden mit witzen / kein [gegen] der sule antlitzen [Bildseite des Götzenbildes]
Daniel
1200;
daz der môn an den stucken dicker ist an seinem antlütz wann an andern enden BdN
65,24
3
‘Anblick, Gegenwart’
herre dv salt mih gesaten / mit din selbis antlize. / andirs ware uns unnvzze / alliz himelisches lon Litan
37;
chindelin, div vntauft von hinnan schæident, div mvzzen gotes antlutz enbern PrBerthKl
3,44;
damit habent si gewunnen / daz si gotes antlutze sehent / unt iemir frolichen lebent Rol
5131;
gar in unsers herzen gir / suche wir din antlitze Daniel
1413;
darumbe habent mich dine viende verworfen von irem antlúze als einen toten Mechth
5: 21,5.
–
daz ir iegelichez gê uor simme antluzze Spec
121,21.
121,23;
zv der genozzeschefte der heiligen engel fuͤr das antluz des almehtigen gotes chomen Konr
19,6;
er werde schiere nû besant / für mîn antlitze her KvWHvK
181;
dar nach solden sie in gen, / vor des kunges antlitze sten Daniel
178;
an sin aͤntlúte si sich bot RvEWh
4820
4
‘Gestalt’
daz er den mennisk sach verlornen, den er e gebildet hete nah sin selbes antlvtze Spec
22,8;
sin gotlih gewalt / nah sinim antlútze gestalt / ein menschin mahte RvEWchr
222;
da vor sach der gute Johan / Crist in den luchteren stan / glich menschlichen antlitzen HeslApk
7769
MWB 1 325,45; Bearbeiter: Diehl
antlitzen
swV.
Part. Prät.:
wan swâ die hûsgenôze sint / gantlützet [haben ein Gesicht, Aussehen] alse der tûben kint Tr
15094
MWB 1 326,33; Bearbeiter: Diehl
Antônjer
stM.
Angehöriger des Antoniusordens (Bruderschaft mit Schwerpunkt in der Krankenpflege, vgl. LexMA 1,734f.):
sô tuot mir ein Antônier / mêr genâden, swenne er kumt her, / ob sîn heilictuom mich bestrîchet / daz etlich siuche mir denne entwîchet Renner
5275;
uf irme huͦs [...] in der Anthonier gassen UrkFrankf
2,347
(a. 1333)
MWB 1 326,36; Bearbeiter: Diehl
ant|ouge
stF.
allez daz herie / der heiliger engele, / die in godes andouge [vor Gottes Antlitz] / stent von aneginne MarldA
92
MWB 1 326,43; Bearbeiter: Diehl
antphange
Subst.
→
2antvanc
MWB 1 326,46;
antræchec
Adj.
‘eifersüchtig’
[der Abt] sol niht sin [...] antrechich [
zelotypus
]
BrAdm
64
MWB 1 326,47; Bearbeiter: Diehl
antrax
M.
auch attraxate.
‘Karfunkel’
von dem carbunkelstain. carbunculus ist der edlist under allen stainen und hât aller stain kreft [...] und haizt der stain kriechisch antrax BdN
437,23;
ûf dem buckelhûse stuont / ein stein, des namn tuon ich iu kuont; / antrax dort genennet, karfunkel hie bekennet Parz
741,13;
Wh
377,1;
sin helme ist erziuget [...] uz einem stein, der heizet attraxate / [...] ein der beste / under allen steinen JTit
3013,2
MWB 1 326,49; Bearbeiter: Diehl
antreche
swM.
‘Enterich’
doch dunket sich manic man gar wîse, / der als ein antreche ûf einem îse / swanzieren vor tummen liuten gât Renner
2114;
die antreichen sint sô unkäusch BdN
169,18
MWB 1 326,58; Bearbeiter: Diehl
antreitære
stM.
‘jmd., der ordnet’
waz mage wir dannen sagen? / nihwan daz du, herro got, antreitære dere dinge, / ein herlich wunter bist Himmelr
5,23
MWB 1 326,62; Bearbeiter: Diehl
antreite
stFN.
‘Ordnung, Anordnung, Reihenfolge’ (überw. in frühmhd. relig. Texten, oft zur Übers. von lat. ordo):
si nemen alle sunderlichiv bvͦc von der buͦckamer div nah antraiti ganzlic si lesin [
per ordinem ex integro
]
BrZw
48
u.ö.;
da stet inne diu scone phalenze hohe inbor; / da umbe in glichere antreite zwelf turne Himmelr
3,17;
so si [die Ameisen] uz ir neste gent so gent si alle in antreite JPhys
17,3;
die wîte und die lenge, / die kürze und die enge / die hœhe, tiefe und breite: / daz hât dîn antreite / gemezzen und gerihtet, / geordent und getihtet Georg
5130;
vgl.
Wh
1,30;
waz die manige antreite sin, die 28v wir degeliche sehint Lucid
69,5;
(vgl.
waz die ordinunge betúte, die wir degelich begant ebd.
77,9)
–
dô garte sich der bâbes / in dem munster sancte Pêters / mit allem sînem antraite [dem, was der Ordnung nach dazu gehörte]
Kchr
7974;
TrSilv
327;
den himil, daran die sternnen stant / und ir antreite [festgelegten Weg] umbe gant RvEWchr
12551
MWB 1 327,1; Bearbeiter: Diehl
antreiten
swV.
‘etw. ordnen, zurechtmachen, bereiten’
dich minnent unde erent [...] driu riche, / [...], / dei du zeches unde antreites, enges und breites, als du wil Himmelr
2,7;
zwo hosen er an leite, / di waren gantraitet / uon golde unt uon berelen Rol
3320.
2723;
der sî oͮch îe antrâitente [in Einklang bringend] siniv chôse ze gotis urteile Spec
89,2.
– mit Ersparung des Obj.:
an dir, ewige vater, stet der gewalt. / dine werc, di sint manicfalt. / du scaffis vnde antredis Litan
43;
von angenge dirre werlde was unser herre antreitente, do er den armen mennesscen gescoͮf Spec
148,31.
– mit Dat.d.P.:
den trost den du, herre, gordnet unde gantreit hast [
quod parasti
] aller dirre welte Konr(Sch)
28,15;
do ladet unsern herren ain richer man ze huse unde hete im ain vil groze wirtscaft gantreit ebd.
198,35.
217,29
MWB 1 327,21; Bearbeiter: Diehl
antreitunge
stF.
‘Anordnung’
do [...] diu antreitunge des almehtigen gotis ervollet wart PrMill
525
MWB 1 327,38; Bearbeiter: Diehl
antrodrâgmâ
Subst.
ein silberglänzender Edelstein (vgl. andromant):
antrodrâgmâ Parz
791,8;
andromanda, oder androdragma [...] ist ain stain, der ist silbervar und ist gar hert, sam der adamas BdN
436,3
MWB 1 327,41; Bearbeiter: Diehl
antsage
stF.
‘Absage, Entschuldigung’ (nur in frühmhd. relig. Texten, vgl. antsegede):
duo die boten gisageten welich antsegi si habiten, / er hiez si nieht erwinten Gen
2913;
da muzen si gehirmen [ablassen] , / die hie ir antsage / mit ir spæhlichen rede / da vure bietent SüklV
604;
niht geneige herce min in wort der ubele ze unschuldigen die antsage [interl. zu ad excusandas excusationes
] mit suͦnten PsM
140,4
MWB 1 327,46; Bearbeiter: Diehl
antsæʒe
Adj.
‘furchterregend, wild’
der eine [Hund] was antlæze [l. antsæze
] / und vil harte ræze, / der ander senfte unde grôz / unde aller frevel blôz Hund
11
MWB 1 327,55; Bearbeiter: Diehl |