ane vangen, ane vengen
swV.
1
‘beginnen’
2 in Rechtstexten; durch Handanlegung ein (gestohlenes) Tier, ein Gut als Eigentum beanspruchen ( vgl. anevanc 2.1 )
1
‘beginnen’
– tr.:
dô selbest Christ den tac anvengte JvFrst
1357;
davon solt man venngen an / guete werch in kraft der jugent Teichn
657,68;
e er an gefenget / sin lere HvNstGZ
5506.
– refl.:
[der tag] der zû vesperzît anvengte sich JvFrst
1368
2
in Rechtstexten; durch Handanlegung ein (gestohlenes) Tier, ein Gut als Eigentum beanspruchen ( vgl. anevanc 2.1):
welch man anvangen wil eine ku, der muz ouch sinen vurvanc geben unde muz si brengen vor di vir benke und spreche also: her richter, di ku wart mir abegeroubit StRFreiberg
93,29;
swelch man anvangen wil ein gewant, einen roc oder mantel [...] oder waz iz ist, der muz iz ouch brengen vor di vir benke [...] unde muz sprechen also: her richter, daz gewant [...] wart mir abegestoln ebd.
94,28;
KlKsr(M)
2,24.
– Part. Prät.: angevengt/angevangt in
StRBrünn
397;
aber gianivangit in
Mühlh
120,22.
MWB 1 298,14; Bearbeiterin: Baumgarte
ane varn
stV.
1
‘angreifen’
2 in Rechtstexten: ‘Besitz antreten’
1
‘angreifen’
sô varnt si die an mit den scharpfen kræueln irr grimmikait BdN
173,19;
daz si [die Seeleute] von deme suͦzzen sange. intslafent. so varant siu dei tîer [Sirenen] ane. unt zebrechent sie. ê sirwachen JPhys
5,10;
das es die túfel wol bewaren, das si die sele iemer angevaren Mechth
3: 21,112;
Renner
5367
2
in Rechtstexten: ‘Besitz antreten’
vnd sol [...] dieselben güter anfaren und geruweliche besizen, nutzen und niessen UrkEls
2,140
(a. 1329);
weitere Belege DRW 1,618
MWB 1 298,33; Bearbeiterin: Baumgarte
anevart
stF.
‘Angriff’
wol behuot / gegen der vînde anevart LvRegSyon
145;
da mit sie jne wolt fristen / vor aller freise anfart Krone
23244;
daz unser lîp mit deme heiligem lichename gevestinit wirt wider des tiefils anevart [Nachstellung]
Spec
49,27
u.ö.
MWB 1 298,44; Bearbeiterin: Baumgarte
anevarten
swV.
‘etw. vor Gericht beanspruchen’
es enmag nieman enhein ding geanevarton, swie ez jme genomen ist, nuwon er behabe mit seinem eide, daz es jme verstoln si UrkCorp
248AB,43,12
MWB 1 298,50; Bearbeiter: Diehl
ane vêheden
swV.
‘jmdn. bekämpfen’
[er] begond sî offinbâr / vêdin unde vechtin an NvJer
8730
MWB 1 298,54; Bearbeiter: Diehl
ane vêhen
swV.
‘jmdn. bekämpfen’
ich gæbe niht ein kicher, / swie vil man mich mit reht / an wîget oder an vêht Ottok
32529
MWB 1 298,56; Bearbeiter: Diehl
anevëhtære
stM.
‘Angreifer, Feind’, im relig. Kontext auch ‘Versucher’
der strit wirt zwuschen der brut / und iren leidigen anevechteren Brun
10770;
Diocletiânus und Maximiânus [...] di wôren anvechtêre der kristenheit HvFritzlHl
22,3.
175,8;
kegen alle die anevechtere des Cholmeschen landes HandfKulm
141;
daz sie sich schirment wider ir betruͦber und anvechter MGHConst
8:413,4
(a. 1347)
MWB 1 298,59; Bearbeiter: Diehl
anevëhte
swF.
‘Anfechtung’
do magstu dich vil wol pewaren / vor anfechten und vor inzicht HvNstAp
2798;
daz ist die welt, die nummer ist / aen große anfechten Pilgerf
11841
MWB 1 299,4; Bearbeiter: Diehl
ane vëhten
stV.
‘jmdn./etw. bedrängen’
1 mit (Waffen-)Gewalt ‘jmdn./etw. angreifen’
2
‘jmdn./etw. anfechten, bedrücken’ , im relig. Kontext auch ‘versuchen’
3
‘etw. bestreiten, anfechten’ (auch im rechtl. Kontext)
1
mit (Waffen-)Gewalt ‘jmdn./etw. angreifen’
wir suln si ane vehten. / di mûre sule wir brechen SAlex
6978;
sî vâhtens bêdenthalben an, / hie der lewe, dort der man Iw
5405.
6785;
[sie] liddin dô vil swinde / nôt und anevechtin grôz / von der vîende widdirstôz NvJer
20106.
– subst.:
wan sô die edeln vogel der krâen anvehten und ir zuoschiezen lang vertragent BdN
178,1.
– jmdm. den sic
~
‘jmdm. den Sieg abgewinnen, streitig machen’
Alexander faht ime den sige ane, / er fûrte die corône mit im dane VAlex
385;
ir son mit sime here / siner mvter sige ane uacht Herb
17414.
14894.
14924
2
‘jmdn./etw. anfechten, bedrücken’, im relig. Kontext auch ‘versuchen’
swaz dich an vehti von untugenden, daz vertrip mit tugenden! PrGeorg
241,4;
ich nehan necheine craft / wider die mich herehaft / ane vehtent tegelichen SüklV
802;
der tieuel uihtet uns ane tages unde nahtes Spec
113,25;
die wegemüeden recken ir sorge si an vaht NibB
1818,2;
der predier orden wart sere angevohten von valschen meistern, dar zuͦ von manigem girigem súnder Mechth
4: 27,3;
ich haen aen vechten groiß van mynnen MinneR 336
31;
ez ist ain erznei etleicher töbichait, die die läut anvehtent [befallen]
BdN
328,9
3
‘etw. bestreiten, anfechten’ (auch im rechtl. Kontext):
es ist auch ein hochffart der vngelertten philosopheier vnd auch ir nachuolger, die mit jrm synn die rechtten warhait vnder varent vnd anuechttent, das ist die heiligen schrifftt anuechtent SchlierbAT(LS)
1,54;
swâ si die kraft ir brieve brechen, / und er sich sô überdâht, / daz er sîn selbes brief an vaht Ottok
71587;
KvMSph
38,3;
[am Teufel] ist aller der rat / der sich zu ubele pflihtet, / das das reht an vihtet Lutwin
378
MWB 1 299,8; Bearbeiter: Diehl
anevëhtigunge
stF.
‘Bedrängnis, Anfechtung’
sein hawsfraw [...], dy er genomen hett mer, das sy im wär ain gesellin seins lebens denn durch seins leibs anvechtigüng Schachzb
48,145;
ein laiswester [...] het vil gar die anvehtigung, daz sie auz dem orden wolt EbnerChrist
26,1;
twancksal, beswërnüs und anvechtigung UrkIndersd
65
(a. 1333)
MWB 1 299,44; Bearbeiter: Diehl
anevëhtlich
Adj.
‘auf Anfechtung zielend’
so hat mich der gute Got / [...] / also bewart daz mich ie / der tuvel underwegen lie / mit anvechtlichem campfe Vät
35119
MWB 1 299,52; Bearbeiter: Diehl
anevëhtunge
stswF.
1
‘Bedrängnis, Not’
2 im relig. Kontext (häufig) ‘Anfechtung, Versuchung’
3 im rechtl. Kontext âne ~
‘unbestritten, ohne Einspruch’
1
‘Bedrängnis, Not’
waz anvechtunge unde vâr, / waz kummers, waz gebrechin swâr / dî brûdre [...] liddin NvJer
11323;
dat de nature mangherhande anvechtunge hat von magerleyge suke OvBaierl
63,11;
ain erznei den, die anvehtung habent von den pœsen gaisten BdN
269,33
2
im relig. Kontext (häufig) ‘Anfechtung, Versuchung’
daz er [...] beschetwet werde wider die anvehtun der bekorunge [
contra tentationem impulsus
]
ThvASu
208,23;
daz ist flaischlichú girde und flaischlichú anvehttung PrGeorg
301,22;
swer dekain anvehtung hât von des túfels raͤten ebd.
76,35;
daz er bereit ist ze enpfâhenne alle anvehtunge, bekorunge, widermüete und leit lîden williclîche und gerne Eckh
5: 112,14;
das man pinevol si in súchede, in wetagen, in anvehtunge und in manigem herzeliden Mechth
7: 65,4;
Seuse
61,7
u.ö.;
da uon so mag si kainer anvechtung widerstaͮn mit aigner kraft Gnadenl
1,535
u.ö.
3
im rechtl. Kontext âne ~
‘unbestritten, ohne Einspruch’
daz daz vor genante kloster [...] vor vns [...] an allen kriec vnde an alle anevehtvnge ewicliche belibe UrkCorp (WMU)
2665,19;
an alle anvechtunge fri und an alle ansproche DRW
1,627
(GlatzRQ.; a. 1344)
MWB 1 299,56; Bearbeiter: Diehl
ane veilen
swV.
‘jmdm. etw. (zum Kauf) anbieten’
daz ich [...] minem herren [...] min purch Diernstain [...] angeuailt han ze chouffen UrkCorp (WMU)
3509,29;
so ward nye chain dinch so zart / als der himel werden chan. / den vailt uns got umb di sunt an Teichn
220,10
MWB 1 300,17; Bearbeiter: Diehl
anevelle
stN.
dem Lehnsherren zufallende Nutzung aus einem vorübergehend freien Lehen (vgl. anegevelle):
das ir enheines kint mit enheinem anevælle besweret sol werden, wan das es sinú lehen haben sol friliche UrkFürstenb
1,287
(a. 1284)
MWB 1 300,23; Bearbeiter: Diehl
anevellec
Adj.
1
‘plötzlich auftretend’
2
‘hinfällig, krank’
1
‘plötzlich auftretend’
würhte diu natûre âne zît, so enhæte si niht anvellige gebresten Eckh
2:396,6;
Eckh (Pf)
327,27
2
‘hinfällig, krank’
allez, daz anvellic ist, daz sol ich gesunt machen Eckh
1:117,3
MWB 1 300,28; Bearbeiter: Diehl
anevengære
stM.
‘jmd., der (etw.) anfängt’, hier: ‘Anstifter’
als si [die Juden] vromten mit irm rât / Christi marter und den tôt. / des wâren si anevengêre, / zûschûndêre und helfêre JvFrst
11019
MWB 1 300,33; Bearbeiterin: Baumgarte
anevenge
stN.
‘Anfang’
der âne breite und âne lenge, / ân end ist und ân anegenge [La. anevenge
]
LvRegSyon
2;
dar nach teilen si islichen gradum in dri vnde heizen daz erste teil daz anvenge, daz ander di mitter, daz dritte daz ende SalArz
7,3
MWB 1 300,37; Bearbeiterin: Baumgarte
anevengec
Adj.
‘beginnend’
[Adam] lebindin geist empfie, anevengic lebin und lebindin lip RvEWchr
225;
jn dem nomen gotes sint ellev gvͤtev dinch anvennich UrkCorp (WMU)
801,25
MWB 1 300,42; Bearbeiterin: Baumgarte
ane vengen
swV.
→ ane vangen
MWB 1 300,46;
anevengunge
stF.
durch Handanlegung begonnene Klage um (gestohlenes) Gut, ‘Anfangsverfahren’ (vgl. anevanc 2):
von anvengung der ros StRBrünn
397
MWB 1 300,47; Bearbeiterin: Baumgarte
ane verdienen
swV.
‘etw. von jmdm. (durch Dienst) erlangen’
[er] dienet wiben uf den wan, / ob sin lip ir einer kan / verdienen an ir minne UvLFrb
1795;
UvLFrd
475,28;
sô wil ich ir daz an verdienen, / daz si mir diser schulde / müeze geben ir hulde Ottok
44462;
ich verdien daz mînem herren an / daz er iu geb sîn hulde / umb alle iuwer schulde EnikFb
3588;
waz ob er ir an verdienet, daz si noch wirdet vrô NibC
1125,2
MWB 1 300,51; Bearbeiter: Diehl
ane vergân
V.
‘etw. unternehmen, in Angriff nehmen’
swaz dû mich haizest an vergân des pin ich dir gerne gehôrsam Kchr
13195;
und enkêre niender ûz dem wege, / sunder dû dih versinnest unde verstâst, / waz dû an gegangen [La. an vergangen
] hâst ebd.
3966
u.ö.
MWB 1 300,60; Bearbeiter: Diehl
ane verlâʒen
stV.
1
‘etw. am Körper lassen’ (vgl. verlâʒen
‘zurücklassen’ ) 2
‘etw. in Bewegung setzen, antreiben’ (vgl. verlâʒen
‘loslassen’ )
1
‘etw. am Körper lassen’ (vgl. verlâʒen
‘zurücklassen’):
und wâren ir [...] / die hende gebunden, / ir cleider von ir getân / und niuwan ir hemde an verlân Iw
5154
2
‘etw. in Bewegung setzen, antreiben’ (vgl. verlâʒen
‘loslassen’):
nune wart der strît niht mê gespart: / diu ros wurden an verlân / dô liezen si zesamene gân / die kristen hin, die heiden her StrKarl
7309
MWB 1 301,1; Bearbeiter: Diehl
ane versuochen
swV.
(mit doppeltem Akk.) ‘etw. mit jmdm. versuchen’
nû [...] iz der christenhaite nôtturft ist, / versuochen wirz [die Wiedererweckung eines toten Stiers durch Papst Silvester] in inneclîchen an Kchr
10170.
– bedingt durch verderbte lat. Vorlage textkritisch problematisch:
Schachzb
106,85
MWB 1 301,9; Bearbeiter: Diehl
anevertecheit
stF.
‘Angriff’
alsus sall man in heysschen [vorladen] den hantdedigen [...] ind dye an der anverdicheit mit geweist haint UrkKöln
1,182
(a. 1324)
MWB 1 301,16; Bearbeiter: Diehl |